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Fakten und Hintergründe zum Film "Plastic Planet"

Fakten und Hintergründe zum Film "Plastic Planet"
Poster Plastic Planet

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Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Regisseur Werner Boote trat mit dem Thema nach bereits jahrelangen Recherchen im Sommer 2003 an Produzent Thomas Bogner heran. Die weitere Entwicklung des Stoffes und die Finanzierung der relativ teuren Produktion dauerten fast 4 Jahre. Gedreht wurde von Frühjahr 2007 bis Frühjahr 2008 mit einem letzten Drehtag im Oktober 2008. Die Postproduktion dauerte annähernd 1 Jahr.

Die Vordreharbeiten begannen im Sommer 2005 in Innsbruck, in der marokkanischen Sahara und in den USA (Grand Junction „House Clearing“, Interview mit Dr. Theo Colborn). Sie dienten der Herstellung eines ersten Trailers. Teile davon fanden auch im späteren Dokumentarfilm Verwendung.

Ein weiterer vorgezogener Dreh fand im Oktober 2006 in Venedig statt (Porto Maghera, Interview mit Staatsanwalt Phillipe Casson). Der erste offizielle Drehphase startet im Frühjahr 2007 in London (Susan Jobling, Intersex-Fische), führte über Finnland zurück nach Wien (ÖMV, Borealis), dann nach Japan (Tokio, Tsushima, Minamata City, Kumamoto), China (Shanghai) und nach Indien (Kalkutta).

Nach einer kurzen Pause reiste das Team neuerlich in die USA (Los Angeles, Pullman, Cincinnati, Columbia) und per Helikopter über den Pazifischen Ozean zu Charles Moore´s Boot. Eine Second Unit drehte weiteres Material in Marokko und Uganda (Kampala). Zurück in Europa wurde in Deutschland (Düsseldorf, Guben), Italien (Novara), Belgien (Brüssel, Waterloo) und zuletzt wieder in Österreich (Dachstein, Wien) gedreht.

Produzent Thomas Bogner über…

…den Regisseur Werner Boote

Werner Boote tritt in dem Film auf, wie eine redliche Version von Michael Moore. Redlich allein deshalb schon, weil er jederzeit bereit ist Kalkül und Konzept über Bord zu werfen, um einer neuen Idee nachzujagen. Der französische Executive Producer Ilan Chirard hat ihn „das Wiesel“ genannt, weil Werner Boote neugierig immer irgendwelchen neuen Spuren nachgeht und ich glaube er hat damit Werner Bootes instinktive Art der investigativen Arbeit gemeint - er liefert sich quasi seiner eigenen Begeisterung aus. Jedenfalls hat er sich eine große, fast kindliche Begeisterung und Neugierde erhalten, die geradezu maßlos ist, und die sicherlich auch bei der Produktion vieles geholfen hat - aber auch einige Schwierigkeiten bereitet hat.

…die Rolle der Kamera

Ich habe mit dem Werner Boote schon vorher Filme gemacht, Dokumentarfilme. Die Rolle die er in dem Film hat ist das Ergebnis einer Entwicklung. Er hat sich zunehmend selbst vor die Kamera gestellt, was schon ein größerer Spruch ist. Das geht auch nur in einem Kinodokumentarfilm und nicht in einer TV-Dokumentation. Wir hätten es nicht anders machen wollen und können. Das ist eben der Werner Boote.

..das Anliegen des Films

Ich hoffe geradezu, dass der Film polarisiert. Es ist natürlich klar, dass sich einige auf den Schlips getreten fühlen werden. „Plastic Planet“ ist ein Aufklärungsfilm und kein Film gegen die Industrie.

…die Machart des Films

„ „Plastic Planet“ ist investigativ . Dort, wo der Regisseur selber auftritt und dadurch selbst zur Projektionsfläche wird, stellt er seine persönliche Meinung dar.

… die Unterstützer, NGOs

In unserem Fall, ist es so, dass wir mit dem Thema die NGOs sehr stark ansprechen. Die NGOs haben sich bisher aus jetziger Sicht fast geschlossen hinter dieses Projekt gestellt. Das ist, nicht nur nach unseren Einschätzungen, sondern auch nach den Erfahrungen anderer, sehr außerordentlich. Es dürfte auch daran liegen, dass der Film in seinen Themen relativ breit gefächert ist.

