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Fakten und Hintergründe zum Film "Red Road"

Kino.de Redaktion |

Red Road Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über den Film

Mit «Red Road» hat die Engländerin Andrea Arnold als Erste von drei Regisseur/innen ihren Beitrag zum Projekt «Advance Party» abgedreht. Nach einer Idee von Lars von Trier soll ein von verschiedenen Autoren komponiertes Triptychon entstehen, dessen Teile mit dem von Lone Scherfig und Anders Thomas Jensen vorgegebenen Personen einen jeweils eigenständigen Plot entwickeln. Ein Filmexperiment, zu dem Arnold wohl wegen ihres Oscars für den Kurzfilm «Wasp» (2005) eingeladen wurde. Der 2. «Advance Party» Film wird z. Zt. von Regisseurin Morag McKinnon in Schottland gedreht.

Eine der Ausgangsideen bei «Red Road» war es, dass in Grossbritannien 20 Prozent aller weltweit existierenden Überwachungskameras installiert sein sollen.

Über die Produktion

RED ROAD ist der erste Teil eines neuen, 3 Filme umfassenden Konzeptes namens “Advance Party”, das von Sigma-Films/UK und Zentropa/Dänemark umgesetzt wird. Die Idee von “Advance Party” ist, daß die gleiche Gruppe von Charakteren von drei verschiedenen Regisseuren in einem Film verarbeitet werden soll. Alle Filme sind gleich lang und spielen in Schottland. Außerdem sollen laut Sigma und Zentropa Regie und Produktion in den Hände von Spielfilm-Debutanten liegen. Auf der Suche nach den drei Regisseuren wurde Andrea Arnold als erste ausgewählt, da Sigma ihren Oscar® prämierten Kurzfilm Wasp bei dessen Premiere beim Edinburgh International Film Festival gesehen hatte.

Die Produzenten trafen sich mit Andrea und sie war sofort von der Idee begeistert. “Mir gefiel das Konzept - besonders der Aspekt der übergreifenden Zusammenarbeit - und die Aussicht mit Zentropa einen Film zu realisieren”, so Andrea. “Den anderen beiden Regisseuren Morag McKinnon und Mikkel Noergaard und mir wurde ein Entwurf gegeben, der sieben Charaktere beschrieb, die wiederum von Anders Thomas Jensen und Lone Scherfig entwickelt wurden. So war zum Beispiel Clyde, einer meiner Hauptpersonen in meinem Film, wie folgt beschrieben: Clyde hat 10 Jahre hinter Gittern verbracht. Aufgrund guter Führung wurde er zwei Jahre vor dem Ablaufen seiner Strafe entlassen und arbeitete wieder in seinem erlernten Beruf als Schlosser. Seine Freunde sind immer noch dieselben zwielichtigen Gestalten, aber trotz allem bleibt er sauber. Viele Frauen sind sehr an ihm interessiert und er hat viele Bekanntschaften, verliert aber auch schnell das Interesse und verlässt sie immer wieder.

Im Gegensatz dazu ist er seinen Freunden gegenüber sehr loyal und versucht immer wieder sie auf den rechten Weg zu bringen. Manchmal gelingt ihm dies. Und dann gibt es wieder Zeiten in denen er mit seinem Kopf gegen eine Wand aus Schuldgefühlen schlägt. Sie entspringen seiner Vergangenheit, die er zwar bereut, aber natürlich nicht ändern kann. Er ist katholisch. Ich schreibe für gewöhnlich über Leute, die ich kenne, also musste ich hier als erstes die Charaktere näher kennenlernen. Ich schrieb zu jedem der Personen etwas, gab ihnen mehr Persönlichkeit und Details aus ihrem Leben. Dann schrieb ich drei Treatments/Entwürfe, um die verschiedenen Charaktere auf unterschiedliche Weise zusammen zu bringen. Ich habe gewöhnlich keinen großen Plan wenn ich anfange zu schreiben, sondern lasse mich von den Charakteren leiten und versuche instinktiv zu arbeiten. Als ich alle am Projekt Beteiligten bat, ihren Favoriten zu wählen, entschieden sich alle für das düstere Treatment/den düsteren Entwurf. Daraus wurde dann Red Road.

