1. Kino.de
  2. Filme
  3. Paul - Ein Alien auf der Flucht
  4. News
  5. Fakten und Hintergründe zum Film "Paul - Ein Alien auf der Flucht"

Fakten und Hintergründe zum Film "Paul - Ein Alien auf der Flucht"

Kino.de Redaktion |

Paul - Ein Alien auf der Flucht Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktion: Über die Geschichte

Das notorisch regnerische Wetter in England gefährdet regelmäßig Picknicks, sorgt für Staus auf Autobahnen und bringt die Drehpläne zahlreicher Filme durcheinander. Ein unerwarteter Vorteil des miesen Wetters war allerdings, dass es indirekt zur Entwicklung des Comedy-Abenteuers „Paul - Ein Alien auf der Flucht“ führte.

Während der verregneten Dreharbeiten von Simon Peggs erstem Film, der Zombie-Komödie „Shaun of the Dead“, fragte ihn die Produzentin Nira Park nach seinen nächsten Plänen. Genervt von den wetterbedingten Verzögerungen schwor Pegg, dass er seinen nächsten Film unbedingt in einem warmen, trockenen Klima drehen wollte. Lachend meinte er: „Lass uns einen Film machen, wo es niemals regnet. Vielleicht in der Wüste.“

Bilderstrecke starten(28 Bilder)
Diese 28 Filme fliegen die Woche bei Netflix raus

„An diesem Tag gab mir Simon während des Mittagessens die Zeichnung eines Außerirdischen mit der Überschrift: ‚In Amerika ist jeder ein Alien.’“, erinnert sich Park. „Er sagte: ‚Das ist unser nächster Film – ein road trip mit einem Alien.’ Wir unterhielten uns noch ein bisschen darüber, wie so ein Film im amerikanischen Süden gedreht werden könnte. Ich befestigte die Zeichnung später an meiner Notizwand und begann, weiter darüber nachzudenken. Schon bald war ich überzeugt: ‚Was für eine brillante Idee!’.“

In den folgenden Jahren waren Pegg und sein regelmäßiger Regisseur und Partner Edgar Wright mit anderen Projekten beschäftigt für ihre Produktionsfirma Big Talk Pictures, die sie gemeinsam mit Park betreiben. Dort entstand auch die Action-Comedy „Hot Fuzz – Zwei abgewichste Profis“, der zweite Erfolg des Unternehmens.

„Am Ende von ‚Hot Fuzz’ sprach ich Simon auf seine alte Idee an“, erinnert sich Park. „Ich sagte: ‚Warum schreibst du nicht einfach die erste Szene, nur um zu sehen, wie es wäre?’ Zehn Minuten später präsentierte mir Simon eine Szene und die war einfach fantastisch.“ Park schickte eine Kopie an Eric Fellner von Working Title Films, der erfolgreichen britischen Produktionsfirma, die die vorigen Projekte von Big Talk Pictures finanzierte.

Fellner erinnert sich an den Tag: „Nira schickte mir das treatment, und ich war sehr gespannt, was Nick und Simon ausgetüftelt hatten. Naturgemäß geht es bei einem road trip darum, Orte und Menschen zu entdecken, die man zuvor nicht kannte. Als ich las, wie dieses Konzept mit einer Alien-Komödie verknüpft wird, war ich begeistert.“

Nachdem sie die Reaktion von Fellner gehört hatte, telefonierte Park mit Pegg. „Ich erzählte ihm: ‚Er will es machen!’“, erinnert sich Park an das Gespräch. „‚Wer möchte was machen’? antwortete er und ich sagte: ‚Das Ding!’ Als wir mit dem Projekt begannen, fiel uns ein, dass sechs Jahre vergangen waren, seit Simon mir diese Zeichnung gegeben hatte. Ich machte eine Kopie und gab sie am ersten Drehtag unserem Regisseur Greg Mottola.“

