Polizeiruf 110: Alles Lüge

Filmhandlung und Hintergrund

Kommissarin Herz klärt mit Polizeihauptmeister Krauses Hilfe den Mord an einem Unternehmer.

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Kritikerrezensionen

  • Polizeiruf 110: Alles Lüge: Kommissarin Herz klärt mit Polizeihauptmeister Krauses Hilfe den Mord an einem Unternehmer.

    „Einmal wissen, dieses bleibt für immer“: Wenn die Leute am Anfang zu den Klängen des City-Klassikers „Am Fenster“ eine ausgelassene Party feiern, ahnt man bereits, dass in der brandenburgischen Gemeinde Stolzow nichts für immer bleiben wird. Wie schon so oft erzählt ein ostdeutscher „Polizeiruf“-Krimi von „Wendeverlierern“: Seit der örtliche Fabrikant Insolvenz anmelden musste, ist das halbe Dorf Ort arbeitslos. Nun hoffen alle auf ein Wunder aus dem Osten: Ein polnischer Unternehmer will das Fabrikgelände übernehmen und eine Großbäckerei errichten. Aber der Fabrikant will nicht verkaufen; und jetzt ist er tot.

    Geschickt mischt das Drehbuch von Stefan Rogall Globalisierung und Lokalkolorit und damit auch Gegenwart und Vergangenheit. Das spiegelt sich zudem in der immer etwas angespannten Beziehung zwischen Kommissarin Herz (Imogen Kogge) und dem Revierpolizisten Horst Krause (Horst Krause), ohnehin längst der heimliche Star der „Polizeiruf“-Krimis vom RBB. Auch diesmal spielt der Polizeihauptmeister wieder eine Schlüsselrolle, weil er im Gegensatz zu seiner Chefin aus Potsdam einen Draht zu den Leuten hat. Ausgerechnet eine niederschmetternde Erfahrung - sie entdeckt durch Zufall, dass der Gatte (Peter Prager) eine Affäre hat - öffnet der Ermittlerin jedoch die Augen für die verblüffende Lösung des Falles.

    Bis dahin erzählt Rogall die Geschichte vor allem als Dorfdrama, das allerdings zwischendurch ein wenig auf der Stelle tritt. In der Regie von Ed Herzog (zuletzt mit „Schwesterherz“ im ZDF) wirken Figuren und Geschehen mitunter zu sehr wie Versatzstücke. Schützenfest, rumlungernde Jugendliche, die durch die Gegend ballern, der rebellischer Sohn (Tobias Schenke) des Toten, der sich vom Vater losgesagt hat und in der Mordnacht keineswegs in Österreich war, wie er behauptet: Das ist allzu oft Klischee. Gleiches gilt für die Rollen. André Hennicke als Bürgermeister, Lutz Teschner als Krauses einstiger Ausbilder Bachmann, der den Ort flächendeckend mit Überwachungskameras ausgerüstet hat: eine prägnante Besetzung zwar, aber die Charaktere sollen in erster Linie Typen sein. Dass praktisch alle verdächtig sind, weil am Abend vor dem Mord jeder zweite Dorfbewohner eine Waffe in der Hand hatte, macht die Geschichte auch nur in der Theorie reizvoller. Am interessantesten ist noch der Interessenskonflikt von Krause, den es fast zerreißt, als er gegen seinen früheren Chef ermitteln soll: Bachmann ist der Waffenwart des Schützenvereins. Die Aufnahmen aus den Kameras, die den Täter zeigen könnten, sind angeblich verschwunden.

    Die Bildgestaltung sorgt dafür, dass „Alles Lüge“ wenigstens optisch fesselt: weil Philipp Sichler mit seiner Handkamera immer ganz nah an den Figuren bleibt. Wie wenig man trotzdem über die Menschen erfährt, zeigt spätestens der Schluss, als die Auflösung wie aus dem Hut gezaubert wirkt. Und dass Johanna Herz zur Nachtgestalt mutiert, nachdem sie den Gatten ertappt hat, und beim trinkfesten Kartenspiel mit Fernfahrern plötzlich ein Chanson zum Besten gibt, klingt zwar wie ein hübscher Einfall, überzeugt aber nicht. tpg.

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