Andrea Arnold: „Auf unsere gegenseitigen Wünsche musste Rücksicht genommen werden, ohne dabei auf die wichtigen Entscheidungen für den eigenen Film zu verzichten. Wir standen alle unter Zeitdruck, deshalb brachen wir mit ein paar Regeln. Da wir aber alle unterschiedliche Hauptcharaktere in den Drehbüchern hatten, konnten wir selber unsere Hauptdarsteller wählen und ich durfte mich für Katie Dickie und Tony Curran entscheiden. Die anderen beiden Regisseure waren mit dieser Wahl auch sehr zufrieden. Katie sah ich erst beim letzten Casting, aber ich hatte sofort ein sehr starkes, positives Gefühl was sie und die Rolle betraf - ebenso bei Tony Curran.

Als Teil des Castings entwickelten die Schauspieler ihre Charakteren in speziellen Workshops. Diese Improvisation wurde dann von Andrea Arnold im Drehbuch mitverarbeitet. “Es war spannend”, so Tony Curran, “dass Nuancen oder Dialogstücke aus diesen Improvisationen eineinhalb Jahre später beim Dreh dann im Drehbuch mit eingearbeitet waren, und es fühlte sich sehr real an.” So wie im Film Tonys Charakter plötzlich wieder in Katies Leben auftaucht, trafen sich auch die Schauspieler nach ihrer gemeinsamen Zeit an der Schauspielschule nun nach Jahren wieder. Wir gingen damals zusammen auf unsere erste gemeinsame Tour”, so Katie Dickie. “ Mit Tony kann man toll zusammenarbeiten. Ich weiß nicht, ob die Tatsache, dass wir uns schon kannten, dabei half, die Hemmungen zu minimieren. Er war derselbe wie immer und das machte es auch sehr einfach. Wäre es irgendwie unausgeglichen gewesen, wäre das sehr unangenehm gewesen, da wir diese schwere Sexszene hatten - aber alles war einfach und letztendlich sehr lustig. Laut Dickie lachten sie und ihre Kollege viel zwischen den Aufnahmen, um eine lockere Stimmung zu haben um eventuelle Peinlichkeiten zu vermeiden. Aber abgesehen davon war es vor allem ihr Vertrauen in die Regisseurin, das ihr half die potentiell schwierigen Momente vor der Kamera zu meistern.

Nach der Besetzung des Film war die Suche nach dem Handlungsort nächste Priorität.

Weder Andrea Arnold noch Produzentin Carrie Comerford kannten Glasgow, aber es war klar, dass der Film aufgrund der Geschichte in einer Wohngegend spielen muss. Comerford: “ In der Red Road in Glasgow gibt es sehr imposante und berüchtigte Hochhäuser und Andrea war sofort von dieser Gegend fasziniert.

Der Film heißt Red Road, da er in diese Gegend spielt. Ich bin nicht aus Glasgow und so waren mir diese Wohnungen kein Begriff, auch Andrea wusste davon nichts. Wir fuhren einfach durch all die Wohngegenden und als wir dann in die Red Road einbogen waren diese Gebäude mit diesem roten Streifen einfach sehr markant und beeindruckend, was Andrea sofort auf sie aufmerksam und für sie interessant machte.

Die Red Road Wohnungen sollen nach ihrer fünfzigjährigen kontroversen Geschichte jetzt angerissen werden. Doch es war nicht die Reputation, sondern vielmehr die visuellen Möglichkeiten der Gebäude, die Andrea beeindruckten. Es leben dort Tausende, aber es ist ein erstaunlich ruhiger Ort. Die Gegend hat eine ziemlich schlechten Ruf – wir erfuhren später, dass sogar schon Messer aus den Wohnungen auf Filmcrews geworfen wurden – aber wir haben davon nichts mitbekommen. Die Menschen waren neugierig auf das, was wir da machten und kamen einfach auf uns zu und unterhielten sich mit uns. Uns gegenüber kam es zu keinen Feindseligkeiten, eher im Gegenteil sogar.

Interview mit Andrea Arnold

Red Road ist eine universelle Geschichte, die überall spielen könnte, warum also in Glasgow?

Es gab bestimmte Regeln, die von Advance Party festgelegt wurden und eine davon war, dass in Schottland gedreht werden sollte. Ich wählte Glasgow. Ich war noch nie dort gewesen und als ich das Projekt begann, fuhr ich erstmal eine Zeit umher, um ein Gefühl für die Stadt zu bekommen. Da kam ich auch an den Wohnblöcken in der Red Road vorbei und sie hinterließen einen gehörigen Eindruck bei mir.

Wie schwer war es, die Rollen zu besetzen, Schauspieler zu finden?

