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Fakten und Hintergründe zum Film "Public Enemies"

Kino.de Redaktion |

Public Enemies Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Obwohl bereits viele Essays, Bücher, Songs und Filme faszinierende Geschichte aus der Zeit der Großen Depression erzählt haben, war Michael Mann schon seit langem daran interessiert, diese turbulente Ära zu durchleuchten – anhand der Erfahrungen eines Kriminellen, der für eine ganze Generation zum Volkshelden wurde. Anfang der 1930er Jahre fanden die US-Amerikaner, die sämtliche Ersparnisse ihres Lebens schwinden sahen und arbeitslos und hungrig waren, einen Helden, einen Mann, der den Banken, die den Kollaps verursacht hatten, das Geld raubte und die Stirn bot, genauso wie der Regierung, die die Probleme nicht in den Griff bekam: John Herbert Dillinger.

Mann, der zuvor bereits ein Drehbuch über jene Ära geschrieben hatte – über den berüchtigten Zug- und Bankräuber Alvin Karpis – erklärt den Zauber, der Dillinger umgab: „Dillinger war wahrscheinlich der beste Bankräuber in der amerikanischen Geschichte, konnte aber nur 13 Monate lang bestehen. Im Mai 1933 bekam er Bewährung, und am 22. Juli 1934 war er tot. Dillinger wurde nicht ‚aus dem Gefängnis entlassen’, er betrat die Bühne mit einem großen Knall und explodierte förmlich in die Alltagslandschaft hinein. Er wollte alles haben, und zwar auf der Stelle.“

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„Indem er Banken ausraubte und die Regierung an der Nase herumführte“, fährt der Regisseur fort, „wurde er praktisch zum Sprachrohr der von der Depression niedergeschlagenen Bevölkerung. Er war ein prominenter Gangster, ein populistischer Held.“

Auch wenn keine der Phasen im Leben von Dillinger oder seines Kontrahenten Melvin Purvis besonders durchschnittlich verlaufen war, interessierten sich die Filmemacher für ein ganz spezifisches Zeitfenster, das in „PUBLIC ENEMIES“ gezeigt werden sollte: „Genau diese 14 Monate in Dillingers Leben boten uns die Möglichkeit, diejenigen Kräfte abzubilden, die während jener Epoche der amerikanischen Geschichte zusammen am Werk waren“, meint Produzent Kevin Misher. „Es gab eine Verbindung zwischen John Dillinger – der vielleicht einer der berühmtesten Amerikaner des 20. Jahrhunderts war -, Melvin Purvis – der noch nicht in allen Einzelheiten analysierte FBI-Agent – und J. Edgar Hoover, ein Titan der amerikanischen Geschichte. Diese drei waren in einem Tanz um Macht und Tod vereint.“

Schon bald nach seiner Haftentlassung bis Ende Juni 1934 ging Dillinger auf eine stürmische Bankraub-Tournee durch den Mittleren Westen, die landesweit für großes Aufsehen sorgte – besonders bei J. Edgar Hoover und seinem frisch gegründeten Bureau of Investigation (FBI).

Um Dillinger aufzuspüren und dingfest zu machen, setzte Hoover einen jungen, entschlossenen Agenten namens Melvin Purvis auf ihn an. Das Profil dieses Agenten diente dem Cartoonisten Chester Gould tatsächlich als Vorlage für Dick Tracy. Doch Dillinger und seine Männer erwiesen sich als weitaus raffinierter als die FBI-Agenten - die irgendwann Gangster wie Pretty Boy Floyd zu Fall bringen sollten – oder ihr Boss sich hätten vorstellen können.

Während sie ihre Technik verfeinerten, setzten Dillinger und seine Gang etliche Stärken und Umstände zu ihrem Vorteil ein: Eine nach Jahren in ruchlosen Gefängnissen geschliffene Härte, die neuesten automatischen Waffen, ein brüchiges öffentliches Sicherheitssystem, das noch nicht landesweit etabliert war, brandneue Ford V8 Fluchtwagen und die Kunstfertigkeit, das in der Bevölkerung weit verbreitete Ressentiment gegen die Banken für sich zu nutzen. Mit diesen Methoden konnten sie argumentieren, und kaum einer, der in den Samstags-Matineen die Nachrichten-Schauen ansah, war anderer Meinung, als dass nun endlich jemand mal den dicken Bonzen, die ihrer aller Leben zerstört hatten, nun endlich einmal zeigte wo der Hammer hängt.

Wieder und wieder blamierte der Gangster die Regierung in jeglicher Hinsicht und entkam aus scheinbar aussichtslosen Lagen, darunter in einem Ausbruch aus dem Bundesgefängnis von Indiana im September 1933, einem Ausbruch aus dem Lake County Gefängnis in Crown Point (Indiana) im März 1943 und einer Flucht vor Purvis in der Little Bohemia Travel-Lodge in Nord-Wisconsin im April 1934. Doch während seine Männer nie vor der Anwendung von Gewalt zurückschreckten, konnte man beim oft galanten Dillinger darauf zählen, dass er im Verlauf eines Banküberfalls auch Geld an die Bevölkerung zurückgab und in Anwesenheit von weiblichen Geiseln niemals fluchte.

Beim Thema Gesetz und Verbrechen versteht und schätzt Michael Mann die Tatsache, dass das Leben noch merkwürdiger als die Fiktion ist. Die Geschichte von Dillinger und seinen Verfolgern war genau die Inspiration, nach der Mann für sein neues Projekt suchte: „Ihre Mobilität und der Einsatz von Technologie machten sie fast unbesiegbar“, erzählt Mann. „Das geschah zu einer Zeit, als massive Kräfte gegen Dillinger konspirierten: das von Hoover aufgebaute FBI war die erste nationale Polizeibehörde, das erste Bundesstaaten übergreifende Gesetz zur Verbrechensbekämpfung wurde verabschiedet, es wurden sehr moderne Technologien und Datenverwaltung eingesetzt. Man begann damals das zu tun, was heutzutage bei der Polizei Standard ist, bis dahin jedoch in Amerika noch unbekannt war.“

Hoover muss sich mit dem misstrauischen Kongress über die Effizienz seine neu gegründeten Behörde, dem FBI, auseinandersetzen, und wurde immer wütender darüber, dass sich Dillinger beim amerikanischen Volk als wahrer Volksheld etablierte, während seine gut ausgebildeten Agenten wenig beliebt waren. Viele seiner Kollegen sahen den Leiter des FBI als unerfahrenen, aufgeblasenen Beamten und hatten kein Vertrauen in seine Methoden. In einer frustrierten Bemühung, die Jagd von Purvis und seinen Agenten noch schärfen zu machen, engagierte Hoover die Unterstützung des Special Agent Charles Winstead und seiner zwei Mitarbeiter, um Dillinger zur Strecke zu bringen. Dieses Manöver, nebst Haftbefehlen für die Verwandten, Freundinnen und Partner der Gangster, brachte die Wendung.