…die Zielgruppe

Die großen bisherigen Erfolge im österreichischen Kino im Dokumentarfilmbereich hatten ein Kernpublikum das links alternativ war. Das waren Protestseher sozusagen, die eine latente Bereitschaft haben gegen das Establishment zu sein und haben ihre grundsätzliche Gegenposition durch den Film gefüttert und unterstützt gesehen und haben auch die Information bekommen und sicherlich eine gewisse Lust darin empfunden bestätigt zu werden und diese Haltung mit anderen zu teilen. Das ist sicherlich mit „Plastic Planet“ auch möglich. Aber ich glaube auch, dass das Interesse darüber hinaus gehen wird, denn Plastik ist unser aller Problem, jedes Menschen im Alltag. Ich rechne in diesem Fall eigentlich sehr stark mit „world of mouth“ und damit, dass dieser Film viele Menschen schwer beeindrucken wird. Sie werden ihren Eindruck dann weiter tragen.

… das Dilemma Plastik

Wenn Greenpeace diesen Film machen würde, dann würde man sofort erkennen, dass es ein Film von Greenpeace ist, selbst wenn er auf denselben Informationen basiert. Es war immer klar, dass wir einen anderen Film haben werden. „Plastic Planet“ ist nicht nur unterhaltsam, sondern spricht auch von einem unaufgelösten Dilemma . Für Werner Boote war Plastik immer schon sehr wichtig und hat einen hohen Stellenwert in seiner Kindheit gehabt . Er hat einen familiären Bezug zum Thema. Aber er zeigt ein Dilemma, das nicht nur ihn persönlich betrifft. „Plastic Planet“ stellt somit eine Person in den Fokus, die repräsentativ für uns alle ist. Plastik ist ein großes Weltproblem, weil es eigentlich ein faszinierendes Produkt ist, das wir hervorgebracht haben in unserer Zivilisation und es ist wahnsinnig schwer und fast unmöglich darauf zu verzichten. Die Verluste wären zu groß.

… Reaktionen auf „Plastic Planet“

Nach den ersten Screenings haben wir festgestellt, dass ungefähr ein Drittel, den Saal schockiert verlässt, weil sie gar nicht wussten, was das Problem ist. Der Rest hat das Screening mit gemischten Gefühlen verlassen und das hängt zum großen Teil damit zusammen, dass der Film keine Lösung bereit hält und den Zuschauer ohne Lösung mit diesem Dilemma entlässt. Das führt dazu, dass er aufgefordert ist sich selbst mehr um diese Dinge zu kümmern. Und das ist auch die Intention und der Ausweg. Die Recherche Bringschuld des künftigen Konsumenten ist evident und das ist eigentlich das worauf der Film hinweisen möchte und muss.

… Lösung und Aussagen von „Plastic Planet“

Wir haben auf der Homepage eine Produkttest-Plattform, die einen Ausweg zeigt. Werner Boote spricht im Film die Möglichkeit an Produkte durch eine Selbstkontrolle mit einem Label zu kennzeichnen, mit dem man sicherstellt, dass das Produkt auf bestimmte Gefährdungen überprüft ist. Das wäre eine Möglichkeit, aber das hängt mit einem Beitrag des Konsumenten zusammen, der eine kleine Veränderung seines Konsumverhaltens mitbringen muss. Wenn jemand nachdenkt wird die Verwirrung des Films in diese Konsequenz münden und das ist der mögliche Erfolg und der richtige Weg.

… die Verantwortung des Konsumenten

Es wird dem Konsumenten bewusst gemacht, dass er Macht hat. Die Industrie wird deswegen nicht aus ihrer Verantwortung entlassen. Sie wird durch das Bewusstsein des Konsumenten zu ihrer eine Verantwortung getrieben. Die Industrie muss letztendlich den Wünschen des Konsumenten folgen. Ein erfolgreicher Unternehmer wird nur dann überleben, wenn er den Ansprüchen und Wünschen des Marktes nachkommt.