„Paul - Ein Alien auf der Flucht“ ist das erste Drehbuch, das Pegg gemeinsam mit seinem regelmäßigen Schauspiel-Partner und engen Freund Nick Park geschrieben hat. „Nick und ich arbeiten seit zehn Jahren zusammen und sind noch länger Freunde“, berichtet Pegg. „Die Zusammenarbeit war eine interessante Erfahrung, weil wir die Dynamik unserer Figuren dieses Mal leicht verändert haben. In den anderen Filmen, die ich mit Edgar Wright schrieb, spielte ich die Hauptfigur und Nick war der sidekick. In diesem Film sind wir gleichberechtigt. Der von Nick gespielte Clive ist sogar etwas dominanter und selbstbewusster, während meine Figur Graeme am Anfang eher ein Mauerblümchen ist.“

Bevor sie mit dem Schreiben begannen, unternahmen Pegg und Frost eine Reise im Wohnmobil quer durch den amerikanischen Westen. Nach dem Start im kalifornischen Los Angeles reisten sie durch etliche Staaten, bis sie in Denver, Colorado, am Ziel ankamen. Diese Exkursion verschaffte ihnen wertvolle Erfahrungen für die Entwicklung ihrer Geschichte. Ironischerweise gerieten sie bei ihrer Reise in furchtbar schlechtes Wetter, inklusive Schnee und so tiefen Temperaturen, dass die Batterie des Wohnmobils einfror. Dennoch bewertet Pegg den Trip als außergewöhnlich und inspirierend. „Wir lernten sehr viel über die Landschaft. Dieses bemerkenswerte Land ist unglaublich schön, es kann sehr einladend und gleichzeitig abweisend sein.“

Überrascht war Frost vom Ausmaß ihres Unternehmens. „Auf diese unheimliche Größe von Amerika waren wir nicht vorbereitet“, gesteht er. „Man schaut auf die Karte und denkt, in drei bis vier Tagen ist man am Ziel. Doch nach zehn bis elf Stunden Fahrt ist man erst 500 Kilometer weiter und hat noch 3.000 Kilometer vor sich. Wir sind pausenlos gefahren, von acht Uhr morgens mit zehn Uhr nachts. Zu alledem kam noch das Wetter. Als wir nach Nevada kamen, begann es zu schneien und es hörte nicht auf bis zum Ende der Reise. In Teilen von Wyoming und Colorado war es so kalt, dass das Bier in der Dose und das Shampoo in der Flasche einfror“, amüsiert sich Frost. „Ich glaube, wir haben unser Wohnmobil zur Strecke gebracht.“

Etliche dieser Reiseerfahrungen wurden im Drehbuch verarbeitet. „Wir kamen tatsächlich in eine Bar namens Little A’Le’Inn und der Zwischenfall mit den Dummköpfen ist uns passiert“, erinnert sich Pegg. „Da kamen diese zwei Typen auf uns zu, die waren vielleicht nicht ganz so bedrohlich wie im Film, aber plötzlich wurde die Atmosphäre sehr frostig. Den Vogel, der auf die Windschutzscheibe knallt, gab es ebenfalls. Jeden Tag machten wir neue Erfahrungen. Es war ein echtes Abenteuer. Wir hatten sehr viel Spaß und hätten den Film ohne diese Reise nie schreiben können.“

Weil es etwas schwierig war, einen echten Außerirdischen für ihre Reise aufzutreiben, sah sich das Duo nach einem angemessenen Ersatz um. Ein befreundeter Künstler von Pegg schuf die Büste eines Alien und nannte ihn Paul. „Auf allen Fotos, die sie uns von der Reise schickten, war auch immer Paul zu sehen“, erzählt die Produzentin Park. „Das inspirierte sie und brachte Leben in die Sache. Plötzlich waren beide überzeugt, dass es wirklich funktionieren könnte.“

Nach dem Ende ihrer Reise schauten sich Pegg und Frost über 50 Filme mit Aliens und road trips an. „Danach setzten wir uns zusammen und entwickelten die Ideen“, erinnert sich Frost. „Als Simon für einige Zeit mit ‚New York für Anfänger’ beschäftigt war, wir aber ein Skript benötigten, zog ich mich ein paar Wochen zurück und schrieb ein dickes Drehbuch mit 180 Seiten. Als Simon zurückkehrte nahmen wir dieses Monstrum und zerlegten es vollständig. Wir behielten, was gut war. Und warfen den Rest über Bord. An Simons großem Bildschirm konnte ich mitverfolgen, was er schrieb. Wir diskutierten über jeden einzelnen Satz, manchmal sogar stundenlang.“