Vor den Gesetzeshütern war der Bankräuber gemeinsam mit seiner Geliebten Billie Frechette quer durchs ganze Land geflohen, hatte enorme Geldsummen ausgegeben und sich mit Floridas Reichen und Schönen amüsiert. Doch am 22. Juli 1934 fand Dillingers Glückssträhne am Biograph Theater in Chicago ein Ende: Nach dem Ende der Vorführung von „Manhattan Melodrama“ verließ er das Kino, und wurde von Polizisten – unter der Leitung von Agent Purvis und mit der Hilfe eines Verräters namens „Lady in Red“ (die Chicagoer Puffmutter Anna Sage) – niedergeschossen.

Doch seine Legende wurde noch größer.

Die untröstlichen Fans des „Jackrabbit“ stippten Taschentücher in die Blutlachen, die von ihrem Helden zurückgeblieben waren, um ein Souvenir zu ergattern, und tausende standen vor dem Leichenhaus Schlange, um einen letzten Blick auf seinen Leichnam zu werfen. Alle, von den Schaulustigen bis hin zu den Gesetzeshütern, wollten an seinem Erbe teilhaben.

Dillingers größter Antagonist, Melvin Purvis, bekam den Löwenanteil der Lorbeeren. Und niemand war so irritiert von den Lobeshymnen auf Purvis wie J. Edgar Hoover. Misher sagt: „Dillinger war so berühmt, dass man nach seinem Tod von Purvis nur noch als ‚Mann, der Dillinger erschoss’ sprach, auch wenn er nicht selbst den Abzug der Waffe gedrückt hatte. Deshalb wurde Hoover neidisch auf den Ruhm und Rummel um Melvin Purvis und hat ihn aus dem FBI geschasst.“

Ein dreiviertel Jahrhundert später ist Dillingers Status als legendärer Verbrecher gefestigt. Sowohl sein schiefes Grinsen, als er seinen Arm um einen seiner bewundernden Häscher legt, bis hin zu seinem Ruf als einer der berühmtesten Söhne Chicagos – der berüchtigte Dillinger ist noch immer eine Ikone. Und niemand könnte sich besser von ihm inspirieren lassen als ein Mann, der weniger als 160 Meilen von Dillingers Heimat Mooresville (Indiana) entfernt aufgewachsen ist: ein Schauspieler namens Johnny Depp.

Produktion: Diue Besetzung

Bei der Besetzung der Rolle des großen Gangsters wandte sich Mann an einen Schauspieler, der dafür bekannt ist, sich mit Leib und Seele in seine Filmfiguren zu versenken: Johnny Depp war genau der vielschichtige Charakter, durch den John Dillinger verkörpert werden sollte.

„Tief in Johnnys Innerem gibt es einen harten Kern“, meint Mann. „Als wir darüber zu sprechen begannen, erzählte er mir, dass er schon seit langem an Dillinger interessiert gewesen ist und der ihn an einige Menschen aus seiner eigenen Vergangenheit erinnerte. Johnny trug Dillinger in sich, das habe ich gleich gespürt. Jedermann trägt solche dunklen Strömungen in sich, aber dort hineinzugreifen und diese Dinge aus den eigenen Untiefen für einen Film herauszuholen, das ist schon sehr mutig…“

Depp erklärt sein langjähriges Interesse an Dillinger wie folgt: „Es ist schon eigenartig, denn als Kind war ich über eine lange Zeit hinweg von John Dillinger vollkommen fasziniert. Ich kann es nicht genau erklären, es war einfach so: er hat mich auf gewisse Weise angesprochen. Aber wenn ich heute auf dieses erste Interesse für Dillinger zurückblicke und bedenke, dass das fast mein ganzes Leben lang so geblieben ist, dann liegt das wohl an seinem Charakter. Das, was er als Mann war… zu einer Zeit, in der Männer noch echte Männer waren. Er war, im Guten wie im Schlechten, genau der, der er war, und machte keinerlei Kompromisse.“

Für Mann gibt es in der Vorbereitung eine Herausforderung: „Sie liegt darin, das Jahr 1933 lebendig werden zu lassen. So lebendig wie es das Jahr 2009 heute für uns ist. Dazu gehört nicht nur das Aussehen der Dinge, sondern auch die Mentalität der Menschen. Die Art, wie Männer im Jahr 1933 eine Frau umwarben. Wie ehemalige Häftlinge im Jahr 1933 über ihr Leben und ihr Schicksal dachten. Was die materielle Welt denjenigen bedeutete, die hungrig und vernachlässigt waren. Die Verzweiflung, die auf den Straßen herrschte.“

Zur Vorbereitung auf die Dreharbeiten konnte Mann – der beschlossen hatte, an einigen der echten Schauplätze zu filmen, darunter das Gefängnis in Crown Point, das Little Bohemia Travel-Lodge und das Biograph Theatre – Depp mit echten Kleidungsstücken und persönlichen Utensilien von Dillinger versorgen.