Regisseur Werner Boote über…

…die Idee zum Film

1999 habe ich in einer holländischen Tageszeitung gelesen, dass Fische in England in einem Fluss aussterben, weil es einen Stoff gibt, der in Kunststoff enthalten ist. Kurz darauf habe ich, im Time Magazine, gelesen, dass das Grönlandmeer mit Kunststoffen belastet ist. Ich habe immer mehr Berichte in Zeitungen gefunden, die von einer Art Gefahr durch Kunststoffe erzählen. Ich habe dann in einer österreichischen Tageszeitung vor mehreren Jahren einen kleinen Bericht gelesen, dass der Pazifik durch Kunststoffe belastet ist und ich habe mich gewundert warum das niemand weiß! Nach diesem kleinen Zeitungsartikel stand einige Tage später in der gleichen Tageszeitung ein acht Seiten Bericht, bezahlt von der Kunststoffindustrie, der genauso ausgesehen hat wie die ganze Zeitung. Meine logische Schlussfolgerung: Diesen kleinen Bericht überliest man, aber acht Seiten, in denen erzählt wird, wie innovativ, wie umweltbewusst und wie großartig Kunststoffe sind, bleiben hängen. Deshalb habe ich mir gedacht: ich mache einen Film darüber.

… das Anliegen des Films

Ich habe viel über Teilbereiche zum Thema Kunststoff gelesen. Ich habe viele verschiedene Fernsehberichte gesehen, die immer wieder über einzelne Aspekte berichtet haben. Ich habe mich gefragt warum es keinen Film gibt, der Alles in Eines zusammen fügt. Mein Wunsch mit diesem Film war, dass man einmal sieht, was eigentlich alles umfassend über Kunststoffe zu sagen ist.

… seinen persönlicher Bezug

Mein Großvater hat in der deutschen Kunststoffindustrie gearbeitet als ich ein Kind war. Er ist jedes Wochenende nach Wien gekommen und hat mir immer schöne Geschenke mitgebracht, die natürlich immer hauptsächlich aus Kunststoff waren, über die ich irrsinnig stolz war, weil sie ziemlich schön waren und alles gekonnt haben.

… die Vorteile von Plastik

Der große Vorteil von Kunststoff ist, dass es billig ist, dass es sehr bequem ist, weil es leichter ist. Ich kann eine Plastikflasche leichter nach Hause tragen. Es können durch Kunststoffe auch tolle Formen entstehen. Man kann Plastik schnell in eine bunte, knallige Form gießen, die einfach gut riecht - nach Phthlaten.

… über die Auswahl der Drehorte und Interviewpartner

Orte und Interviewpartner habe ich ausgewählt aus rein persönlichen Interesse. Ich habe lange recherchiert und für mich entschieden, welche Wissenschaftler vertrauenserweckend erscheinen. Sie habe ich dann über Monate und Jahre begleitet und genauso war es bei den Locations. Ich bin dort hingefahren, wo ich mir gedacht habe: Insel der Natur – das kann ja nur schön sein. Dann habe ich herausgefunden, dass überall ein großes Müllproblem besteht. Diesen Widerspruch habe ich gesucht und gefunden.

… über seine Rolle vor der Kamera

Meine Filme sind meine persönliche Suche nach einer Antwort. Dadurch spielt die Person Werner Boote eine Rolle in dem Film. Wenn man einen investigativen Film macht, kommt immer gleich die Frage, ob das ein Film wie von Michael Moore ist. Dann sage ich immer „Um Gottes Willen“. Das Ganze ist eigentlich nichts anderes als meine persönliche Reise oder Suche. Ich mache keine Propaganda in der Art: „Hallo, ich sage euch jetzt wie die Welt funktioniert“. „Plastic Planet“ ist zu einem Film geworden, der mich verfolgt und begleitet, auf meiner Suche danach, wie es mit unserem Plastik Planeten ausschaut.

…über die Angst vor den Mächtigen

Ich bin in meiner Karriere schon öfter bedroht worden. Wenn man Dokumentarfilme zu heiklen Themen macht, äußern sich Gegner auf mehr oder weniger adäquate Weise. Jetzt ist es die Plastikindustrie, die Ölindustrie und die anderen Branchen, die alle vom Plastik abhängig sind auf Konfrontation. - Ich ziehe meine Plastikkugelsichere Weste an und warte was passiert.