So entstand ein Comedy-Abenteuer, das mehr ist als die Geschichte eines Besuchers, der weit weg von zuhause ist. „In gewisser Weise ist jeder in diesem Film ein bisschen ein Alien“, erläutert Pegg. „Das war für uns ein Schlüssel beim Schreiben: Die Idee, dass Leute nicht dort sind, wohin sie gehören. Und dass sie umgekehrt lernen, dort zu leben, wohin sie nicht gehören.“

Die Suche nach einem Regisseur begann - und endete, als Greg Mottola vorgeschlagen wurde. Dessen einziger Film war seinerzeit „Seitensprung in Manhattan“, ein independent-Film, den Park und Pegg gleichermaßen sehr mochten. Doch Mottola hatte bereits sein nächstes Projekt namens „Superbad“ abgedreht und als er diese Komödie den beiden vorführte, waren sie sicher, den richtigen Mann gefunden zu haben. „Gregs Filme haben ein gewisses Feeling und eine Leichtigkeit“, erläutert Pegg. „Er schafft es, das Gefühl eines indie-Filmes in das mainstream-Kino einzubringen.“

Das erste Treffen von Mottola und Pegg fand in einem New Yorker Restaurant statt, ausgerechnet an jenem Tag als „Superbad” in den Kinos startete. Pegg erläuterte das Konzept von „Paul – Ein Alien auf der Flucht“ und Mottola war begeistert von der Idee, dass gewöhnliche Menschen in außergewöhnliche Situationen geraten. „Nick und Simon haben smarte und interessante Figuren geschaffen, zudem finde ich sie auch als Schauspieler wirklich attraktiv“, erläutert Mottola. „Gemeinsam entwickeln sie eine besondere Chemie, die man gerne anschaut. Das liegt wohl auch daran, dass beide so enge Freunde sind, die sich mit großer Leichtigkeit gegenseitig zum Lachen bringen können.“

Sechs Monate später erhielt Mottola das Drehbuch zu „Paul – Ein Alien auf der Flucht“. Der Regisseur erinnert sich: „So wie ‚Shaun of the Dead’ von Zombies handelte und ‚Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis’ von Actionfilmen, war ‚Paul’ eine Hommage an die Science-Fiction-Filme der späten 70er Jahre und das Genre insgesamt. Für mich steckt sehr viel Nostalgie in diesem Stoff. Die beiden schrieben den Film als echte Fans des Genres.“

Ausschlaggebend für dieses Projekt war für Mottola sein Bauchgefühl. „Mein Prinzip ist es, dass ich mich dann für einen Film entscheide, wenn ich das Gefühl habe, dass ich ihn auf einzigartige Weise drehen kann“, erläutert der Regisseur. „Ich brauche das Gefühl, dass ich den Stoff anders umsetzen kann als andere.“

Die folgenden Treffen mit Mottola bestärkten Big Talk und Working Title, die richtige Wahl getroffen zu haben für einen Regisseur, der Komödie und Action bestens verbinden kann. „Es war klar, dass er den Film machen würde, der uns vorschwebte“, sagt Park. „Überzeugend für uns war auch sein visuelles Konzept. Er wollte ‚Paul’ so machen, dass er wie von Spielberg aussah. Seine leidenschaftliche Darstellung hat uns völlig überzeugt. Nach dem Treffen mit Greg war unsere Entscheidung klar. Greg war sehr interessiert an den Figuren, was für uns sehr wichtig war.“

Produktion: Die Besetzung

Pegg beschreibt die Besetzung von „Paul” als „Zusammentreffen von Comedians aus Amerika und Großbritannien”. Pegg und Frost repräsentieren die britische Seite, die übrigen Schauspieler sind bekannte US-Comedians, von denen viele zuvor schon mit Mottola gearbeitet haben.