Johnny Depp konnte einige Zeit an den Orten verbringen, die vom „Gentleman Banditen“ aufgesucht wurden, und auch einige der Waffen benutzen, die Dillinger höchstpersönlich verwendet hatte. Sehr informativ waren aber auch seine persönlichen Erfahrungen: „Ich habe viele Bücher über ihn gelesen, doch abgesehen von der gesamten Recherche hatte das Meiste mit einem Instinkt und einem Verständnis für den Mann Dillinger zu tun“, erklärt Depp. „Ich fühlte mich mit ihm verbunden, als wären wir verwandt. Als würde in unseren Adern das gleiche Blut fließen. Er erinnerte mich an meinen Stiefvater und auch sehr stark an meinen Großvater. Er war wohl einer dieser echten Kerle, absolut frei von Bullshit, der zu einer Zeit lebte, als Männer noch Männer waren.“

Der Schauspieler fährt fort: „Meiner Meinung nach wusste Dillinger sehr genau, was er da tat. Er hatte zu sich selbst gefunden und hatte sich auch damit abgefunden, dass sein wilder Ritt nicht allzu lange anhalten würde… aber es sollte ein bedeutender Ritt werden.“

Von seinen Anfängen als Goldjunge des FBI zur Notwendigkeit, sich die Hände schmutzig zu machen um Dillinger zu fangen, war Melvin Purvis genau die Art komplexe Rolle, die Christian Bale unbedingt verkörpern wollte. Der Schauspieler interessierte sich besonders für den inneren Konflikt, in dem Purvis seiner Ansicht nach steckte: „In der Presse wurde er als Held gefeiert und war hoch angesehen“, erklärt Bale, „doch ich glaube, dass Purvis große Konflikte austragen musste hinsichtlich der Entwicklungen, die sich innerhalb des FBI abzeichneten in deren Bemühungen, immer effizienter zu werden.“

Diese Gefühle erstrecken sich laut Bale auch auf die Zeit nach Purvis’ Sieg über Dillinger und auf die von Hoover verfolgte, skrupellose Taktik: „Purvis fand wohl keine Genugtuung darin, Dillinger zur Strecke zu bringen. In meiner Interpretation war Purvis dabei wohl davon überzeugt, sich selbst kompromittiert und seine eigenen Werte dermaßen verleugnet zu haben, dass die Frage lautete, wer wohl der wirkliche Verlierer war.“

Genau wie Depp recherchiert auch Bale intensiv über die Figuren, die er spielt. Für „Public Enemies“ unternahm er mit Mann eine Reise nach Quantico (Virginia) in das FBI-Hauptquartier und verbrachte auch Zeit mit Melvin Purvis’ Sohn Alston. Da er keine Tonaufnahmen der Stimme des Agenten Purvis gab (er beging 1960 Selbstmord), entschied sich Bale dafür, Alstons Südstaaten-Akzent für den Action-Thriller zu verwenden.

Im Verlauf der gesamten Produktion behielt der walisische Schauspieler diese Rollenstimme bei, und seine Hingabe hatte eine große Wirkung. Produzent Misher erklärt: „Als Alston Purvis dem Set einen Besuch abstattete, waren wir am Biograph Theater, wo Dillinger erschossen wurde. Alston sagte, es sei die beste Nacht seines Lebens gewesen, denn es wirkte so, als wäre sein Vater wieder auferstanden. Den Sohn einer Filmfigur sagen zu hören, dass er sich nicht vorstellen könnte, irgendeinen anderen Schauspieler seinen Vater verkörpern zu sehen – das ist schon eine große Hommage an das Können dieses Darstellers.“

Um Billie Frechette zu verstehen, widmete sich Regisseur Mann etliche Zeit der Erforschung der Geschichte der Frau, die zur großen Liebe in Dillingers Leben wurde: „Ich habe versucht, Billies Werdegang zu begreifen: worum es ihr ging, was sie tat und wie sie während der Depression über die Runden kann“, erklärt Mann. „Sie arbeitete als Garderobiere im The Steuben Club; sie stammte aus einer Kleinstadt, war eine ehrgeizige Frau und wollte es in Chicago zu etwas bringen. Sehr informativ ist auch ihre Kindheit und Jugend: Als Menominee-Indianerin war sie praktisch eine Bürgerin zweiter Klasse, eine Außenseiterin.“

Marion Cotillard, die für ihr brillantes Porträt der Chanteuse Edith Piaf in „La Vie en Rose“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, wurde von Mann für diese Rolle engagiert. „Nachdem ich „La Vie en Rose“ gesehen hatte, haben wir uns getroffen. Das war es“, sagt der Regisseur.

Zur Vorbereitung lud Mann sie ein, verschiedene Gangster-Ehefrauen, -Freundinnen, Stripperinnen und Barmädchen kennen zu lernen, um die Geschichten darüber zu hören, wie diese Frauen unbeugsam an der Seite ihrer oft auch gewalttätiger Männer standen. „Er wollte, dass ich verstehe, was für ein Gefühl es ist, die Frau eines verurteilten Verbrechers zu sein und niemals genau zu wissen, was der nächste Tag so bringt“, meint Cotillard.

Da Frechette Französin und amerikanische Ureinwohnerin war, widmete sich die Schauspielerin einem intensiven Training mit einem Dialect-Coach und besuchte die Menominee-Reservation, um mehr über die Welt zu erfahren, aus der Dillingers Geliebte stammte. Dort traf Cotillard auf Mitglieder der weit verzweigten Verwandtschaft und unterhielt sich mit ihnen über das Leben und Lieben von Frechette. Cotillard war recht gerührt von dem, was sie über jene Frau erfuhr… sowie über den Mann, für den Frechette ins Gefängnis ging und den sie niemals verriet. „Es war sehr emotional“, berichtet die Schauspielerin. „Wenn man eine Leidenschaft auslebt, eine solche Liebe erlebt, dann wird man auch all der Angst und Sorge, die damit einhergeht mit einem Gangster zusammen zu sein, niemals den Rücken zuwenden können.“

„Marions Fähigkeiten sind außerordentlich. Die Hingabe, diese absolute und vollkommene Hingabe an den Moment. So tief und vollständig hat sie die Bedeutung jeder kleinen Geste, jedes Blicks erlebt“, meint der Regisseur. Auch Schauspielkollege Depp war wie so viele am Set von Cotillards Performance berührt: „Ich war zutiefst beeindruck von Marions Hingabe an Billie“, sagt Depp. „Sie war so behutsam und umsichtig bei der Verkörperung von Billie. Marion hat unglaublich hart am Akzent gearbeitet und hat sich mit Leib und Seele dieser Rolle hingegeben. Ich schätze sie wirklich sehr, sowohl persönlich als auch als Kollegin.“

Als weitere Darsteller wählte Mann eine Elite internationaler Schauspieler. Zwei der Hauptverbündeten von Dillinger werden von den australischen Darstellern David Wenham und Jason Clarke gespielt, als Harry „Pete“ Pierpont respektive John „Red“ Hamilton; der britische Schauspieler Stephen Graham wiederum spielt den berüchtigten Psychopathen Baby Face Nelson.