…über Probleme während der Dreharbeiten

Die größten Schwierigkeiten mit den Big Playern der Kunststoffindustrie in Kontakt zu kommen, war, dass die nicht daran interessiert sind, dass über sie berichtet wird. Selbst die größte amerikanische Sendung „60 Minutes“ hat den Boss der Kunststoffindustrie nie vor die Kamera bekommen. Wir haben 18 Monate gedrängt, ein Interview mit dem Präsidenten von Plastics Europe zu bekommen. 18 Monate kann kein Fernsehsender zeitlich durchhalten. Beim Aufeinandertreffen mit den Interviewpartnern war das Vertrauen aber immer sehr schnell da, weil mein Vater in der Kunststoffindustrie gearbeitet hat. Daher bin ich quasi ein Freund und ich komme aus der Familie. Deswegen hat man mit mir sehr locker geredet. Aber sobald man kritische Fragen stellt, kriegt man ausweichende Antworten. Die größte Herausforderung war, nicht zu tief in die Materie zu gehen und alle Substanzen genau zu erklären und andererseits nicht zu oberflächlich zu bleiben. Es hat einen Moment in der Produktionsphase, innerhalb dieser 10 Jahre, gegeben, wo ich völlig die Nerven weggeworfen habe und mir gedacht habe „Um Gottes Willen, rund um mich herum ist Gefahr und niemand weiß es. Bin ich der Einzige? Das ist alles schrecklich!“

…über die „Message“ an das Publikum von „Plastic Planet“

Ich würde nicht sagen „Kauft überhaupt kein Plastik mehr“. Das würde nicht funktionieren. Wenn es mir gelingt mit meinem Film die Menschen zum Nachdenken zu bringen, sich zu überlegen nicht mehr so viel Plastikramsch zu kaufen, dann ist es großartig, denn dann haben wir viel gewonnen. Der Film sagt dem Publikum: „Hallo, werdet ein bisschen aufmerksam in Sachen Kunststoff. Erkundigt euch. Fragt eure Supermarktverkäufer, was dahinter ist und warum nicht auf der Plastikverpackung drauf steht, was da alles für Schadstoffe in mein Essen gehen.“ Dann wird die Supermarktkette reagieren und wird sich umstellen. Denn es ist EU Recht, dass der Konsument den Händler fragen darf und, dass der Händler Auskunft geben muss, was in den Produkten drinnen ist. Das weiß nur keiner.

… über unerfüllte Wünsche

Mein großer Wunsch war in einem Plastik-Astronauten-Anzug auf den Mond zu fliegen, damit ich das Erlebnis habe, dass mich Plastik bis auf den Mond bringen kann. Diesen Wunsch haben wir aber von Budget nicht bezahlen können. (Lacht)

… über Zusammenarbeit Produzent

Als ich zum ersten Mal mit dem Produzenten Thomas Bogner von der Neuen Sentimental Filmproduktion über das Projekt gesprochen habe, war von Anfang an klar, dass es ihm auch ein Anliegen ist, herauszufinden was da wirklich abgeht. Er hat mich von Anfang an in allen Belangen unterstützt, wie man es sich als Regisseur nur wünschen kann. Das ist bis heute so und wir sind jetzt immerhin schon fünf Jahre gemeinsam mit dem Projekt beschäftigt.

Hintergrund: Info & Fakten

Weltweit werden im Jahr fast 240 Millionen Tonnen Kunststoffe aus rund „nur“ 4 Prozent der weltweiten Erdölproduktion hergestellt. „In Europa werden heute etwa 60 Millionen Tonnen Plastik produziert. das sind etwa 25% der globalen Zahlen.“ (John Taylor, Präsident von Plastics Europe, Zitat aus „Plastic Planet“)

Die Kunststoffindustrie macht 800 Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Allein in Europa verdienen mehr als eine Million Menschen ihr tägliches Brot in der Plastikindustrie. Jeder Industriezweig ist heute auf Kunststoff angewiesen. (zitiert aus „Plastic Planet“)

Was ist „Plastik“?

Plastik ist der umgangsprachliche Ausdruck für Kunststoffe aller Art. Das Wort „Plastik“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich die geformte/formende Kunst. Als Kunststoff wird ein Festkörper bezeichnet, der synthetisch oder halbsynthetisch (aus Naturprodukten) erzeugt wurde. Chemisch gesehen sind Kunststoffe organische Stoffe. Alle Kunststoffe enthalten das Element Kohlenstoff. Weitere Bestandteile sind unter anderem die Elemente Wasserstoff, Sauerstoff, Stickstoff sowie Schwefel.