Die langjährige TV-Erfahrung und zahlreichen Kontakte des Regisseurs erwiesen sich bei der Besetzung von „Paul“ als ausgesprochen nützlich. „Ich bin mit vielen dieser sehr talentierten, jungen Comedians der nächsten Generation befreundet“, erläutert Mottola. „Jetzt war ich in der Position, sie anzurufen, ihnen das Drehbuch zu schicken und zu fragen: ‚Möchtest du mitspielen?’. Mir gefiel die Idee, Simon und Nick auf diese amerikanischen Comedians treffen zu lassen. Alle hatten sofort ein Gespür für den Geist dieses Filmes.“

Neben den menschlichen Protagonisten Graeme und Clive, war die Besetzung von Paul von entscheidender Bedeutung. Während sein Aussehen in der Verantwortung der CGI-Künstler von Double Negative lag, sollte die Stimme sehr menschlich wirken. „Wir wussten, dass der Film nie funktionieren würde, wenn Paul nur wie eine CGI-Figur ausfällt“, erläutert Fellner. „Das würde die Zuschauer sofort aus dem Film werfen. Paul musste wie jeder andere Schauspieler wirken. Uns war klar, dass die Darstellung des Schauspielers die CGI bestimmen musste - und nie umgekehrt.“

Die Wahl der Stimme von Paul fiel auf Seth Rogen, einem der Top Comedians von Amerika. Mit ihm arbeitet Mottola zuvor schon bei „Superbad“, wofür Rogen auch als Ko-Autor tätig war. Für Frost erwies sich diese Wahl als überaus vorteilhaft, weil die Figur dadurch eine andere Richtung bekam. „Am Anfang war Paul viel älter und schlechter gelaunt“, erläutert Forst. „Er war ein viel größerer Griesgram als heute.“

Für das Team war Paul der Katalysator, der in allen eine Veränderung auslöst. Pegg und Frost mochten die Ideen, die Rogen für die Titelfigur einbrachte. „Jetzt ist er ein Freigeist und nicht mehr der Trottel, als den ihn Nick und ich zunächst entworfen hatten“, erläutert Pegg. „Der Vorschlag mit Seth war eine coole Idee, denn er bringt eine Frische und Vitalität in die Figur ein. Wir haben Paul auf ihn zugeschnitten, jetzt besitzt er diesen Geist von Ferris Bueller, der das Leben von allen anderen verändert.“

Rogen hatte Pegg und Frost vor Jahren zufällig bei der San Diego’s Comic-Con getroffen und hielt den Kontakt bis heute aufrecht. Er spürte eine Seelenverwandtschaft zu den beiden, er liebte ihren Stil sowie die einzigartige Charakterisierung ihrer Figuren. Mit Mottola hatte Rogen bereits bei „Superbad“ gearbeitet, deswegen war es für ihn eine leichte Entscheidung, auch bei dessen neuem Projekt dabei zu sein.

Durch die langjährige Freundschaft hatte der Regisseur ein offenes Ohr für Rogens Ideen für Paul. „Ich kenne Greg fast zehn Jahre. Er inszenierte mit einer Episode von ‚Undeclared’ den ersten meiner Stoffe überhaupt“, erläutert Rogen. „Wir kamen sehr gut miteinander aus und er inszenierte später noch mehrere Episoden der Staffel, die ich geschrieben habe. Wir wurden gute Freunde, und als ‚Superbad’ endlich produziert werden sollte, war Greg der erste, dem ich das Drehbuch schickte.“

Mit Blick darauf, dass Paul schon vor Jahrzehnten auf der Erde notgelandet ist, wollte Rogen die Figur als lebensüberdrüssigen, gleichwohl entspannten Typen zeigen, der im Kontrast zu seinen verklemmten Mitreisenden steht. „Ich fand es komisch, wenn diese verklemmten Nerds auf einen Neil Young Typen treffen, der ein alter Hippie ist, der alles gesehen hat und eine ziemlich entspannte Einstellung besitzt“, erläutert Rogen. „Gleichzeitig ist Paul bei einigen Dingen sehr leidenschaftlich - schließlich war Neil Young ja ebenfalls ein kompromissloser Typ.“

