Qissa - Eine Geistergeschichte

  1. Ø 3.5
   2013

Qissa - Eine Geistergeschichte: Ruhiges (Polit-)Drama um die Suche nach Identität und Heimat.

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Filmhandlung und Hintergrund

Qissa - Eine Geistergeschichte: Ruhiges (Polit-)Drama um die Suche nach Identität und Heimat.

Die Teilung Indiens 1947 zwingt den Sikh Umber Singh seine alte Heimat zu verlassen. In der Fremde baut er sich eine neue Existenz auf und hofft, dass seine Frau – nach drei Töchtern – endlich einen Sohn auf die Welt bringt. Als seine vierte Tochter geboren wird, beschließt er das Schicksal herauszufordern. Er tauft das Mädchen Kanwar („junger Prinz“) und erzieht sie im Glauben ein Mann zu sein. Zu ersten großen Schwierigkeiten kommt es, als der Patriarch die Hochzeit zwischen seinem „falschen“ Sohn, und Neeli, einem Mädchen von niederer Kaste, arrangiert.

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Kritikerrezensionen

  • Am Schicksal eines Mädchens, das als Junge großgezogen wird, macht Anup Singh das Geburtstrauma Indiens fest und prangert, zwischen Traum und Albtraum oszillierend, die patriarchalischen Strukturen des Landes an.

    Der indische Film wird meist mit Bollywood gleichgesetzt, man denkt an rauschhafte, verzwickte Liebesgeschichten, farbenfrohe Bilder, Gesangs- und Tanzeinlagen. Darüber wird gern vergessen, dass im immer noch produktivsten Filmland der Welt auch der Autorenfilm Tradition besitzt, man denke nur die Meilensteine von Satyajit Ray („Apu“-Trilogie) oder Mrinal Sen („Khandhar“). Diesen Regisseuren ist auch Anup Singh zuzurechnen, dessen zweiter Spielfilm „Qissa – Der Geist ist ein einsamer Wanderer“ als europäische Koproduktion – darunter die Kölner „Heimatfilm“ – entstand.

    In die Geschichte führt sein (Familien-)Drama zurück, ins Jahr 1947 als Britisch-Indien auf Grund religiöser und ethnischer Konflikte zerbricht und dies zur Gründung zweier unabhängiger Staaten, Indien und Pakistan, führt. Der Sikh Umber Singh (Irrfan Khan) ist daraufhin gezwungen seine Heimat zu verlassen. In der Fremde muss er sich eine neue Existenz aufbauen. Schlimmer noch wiegt jedoch, dass seine Frau ihm keinen Stammhalter schenkt. Als die vierte Tochter auf die Welt kommt, tauft er das Mädchen Kanwar („junger Prinz“) und erzieht sie im Glauben ein Mann zu sein.

    Seiner Mutter hat Singh den Film gewidmet, inspiriert zu seinem Drehbuch haben ihn die Erinnerungen des Großvaters, der an der Zwangsumsiedlung zeitlebens litt und gerne von Shiva, dem Gott der Schöpfung und der Zerstörung, erzählte. Entsprechend zwischen Traum, Albtraum und harscher Realität pendelt die Arbeit. In einer (fast) mythologischen Zwischenwelt bewegen sich die Menschen, in der auch Geister ihren Platz haben und die von patriarchalischen Strukturen bestimmt ist. Um Identität und Selbstfindung geht es – festgemacht an Kanwar -, um das Trauma eines ganzen Volkes und um das Los indischer Frauen, die in ihrer Gesellschaft so gut wie nichts gelten.

    Dunkel hält Sebastian Edschmid („Black Death„) die Bilder, Braun-, Schwarz- und Grüntöne herrschen vor. Die Figuren verschwimmen in nächtlichen Szenarien, Mann und Frau sind oft nicht zu unterscheiden. Bedächtig bleibt das Tempo dieses „Volksmärchens“, so die wörtliche Übersetzung des Titels aus dem Arabischen. Mimik und Gestik kommen viel Bedeutung zu, die Dialoge sind reduziert. Irrfan Khan („Lunchbox“) besticht in der Rolle des durchaus sympathischen, vielschichtig gezeichneten Vaters. An seiner Hybris zerbricht er letztlich und wird zum Wanderer zwischen den Welten, der selbst nach seinem Tod noch ein Getriebener bleibt. geh.

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