Hinzu kommen diverse Additive (Weichmacher, Stabilisatoren, Farbmittel, Füllstoffe, Verstärkungsmittel, Flammschutzmittel, Antistatikmittel…), die im Verarbeitungsprozess beigemischt werden, um die Eigenschaft des Materials an den jeweiligen Verwendungszweck anzupassen.

Wie wird „Plastik“ hergestellt?

Kunststoff kann man durch chemische Umwandlung aus Naturprodukten oder durch Synthese von kleineren Molekülen zu Molekülketten herstellen. Beispiele für umgewandelte Naturprodukte sind unter anderem Gummi, der aus dem Saft der Gummibäume (Kautschuk) erzeugt wird, und Fasern, die aus Cellulose gewonnen werden. Der erste Kunststoff, das Kasein, wurde bereits im 16. Jahrhundert aus Milcheiweiß hergestellt, es wurden Gefäße und Schmuckstücke, zum Teil auch koloriert, daraus gefertigt.

Heutzutage werden Kunststoffe größtenteils synthetisch hergestellt. Die Ausgangsprodukte werden aus Erdöl, Kohle und Erdgas gewonnen. Etwa 4 Prozent der aus den Raffinerien kommenden Erdölprodukte werden in der Kunststoffindustrie verbraucht. Das für die Kunststofferzeugung am häufigsten verwendete Ausgangsprodukt ist Rohbenzin (Naphta).

In einem thermischen Spaltprozess, der Cracken genannt wird, wird das entstandene Benzin in Ethylen (Ethen), Propylen (Propen), Butylen (Buten) und andere Kohlenwasserstoffverbindungen auseinander „gebrochen“ und umgebaut. Durch chemischen Reaktionen (Polymerisation, Polykondensation, Polyaddition,…) ordnen sich kleine Molekühle zu großen netz- oder kettenförmigen Molekülen (Polymere). In weiteren Arbeitsschritten werden daraus Tausende verschiedene Plastik-Pellets, aus denen dann, versehen mit diversen Additiven, all unsere bunten und praktischen Plastikprodukte erzeugtwerden.

Plastikmüll im Meer: Daten, Fakten, wenig Hoffnung

80 Prozent des Kunststoffmülls, die UNO spricht von insgesamt weltweit jährlich rund 6 Millionen Tonnen, gelangen über Flüsse in die Ozeane. Die Meeresschutzorganisation Oceana schätzt, dass weltweit jede Stunde rund 675 Tonnen Müll direkt ins Meer geworfen werden, die Hälfte davon ist aus Plastik.

Laut einer Studie des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) treiben bis zu 18.000 Plastikteile in jedem Quadratkilometer der Weltozeane.

267 verschiedene Tierarten fallen weitweit nachweislich dem Müll im Meer zum Opfer – darunter Schildkröten, Robben, Fische und Krebse. Jährlich verenden etwa 100.000 Meeressäuger qualvoll durch den Müll, jedes Jahr sterben über eine Million Seevögel, wie zum Beispiel Albatrosse, die die Plastikteile irrtümlich als Nahrung zu sich nehmen und damit ihre Küken füttern..

An jedem Strand der Weltmeere ist Plastik zu finden, diverser Kunststoffmüll und Pellets. Plastik baut sich nicht ab, wie natürliche Rohstoffe. Unter Einwirkung von Sonnenlicht, Wellenbewegung und Abrieb zerfallen Plastikstücke in immer kleinere Partikel. Der Sand besteht bereits zu einem gewissen Prozentsatz aus Kunststoff.