Zur Abrundung von Dillingers Gang sind der amerikanische Schauspieler Stephen Dorff als unverbesserlicher Clown und kaltblütiger Killer Homer Van Meter, John Ortiz als Ganoven-Boss Phil D’Andrea, Giovanni Ribise als Zug- und Bankräuber Alvin Karpis, Channing Tatum als Pretty Boy Floyd, Christian Stolte als ruhiger Killer Charles Makley und Spencer Garrett als Tommy Carroll mit von der Partie.

In den Rollen der Chicagoer Gangster und Mädchen sehen wir John Michael Bolger als korrupten Cop Martin Zarkovich, Bill Camp als Al Capones Zeitgenossen Frank „the Enforcer“ Nitti, Domenick Lombardozzi als Gilbert Catena, Peter Gerety als Anwalt Louis Piquett, Branka Katic als Madam Anna Sage – besser bekannt als Verräterin „Lady in Red“ – und Leelee Sobieski als Prostituierte Polly Hamilton.

Auf der anderen Seite des Gesetzes stehen Billy Crudup als junger J. Edgar Hoover, Rory Cochrane als Agenten-Kollege Carter Baum, Stephen Lang als Agent Charles Winstead, Matt Craven und Don Frye jeweils als Agenten Gerry Campbell und Clarence Hurt, Shawn Hatosy als Agent Medala, John Hoogenakker als Agent Clegg, David Warshofsky als Gefängnisdirektor Baker und Emilie de Ravin als Bankgeisel Anna Patzke.

Produktion: Design und Kamera

Die größte Herausforderung, vor der Regisseur Mann stand, lag darin, das Amerika des 21. Jahrhunderts zurückzuverwandeln in die Welt der frühen 1930er Jahre. Da es für diesen Film rund 114 unterschiedliche Sets auszugestalten galt, begann das Art Department schon lange vor den Dreharbeiten mit der Arbeit. Zusätzlich zur Entwicklung der Sets mit seiner Crew fand Mann es wichtig, an so vielen Originalschauplätzen wie möglich zu drehen. Da Dillinger und seine Gang auf Bankraub-Tournee durch den ganzen amerikanischen Mittleren Westen reisten, sollte das bei den Dreharbeiten genauso sein.

Als feinsinniger Historiker gibt der Autor und Regisseur ein Beispiel dafür, wie leicht es für Dillinger und seine Gang war, nach einem Raub mit allem durchzukommen: „Die Polizei von Indiana beschäftigte gerade einmal 27 Beamte – für den gesamten Bundesstaat. Die Gesetzeshüter arbeiteten auf lokaler Ebene, waren unterbezahlt, schlecht ausgerüstet, und haben sich mit keinerlei anderen Behörden abgestimmt. Sie wussten nicht, was im benachbarten Kreis passierte, außer vielleicht durch in Kaffees oder Bars erzählte Anekdoten. Wenn man also zu einer Bankräuber-Gang gehörte, konnte man in Indiana getrost eine Bank ausrauben, über die Grenze nach Illinois fahren und frei sein. Es gab keine Bundesstaaten übergreifende Gesetzgebung und keinerlei Polizeibehörde auf nationaler Ebene.“

Dillingers Aufenthaltsorte

Viele der Orte, an denen sich Dillinger seinerzeit aufhielt, gibt es heute noch, auch wenn die jeweiligen Gebäude in sehr unterschiedlichen Erhaltungszuständen sind. Glücklicherweise konnten die Filmemacher drei der herausragenden Originalschauplätze seiner Auseinandersetzungen mit der Polizei nutzen: das Lake Conty Gefängnis in Crown Point (Indiana), die Little Bohemia Lodge in Manitowish Waters (Wisconsin) und das Biograph Theater auf der Lincoln Avenue in Chicago (Illinois).

Vor Dillingers gewagter Flucht in Sheriff Lillian Holleys (Lily Taylor) persönlichem Automobil – nachdem er aus einem Waschbrett eine hölzerne Waffe geschnitzt hatte – hatte das Lake County Gefängnis ihn vorübergehend als widerwilligen Gast. Produktionsdesigner Nathan Crowley erläutert zu dieser Location: „Das Vorderteil, wo Sheriff Holleys Wohnhaus untergebracht war, befand sich in einem sehr schlechten Zustand, und der hintere Teil des Gebäudes, in dem sich das Gefängnis befand, war ziemlich verrostet und heruntergekommen. Also mussten wir nicht viel dazuerfinden, was fantastisch war. Wir benutzten die echten Flure und die echte Geographie.“

Eines der berühmtesten Fotos, die je von Dillinger gemacht wurden, entstand in diesem Gefängnis. Der Gangster zeigt ein schiefes Grinsen und lehnt sich an die Schulter von Staatsanwalt Robert Estill (Alan Wilder). Dieses Foto sollte schließlich Estills viel versprechende politische Karriere sabotieren. Da während der Pressekonferenz in dieser Haftanstalt viele Fotos gemacht wurden, besonders in den gemeinsam genutzten Räumen, konnte Crowleys Team das Areal akkurat nachbilden. Zum Inneren der Zellen gab es jedoch keinerlei Fotos, deshalb wurde die Ausstattung besonders einfühlsam nachvollzogen.

An der Little Bohemia Lodge konnten Agenten aus Chicago und St. Paul im Frühjahr 1934 Dillinger und seine Gang umzingeln, wurden dann jedoch wieder einmal ausgetrickst. Gemeinsam mit dem berüchtigten Baby Face Nelson, Homer Van Meter und Red Hamilton hatte Dillinger gerade eine Bank ausgeraubt und war nach Nord-Wisconsin geflüchtet. Es folgte eine gewalttätige Schießerei, bei der ein unschuldiger Einwohner getötet wurde; auch FBI-Agent Carter Baum wurde von Nelson umgebracht. Im Little Bohemia wurde auf die Woche genau 74 Jahre nach Dillingers Flucht vor den Feds vor Ort gedreht.

