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Fakten und Hintergründe zum Film "R?uber Knei?l"

Kino.de Redaktion |

Räuber Kneißl Poster

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Hintergrund: Historie Räuber Kneißl

Wenn man das Leben des echten Mathias Kneißl (1875-1902) betrachtet, zeigt sich, dass sich Marcus H. Rosenmüller in seinem Film RÄUBER KNEISSL recht genau an die historischen Ereignisse hält. Mathias Kneißl wurde am 12. Mai 1875 in Unterweikertshofen im Bezirk Dachau als ältestes von sechs Kindern geboren. Die Eltern, Mathias und Theresia Kneißl, betrieben eine Gastwirtschaft und eine Mühle, die Schachermühle bei Sulzemoos. Für Wilderei und zwielichtige Geschäfte war die Familie weithin bekannt.

Schon früh konnten Mathias und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Alois gut mit dem Schießeisen umgehen. Die beiden waren berüchtigte Wilderer, doch seine erste Haftstrafe musste der Schachermüller-Hiasl, wie Mathias Kneißl auch genannt wurde, aus einem ganz anderen Grund absitzen: 1891 steckte die Polizei den Sechzehnjährigen für drei Tage ins Gefängnis, weil er die Sonntagsschule geschwänzt hatte.

Mit Wildern und Diebstählen gaben sich die Kneißls, angetrieben von der Mutter, bald nicht mehr zufrieden. Im Sommer 1892 plünderten sie die Wallfahrtskirche Herrgottsruh in der Nähe von Friedberg. Auf der Flucht vor der Polizei stürzte der Vater in den Mühlbach der Schachermühle und erlitt tödliche Verletzungen. Die genaue Todesursache wurde nie festgestellt. Kurz darauf wurde die Mutter wegen Hehlerei verhaftet und kam für zwei Jahre ins Gefängnis.

Auf sich allein gestellt schlugen sich die Kneißl-Kinder weiter mit Wildern und Stehlen durch und kamen bald wieder mit der Obrigkeit in Konflikt. Als die örtliche Gendarmerie den Brüdern nachstellte, weil diese erneut die Sonntagsschule schwänzten, wurden die beiden Polizisten Balthasar Gößwein und Georg Förtsch in der Schachermühle durch vier Schüsse schwer verletzt.

Als Mathias Kneißl und sein Bruder Alois sich am 23. Juni 1893 für diese Tat in München vor Gericht verantworten mussten, gestand der erst sechzehnjährige Alois, alle vier Schüsse abgefeuert zu haben und wurde zu einer Haftstrafe von 15 Jahren verurteilt. Er starb vier Jahre später im Gefängnis an Schwindsucht. Der 18- jährige Mathias wurde wegen Mordversuchs, schweren Diebstahls, Raubes, Hehlerei und eines Jagdvergehens zu fünf Jahren und neun Monaten Zuchthaus verurteilt.

Nach der Haftentlassung am 28. Februar 1899 suchte Mathias Kneißl zunächst in München Arbeit, wo inzwischen die Mutter und seine Schwestern lebten. Doch da er als Zuchthäusler für die nächsten zwei Jahre kein Aufenthaltsrecht in München bekam, blieben seine Bemühungen ohne Erfolg. Eine Stelle als Schreiner in Nußdorf am Inn verlor er, als der Ortsgendarm überall verbreitete, dass er ein gefährlicher Verbrecher sei. Als keine Hoffnung mehr auf eine geregelte, ehrlich Arbeit bestand, unternahm Mathias Kneißl zusammen mit seinem Kumpanen Erhard Holzleitner Raubzüge in Ober- und Niederbayern.

Weil Holzleitner im Herbst 1900 in Verdacht geriet, in München eine Prostituierte ermordet zu haben, gestand er der Polizei sein Alibi und gab zu, zur Mordzeit mit Kneißl auf Diebestour gewesen zu sein. Daraufhin wurde eine Belohnung von 400 Mark, einer damals stattlichen Summe, auf die Ergreifung des Räuber Kneißls ausgesetzt. Kneißl flüchtete daraufhin mit dem Fahrrad in seine alte Heimat. Zwischen Altomünster im Norden und Nannhofen im Süden kannte er jeden Schlupfwinkel und hatte Freunde, die ihm halfen. Die örtlichen Kleinbauern, selbst unzufrieden mit der Obrigkeit, betrachteten den Schachermüller-Hias als einen von ihnen und unterstützten ihn. Kneißl galt als Rebell, der der Staatsgewalt trotzte und gewann dadurch viele Sympathien. Stets bewaffnet mit seiner Drillingsbüchse, dem dreiläufigen Jagdgewehr, schlug sich Kneißl mit Überfällen durchs Leben und erwies sich dabei als Meister des Versteckens. Beim Flecklbauern in Irchenbrunn, einem alten Bekannten aus der Schachermühle, geriet der Gesuchte am 30. November 1900 jedoch in einen Hinterhalt. Als er zwei Gendarmen, die ihn verfolgten, bei einem Feuergefecht in die Beine schoss, starben beide an den Folgen dieser Verletzung.

