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Fakten und Hintergründe zum Film "Poll"

Fakten und Hintergründe zum Film "Poll"
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Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Der Regisseur über den Film

„POLL ist ein historisches Drama, das ich aus sehr persönlichen Gründen seit 1996 verfolgt habe. Nicht etwa die Welt von gestern hat mich interessiert, sondern der Beginn einer Zeit, die noch heute die unsere ist. In vielen meiner Arbeiten spüre ich der Frage nach, wie ein Mensch gegen die Widerstände seines Umfelds bei sich selbst anzukommen vermag. Im Falle von POLL war dieser Mensch, der mir schon lange ein Leitbild wie auch ein Rätsel ist, Oda Schaefer.

Ich bin auf diese Schriftstellerin vor Jahrzehten während meines Germanistikstudiums gestoßen. Zu meiner großen Überraschung stellte sich damals heraus, daß sie meine Großtante war, mit Mädchennamen Oda Kraus hieß und in meiner Familie wegen ihrer angeblich kommunistischen Gesinnung nicht erwähnt werden durfte. Sie wurde totgeschwiegen, galt als inopportun, weil sie als eher linksintellektuelle Autorin in meine in Teilen nationalsozialistisch geprägte Verwandtschaft nicht hineinpaßte. Schon damals hat mich beschäftigt, wie es meiner Tante, die ich persönlich nie kennengelernt hatte, gelungen war, trotz ihrer Herkunft einen so radikal unabhängigen Weg einzuschlagen, den Weg der Selbstdefinition, der den Bruch mit einem Großteil ihrer Familie zur Folge hatte. Ich glaube, daß für mich diese erste, vor über zwanzig Jahren gestellte Frage immer noch den Kern des Filmes bildet: Wie finden wir zu uns selbst, wenn die Welt uns anders gemeint hat? Welchen Preis bezahlt man für eine Emanzipation, die nicht gewährt wurde und niemals verziehen wird?

Oda Schaefer hat nie an große Menschheitsideen geglaubt. Ich teile diese Skepsis. Denn allen Ideen haftet grundsätzlich, wenn man sie radikal zu Ende denkt, etwas Unmenschliches an. Weil sie logisch sind, diese Ideen, in sich schlüssig wie Mathematik. Du kannst zur Humanität nur finden, wenn du bei dir selbst landest. Beim nackten, widersprüchlichen Ich. Wie unendlich schwer das ist, darum geht es in POLL.“

Über die Produktion

Nach 14 Jahren Entwicklungszeit und drei Jahren Produktionsvorbereitung wurde POLL im Sommer 2009 in einem estnischen Naturschutzgebiet fernab aller Zivilisation realisiert. Der Hauptdrehort, das im Stile von Palladio entworfene Herrenhaus, wurde in sechsmonatiger Bauzeit auf Stelzen ins Meer gesetzt. Insgesamt über 1.000 Komparsen, Hunderte von Kostümen, 150 Teammitgieder aus halb Europa und eine ganze Flotte an Baumaterialien mußten in die Wildnis einer südestnischen Küstenlandschaft verbracht werden. Die enormen logistischen Probleme und die damit verbundenen Produktionsherausforderungen konnten nur bewältigt werden, da insgesamt 24 nationale und internationale Fernsehredaktionen und Filmförderer als Partner gewonnen werden konnten. POLL ist eine der ehrgeizigsten und aufwendigsten europäischen Filmproduktionen des Jahres.

Hintergrund zum Film

POLL basiert lose auf den Memoiren der Berliner Autorin Oda Schaefer (1900 – 1988), in denen sie ihren Kindheitsbesuch in der russischen Ostseeprovinz Estland kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges schildert. Die wechselhafte Geschichte dieses Landes ist heute kaum noch bekannt: Deutsche Kreuzritter hatten im Mittelalter weite Teile des Baltikums erobert, gerieten aber schließlich selbst unter die Hegemonie des Zarenreiches. Anfang des 20. Jahrhunderts übte die russische Regierung immer stärkeren Druck auf die Deutschbalten aus, denen ihre Privilegien, ihre Kultur und ihre Vorherrschaft über die unterjochten Esten genommen wurde. 1939 wurden die letzten Deutschbalten ins „Dritte Reich“ umgesiedelt.

Der Regisseur Chris Kraus schlägt ein fast vergessenes, faszinierendes Kapitel der europäischen Geschichte auf, vor dessen Hintergrund die leitsternhafte Liebe einer einst bekannten, heute weitgehend vergessenen Schriftstellerin aufleuchtet.