Rogen gefiel die Idee, dass Paul die Menschen seiner Umgebung verändert, ohne sich dabei selbst zu ändern. Über die Entwicklung der Figur sagt er: „Ferris Bueller ist am Anfang radikal und er ist es am Ende. Und alle werden ein bisschen radikaler, wenn sie den Tag mit ihm verbringen. Diese Wirkung sollte auch Paul haben. Graeme und Clive sind zwei unglaubliche Nerds, die in ihrer kleinen Welt leben und sich überhaupt nichts trauen, weder wenn es um Frauen geht, noch um ihre Karriere. Paul erweist sich für sie als guter Ratgeber. Zudem wird für diese Typen ein Traum wahr. Sie treffen ein Alien, das sehr gesellig ist. Paul trinkt gerne Bier, er raucht Joints und macht Witze.“

Für Mottola war Rogen der ideale Schauspieler für diese Rolle: „Paul kann unsichtbar werden und er kann heilen. Allerdings verwechselt er Pistazien mit Muscheln, was beim Verzehr mit Schale zu Magenverstimmungen führen kann. Paul ist fehlbar, er ist wie wir. Simon und Nick haben ihn intuitiv so angelegt, die Darstellung von Seth erweckt ihn zum Leben. Dass Paul wie ein Mensch agiert, ist enttäuschend und beruhigend zugleich.“

Dass Rogen dem Alien seine Stimme leiht, hatte auch Einfluss auf das Aussehen von Paul. „Am Anfang waren die Bewegungen von Paul holprig, er war laut und machte komische Sachen“, erläutert Park. „Aber Greg strich das immer wieder zusammen, damit es realistischer wirkte. Dann wussten wir, was wir tun mussten. Wir nahmen die Stimme von Seth auf, ließen ihn die Figur spielen und gaben diese Aufnahmen den Animatoren. Die Bewegungen von Seth wurden zur Basis der Animation.“

Dicht auf den Fersen der britischen und außerirdischen Besucher ist ein Special Agent mit dem mehrdeutigen Namen Lorenzo Zoil, der die Hintergründe von Pauls irdischem Aufenthalt kennt. Gespielt wird Zoil von Jason Bateman, der mit Mottolo bereits für die vielgelobte TV-Serie „Arrested Development“ gearbeitet hat.

Pegg war begeistert, dass Bateman die Rolle übernahm. „Jason ist ein außergewöhnlicher Schauspieler”, erläutert er. „Ich könnte ihm stundenlang zuschauen. Er besitzt etwas, was man gar nicht so einfach beschreiben kann, weil es so unangestrengt gut ist. Seine Natürlichkeit und sein Rhythmus sind einzigartig. Er ist einer der wenigen Schauspieler, die zugleich komisch und ernst sein können.“

Diese Vielseitigkeit von Bateman erwies sich als überaus vorteilhaft für den Film. „Bei der Besetzung von Zoil wollte ich jemanden, der bedrohlich wirkt und den man ernst nimmt“, erinnert sich Pegg. „Die anderen haben gesagt: ‚Nein, er muss lustig sein, Zoil soll ein komischer Typ sein.’ Und ich antwortete: ‚Die Bedrohung funktioniert nicht mit einer albernen Figur.’ Als der Name von Jason fiel, war ich sofort begeistert von der Idee. Denn er kann komisch sein und zugleich sehr bedrohlich wirken. Es ist zudem reizvoll, ihn einmal in der Rolle des Bösen zu sehen.“

Bateman beschreibt Zoil als „humorlosen, knallharten Chef, der keinen Spaß versteht. Mir war wichtig, von dieser Linie nicht abzuweichen. Einerseits bedeutet das eine gewisse Einschränkung als Schauspieler, andrerseits zwingt es einen zur Disziplin, die für solche Szenen wichtig ist. Ich war sehr gern Teil dieses Ensembles von Schauspielern, die ich bewundere und von Filmemachern, die ich mag.“

