Polizeiruf 110: Kellers Kind

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   2007
Polizeiruf 110: Kellers Kind Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Polizeiruf 110: Kellers Kind: TV-Krimi: Der Bad Homburger Kommissar versucht in seinem letzten Fall ein entführtes Kind zu retten.

Darsteller und Crew

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Kritikerrezensionen

  • Vielleicht ist es ganz gut so. Titus Selge hat nun vier Krimigeschichten aus Bad Homburg erzählt. Die ersten beiden waren grandios, aber dann schienen ihm, dem hübschen Titel zum Trotz („Die Lettin und ihr Lover“), die Ideen ausgegangen zu sein. „Kellers Kind“ ist jedoch ein würdiger Abschluss für die Reihe, und Jan-Gregor Kremp darf noch mal alle melancholischen Register ziehen. Gerade hat seine Freundin (Inga Busch) das gemeinsam Baby verloren, nun kehrt er heim, sein Blick fällt auf die leere Wiege, er setzt sich ans Klavier, spielt „Guten Abend, gute Nacht“ und weint. Mag ja sein, dass Kremp in letzter Zeit zu oft am Klavier saß und seinen Blues rausließ (die ARD-Serie „Elvis und der Kommissar“ begann ganz ähnlich); aber ergreifend ist es doch.

    „Kellers Kind“, das wird rasch klar, ist nicht annähernd so übermütig und verspielt wie Selges erste Krimis mit Kremp, „Der Prinz von Homburg“ und „die Mutter von Monte Carlo“. Es ist nie komisch, wenn Kinder sterben oder zumindest in großer Gefahr schweben. Trotzdem kann Selge es nicht lassen, und das hebt seine Geschichten selbst aus dem gern mit einem Schuss Skurrilität versehenen „Polizeiruf“-Umfeld heraus: Der Film beginnt keck als „Tatort“. Zumindest erklingt zu Beginn die unverkennbare Titelmelodie; wenn auch nur aus einem Fernseher. Den Hinweis, so er denn einer ist, versteht man erst, wenn man das Ende kennt: alles inszeniert.

    Zunächst aber tappt der angeschlagene Keller komplett im Dunkeln: Der Sohn eines Künstlers (Martin Feifel) ist verschwunden, offenbar verschleppt, auch wenn sich die Entführer nicht melden. In Ermangelung befriedigender Verdächtiger konzentriert sich Selges Geschichte daher auf die Opfer: den dünnhäutigen Vater, seine überraschend unbetroffene Lebensgefährtin Aglaia (Birgit Minichmayr) und die etwas theatralisch auftretende Mutter des Jungen (Juliane Köhler). Besonders viel Aufmerksamkeit widmet der Film einer Frau, die deutlich zu alt für den Begriff „Kindermädchen“ ist: Mona (Inka Friedrich) ist vom Entführer niedergeschlagen worden und untröstlich, ihr Bruder (Frank Giering) hingegen ein Verdächtiger wie aus dem Bilderbuch; ein vierschrötiger Hinterwäldler, der der menschlichen Gesellschaft die seines Wolfshundes entschieden vorzieht. Ein Motiv hätte er zwar nicht, doch vielleicht steckt ja Aglaia mit ihm unter einer Decke: Ist der Thronerbe erst mal beseitigt, rückt ein noch zu zeugendes zweites Kind automatisch an die erste Stelle.

    Aber eigentlich ist Selge sein Protagonist viel wichtiger, weshalb die Filmmusik (KAB Fischer) das Motiv des Kinderliedes immer wieder aufgreift. Außerdem muss sich Keller auch noch mit einer Ex (Catrin Striebeck) herumplagen. Dieser Seitenstrang ist der Wahrheitsfindung zwar in keiner Hinsicht dienlich, aber er erhellt zumindest eine weitere Charakterfacette des traurigen Kommissars. Der wird vom HR nun in den Ruhestand geschickt, weil seine Quote nicht stimmt; Selges Tetralogie bleibt in der Geschichte der Reihe somit ein Solitär. Eigentlich schade; aber vielleicht auch ganz gut so. tpg.

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