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Noch'n Spruch, Kieferbruch!

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Poltergeist Poster
© Fox

„Im Weltall hört Dich niemand schreien!“

Das sind ja gleich drei Dinge auf einmal: Was Spannendes, was zum Gruseln und jede Menge Blut! Bild: Fox

Als dieser Satz vor 25 Jahren die Runde machte, musste man noch nicht mal den Titel, geschweige denn die Handlung des Films kennen: Der Kinogänger erahnte schon aus diesen wenigen Worten, welches Grauen ihn in Ridley Scotts SciFi-Horror erwarten würde. Und der legendäre Höllentrip mit Sergeant Ripley in „Alien“ hielt im Dunkel des Kinosaals alles, was der Werbeslogan versprochen hatte.

„Tagline“ nennt Hollywood die kurzen Satzbrocken, mit denen die Kinogänger geködert werden sollen. Sie prangen vom Plakat, erklingen mit sonorer Stimme gesprochen im Trailer und nisten sich nach Wunsch der Macher tief im Unterbewusstsein der Filmfans ein.

Das glaubten schon vor Spielbergs "Unheimliche Begegnung der dritten Art" viele Bild: Columbia Tristar

10.000 $ pro Silbe

Am besten funktioniert das natürlich bei Horror und Science Fiction. Die Fantasie der Kinogänger wird im Erfolgsfall so angestachelt, dass die fantastische Welt des Films schon vorher im Kopf entsteht.

Deswegen ist eine gute Tagline den Machern satte 50.000 Dollar wert. Beauftragt werden meist professionelle Werbetexter, die sonst Bier, Damenbinden und Hundefutter an den Kunden bringen. Wenn der Slogan tatsächlich vom Studio abgesegnet wird, gibt’s nochmal einen fetten Bonus obendrauf. Und das alles für einen kurzen Satz wie „Wir sind nicht allein“, mit dem zum Beispiel Steven Spielberg seine „Unheimliche Begegnung der dritten Art“ anpries.

Außerdem bringen wir Euch sprachliche Perlen wie "Blitzdingsen"! Bild: Columbia Tristar

Anzug, Sonnenbrille, flotter Spruch

Auch die „Men in Black“ waren um coole Sprüche weder auf der Leinwand noch auf dem Plakat verlegen: „Sie schützen die Erde vor dem Abschaum des Universums“ hieß es zu Teil 1 und die Fortsetzung versprach „Derselbe Planet. Neuer Abschaum.“ Diese Taglines gehören nach Expertenmeinung zu den besten.

Doch leider hapert es oft mit der Übertragung ins Deutsche. Der Horrorklassiker „Poltergeist“ hatte den knackig-kurzen Slogan „They’re here“, der eindeutig von Steven Spielbergs oben erwähntem „We are not alone“ inspiriert war. Doch statt der wörtlichen Übersetzung „Sie sind hier“ verwendete man auf dem deutschen Plakat die holprige Verschlimmbesserung „Er ist da. Er weiß, was Dich erschreckt.“

Übersetz mich oder ich fress Dich! Bild: UIP

Ich zeig’s Dir

Vor allem bei Taglines zu neueren Werken aus der Traumfabrik gerät die Übersetzung zum echten Problem. Will Smith beispielsweise wird demnächst in „Hitch“ ungeschickten Männern die Kunst der Verführung beibringen. „The cure for the common man“ verspricht der US-Slogan, wörtlich etwa „das Heilmittel für durchschnittliche Männer“.

Weil das den deutschen Promotern aber zu ungelenk klingt, gab man dem US-Titel einfach einen deutschen Untertitel „Hitch - Der Date Doktor“. Ohne zusätzlichen Slogan. Schade nur, dass die Verbindung von „Date“ und „Doktor“ Assoziationen auslösen wird, die sicher nicht im Sinne des Erfinders liegen.

Wilhelm Schmidt lädt alle, die nicht wissen, wie das geht, zum Doktorspielen Bild: Sony Pictures

In Deutschland wird nicht getötet

Schlicht peinlich auch die deutsche Fassung des Entführungsthrillers „Cellular“ mit Kim Basinger, der mit der englischen Tagline „If the signal dies, so does she“ wirbt. Weil das englische Wort „Cellular Phone“ für ein Handy im Deutschen nicht geläufig ist, taufte man den Film in „Final Call“ um und verpasste dem Film die kilometerlange Tagline als Untertitel: „Final Call - Wenn er auflegt, muss sie sterben“. Schade nur, dass damit die komplette Handlung verraten wird.

Früher machte man es sich einfacher, wenn die englische Tagline ungeeignet schien: Man strich sie ersatzlos. So hatte die legendäre Gangsterballade „Bonnie und Clyde“ das schöne Sprüchlein „They’re young, they’re in love and they kill people“, also „Sie sind jung, sie sind verliebt und sie töten.“ Das schien zum Kinostart 1967 in Deutschland wohl zu martialisch. Aber wenn der Film am 23.6.2005 als Wiederaufführung ins Kino kommt, haben die deutschen Kreativen ja eine zweite Chance.

Beim Übersetzungsbüro waren leider dauernd die Leitungen blockiert… Bild: Warner

Das Kino-ABC für ganz Dumme

Der verstorbene Superman Christopher Reeve schwang sich 1977 noch mit dem Slogan „You’ll believe a man can fly“ in die Lüfte. Zu deutsch: „Sie werden glauben, dass ein Mensch fliegen kann.“ Daraus wurde einfallsreich „Superman - Der Film“ - wohl deswegen, weil man die Kundschaft für so dämlich hielt, dass sie sonst vielleicht an der Kinokasse statt ein Ticket zu kaufen nach einem Comic-Heft fragen könnte.

Die amerikanischen Originalsprüche kommen übrigens nicht immer von Auftragstextern. Manchmal greift auch der Drehbuchautor, der Produzent oder gar einer der Studiobosse zur Feder.

Sprücheguru George Lucas: Angeblich stand er auch für Yodas Grammatikprobleme Pate Bild: Fox

Angriff des Wortkriegers

George Lucas

Nun darf man auf den Slogan zu „Episode III“ gespannt sein, nachdem schon um den Untertitel „Die Rache der Sith“ Monate im Voraus gerätselt wurde. Unser Vorschlag: „Wenn der mehr Kohle einspielt als ‚Titanic‚, mache ich noch drei.“

…uns ist der Kaffee ausgegangen! Bild: UIP

Ein ganzer Film um fünf Worte

Die erfolgreichste und bekannteste Tagline der Filmgeschichte stammt allerdings gar nicht von den Kreativen der Traumfabrik, sondern aus dem Mund eines gewissen John Swigert. Das Original-Zitat wird auf der Leinwand von Tom Hanks gesprochen: „Houston, we have a problem“ funkt „Apollo 13“ zur Erde.

Das war für die deutschen Übersetzer kein Problem.

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