Filmhandlung und Hintergrund

Vielschichtiges Drama über einen israelischen Basketball-Coach, der das deutsche Nationalteam für die Olympischen Spiele fit machen soll.

Ende der Siebzigerjahre kommt der hochdekorierte israelische Basketballtrainer Max Stoller – er gewann mit Maccabi Tel Aviv sensationell den Europacup – nach Deutschland. Er soll das maximal zweitklassige deutsche Nationalteam fit für die Olympischen Spiele machen. Ein schier hoffnungsloses Unterfangen, denn Stoller hat nicht nur mit Widerstand aus dem Team zu kämpfen, auch in der Heimat wird sein Engagement bei den Deutschen nicht gern gesehen. Und dann ist da noch Stollers eigene Vergangenheit als Überlebender des Holocaust.

Alle Bilder und Videos zu PlayOff

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

So werten die User ø 0,0
(0)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
0 Stimmen
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen
So werten die Kritiker (2 Stimmen)
5
 
0 Stimmen
4
 
0 Stimmen
3
 
1 Stimme
2
 
0 Stimmen
1
 
0 Stimmen

Wie wertest Du? Klicke auf einen der Sterne:

Kritikerrezensionen

    1. Der Film "Playoff" basiert auf dem Schicksal des jüdischen Basketballcoachs Ralph Klein. Anfang der Achtziger sorgte er mit der Übernahme eines deutschen Trainerpostens für Aufsehen. Mit seinem Wechsel von Maccabi Tel Aviv zu BSC Saturn Köln und zur Nationalmannschaft erfüllte sich der KZ-Überlebende einen Lebenstraum, wobei er nicht mehr ganz an die alten Erfolge anknüpfen konnte.

      Für die Dreharbeiten unter Regisseur Eran Riklis ("Lemon Tree", "Die syrische Braut") wurde die Wiesbadener Rhein-Main-Halle zum Achtziger-Jahre-Sportgebäude umgestaltet. In einer rund vierstündigen Pressekonferenz kamen im Jahr 2010 neben Kleins Familie, dem israelischen All-Star-Basketballteam zudem die Darsteller wie Kleins Alter-Ego Danny Huston zu Wort, der sich einige Spitzen zur Produktion nicht verkneifen konnte. Allerdings charakterisierte die damalige Veranstaltung den als "Mr. Basketball" populären Trainer präziser als es die finale, teils fiktive Spielfilmbiografie vermag - obwohl Ralph Kleins Schwiegersohn am Drehbuch mitarbeitete.

      Zudem wirkt es, als habe der ebenfalls am Skript beteiligte Eran Rikils den Stoff nicht in den Griff bekommen. Wenn in den Achtzigern noch nicht existierende Gebäude auftauchen, fällt dies zwar nur Kennern auf, doch bei modernen Hinweisschildern wird die in Details mangelnde Sorgfalt schon eklatanter. Nur einige Sottisen zu Beginn, etwa zum deutschen "Eurovision Song Contest"-Sieg, belegen Rikilis’ Gespür für bissigen Humor, der Werke wie "Die Reise des Personalmanagers" auszeichnet. Stets erwies sich Rikilis als Spezialist für den Aufeinanderprall von Kulturen und Mentalitäten, als Kritiker von Bürokratie, Paragraphenreiterei und festgefahrenen Grenzen, woran Mitmenschlichkeit und Empathie leiden. In "Playoff" kommt er dagegen nicht ohne Stereotypen und oberflächliche Aspekte zur Völkerverständigung aus.

      So verwundert es nicht, dass der von Hanns Zischler verkörperte Mannschaftsarzt, zu dem der angefeindete israelische Coach allmählich Zutrauen fasst, sich als ehemaliger Nazi entpuppt. Doch diese Enthüllung bleibt nur eine von vielen Episoden, die für die Handlung letztlich kaum von Relevanz sind, wenn man vom bestätigten Misstrauen des Heimkehrers gegen die deutsche Nation per se absieht. Gleichsam verschwinden der Basketball-Handlungsstrang sowie der Konflikt zwischen dem eigenwilligen Trainer und dem dickköpfigen Mannschaftskapitän im letzten Drittel fast völlig aus dem Blickwinkel.

      Von Anfang an betonten die Macher, nicht an einer reinen Ralph Klein-Biografie interessiert zu sein, weshalb man ihn in Max Stoller umtaufte. Die wichtigsten Eckdaten wie die Geburt im Frankfurt der dreißiger Jahre, die Flucht vor den Nazis, der KZ-Tod des Vaters oder die Rückkehr nach Deutschland wurden beibehalten. Dass sich seine Familie von dem Exilanten abwendet, wurde dagegen erfunden, um den fiktiven Plot um Stollers Freundschaft zur Migrantin Deniz etablieren zu können. Beide erkennen ihre gemeinsamen Wurzeln als Fremde in Deutschland, die nach Spuren der Vergangenheit forschen. Wenig glaubwürdig wirkt es allerdings, dass die in London aufgewachsene Französin Amira Casar als Türkin besser englisch als deutsch spricht. Dieser Aspekt diente wohl dazu, die Dialoge des multilingual angelegten Films weitgehend in Englisch halten zu können.

