Polizeiruf 110: Zwischen den Welten

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   2013
Polizeiruf 110: Zwischen den Welten Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Polizeiruf 110: Zwischen den Welten: Dank René Heisigs Inszenierung wird aus einer wenig originellen Geschichte ein sehenswerter Krimi.

Sascha Bukow war mit seinen Jungs angeln und ist auf dem Heimweg, als ihm ein kleines Mädchen vors Auto läuft. Es führt den Kommissar zur Leiche seiner Mutter. Für Katrin König ist das ein ganz besonderer Fall: Sie war ähnlich klein, als ihre Mutter bei der Flucht aus der DDR starb. Das Duo findet raus, dass die tote Studentin zusammen mit einer Freundin ein Doppelleben als teure Prostituierte geführt hat: Die jungen Frauen haben angesehene Mitglieder der Gesellschaft mit Sexaufnahmen erpresst.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Im bisherigen Schaffen des Regisseurs René Heisig mag es nicht das eine herausragende Werk geben, aber er verfügt über eine Eigenschaft, die aus Sicht der Sender womöglich wichtiger ist als diverse Fernsehpreise: Es gelingt ihm regelmäßig, Reihenfiguren neue Seiten abzugewinnen.

    Deshalb knüpft „Zwischen den Welten“ nahtlos an die Qualität der bisherigen „Polizeiruf“-Beiträge des NDR an, obwohl die Handlung keineswegs besonders originell ist: Nach dem Tod einer Studentin entdecken die Ermittler, dass die Frau ein Doppelleben als teure Prostituierte geführt und ihre Kunden erpresst hat. Die Frage scheint bloß: War der Mörder einer der Freier oder doch ihr Ehemann?

    Natürlich bereichern Michael B. Müller und Jens Köster, deren Drehbuch vom vor allem als Autor eigener Filme wie „Sie hat es verdient“ oder „Zwölf Winter“ bekannten Thomas Stiller bearbeitet worden ist, die Geschichte um einige Wendungen und weitere Figuren; allen voran Studentin Lisa (Alice Dwyer), Kommilitonin und Geschäftspartnerin des Opfers. Doch im Grunde wäre der Krimi kaum weiter der Rede wert, wenn der Film nicht die horizontale Geschichte des Rostocker Ermittlerduos weitererzählen würde; und wenn Heisig und seine beiden Hauptdarsteller nicht so großartige Arbeit geleistet hätten. Natürlich erfinden Anneke Kim Sarnau und Charly Hübner Katrin König und Sascha Bukow nicht neu, das sollen sie ja auch gar nicht. Aber Heisig ist bekannt dafür, seinen Schauspielern viel Raum zur Entfaltung zu geben. Beide, Sarnau wie Hübner, neigen ohnehin nicht zu großen Gesten, doch hier agieren sie noch reduzierter und dennoch wirkungsvoller: weil Heisig beispielsweise beiläufige Blicke nicht mit einem Ausrufezeichen versieht, damit sie garantiert vielsagend wirken.

    Hübners herausragendes Talent zeigt sich zudem gerade im unterschiedlichen gemeinsamen Spiel mit den Darstellerinnen. Schon die Szenen mit Alice Dwyer sind von großer Intensität, zumal der spezielle Charme der Studentin durchaus Wirkung bei Bukow zeigt. Großartig gespielt sind die Momente, in denen sich Bukow um die kleine Tochter der Toten kümmert und genau den richtigen Ton trifft, um das Vertrauen des Kindes, das seine erschlagene Mutter gefunden hat, zu gewinnen; aus Sicht des Mädchens wirkt er wie ein riesiger freundlicher Bär. Mit viel Geschick sorgen Heisig und die Autoren zudem dafür, dass beide, Bukow und König, auch jenseits des Falls zu ihrem Recht kommen. Bukow, weil er sehenden Auges riskiert, dass seine Ehe an seiner Arbeit zerbricht; und König, weil sich im Schicksal des Mädchens ihr eigenes spiegelt, denn auch sie hat einst, wie sie rausfindet, den Tod ihrer Mutter erlebt.

    Zwar sorgt das Drehbuch dafür, dass die Nebenfiguren gleichfalls ihre Auftritte haben, doch diese kleinen Exkurse richten den Fokus nur noch stärker auf die Hauptfiguren. Katrin König ist ohnehin eine einsame Wölfin, aber auch Sascha Bukow wird trotz einiger liebevoller Szenen mit seinen Söhnen zum Einzelgänger, der seinen Urlaub opfert, um einen Mörder zu finden. Heimliches Herzstück des Films ist daher der Besuch einer Karaokekneipe, in der die sich das Duo erst die Kante gibt und dann hemmungslos einen Nirvana-Song grölt. Darüberhinaus verleihen Buch und Regie den Figuren mit Hilfe oft nebensächlich anmutender Details viel Tiefe. Auch diese Momente stellt Heisig nie heraus, aber sie haben großen Anteil am schlüssigen Gesamtbild der Charaktere. So wie sich Königs Kindheitsschicksal im Fall spiegelt, so doppeln sich Bukows Eheprobleme in seinem Umgang mit der Technik; in beiden Fällen springt ein Kollege (Josef Heynert) ein. Und mit dem Schluss gelingt es allen Beteiligten erneut, die Neugier auf den nächsten „Polizeiruf“ aus Rostock zu schüren. tpg.

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