Problemkind "Game"-Film

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Wie Kino-Adaptionen von Comics sind auch die Verfilmungen von Videospielen meist Projekte, denen die Fans mit größter Skepsis gegenüberstehen. Oft verlassen sich die Macher einfach auf den zugkräftigen Titel des Games, ohne zu versuchen, das Spielgefühl auf die große Leinwand zu transportieren. Mit ‚Resident Evil‘ hat sich nun ein deutsches Produzenten-Team, Bernd Eichinger mit Constantin-Film, daran gemacht, diesen Missstand auszubügeln. Ob es ihnen gelungen ist? Dazu später, wenden wir uns erst einmal den Anfängen der Game-Umsetzungen zu:

9 Jahre nach der ersten Videospiel-Adaption erscheint nun 'Resident Evil'.

Den Anfang machte 1993 die Gallionsfigur von Nintendo: ‚Super Mario Bros. – Der Film‘ (Regie Annabel Jankel und Rocky Morton) – passend besetzt mit Bob Hoskins in der Titelrolle. Das war aber leider schon der einzige positive Aspekt. Hatte der Film für sich gesehen einen gewissen Unterhaltungswert, so vermissten Fans der Mario-Serie die farbenfrohe Aufmachung und die fröhliche Atmosphäre des Spiels. Sie wurde durch düstere Kulissen ersetzt. Auch die Story war durch wirre Elemente unnötig aufgeplustert, anstatt zu dem trashigen Plot der Klempner-Saga zu stehen.

Im selben Jahr machte sich der japanische Musikclip-Profi James Yukich daran, das Prügelspiel ‚Double Dragon‘ zu verfilmen. Auch hier war aus der Story wenig herauszuholen. Der Japaner glich diesen Nachteil aber nicht aus, so dass er sich rühmen darf, die bisher schlechteste Umsetzung abgeliefert zu haben. Die Schauspieler sind auf dem Niveau einer Seifenoper, die Effekte äußerst dürftig, und die Kampfchoreographie – es handelt sich immerhin um einen Fantasy/Martial-Arts-Film – war ebenfalls minderwertig. Trash der übelsten Sorte also.

Van Damme war der Aufhänger - nicht das Spiel.

Etwas besser stellte sich da 1994 Steven E. de Souza, mit seiner Version von ‚Streetfighter – Die entscheidende Schlacht ‚ an. Wenigstens bekam man hier mit Jean-Claude Van Damme in der Rolle des Colonel William F. Guile ein maßgeschneidertes Kampfsportass zu sehen. Auch Kylie Minogue war nett anzusehen. Das Hauptproblem dieses Actionfilms lag aber ebenfalls an den falsch gesetzten Prioritäten des Drehbuchautors und des Regisseurs: Während im Spiel, mit Ausnahme des Hauptbösewichts Mr. Bison, jeder Charakter etwa gleichwertig ist, werden im Film einige Charaktere mit wenigen Sekunden, wenn sie Glück haben Minuten, abgehandelt. Nur Jean-Claude ist regelmäßig zu sehen. Abgesehen davon wird erstaunlich wenig mit Körper-, denn mit Waffenkraft gekämpft. Wenn man bedenkt dass im Spiel nie eine Feuerwaffe zum Einsatz kommt, drängt sich hier der starke Verdacht auf, dass man lediglich einen Van-Damme-Film machen wollte – und keine vernünftige Adaption eines Videospiels.

Nicht blutig, aber gut choreographiert: Die Kämpfe in 'Mortal Kombat'.

1995 versuchte sich dann Paul Thomas Anderson an dem wohl berühmt-berüchtigsten Videospiel nach „Doom“: Die ‚Mortal Kombat‘-Serie. Da wurden Fans natürlich hellhörig – das blutigste Kampfsportspiel sollte auf Zellulid gebannt werden. Die große Enttäuschung kam erst auf, nachdem die Altersfreigabe bekannt wurde – FSK 16. Die kultigen Finishing Moves des Spieles fehlten dadurch natürlich weitestgehend. Dafür hat man sich wenigstens auf viele Kämpfe konzentriert, die durchwegs gut durchchoreographiert sind. Und Christopher Lambert als Raiden war auch eine nette Überraschung. Insgesamt mit Abstrichen eine der werkgetreuesten Verfilmungen also.

Teenie-, statt Kultstars.

Danach wurde es erst mal still auf diesem Sektor. Die vielen Flops schreckten Geldgeber von einer Finanzierung ab und Fans wussten sowieso, dass sie wohl noch Jahre auf ein zufriedenstellendes Ergebnis warten müssen.

Alle Bilder und Videos zu Resident Evil: The Final Chapter

1999 war dann die ‚Wing Commander‘-Reihe dran. Während der dritte und vierte Teil der Saga auf dem PC in Sachen Technik und Filmsequenzen neue Maßstäbe setzte, war das Ergebnis auf der Leinwand eher lachhaft. Das Hauptmanko lag in der, verglichen mit dem Game, wenig kultigen Besetzung. Statt Mark Hamill, John Rhys-Davies oder auch Malcolm McDowell bekam man Teeniestars wie Freddie Prinze jr. oder auch Matthew Lillard zu sehen. Die Ausserirdischen, Kilrathi genannt, sahen auf dem PC noch ganz gut aus, bei der Leinwandadaption hat man sich aber gehörig im Design vergriffen. Und das, obwohl sowohl für die Computer, als auch die Kinoversion derselbe Regisseur verantworlich war: Chris Roberts.