Unterstützt wird Bateman von den beiden interplanetaren Kopfgeldjägern Haggard und O’Reilly, die von Bill Hader und Joe Lo Truglio gespielt werden. Dieses seltsame Duo beschreibt Hader so: „Das sind nicht die hellsten Typen, aber sie sind sehr hilfsbereit. Meine Figur ist so ehrgeizig, dass er immer mehr die Autorität von Zoil an sich reißt, als er entdeckt, dass sie einem Alien auf der Spur sind. Es macht Spaß, einen Typen zu spielen, der zunächst seine Krawatte ständig zurecht rückt und Sätze sagt wie ‚Wir spielen jetzt in der großen Liga!’. Im Lauf des Filmes verliert er seinen Verstand und wird völlig böse.“

Hader gefiel die Vorstellung, dass die Reise der Figuren im Film ganz ähnlich ausfällt wie der Trip, den Pegg und Frost vor dem Film unternommen hatten. „Die beiden haben einen witzigen Liebesbrief an Amerika und amerikanische Filme geschrieben“, erläutert Hader. „‚Paul’ gehört zu dieser Art von Filmen, die sie in ihrer Jugend gesehen haben und die ihr Verständnis von amerikanischer Kultur geprägt hat. Es ist amüsant zu sehen, wie Engländer unser Land sehen. Es steckt sehr viel Wahrheit in dieser Sichtweise, die subversiv, sehr cool und smart ausfällt. Man entdeckt immer eine neue Ebene, die man nicht erwartet hat.“

Haggards Partner ist der naive O’Reilly, der gerne lernen möchte, ein guter Agent zu sein. „O’Reilly wäre gerne ein Agent, aber er ist nicht besonders talentiert“, erläutert Lo Truglio. „Sein ganzes Wissen stammt aus Filmen und Comics. Er schaut treuherzig wie ein Hundebaby, das auf den Teppich pinkelt und nicht versteht, warum alle böse reagieren. Er macht sich eine schöne Zeit und versucht ständig, den coolen und knallharten Agenten Zoil zu beeindrucken.“

Wie Bill Hader ist Kristen Wiig ein langjähriges Mitglied von „Saturday Night Live“ und spielte in Mottolas jüngster Komödie „Adventureland“. Als Ruth spielt sie eine behütete junge Frau, die auf einem Wohnwagen-Rastplatz ein einsames Leben mit ihrem bibeltreuen, schießwütigen Vater Moses führt. „In den letzten Monaten vor Drehbeginn hat sich Ruth stark verändert“, erläutert Park. „In unseren ersten Versionen hatte sich Ruth noch nicht so stark aus ihrem inneren Gefängnis befreit. Diese Richtung entwickelte sich durch die Gespräche mit Kristen über die Figur.“

Für Wiig war ‚Paul’ nicht allein wegen der visuellen Effekte eine einzigartige Erfahrung: „Greg, Simon und Nick haben bei jedem Schritt so viele smarte Entscheidungen getroffen. Ich habe ihre Vision einfach geliebt.“

Dass sich Ruth im Verlauf des Filmes am meisten verändert, war für Wiig Vergnügen und Herausforderung zugleich. „Ruth erleidet einen kleinen Zusammenbruch als sie Paul zum ersten Mal sieht und damit ihr ganzes bisheriges Weltbild bedroht scheint“, erläutert Wiig. „Jetzt muss sie Fragen stellen. Damit kann sich jeder identifizieren und das macht sie als Figur so spannend. Für mich sollte Ruth real und lustig sein, zugleich gerät ihr bisheriger Glaube ins Wanken. Es ist, als ob man entdeckt, dass es keinen Weihnachtsmann gibt. Du glaubst dein ganzes Leben an eine bestimmte Sache und dann erzählt man dir, dass es alles gar nicht gibt. Da reagiert man wütend und streitlustig. Ruth möchte ihre Überzeugungen nicht einfach aufgeben, sondern sie kämpft darum.“