Dieses Gästehaus in den Bergen ist eine Touristenattraktion, die heute als Restaurant dient, und es erforderte einigen Einsatz, die damalige Ära nachzubilden. Die Zimmer der Gangster mussten nachgebaut, Büsche und Sträucher auf dem Gelände gepflanzt werden, und das Design-Team war akkurat bei der Aufgabe, das Little Bohemia so aussehen zu lassen wie zu Dillingers Hochzeiten.

„Wir konnten nicht nur am echten Ort des Geschehens drehen, sondern sogar in Dillingers damaligem Zimmer selbst“, berichtet Mann. „Wie man sich vorstellen kann, entsteht so eine ganz gewisse Magie, ein Echo, wenn Johnny Depp in dem Bett liegt, auf dem Dillinger selbst einst lag. Wenn er seine Hand auf die Klinke legt und die Tür öffnet, ist es genau die selbe Klinke, die Dillinger damals berührt hat.“

Die gesamte Dillinger-Gang entkam damals erfolgreich aus dem Little Bohemia, und der Vorfall wurde zu einem schwarzen Tag in der Geschichte des FBI. Auch heute noch beherbergt das Little Bohemia etliche Überbleibsel und Reliquien aus der Schießerei um Dillinger, darunter Einschusslöcher, zerbrochene Fenster und sogar Gepäckstücke, die die Gangster in der Eile nicht mitnehmen konnten. Mann meint: „Es war ein schlimmer Tag für J. Edgar Hoover und das FBI.“

Melvin Purvis’ Assistentin aus jener Zeit, Doris Rogers Lockerman, war sehr hilfreich, um sowohl die Menschen als auch die damaligen Umstände für die Schauspieler und Filmemacher verständlich zu machen. Laut Aussage der heute 92-jährigen Lockerman hantierte die Dillinger-Gang mit schweren Waffen und hing an den Seite der Automobile während ihrer Flucht nach einem Raubüberfall. Sie erklärt, das seien einfach harte junge Kerle gewesen.

Andererseits berichtet sie auch davon, dass die FBI-Agenten meist Jura studiert hatten, gut ausgebildet und auch sportlich, aber einfach nicht unter so harten Bedingungen wie die Kriminellen aufgewachsen waren. Deshalb hatten die Gangster einen deutlichen Vorteil, basierend auf ihrem körperlichen Einsatz und Durchhaltevermögen.

Für den Schauspieler in der Rolle von Purvis war es umso wichtiger, an den gleichen Orten wie sein reales Vorbild zu arbeiten. Christian Bale spürte das besonders in den Wäldern beim Little Bohemia: „Wenn man am Originalschauplatz dreht, muss man sich davor verneigen“, sagt Bale. „Es ist unglaublich hilfreich, am wirklichen Ort des Geschehens zu stehen, im selben Wald – und einfach eine Weile still dort zu sitzen – wie der Mann, den man porträtiert. Genau hier stand er wirklich im Kugelhagel und hat auch selbst geschossen.“

Geschichts-Kenner helfen dabei, diese Niederlage, die Purvis fast aus dem FBI fliegen ließ, in ihren Kontext einzuordnen. Produzent Misher erklärt zur Rechtfertigung der erfolglosen Bemühungen des FBI an der Lodge: „Es war gefährlich. Sie liefen in eine unübersichtliche Einbahnstraße voller Leute, die mit ihren Händen und Waffen gut umgehen konnten. Die Frage lautete, ob Melvin Purvis ein fähiger Mann war oder nicht. Dieser Film gibt die Antwort darauf. Letztendlich leitete Purvis den Angriff, der zu John Dillingers Ende führte: Mission ausgeführt.“

Der berühmteste Schauplatz, der für diesen Film wieder aufbereitet wurde, war das Biograph Theater auf der Lincoln Avenue in Chicago. Laut Crowley „bekam diese Straße das größte Face-Lifting. Die ganze Avenue ist heutzutage sehr heruntergekommen, und seit den 1930ern hat sich alles ziemlich verändert. Die Straße im Film ist ein Ergebnis von Recherchen und Designarbeit.“

Eine Kombination aus Straßenbahnen der damaligen Zeit, Pflastersteinen am Rand, etlichen Geschäftsfassaden aus den 30ern und historischen Automobilen vervollständigten den gespenstischen und realistischen Look in einer Zeitreise zurück in den Abend des 22. Juli 1934, der Nacht, in der John Dillinger von der „Lady in Red“ verraten und von Purvis’ Männern erschossen wurde.

Niemand war so geschockt von diesem Ereignis wie Dillinger selbst. Obschon er wusste, dass seine Glückssträhne nicht von Dauer sein würde, hatte er doch nicht vorhergesehen, dass sein Leben so bald zu Ende sein sollte. Regisseur Mann erklärt, weshalb der Gangster sich so unbeschwert in der Öffentlichkeit bewegte: „Dillingers angeborenes Charisma, seine Meisterschaft bei den Public Relations, machten ihn so beliebt – also versteckte er sich mitten in der breiten Öffentlichkeit. Es gab Leute, die ihn sahen, ihn erkannten, ihn aber nie den Behörden meldeten.“ Bis auf die „Lady in Red“.

Doch zunächst brauchen wir etwas Hintergrundinformation: Anna Sage war aus Osteuropa eingewandert und betrieb ein Bordell; sie hatte Schwierigkeiten mit der Einwanderungsbehörde der Regierung. Um der Deportation zu entgehen, gab sie Purvis und dem FBI den Tipp, dass Dillinger sich an besagtem Abend den Gangster-Film „Manhattan Melodrama“ (mit Clark Gable und Myrna Loy) im Biograph-Kino anschauen wollte. Als Schlüsselfigur bei diesem Verrat wurde Sage als „Lady in Red“ bekannt, da sie vor dem Kino stand. Eigenartigerweise trug sie zwar ein orangenes Outfit, aber die künstliche Beleuchtung ließ ihr Kleid rot aussehen. Diese „Kosename“ bezeichnet seither eine verräterische, hinterhältige Frau.

Als Dillinger mit seiner damaligen Freundin Polly Hamilton an einem und Anna Sage am anderen Arm das Kino verließ, zündete sich Purvis eine Zigarre an, um den Beamten, die sich dort postiert hat, das verabredete Zeichen zu geben. Innerhalb von Sekunden wusste Dillinger, dass etwas nicht stimmte; er zog seine Waffe, aber es war zu spät. Er wurde drei Mal getroffen und fiel tot in eine Gasse, wenige Schritte vom Kino entfernt.