Daraufhin wurde der Räuber Kneißl wegen zweifachem Polizistenmord gesucht und ein Kopfgeld von 1000 Mark wurde auf seine Ergreifung ausgesetzt. Kneißls Ansehen im ganzen Land wuchs dennoch immer weiter. Die ländliche Bevölkerung war voll Schadenfreude, wie es Kneißl immer wieder gelang, der Polizei zu entwischen. Die aberwitzigsten Geschichten wurden zu dieser Zeit über den flüchtigen Räuber erzählt. Allseits beliebt waren Witzpostkarten, die sich über die Obrigkeit lustig machten. Letztendlich brachte wieder ein Verrat den Räuber Kneißl zur Strecke. Auch auf der Flucht war der Kontakt nach München zu seiner Mutter und seiner Freundin Mathilde Danner nie abgerissen und immer wieder konnten Treffen arrangiert werden. Auf dem Weg zum Rendezvous mit Mathilde wurde Kneißl von deren Mutter verraten. Sie gab der Polizei den entscheidenden Hinweis auf Kneißls Versteck in einem Anwesen in Geisenhofen.

Am Morgen des 5. März 1901 hatten Polizisten aus München und Dachau das Haus umstellt und eröffneten das Feuer. Nach einer Stunde stürmten 45 Männer das Anwesen und fassten den Schachermüller-Hias, durch einen Bauchschuss schwer verletzt. In der Chirurgischen Klinik in München wurde Kneißl für die Gerichtsverhandlung wiederhergestellt. Am 14. November 1901 wurde in Augsburg der Prozess gegen Mathias Kneißl wegen Mord, versuchtem Totschlag und Raub eröffnet. Die Verteidigung versuchte zu beweisen, dass Mathias Kneißl nicht die Absicht hatte, die beiden Polizisten in Irchenbrunn zu töten.

Obgleich das Verfahren heftig umstritten war, wurde Mathias Kneißl nach vier Verhandlungstagen von den Geschworenen für schuldig erklärt und zum Tode verurteilt. Selbst ein Schreiben des vorsitzenden Richters, der das Urteil der Geschworenen anzweifelte, an den bayerischen Justizminister Leonrod konnte den Delinquenten nicht retten. Am 21. Februar 1902 wurde Mathias Kneißl durch die Guillotine hingerichtet.

Produktion: Stofffindung und Entwicklungsphase

Im Jahr 2002 begannen die Produzenten Quirin Berg und Max Wiedemann gezielt nach bayerischen Themen zu suchen, weil sie als Münchner Produktionsfirma gerne in der „bayerischen Farbe“ arbeiten wollten. Auf den Räuber Kneißl stießen sie durch ihre Producerin Susanne Hildebrand, die aus dem Dachauer Land stammt, wo der Räuber Kneißl als Volksheld stark präsent ist. Obwohl der Räuber Kneißl eine lange Historie am Theater verzeichnete und bereits zweimal verfilmt war (1970 von Reinhard Hauff, 1980 von Oliver Herbrich), erkannten Wiedemann & Berg den Kneißl als sehr zeitgemäße Figur: Es ist keine schwarz-weiße Geschichte, keine Robin-Hood-Figur, kein Gutmensch, sondern vielmehr ist der Räuber Kneißl eine ambivalente Figur, die auf eine nachvollziehbare Art und Weise handelt. Gerade wegen dieser Schattierungen fanden Wiedemann & Berg die Figur für das heutige Kino spannend.

2005 begann die konkrete Konzeption des RÄUBER KNEISSL. Marcus H. Rosenmüller stieg sofort in das Projekt ein. Auch der Bayerische Rundfunk zögerte nicht: Innerhalb von 24 Stunden kam die Zusage und man ging 2006 in die Planungsphase mit dem BR. Parallel dazu wurde über einen Zeitraum von eineinhalb Jahren das Drehbuch entwickelt. Autorin Karin Michalke, die auch aus der Dachauer Gegend (der Heimat vom Kneißl) stammt und ebenfalls an der HFF studierte, stand durch ihre Drehbücher zu den Rosenmüller-Filmen „Beste Zeit“ und „Beste Gegend“ bereits ganz klar für die bayerische Farbe. Sie machte die große, umfassende Recherche und schrieb die erste Drehbuchfassung. Zu einem späteren Zeitpunkt wurde Christian Lerch als Autor dazugeholt, ein enger Vertrauter von Marcus H. Rosenmüller, der schon mit ihm „Wer früher stirbt, ist länger tot“ geschrieben hatte. Marcus H. Rosenmüller legte selbst letzte Hand ans Buch. Für Wiedemann & Berg stand von Anfang an fest, dass der RÄUBER KNEISSL Kinopotential hat und nur gemeinsam mit dem BR realisiert werden kann.

