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© Peripher

Police, adjective

Kinostart: 12.01.2012
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Filmhandlung und Hintergrund

Unaufgeregtes Drama über einen jungen rumänischen Polizeibeamten, der einen Jugendlichen zu einer unverhältnismäßigen Haftstrafe überführen soll.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Bewusst wirkt Corneliu Porumboius zweiter Spielfilm, Teil der Neuen Rumänischen Welle, wie ein Gegenstück zu den vertrauten Genrevorgaben des Polizeifilms. Im Mittelpunkt steht eine eher belanglose Observation um ein Bagatellvergehen, die dem Verdächtigen allerdings Gefängnis einbringen und seine Zukunft verbauen würde. Im Gegensatz zu anderen EU-Ländern steht Haschischkonsum in Rumänien unter Strafe, weshalb Protagonist Cristi zunehmend von Gewissensbissen heimgesucht wird. Über weite Strecken dreht sich das auf Begleitmusik und schnelle Szenenwechsel verzichtende Drama um ereignisarme Observationstätigkeiten und bürokratische Gefechte um belanglose Formulare, verbunden mit dem ewigen Marsch durch verlassene Gänge. Schließlich beachtet Cristis Vorgesetzter das abgelieferte Protokoll und die vorgebrachten Argumente kaum, da er lediglich an der prompten Erledigung seiner Befehle interessiert ist.

      Somit mündet das Finale des Anti-Krimis in keinem Showdown und keiner Verfolgungsjagd, sondern in einer rund viertelstündigen Belehrung von Cristi und seinem Vorgesetzten Nelu durch Einsatzleiter Angehelache. Gerade in der statischen, auf wenige Einstellungen reduzierten Sequenz, wo alle moralischen Bedenken in einer absurden Schulstundensituation abgeschmettert werden, offenbart sich der ironische Tonfall des Films. Zunächst verweist der junge Polizeibeamte noch auf Gewissensnöte und sein moralisches Dilemma, da Cristi die Meinung vertritt, das strenge Gesetz sei in Kürze sowieso hinfällig.

      Mittels eines Wörterbuchs verwickelt ihn sein oberster Chef in dialektische Diskussionen um die Begriffe „Gewissen“, „Moral“, „Ethik“ „Gesetz“ und „Polizei“, um zu beweisen, dass die Definitionen stets Auslegungssache und offen für Interpretation sind. Zwischen dem Gesetz und der Moral stehe immer noch die Konstitution, weshalb einzig die Ordnungsmacht gegen den Ausbruch von Chaos sorgen könne. Hinter rigiden Begriffserklärungen scheint die Engstirnigkeit des autoritären Regimes und seiner Exekutive auf.

      Neben wenig ergiebigen, alltäglichen Beschattungen ziehen sich Sprachdiskurse durch den Film. Es beginnt mit der Debatte um den Textsinn eines von Cristis Frau endlos abgespielten Schlagers über eine unkorrekte Schreibweise in einem Bericht bis zur finalen Gewissensdiskussion. Stets sieht sich der junge Beamte als Unterlegener, bis er am Ende resigniert nachgeben muss. In diesen Schlüsselszenen offenbart sich Corneliu Porumboius bissiger Witz im Bezug auf Obrigkeitshörigkeit und Vorschriftstreue. Doch aufgrund der durchaus realistisch geschilderten Observationsarbeit in kargen Wohngegenden, meistens in Echtzeit, muss man als Zuschauer gelegentlich eine ähnliche Geduld aufbringen, wie sie die Ermittler in ihrem unspektakulären Job an den Tag legen. Wie zuvor schon mit „Tuesday, after Christmas“ bringt Peripher den rumänischen Vorschlag für den Auslandsoscars 2010 in untertitelter Originalversion in die Kinos.

      Fazit: Das rumänische Drama um einen Gewissenskonflikt stellt Fragen zu Bürokratie, Gesetz und Gewissen, wartet aber mit streckenweise zu ausgedehnten Einstellungen auf.
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