Als die Filmemacher den Ablauf der Ereignisse rekonstruierten, war Mann akkurat. Er erklärt den Prozess: „Wir haben die Straße von dem Biograph-Kino nachgebaut. Es wurde so gemacht, dass wir genau bestimmten konnten, wo sich Dillinger befand, als er starb – genau das Stück Straßenpflaster, auf dem er lag -, damit Johnny Depp in dieser Szene genau das sah, was auch Dillinger als letztes gesehen hat. Das bedeutet einem Schauspieler und seinem Regisseur wirklich sehr viel… sich in genau der Umgebung zu bewegen, die eigene Ungläubigkeit zu überwinden und sich ganz dem Zauber des Augenblicks hingeben zu können.“

Johnny Depp stimmt zu; er konnte nicht anders, als sich der Umgebung des Biograph-Kinos zu unterwerfen: „Wo immer man auch hinblickte, es war das Jahr 1934. Es war absolut unglaublich, genau vor diesem Kino zu stehen. So weit das Auge reichte, schrieben wir 1934… von der Straße über die Fassaden bis hin zu den Lampen. Jedes Detail stimmte. Ich ziehe meinen Hut vor Michael. Seine Liebe zum Detail ist unvergleichlich.“

Raubüberfälle in Wisconsin

Zu den weiteren Drehorten für „PUBLIC ENEMIES“ zählten verschiedene Ortschaften in Winsconsin, darunter Columbus, Milwaukee, Madison, Darlington, Oshkosh. Sowohl Mann als auch Crowley hatten ihr Augenmerk auf architektonische Merkmale jener Zeit sowie auf Straßenzüge gerichtet, die man in die Zeit um 1933-1934 zurückversetzen konnte.

Im Falle von Oshkosh und Columbus entschied man sich für eine expansivere Herangehensweise: ganze Häuserblocks der Innenstädte wurden für die Dreharbeiten umgestaltet. Die gesamte Arbeit wurde mit Zusammenarbeit der jeweiligen Stadtverwaltungen und Eigentümer. Da die Dreharbeiten an diesen Orten sich über längere Zeit erstreckten, konnten die potentiellen logistischen Probleme auf ein Minimum reduziert werden.

Der Produktionsdesigner erklärt: „Dillinger überfiel Banken in Kleinstädten, also brauchten wir Orte, die nicht modernisiert worden waren oder zumindest keine der großen kommerziellen Ketten beinhalteten, die schwer zu entfernen sind. Columbus ist sehr stolz auf die historische Altstadt, also haben wir dort die Zeit zurückgedreht. Damit meine ich alles: Pflastersteine, Ampeln, Schilder und Häuserfassaden.“

„Wir mussten rund 30 Geschäfte umgestalten, also suchten wir wirklich nach einem Ort, der gerne behilflich sein und uns wirklich dort haben wollte“, fügt Crowley hinzu. Auch ein ausgefeilter Banküberfall wurde sowohl in als auch vor einem Gebäude in Oshkosh gedreht. Da diese Szene nach einer Flucht im Auto verlangte, wurde etliche Fronten entsprechen umgestaltet.

Dreharbeiten in Chicago

Während seiner Raubzüge kam Dillinger häufig durch Chicago, weshalb etliche Szenen in dieser Stadt gedreht wurden: die meisten Büro-Szenen, aber auch etliche Wohnungen waren darunter. Die Filmemacher hielten sich in seiner echten Nachbarschaft auf, um den Look und das Feeling entsprechend umzusetzen. Die Ankunft der Agenten aus Dallas z.B. wurde im Chicagoer Bahnhof gefilmt, inklusive echter Dampflok aus der damaligen Zeit. Crowley erzählt: „Wir haben einige der großen Straßen in Chicago angesiedelt, um der Großstadt echte Ausmaße zu verleihen.“

Für Mann und seinen fünfmaligen Mitarbeiter, Kameramann Dante Spinotti, war es ausschlaggebend, ein in den 30er Jahren spielendes Drama so zu filmen, dass es nicht wie ein Kostümfilm wirkt. Der Regisseur erläutert: „Ich versuche hier alles zu vermeiden, was wie ein überkommener nostalgischer Filter anmutet, durch den man die Dinge alt aussehen lassen will. Wenn man am Morgen des Dienstag, 17. März 1934 lebendig ist, dann ist alles sehr unmittelbar, greifbar und echt. Es ist ein kalter, regnerischer Tag, wir sind in Chicago, und alles ist in Farbe. Es ist sehr vibrierend, und so viel hat sich nicht verändert. So konnte ich mir vorstellen, zu jener Zeit wirklich und wahrhaftig dort zu sein.“

In Chicago – genau wie während der gesamten Produktion – setzten Spinotti und Mann multiple HD-Kameras in fast jeder Szene ein. Zu diesem Equipment gehörten vier der neuen Sony HDC-F23 sowie die XDCAM-EX1. Spinotti meint: „Es ist eine Kombination aus Handkameras, die sich den Gesichtern der Schauspieler sehr nähert, alles mit extrem langen Brennweiten gedreht. Doch im selben Setup haben wir zumindest eine weitere Seite der Ereignisse eingefangen. Das bietet eine Unmittelbarkeit in Echtzeit und vermittelt das Gefühl, Zeuge der Ereignisse zu sein, was für die Dreharbeiten zu diesem Film von großer Bedeutung war.“

Dieses Gefühl der Unmittelbarkeit erstreckt sich auch auf die Vorstellungen bei Thema Beleuchtung: Die Ausleuchtung der Umgebung war ebenso wichtig wie die der jeweiligen Darsteller. Spinotti erklärt: „Wir haben den extremen Realismus der Situation immer im Auge behalten, denn wir wollten die damalige Zeit und die jeweilige Szene auf aggressive, greifbare Weise darstellen. Also haben wir die ganze Szene ausgeleuchtet, den jeweiligen Shot jedoch nur in Ausnahmefällen. Die Schauspieler müssen richtig aussehen, wenn ihre Nahaufnahme kommt, die von einer Close-Up-Kamera aufgezeichnet wird, während eine andere Kamera den Reverse-Close-Up eines anderen Darstellers einfängt.“

Produktion: Der Arm des Gesetzes

Eines der Schlüsselelemente für die durchgehende Akkuratesse in der Produktion von „PUBLIC ENEMIES“ war die nachhaltige Zusammenarbeit mit dem FBI. Sowohl Betsy Glick aus der Zentrale als auch die Agenten Dale Shelton und Royden R. Ryce aus der Niederlassung in Chicago unterstützte das FBI die Filmemacher intensiv: bei der Dokumentation vieler Fakten aus dem Dillinger-Fall sowie bei anderen Tätigkeiten, darunter die Bereitstellung von Mobiliar und Aktenschränken aus der damaligen Zeit für das FBI-Set.