Da alle Schauspieler in allen drei Filmen mitspielen werden, mussten alle drei Regisseure zusammen die Schauspieler aussuchen. Wir beschlossen früh damit zu beginnen, damit wir schon in der Schreibphase an bestimmte Schauspieler denken würden und nicht zu sehr an unserer Vorstellung der Charaktere hängen zu bleiben. Doch das klappte nicht wirklich – wir schafften zwar ein paar Sitzungen zusammen, aber dann waren wir alle so mit unserem jeweiligen Projekt beschäftigt, dass wir uns lange Zeit nicht mehr sahen. Und als meine Geschichte finanziert war, wurde alles sehr hektisch und wir mussten Schauspieler finden. Doch da unsere Drehbücher schon sehr fortgeschritten und unterschiedlich waren, fielen die Entscheidungen schwerer. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir auch noch 2 Charaktere dazu geschrieben, so mussten wir alle also nun neun Schauspielern zustimmen. Auf sieben einigten wir uns leicht, aber die anderen zwei waren schwerer zu entscheiden. Wir nahmen auf unsere gegenseitige Wünsche Rücksicht, ohne dabei auf die wichtigen Entscheidungen für den eigenen Film zu verzichten. Aber wir waren unter Druck und so mussten Regeln gebrochen werden.

Hast Du die Darsteller bekommen, die Du wolltest?

Da wir aber alle unterschiedliche Hauptcharaktere in den Drehbüchern hatten, konnten wir selber unsere Hauptdarsteller wählen und ich konnte mich für Katie Dickie und Tony Curran entscheiden. Die anderen beiden Regisseure waren mit dieser Wahl auch sehr zufrieden. Katie sah ich erst beim letzten Castingtermin, aber ich hatte sofort ein sehr starkes, positives Gefühl was sie und die Rolle betraf - ebenso bei Tony Curran.

Wie wichtig war der Drehort?

Wir filmten an realen Schauplätzen in ganz Glasgow und auch in den ärmsten Gegenden dort. Die Red Road Wohnblocks, einer unserer Haupthandlungsorte, ist eine Ansammlung von Hochhäusern mit 32 Stockwerken. Anscheinend die zweit höchsten Gebäude Europas, aber nicht mehr lange, da sie bald abgerissen werden sollen. Es leben dort Tausende, aber es ist ein erstaunlich ruhiger Ort. Die Gegend hat eine ziemlich schlechten Ruf – wir erfuhren später, dass sogar schon Messer aus den Wohnungen auf Filmcrews geworfen wurden – aber wir haben davon nichts mitbekommen. Die Menschen waren neugierig was wir da machen und kamen einfach auf uns zu und unterhielten sich mit uns. Uns gegenüber kam es zu keinen Feindseligkeiten, eher das Gegenteil sogar. Wir filmten auch in der Saracen Street, einer geschäftigen Einkaufstrasse, und hier zogen wir viel Aufmerksamkeit auf uns - das waren dann unsere lebhafteren Drehtagen. Dann noch der Kontrollraum des Überwachungskameraunternehmens, in dem meine Protagonistin arbeitet. Ein langer Raum mit hunderten Monitoren aus verschiedenen Teilen der Stadt. Wir benutzen eine Gegend, die für gewöhnlich nicht mehr überwacht wurde und filmten da unsere Aufnahmen.

Was war die besondere Herausforderung gleichzeitig Drehbuchautorin und Regissuerin zu sein?

Die größte Herausforderung war all die Vorbereitungen zu treffen bevor das Skript fertig war. Es war schwer das Skript fertig zu bekommen und gleichzeitig all das andere für den Film zu regeln. Ich hatte nie das Gefühl, dass ich das Ende des Films im Drehbuch richtig hinbekommen habe und dass ich genügend Zeit mit allen am Film Beteiligten verbracht habe. Aber generell ist es besser beides zu sein, weil man das Drehbuch sehr gut versteht und Sachen ändern kann, kürzen kann während man dreht. Auch was die Improvisation angeht – man kennt das Material in- und auswendig und man kann sehr instinktiv arbeiten.

Was war die größte Herausforderung beim Drehen?

Die größte Herausforderung war wohl, den Film in der uns zur Verfügung stehenden Zeit fertig zu bekommen. Eine weitere Regel der Advance Party war, den Film in 6 Wochen abzudrehen. Wir brauchten eine Woche für das Material der Überwachungskamera und so hatten wir nur noch 5 Wochen für den Rest des Films. Das war eine Herausforderung, wenn man bedenkt wie viele Orte wir hatten und dass während des Winters in Schottland ab 15:30 das Tageslicht weg war. Da gab es wenig Zeit zum proben. Ich stand täglich unter dem Druck, das Arbeitspensum eines jeden einzelnen Drehtages zu schaffen.

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