Plug & Pray

  1. Ø 0
   2010
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Plug & Pray Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Plug & Pray: Die kritische Bestandsaufnahme der aktuellen Forschung über Künstliche Intelligenz informiert umfassend und stellt wichtige moralische Fragen.

Wie weit ist die Forschung bei der Künstlichen Intelligenz? Wie weit darf sie gehen? Diese Fragen beantworten recht unterschiedlich der Bostoner Zukunftsarchitekt Ray Kurzweil mit seinen Heilsversprechen, Hiroshi Ishiguro, der in Kyoto einen Roboter exakt nach seinem Aussehen schuf, und diverse Professoren an Unis weltweit.

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    Zwischen uralten Menschheitsträumen, dem lukrativen Business, Größenwahn und ganz neuen technischen Herausforderungen fragt der Computerpionier und Wissenschaftskritiker Joseph Weizenbaum nach der Ethik und dem verantwortungsvollen Umgang mit der "künstlichen Intelligenz", an der in unterschiedlichsten Projekten über die ganze Welt verstreut gearbeitet wird. Regisseur und Grimme-Preisträger Jens Schanze entwirft durch Interviews mit unterschiedlichsten Forschern, Positionen und Persönlichkeiten einen hochinteressanten Dokumentarfilm über die Konsequenzen des Fortschrittes, ohne sich dabei den üblich einseitigen Horrorszenarien zu ergeben. Daraus ergibt sich ein vielschichtiges Stimmungsbild zur aktuellen Technik- und Roboterforschung, wie auch eine nachhaltige Reflektion über moralische Werte und die Zerbrechlichkeit der Natur des Menschen. Ein Film voller Tiefe und Menschlichkeit, gewürzt mit feinem Humor.

    Jurybegründung:

    Der Dokumentarfilm PLUG & PRAY beschäftigt sich mit der Frage, welche Wirkungsmacht moderne Informationstechnologien auf die Gesellschaft wie auch auf die Lebenswelt jedes einzelnen Menschen ausüben. Der Film stellt grundlegende Fragen, die sich aus einer anthropologischen Perspektive auf die Zukunft des Menschenbildes in hoch technisierten Gesellschaften beziehen. Dabei steht der Wissenschaftler Joseph Weizenbaum im Zentrum, der selbst in den USA maßgeblich an der Entwicklung der ersten Computergenerationen beteiligt war. Vor allem seit seiner Tätigkeit als Professor für Computer Science am Massachusetts Institute of Technology (MIT) prägte er weltweit den kritischen öffentlichen Diskurs über Computertechnologie.

    Der Dokumentarfilm PLUG & PRAY entstand in den Jahren 2006 bis 2009. Es gelingt ihm in hervorragender Weise zum einen die Leistung des Wissenschaftlers Joseph Weizenbaums zu würdigen, der über vierzig Jahre immer wieder durch Vorträge, seine über zehn Bücher und unzählige Fachpublikationen kritische Perspektiven in die öffentliche Auseinandersetzung um die Relevanz moderner Informationstechnologien eingebracht hat. Zum anderen gelingt es dem Film, ein differenziertes Bild der gegenwärtigen Gesamtdiskussion zu zeichnen, die am Beispiel der Künstlichen Intelligenz grundlegende Fragen wie Willensfreiheit, Erosion von Verantwortung oder Identitätsproblematik anschaulich skizziert. Auch die filmischen Passagen, die sich auf die zukunftsträchtige Nanotechnologie beziehen, zeigen deutlich, dass die genannten Problembereiche nicht gelöst, sondern eher noch radikalisieren werden. Diese Aussagen treffen die gegenwärtigen Diskussionszusammenhänge um grundlagentheoretische Implikationen moderner Informationstechnologien sehr genau.

    Die Jury verleiht dem Dokumentarfilm PLUG & PRAY aus den genannten Gründen einstimmig das Prädikat besonders wertvoll. Sie sieht in dem Film einen herausragenden Beitrag, mit audiovisuellen Mitteln zentrale gesellschaftliche Problembereiche einem breiteren Publikum zu vermitteln. Der Film stellt die Frage der Verantwortung von Wissenschaft in das Zentrum und erinnert somit nachhaltig daran, dass der kontrovers geführte Diskurs über Sinn und Nutzen des Einsatzes moderner Informationstechnologien eine zentrale Aufgabe einer mündigen Öffentlichkeit bleibt.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Die kritische Bestandsaufnahme der aktuellen Forschung über Künstliche Intelligenz informiert umfassend und stellt wichtige moralische Fragen.

    Wer sind sie – und wenn ja, wie viele? Jens Schanze, vielfach ausgezeichneter und kritischer Dokumentarist („Winterkinder“), widmet sich dem aktuellen Forschungsstand der Robotik nach menschlichem Vorbild und liefert ein mustergültiges Beispiel dafür, wie eine ausgewogene Diskussionsgrundlage auszusehen hat. Ohne jede moderne Hektik stellt er verschiedene Positionen und Bereiche vor, gewährt faszinierenden Einblick in Möglichkeiten und Probleme eines florierenden Forschungszweigs, ohne sich je davon blenden zu lassen.

    Es ist eine Reise, die über die ganze Welt geht: Am bekanntesten dürften der euphorische Bostoner Zukunftsarchitekt Ray Kurzweil mit seinen Heilsversprechen sein und Hiroshi Ishiguro, der in Kyoto einen Roboter exakt nach seinem Aussehen schuf. Des weiteren besucht Schanze Giorgio Metta in Genua, diverse MIT-Professoren und Hans-Joachim Wünsche von der Münchner Bundeswehr-Universität. Sie alle stellen in Interviews ihre Projekte und Träume vor, nehmen Stellung zu moralischen und philosophischen Aspekten: Schlagworte wie „Ich“, „Seele“, „Wille“ oder „ewiges Leben“ werden dabei nicht nur erwähnt, sondern ihre Bedeutungen auf leicht verständliche Art vertieft.

    Ganz besonders aber würdigt „Plug & Pray“ den unermüdlichen Einsatz des hochbetagten Joseph Weizenbaum, der mit viel Ironie gegen den Fortschrittswahn wettert und von den Wissenschaftlern ein klares ethisches Bewusstsein einfordert. Der emeritierte MIT-Professor, ein Pionier der künstlichen Intelligenz („ELIZA“), verstarb am Ende der Dreharbeiten. Indem Schanze seinen Mahnungen viel Platz einräumt, übernimmt er seine, sehr humanistische Perspektive und bannt sein Vermächtnis auf Film.

    Schanze verzichtet auf oberflächliche Horrorvisionen, sondern zeigt sachlich und nicht ohne Humor die Tragweite und Konsequenzen auf, mit der unsere Gesellschaft jetzt und in naher Zukunft konfrontiert wird. Die Entwicklungen von Rüstungsrobotik und Nanotechnologie bieten allein schon genug Anlass zur Sorge, ganz zu schweigen vom unkontrollierbaren Fortschritt und der prinzipiellen Unmöglichkeit für Forscher, riskante Entwicklungen vorauszuahnen. Das alles bündelt der thematisch umfangreiche Einblick in Grundlagen, Geschichte, Gegenwart und Zukunft eines hochbrisanten Forschungszweiges zu einem ausgewogen Beitrag, der kaum Wünsche offen lässt.

    tk.

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