Waffen-Experte Shelton traf sich mit Mann und Crewmitgliedern, als diese das FBI-Büro in Chicago sowie das dortige Waffenlager besuchten. Agent Shelton war auch fast täglich am Set, um die Integrität der FBI-Szenen sicherzustellen und mit dem Filmteam an den entsprechenden Feuerwaffen zu arbeiten. Außerdem wurde er von Mann in etlichen Szenen auch als Darsteller eines FBI-Agenten engagiert.

Shelton sagt: „Wie ich gehört habe, war Hoovers Definition des idealen Agenten jemand, der sauber, körperlich fit und in der Lage war, geradeaus zu schießen, wenn es nötig wurde. Außerdem konnten diese Agenten lange Arbeitstage durchstehen und hatten persönliche Fähigkeiten, um Menschen die jeweils benötigten Informationen zu entlocken.“

Gemeinsam mit dem taktischen Berater und Waffen-Spezialisten Mick Gould ließ Mann die Schauspieler, die FBI-Agenten darstellen sollten, aber auch die Gang-Mitglieder in der Handhabung von Waffen, im Autofahren und anderen relevanten Tätigkeiten trainieren. Sämtliche Rollen waren körperlich sehr anspruchsvoll und verlangten von den Schauspielern zu rennen, auf Banktresen zu klettern sowie schwere, unhandliche Waffen zu tragen.

Obwohl Depp und Bale zuvor bereits Waffen-Training für andere Spielfilme absolviert hatten, stellten sie schon bald fest, dass die Schusstechnik für „PUBLIC ENEMIES“ sich doch ziemlich davon unterschied. Agent Shelton erklärt: „Wenn man damals eine Feuerwaffe benutzte, schoss man mit nur einer Hand. Man dachte noch nicht einmal daran, beide Hände zu benutzen. Erst in den 1940er Jahren kam man auf die Idee, dass man beidhändig eine weitaus stabilere Schussplattform hatte. Außerdem war das gesamte Auftreten völlig anders, eher wie bei einem Sportschützen. Auch diese Taktik hat sich natürlich wie alles andere im Laufe der Jahre weiterentwickelt.“

Misher war sehr beeindruckt davon, dass Dillingers Gang so gekonnt mit den schweren Waffen umzugehen wusste. Für diese Produktion war ihm bewusst, dass den Schauspielern einiges abverlangt werden würde, um die Schießereien realistisch wirken zu lassen: „Wenn man sich die Waffen ansieht, die Dillinger und seine Gang trugen, diese Tommy-Guns mit großen Trommeln, dann stellt man fest, wie schwer sie waren. Manche wogen rund 80, 90 Pfund. Und dabei halten sie sich an der Außenseite der Autos fest, während sie nach dem Bankraub aus der Stadt preschen.“

Depp erwies sich während der Vorproduktion als schneller Schüler: „Meistens trug ich im Film eine 1921er Thompson Maschinenpistole und ein paar 45er“, sagt der Schauspieler. „Ich hatte aber eine intensive Vorbereitung. Mit Waffen gehe ich um, seit ich fünf oder sechs Jahre alt war, also hatte ich hier schon einen großen Vorteil.“ Er fügt hinzu: „Wenn man so ein Biest umgeschnallt hat und das Magazin leer schießt, 50 Kugeln in einer Trommel, dann ist das ein gutes Gefühl.“

Auch Bale wurde von den Behörden bestens darüber unterrichtet, was seine Filmfigur tun und nicht tun würde: „Zu meinen Erfahrungen mit dem FBI gehört ein faszinierender Tag in Quantico mit Michael, außerdem habe ich viele der echten Waffen gesehen, die bei Vorfällen mit Dillinger im Spiel waren. Wir haben dem FBI viele Fragen gestellt und sie gelöchert bei Diskussionen um moderne versus ehemalige Vorgehensweisen sowie zur Person von Purvis. Auch während der Dreharbeiten in Chicago hat uns das FBI sehr unterstützt, einige Agenten haben sogar im Film mitgespielt.“

Bale war jedoch nicht der einzige, der über Dillinger und seinen Erzrivalen unterrichtet wurde. „Ich habe festgestellt, dass auch wir ihnen viel Information über Purvis liefern konnten. In den FBI-Aufzeichnungen wurde vieles von dieser Geschichte einfach gelöscht.“

Produktion: Die Verwandlung in die 30er Jahre

Zu den weiteren Abteilungen, die dazu beitrugen die Umgebung der 1930er Jahre zu erzeugen, gehören Haare, Makeup, Kostüme und Automobile. Diese ästhetischen Elemente waren für Mann besonders wichtig, denn er wollte betonen, wie Dillinger nach fast einem Jahrzehnt trübem Daseins hinter Gittern in die Freiheit entlassen wurde und auf eine völlig neue Welt stieß. Als er in Chicago ankam, fand der Gangster ein unglaublich buntes und einladendes Leben vor. Er wollte alles haben. Und zwar sofort.