Zu viel Sci-Fi, zu wenig Fantasy.

2001 sollte ‚Final Fantasy – Die Mächte in Dir‘, das momentan wohl beliebteste Rollenspiel von Square, die lange Durststrecke beenden. Mit einem riesigen Budget von über 100 Millionen Dollar schuf man einen technisch nahezu perfekten, computeranimierten Film, der neue Maßstäbe in Sachen Animation setzte. Die Handlung sollte auch kein Problem darstellen, denn die Final-Fantasy-Serie bietet im Grunde genügend Stoff für eine epische Story. Leider trimmten die Macher den Film auf Massenkompatibilität. Und da Sci-Fi damals besser ankam als Fantasy, hat man die Story kurzerhand minder erfolgreich in ein anderes Genre transportiert. Auch die Charaktere haben wenig mit denen aus dem Spiel gemeinsam, sondern sind zum größten Teil Kopien von Klischee-Charakteren aus diversen Hollywoodkrachern. Die Produktion hätte die Studios beinahe in den Ruin getrieben, da er im Kino gerade einmal ein Drittel der Kosten wieder reinholte.

Ohne Angelina Jolie wäre der Film noch um einiges schlechter gewesen.

Im selben Jahr durfte sich Action-Regisseur Simon West rühmen, die bisher einzige Computerspielumsetzung gedreht zu haben, die nicht gefloppt ist – ‚Lara Croft: Tomb Raider‘. Dies lag vor allem an dem ganzen Hype, der schon lange im Voraus um Angelina Jolie gemacht wurde. Es fehlt etwas die Atmosphäre und Spannung der Games. Verglichen mit den ‚Indiana Jones‘-Teilen – der Vergleich drängt sich förmlich auf, da Lara ja nichts anderes als die weibliche Kopie von Indy ist – fehlte auch der Humor und das Flair eines Abenteuerklassikers. Abgesehen davon aber ein passabler Spaß.

Dieses Jahr versucht nun zum ersten Mal ein deutsches Produktionsteam ein kultiges Game auf die große Leinwand zu zaubern. Die ‚Resident Evil‘-Serie ist äußerst brutal, bietet gleichzeitig aber auch Gänsehautatmosphäre und eine Story, die mit einigen Überraschungen aufwarten kann.

Auf Zombiejagd: Milla Jovovich.

Aus Angst vor Indizierung engagierte man aber leider nicht Kultzombie-Filmer George A. Romero, der die Spielemacher entscheidend bei dem Design beeinflusst hat, sondern Paul Thomas Anderson. Dieser setzte, wie bereits erwähnt, schon einmal ein Videospiel mäßig um. Diesmal ging es leider ziemlich in die Hose: Ist der Film für sich gesehen mangels Alternativen gerade noch annehmbar, so ist er für eingefleischte Fans wieder einmal eine Nullnummer. Aus dem vielfältigen Genre-Repertoire hat man gerade einmal drei ausgewählt. Es gibt keinen spektakulären Showdown, wie er sonst in jedem der Games zu finden ist, das Waffenarsenal ist auch äußerst dürftig, ebenso wie die Schauspielleistung. Milla Jovovich sieht nicht mehr als gut aus, ihr Dialogpart ist äußerst minimalistisch. Michelle Rodriguez setzt ihren gewohnt grimmigen Blick auf, den sie kein einziges Mal absetzt. Man könnte meinen, die Gute hat während der Dreharbeiten zu wenig Schlaf bekommen. Allgemein sind die Dialoge recht stumpf geraten, was durch die schlechte Synchronisation keinesfalls ausgeglichen wird. (Mit einem US-Einspielergebnis von 18,2 Millionen Dollar in den ersten drei Tagen konnte die Eichinger-Produktion allerdings den bisher erfolgreichsten US-Start einer deutschen Kinoproduktion verzeichnen.)

Für sich selbst gesehen ist, mit Ausnahme von ‚Double Dragon‘, keiner der Filme ein Totalausfall. Viele sind sogar recht annehmbar. Darum geht es hier aber nicht. Es geht darum, wie sehr man dem Videospiel bei der Umsetzung treu geblieben ist, sprich, ob der Film mehr mit dem Spiel gemeinsam hat, als nur den Titel. Man darf gespannt sein, ob die Produzenten irgendwann einmal lernen, diese Fehler zu vermeiden. Unter anderem sind zukünftig Verfilmungen von dem Actionkracher „Duke Nukem“ (schon seit Jahren im Gespräch, Dolph Lundgren war u.a. schon als Titelheld vorgeschlagen), den Gruselgames „Nightmare Creatures“ und „Shadowman“, sowie Fortsetzungen zu ‚Resident Evil‘ und ‚Lara Croft: Tomb Raider‘ geplant.

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