„Kristen hat mich in diesem Film echt umgehauen”, schwärmt ihr Leinwand-Liebhaber Pegg. „Sie gehört zu den beeindruckendsten Schauspielerinnen, die ich je getroffen habe. Ihre komische Seite ist so außergewöhnlich wie verführerisch. Ich bin ihr ständig gefolgt wie ein kleiner Hund, weil sie mich so sehr zum Lachen gebracht hat. Zugleich verlieh sie Ruth eine liebenswerte Zärtlichkeit und machte Dinge komisch, die wir uns nie komisch vorgestellt hatten. Ihr gelang es, jedem Dialog etwas ganz Besonderes zu verleihen.“

Moses Buggs, der Vater von Ruth, wird von Schauspiel-Veteran John Carroll Lynch gespielt, der mit Glanzleistungen unter anderem in „Fargo - Blutiger Schnee“, „Zodiac - Die Spur des Killers“ und „Shutter Island“ begeisterte. Lynch wurde mit einer Rolle betraut, die in anderen Händen zur Karikatur hätte werden können. „Buggs ist eine traurige Figur“, erläutert Pegg. „Er ist tyrannisch, sehr religiös und ein Typ, der offensichtlich von seinem extremen Glauben sehr eingeschüchtert ist. Er jagt Graeme und Clive, um seine Tochter zurück zu bekommen. Für uns Comedians ist Schauspielen ja bisweilen nur eine Show. Wenn man dann auf einen Typen wie John trifft, denkt man: ‚Wow, ein richtiger Schauspieler!’“.

Als er die letzte Seite des Drehbuchs gelesen hatte, war für Lynch klar, dass er bei diesem Projekt dabei sein wollte. „Am besten gefiel mir an dem Skript, dass es eine Satire auf Science-Fiction Filme ist, zugleich dieses Genre würdigt und einen zum Lachen bringt. Das ist eine wunderbare Leistung.“

Für die Cameo-Auftritte konnten die Comedians Jane Lynch und Jeffrey Tambor gewonnen werden. Lynch spielt die resolute Kellnerin im Little A’Le’Inn, die Graeme und Nick mit ihrem hausbackenen Wissen bei ihrer Alien-Suche behilflich ist. Tambor verkörpert den legendären Science-Fiction-Autor Adam Shadowchild, der auf der Comic-Con missmutig Autogramme gibt und die Inspiration für Graeme und Clives jüngstes Werk „Jelva, Alien Queen of the Varvak” war.

Abgerundet wird die Besetzung durch die beiden Schauspiel-Legenden Blythe Danner und Sigourney Weaver. Danner spielt Tara, die von Pegg so beschrieben wird: „Tara ist eine etwas verrückte alte Frau, die alleine in ihrem Haus lebt und die vom ersten Moment an dieser Geschichte beteiligt ist. Für ihre Darstellerin dachten wir schon sehr früh an Blythe. Zum einen ist sie sehr schön, zum andern kann sie diese leicht verwirrte Frau überzeugend spielen.“

Seth Rogen erläutert, welche Rolle Tara in der Welt von Paul spielt: „Als Paul auf der Erde notlanden muss, landet er ausgerechnet auf dem Hund von Tara. Sie wird Zeugin des Vorfalls, aber ihr ganzes Leben ist sie unsicher, ob das alles wirklich passierte. Paul will ihr nun erklären, dass er tatsächlich echt und sie nicht verrückt ist. Der Außerirdische hat sich nach ihrem Hund benannt, der Name gefiel ihm schon deshalb, weil er lediglich eine Silbe hat.“

Blythe Danner war begeistert von der Atmosphäre, die Mottola am Set geschaffen hat. „Greg hat seinen Schauspielern nicht nur große Freiheiten gelassen, sondern hat auch ein gutes Gespür dafür, wann etwas zuviel ist und wann es nicht ausreicht. Mit ihm zu arbeiten ist ein echtes Vergnügen. Er ist ein ruhiger, entspannter und ganz wunderbarer Regisseur.“

Von „Alien” bis „Avatar” ist Sigourney Weaver ein Publikumsliebling in allen Genres. Für die Macher war es ein echter Coup, dass sie die Rolle des „Big Guy“ übernahm, jener tyrannischen und einschüchternden Chefin von Agent Zoil. Ironischerweise war für die Figur des Big Guy ursprünglich ein Mann vorgesehen, so wie einst Lieutenant Ripley in „Alien“. Bei einem Abendessen unterhielten sich die Filmemacher über die mögliche Besetzung des Big Guy. Plötzlich hatte Nick Frost die Idee: „Warum spielt nicht eine Frau den Big Guy?“. Park erinnert sich an das Gespräch: „Wir dachten alle sofort, das wäre grandios. Aber die einzige Frau, die so eine Rolle spielen kann ist: Sigourney Weaver.”