„Verglichen mit dem Umfeld, das Dillinger gerade hinter sich gelassen hatte, waren die Umstände dort einfach überwältigend“, meint Mann. „Sein vorheriges Dasein, sein Alltag, alles war so grob, und die Beamten sehr brutal. 1933 dann plötzlich auf der Straße zu stehen, diese Kleidung und Autos zu haben, das brodelnde Leben um sich zu spüren, das wäre ein verrücktes Gefühl. Er hatte doch gerade eine tolle Zeit, warum sollte er sich über die Zukunft Sorgen machen?“

Haare & Makeup und Kostüme

Aufgrund der heftigen Wirtschaftsflaute in den Krisenzeiten der Großen Depression waren die Frisuren eher aus der Not geboren denn an der Mode orientiert. Emanuel Millar, Leiter der Frisuren-Abteilung, berichtet: „Die Leute ließen sich im Central Park die Haare schneiden, Frisur und Rasur kosteten zusammen fünf Cents. Die Männer wollten sich die Haare nur schnell ein wenig stutzen lassen, am Hinterkopf und um die Ohren herum, und dann wieder den Hut aufsetzen und gehen. Man machte sich nicht wirklich viel aus Schnurbärten oder Bärten. In den 1930er Jahren sah man nicht viel Gesichtsbehaarung. Die Leute wollten schnell und unkompliziert bedient werden.“

Dennoch nutzte Depp etliche physische Merkmale zur Ausgestaltung seiner Rolle, darunter eine Schnittnarbe am Hinterkopf und ab und an einen Schnurrbart in der Art, wie ihn Dillinger einst trug.

Glücklicherweise konnten sich die Filmemacher an einigen Bildern von Billie Frechette orientieren, um Cotillards Figur auszuarbeiten. Jane Galli, Leiterin der Makeup-Abteilung, die auch an der Verwandlung der Schauspielerin mitwirkte, sagt: „Da Billie an der Hutgarderobe arbeitete, haben wir sie gemäß der damaligen Zeit geschminkt, aber ohne sie glamourös wirken zu lassen. Doch damals waren die Frauen trotz allem immer manikürt, zupften sich die Augenbrauen und trugen Lippenstift.“ Galli erklärt, dass damals die Farbe Rot sowohl für Nägel als auch für die Lippen sehr en vogue war, doch interessanterweise ließ das Interesse am Küssen stark nach: Lippenstift war recht teuer, und die Frauen wollten ihn nicht abnutzen.

Dillinger war alles andere als ein Durchschnittstyp, und sein Geschmack für die guten Dinge des Lebens spiegelte sich auch in seiner Garderobe. Mann sagt: „Dillinger war von dem Leben berauscht, das ihm im Gefängnis versagt geblieben war, und wollte alles haben… und zwar auf der Stelle. Er war sophisticated. Er wusste immer, was gerade angesagt war, sowohl bei der Kleidung als auch was die Sprache der Zeit anbetraf. Das wissen wir aus Fotos von damals und aus Briefen, die er seinen Nichten und seiner Schwester schrieb.“

Kostümdesignerin Colleen Atwood, zweimalige Oscar-Preisträgerin, wurde mit den Looks für die zahlreiche Besetzung betraut – angefangen bei Dillingers smarten Anzügen über Frechettes ausgefeilten Kostümen bis hin zu Purvis’ perfekt geschnittener Garderobe.

Depp berichtet über seine Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dieser Legende: „In den vergangenen 20 Jahren hatte ich öfter das Vergnügen, mit Colleen Atwood zusammenzuarbeiten, und sie ist eine echte Magierin! Sie ist beeindruckend. Bei jeder Figur hat man eine deutliche Vorstellung davon, wer sie ist, besonders bei jemandem wie Dillinger. Bei Colleen muss man gar nichts sagen: Man betritt einen Raum, und sofort hat sie einen perfekt eingekleidet.“

Marion Cotillard sagt zum von Atwood für Billie erschaffenen Look: „Wenn man sich Fotos von ihr ansieht, ihre Frisur betrachtet, dann stellt man fest, dass Billie eher schlicht war. Natürlich wollte sie auch hübsch aussehen, aber wir haben ihr einen schlichten Look gegeben, zwar schön… aber nicht zu ärmlich und auch nicht zu üppig.“

Automobile im Film

Zu den beeindruckendsten visuellen Elementen in diesem Film gehören die Automobil-Klassiker. Fuhrpark-Koordinator Blaine Currier und Howard Bachrach suchten im Mittleren Westen und auch landesweit intensiv nach geeigneten historischen Fahrzeugen für diese Produktion.

Currier erklärt, dass „PUBLIC ENEMIES“ schließlich über 20 „Hero“-Autos zur Verfügung hatte, die eine große Rolle spielen, während 1.000 bis 1.500 weitere Autos im Hintergrund eingesetzt wurden. Obwohl viele der historischen Autos eher quadratische Formen hatten, mussten man hier flexibel sein: „Michael Mann liebt den abgerundeten, kurvigen Stil, der in Designs der 1933er bis 1935 auftauchte“, meint Currier.

Die Motoren der damaligen Autos wurden immer besser, und so gelang Dillinger mehr als eine spektakuläre Flucht. Currier erklärt: „Der V8-Motor, der 1932 auf den Markt kam, wurde 1933 von zwei Gangstern berühmt gemacht: Clyde Barrow und John Dillinger. Beide schrieben Briefe an Ford, in denen sie ihre Liebe zu diesem Auto beschworen. Wann immer sie damit flüchten konnten, schafften sie es mit Leichtigkeit, die Polizei und auch jeden anderen abzuhängen.“

Doch nicht jeder hatte das Glück, diese Autos auch fahren zu dürfen. Bale meint: „Das FBI hatte nicht viele Fahrzeuge, denn sie hatten nicht die Mittel, um alle ihre Männer damit auszustatten. Oft mussten sie Leute darum bitten, ihre Fahrzeuge auszuleihen. Es ist einfach lächerlich, in welche Situationen diese Männer gerieten und was für Schwierigkeiten sie überwinden mussten. Als sie Richtung Little Bohemia fuhren, hatten zwei ihrer Autos eine Panne. Also mussten die anderen Agenten mitten in der eisig kalten Nacht auf die Trittbretter springen. Sie konnten sich kaum halten, und bei der Ankunft waren ihnen die Finger blau gefroren.“

Die allgemeine Faszination mit dieser Ära, und insbesondere mit John Dillinger, hat in den vergangenen Jahrzehnten nicht abgenommen, da stets weitere Dokumentarfilme, neue Sendungen und Mythen entstehen. Im gesamten Land können die Menschen ihren Appetit auf die Staatsfeinde der 1930er Jahre stillen, indem sie die ausgestellten Dillinger-Fahrzeuge und andere makabre Gegenstände aus der damaligen Zeit besichtigen.

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