Nachdem die Finanzierung im Dezember 2006 sicher gestellt war, startete die Suche nach der Besetzung. Die Dreharbeiten fanden Mitte September bis Anfang November 2007 in 32 Drehtagen statt. Auch ein Verleih, um den Film ins Kino zu bringen, war schnell gefunden: Movienet hatte schon mit „Wer früher stirbt, ist länger tot“ Marcus H. Rosenmüller fürs Kino entdeckt und hatte sich außerdem mit Filmen wie „Die Scheinheiligen“, „Grenzverkehr“ oder „Hierankl“ bereits auf bayerische Stoffe spezialisiert.

Produktion: Die Besetzung

Maximilian Brückner stand von Anfang an als der perfekte Kneißl fest, kein anderer Schauspieler wurde je in Betracht gezogen. Producerin Susanne Hildebrand erinnert sich: „Als im Dezember 2006 die Entscheidung für die Dreharbeiten fiel, rief der Rosi sofort Maximilian Brückner an und erklärte: ,Maxi, Du sagst für nächstes Jahr nichts zu, bevor Du nicht mit mir gesprochen hast.’ Und so war es dann auch.“

Für die Rolle der Mathilde wurde etwas ausführlicher gecastet. Mathilde Danner ist 18 Jahre alt, als sie sich in den Kneißl verliebt, daher sah man sich zusammen mit der Casting- Expertin Franziska Aigner-Kuhn nach neuen, jungen Talenten in Land- und Schultheatern um - doch letztlich gefunkt hat es nur bei Brigitte Hobmeier. Sie überzeugte durch ihre Kraft und Authentizität und musste das Bayerische nicht erst „herstellen“. Sie und Maximilian Brückner kannten sich schon vom Münchner Volkstheater und geben ein überzeugendes Liebespaar ab.

Stolz sind die Filmemacher auch auf Maria Furtwängler in ihrer bayerischsten Rolle. Die Mutter Kneißl ist für die Geschichte eine sehr zentrale Figur; sie ist Dreh- und Angelpunkt der Familie.

Sigi Zimmerschied erwies sich als Idealbesetzung für den „Flecklbauer“. Sein kabarettistisches Potential trifft genau die Erwartungen von Marcus H. Rosenmüller an diese Rolle.

Neben Maximilian Brückner wirken noch drei seiner sieben Geschwister beim RÄUBER KNEISSL mit: sein Bruder Florian als Kneißls Bruder Alois, Isabella Brückner als Schwester Cilli (in München) und Franz Xaver Brückner im Wirtshaus als Bursche mit dem Sauerkraut.

Produktion: Locations und Kostüme

Bayern erwies sich als zu schön restauriert, als dass man hier die authentische, patinahaltige Ansicht hätte finden können, die die Zeit um 1900 darstellt. Im Dachauer Hinterland, der Heimat vom Räuber Kneißl, konnte deshalb zum Bedauern der Produzenten kaum gedreht werden. Daher verlegte man alle Außenaufnahmen des Dorfes nach Tschechien, wo man ideale Drehorte fand. Gerade im Hinblick aufs Kino war es dem Team wichtig, bei den Außendrehs große, weite Bilder aufnehmen und größere Kameraschwenks drehen zu können, ohne dass z.B. moderne Strommasten das Bild gestört hätten.

Die Innenmotive des Dorfes fand man in Tittling in Niederbayern, im Museumsdorf Bayrischer Wald. Ungefähr 5 km davon entfernt stand eine alte Mühle, die nur unwesentlich verändert werden musste, um perfekt die Schachermühle darzustellen.

Die Szenen in der Münchener Stadtwohnung, in die Kneißl nach dem Gefängnis zurückkehrt, wurden in Landshut gedreht. Alles unter dem Motto „reiches Stadtbild“ fand am Münchner Odeonsplatz statt. Ein Großteil der Waldszenen wurde im Umkreis von München gedreht.

Einige Aufnahmen entstanden zudem auf dem Bavaria-Filmgelände. Auch bei den Kostümen war es erforderlich, aufwändig zu arbeiten und die historischen Uniformen der Stadt- und Landgendarmen akkurat nachzuschneidern. Knapp 200 Uniformen mussten für die Gendarmerie hergestellt werden.

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "R?uber Knei?l"

    Kino.de Redaktion05.11.2012

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