      Im Verlauf der intimen Verständigung zwischen Max und Deniz schleichen sich zunehmend Sentimentalitäten ein, wobei Regisseur Rikilis ihr Verhältnis zumindest wohltuend in der Schwebe lässt. Doch auch das unbewältigte Kindheitstrauma der Trainerlegende, der sich am Tod des Vaters schuldig fühlt und in dessen Gedenken einen Armbanduhren-Tick entwickelt, wirkt wie Küchenpsychologie. Wenn dazu noch Mannschaftskapitän Thomas ein ähnliches Generationsschicksal bewältigen muss, wirkt dies erst recht aufgesetzt.

      Neben einigen emotional bewegenden Momenten erweist sich Danny Huston jenseits seiner Hollywoodstar-Präsenz auf der Pressekonferenz als echter Glücksfall. Ihm gelingt es, das allmähliche Aufbrechen von Stollers künstlichem Schutzpanzers und sein verborgener Wunsch auf Versöhnung glaubhaft zu vermitteln. Seine auf dem Montreal Film Festival 2011 preisgekrönte, überzeugende Performance trägt über manche Oberflächlichkeit des überkonstruierten Skripts hinweg.

      Fazit: Trotz Ansätzen von Humor und dichten Momenten krankt "Playoff" an einem oberflächlichen Drehbuch, wobei Hauptdarsteller Danny Huston als Holocaust-Überlebender auf Identitätssuche mit einer nuancierten Leistung brilliert.
    2. PlayOff: Vielschichtiges Drama über einen israelischen Basketball-Coach, der das deutsche Nationalteam für die Olympischen Spiele fit machen soll.

      Mit der Adaption der Lebensgeschichte des israelischen Basketballcoachs Ralph Klein erzählt Eran Riklis Success Story, Liebesgeschichte und Vergangenheitsbewältigungsdrama in einem.

      Mit Werken wie dem vielfach ausgezeichneten Film über eine dramatische Hochzeit auf den Golanhöhen („Die syrische Braut“) und einem weiteren Drama aus dem israelisch-palästinensischen Grenzgebiet („Lemon Tree“) steht der aus Jerusalem stammende Eran Riklis für ein ambitioniertes Kino, das politisch heiße Eisen anfasst. Das ist bei „Playoff“ ganz genauso. Der Film basiert auf der Lebensgeschichte des israelischen Basketballcoachs Ralph Klein, der von 1983 bis 1986 das deutsche Nationalteam trainierte – was ihm damals seine Landsleute ziemlich übel nahmen und als Verrat ansahen, dass ein deutsch-ungarischer Überlebender des Holocaust in Westdeutschland als Trainer anheuerte. Diesen interessanten Aspekt des „Verrats“ vertieft Riklis in seinem Film leider nicht. Stattdessen schildert er zunächst eine typische Success Story nach US-Muster, in der ein ziemlich unwirscher, zumeist schlecht gelaunter Trainer, der sich unter anderem weigert, mit seinen Spielern deutsch zu sprechen, das Unmögliche schafft. Er formt das damals maximal als zweitklassig geltende deutsche Team zu einer schlagkräftigen Truppe, der immerhin die Qualifikation für die Olympischen Spiele 1984 gelingt. Doch schon bald wird deutlich, dass sich Riklis nicht wirklich für den Sport interessiert. Vermutlich hatte er auch kaum Budget, um die Spielszenen auf dem Basketballfeld optisch ansprechend aufzubereiten. „Playoff“ ist vielmehr ein Drama über Vergangenheitsbewältigung. Die von Danny Huston souverän verkörperte Hauptfigur des Max Stoller begibt sich in Frankfurt auf Spurensuche zurück in die Zeit des Nationalsozialismus und entdeckt dabei ein lange gehütetes Geheimnis seines Vaters. Schließlich erzählt der Film auch noch eine Liebesgeschichte zwischen Außenseitern, dem Juden Stoller und einer alleinerziehenden türkischen Mutter, zwei verwandte Seelen, die in ihrer Einsamkeit und Isolation zueinander finden. Riklis will viel, zu viel und kann sich letztlich nicht entscheiden, welcher seiner drei Hauptplots ihm der wichtigste ist. Mit Huston, der Kultschauspielerin des französischen Autorenkinos Amira Casar und den beiden deutschen Trumpfassen Mark Waschke (als Manager) und Max Riemelt (als Mannschaftsführer) hat er ein exzellentes Darsteller-Ensemble zur Verfügung. Sie tun sich schwer, dem getragen inszenierten, von Sentimentalitäten überstrapazierten Film Konturen zu verleihen. So gelingt dem 59-jährige Regisseur kein perfekter Film über eine der schillerndsten Trainerpersönlichkeiten der Nachkriegsgeschichte, aber bewegen kann er sein Publikum alle Mal. lasso.

    Kommentare