Östlich von Hawaii hat sich in der im Uhrzeigersinn drehenden Meeresströmung des Pazifiks ein gigantischer Müllwirbel gebildet, in dessen Zentrum drei Millionen Tonnen Plastikmüll rotieren. Er wächst seit 60 Jahren unbeachtet und ist nach Einschätzung von Wissenschaftlern doppelt so groß wie der US-Bundesstaat Texas. Unter Einwirkung von Sonne, Gezeiten, Wind und Wellen wird der Plastikmüll bis zu winzigen Partikeln zerrieben. In mehreren weiteren Wirbeln im Südpazifik, im Atlantik und im Indischen Ozean fahren ebenfalls Abfälle Karussell, wenngleich in etwas geringeren Mengen. Wissenschaftler vermuten, dass dieser Plastikmüll gefährliche Umweltgifte wie DDT oder PCB wie „ein Schwamm aufsaugt“. Forscher der Universität Tokio heben an der Oberfläche von Pellets Giftkonzentrationen bis zu einer Million mal höher als im umgebenden Wasser gefunden. Über die Nahrungskette reichern sich diese Gifte auch in Fischen an, die wiederum auf unseren Tellern landen. Selbst wenn die Menschheit morgen damit aufhörte, Plastik zu produzieren - die vielen Millionen Tonnen, die bislang in die Ozeane gelangt sind, werden noch Jahrtausende mit den Strömungen um die Welt treiben.

Eine Gruppe von Umweltschützern und Wissenschaftlern will in den kommenden Monaten eine Expedition zu dem entlegenen Meeresgebiet unternehmen. Die 50-tägige Reise wird die Forscher auf ihrer Fahrt von San Francisco nach Hawaii und zurück zwei Mal durch das Abfallkarussell führen, das sich mehr als 500 Seemeilen vor der Westküste der USA dreht. Das Forschungsschiff „Kaisei“ - japanisch für Meeresplanet - wird dabei von einem Fischtrawler begleitet. Mit seiner Hilfe sollen Fangtechniken für die Plastikpartikel erprobt werden, die die Meereslebewesen schonen. Außerdem soll erforscht werden, ob der Plastik-Müll recycelt oder sogar als Brennstoff aufbereitet werden kann. Unterstützt wird das Projekt vom UN-Umweltprogramm und einer Firma für Wasseraufbereitungssysteme. Die umgerechnet gut 1,4 Millionen Euro, die für die Expedition notwendig sind, sollen aus Spenden aufgebracht werden. Da sich der Plastik-Wirbel in internationalen Gewässern dreht, fühlt sich keine Regierung verantwortlich.(orf.on.sience 28.6.2009)

Wer trägt die Verantwortung für den weltweiten Plastikmüll?

Würde die Industrie für Plastikmüll mehr bezahlen, würden wir uns um Plastik mehr kümmern. Dann würden wir es auch nicht mehr so gedankenlos einfach wegwerfen. (Zitat aus „Plastic Planet“)

John Taylor, Präsident von Plastics Europe: „Ich denke das ist ein gesellschaftliches Thema.

… Wir (die Plastikindustrie) tragen unseren Teil dazu bei und versuchen, den Menschen die Vorteile von Recycling deutlich zu machen und mit den Menschen am Ende der Wertschöpfungskette zusammen zu arbeiten. Aber das (Müllproblem) ist etwas, worum die Gesellschaft sich zu kümmern hat.“

Verbot von „Plastiksackerln“

Bangladesch hat als erster Staat der Welt 2002 Plastiktüten verboten. Die australische und die chinesische Regierung kündigten 2008 an, dass sie Plastiktüten verbieten wollen. Im pazifischen Staat Palau müssen Reisende, die mit einer Tüte erwischt werden, einen Dollar Strafe zahlen. Noch strenger gehen die Behörden auf Sansibar vor: Wer dort Plastiktüten einführt oder verteilt, zahlt bis zu 1560 Euro.

Gesundheits- und Umweltgefahren durch die Kunststoffindustrie

Zahlreiche Studien weisen darauf hin: Chemikalien lösen sich aus dem Kunststoff, migrieren in den menschlichen Körper und sind dort hormonell aktiv. Dadurch können sie gravierende Gesundheitsschäden verursachen, von Allergien und Fettleibigkeit bis hin zu Unfruchtbarkeit, Krebs und Herzerkrankungen.

Gegenstand vieler kritischer Studien ist die Chemikalie Bisphenol A, eine Komponente der Herstellung von Polycarbonat sowie Epoxiden. Problematisch an vielen Kunststoffprodukten sind vor allem auch Additive wie Weichmacher (zB. Phthalate in PVC), Flammschutzmittel (z.B. Tributyltin), Farbmittel (Azo-Farben, bleihältige Farben) etc., die bei der Produktion beigemischt werden und dem Kunststoff erst seine gewünschten Eigenschaften verleihen - aber ständig an die Umwelt freigesetzt werden.