Glücklicherweise sagte Weaver die Rolle zu, was für Pegg dem Film einen ganz besonderen Glanz verlieh. „Sigourney hat in einem der berühmtesten Science-Fiction Franchise aller Zeiten gespielt, ihre Beziehung zu Aliens war ein ganz wunderbarer Bonus für uns. Ich war völlig glücklich, dass ihr unser Drehbuch gefallen hat. Sie mochte unseren Humor – und sie sieht einfach großartig aus.“

Geradewegs von der Raumstation aus „Avatar“ kommend, hatte Weaver keinerlei Bedenken, sich in ein nächstes Alien-Abenteuer zu stürzen, zumal sie die Arbeit von Regisseur Mottola sehr schätzte. Ihr Interesse an der Rolle beschreibt sie so: „Als ich das Drehbuch las, war ich sofort verliebt. Das ist eine so köstliche, süße und aufregende Komödie. In Sachen Comic-Con und Geeks nimmt ‚Paul’ den Faden von ‚Galaxy Quest’ wieder auf. Ich fand die Story sehr bewegend und ich liebte die Love-Story. Ich selber spiele zwar den harten Typen - aber man kann ja nicht alles habe.“

The Big Guy taucht zwar regelmäßig auf, um Zoil die Anweisungen für seine Jagd nach Paul zu geben, aber ihr Charakter bleibt bis zum Schluss geheimnisvoll. Über ihre Rolle sagt Weaver: „Sie mag Paul eindeutig nicht. Sie hat das Gefühl, dass er lange genug die amerikanische Öffentlichkeit beeinflusst hat und möchte ihn los werden. Warum hat nicht sie den Kontakt zu Steven Spielberg? Sondern dieser kleine Typ? Die beiden verbindet eine Antipathie. Als sie plötzlich die Chance hat, Paul endgültig zu zerstören, setzt sie alles daran, dass ihr überaus unterwürfiger Mitarbeiter Agent Zoil diesen Job für sie erfüllt.“

Produktion: Ein Alien entsteht

Als Mottola das Angebot für die Regie von „Paul” bekam, hatte er zunächst Bedenken, weil die Hauptfigur vollständig computergeneriert war. „Jetzt, nachdem die Animation geschafft ist, weiß ich erst, wie groß meine Befürchtungen eigentlich hätten sein müssen“, gesteht er offen. „Es ist schwierig, mit einer komplett animierten Figur zu arbeiten. Jedes Detail muss sorgfältig überlegt werden, ob er mit den Augen blinzelt, wie er lachen soll oder ob sein Adamsapfel sich bewegt oder nicht. Es ist ein langer Weg von der stop-motion-Animation, die ich als Achtjähriger mit meiner Super 8-Kamera gemacht habe.“

Wenngleich das Aussehen von Paul ganz bewusst an das klassische Bild eines Aliens erinnern soll, war es entscheidend, dass er so menschlich wie möglich wirkt. „Wir mussten ein Alien schaffen, das sich in allen Aspekten wie ein Mensch verhält, aber das eben aussieht wie ein Außerirdischer und gewisse Fähigkeiten besitzt“, erläutert Mottola. „In 90 Prozent seiner Auftritte ist er ein Typ, der gerne herumhängt. Wir wollten, dass die Zuschauer ihn mögen, wenngleich er sie bisweilen auch irritiert. Paul ist menschlich, überraschend, emotional - und schwierig.“

Glücklicherweise konnte sich Mottola auf das brillante Team von Double Negative verlassen, das bereits die Effekte der beiden Big Talk- und Working Title-Produktionen „Shaun of the Dead“ und „Hot Fuzz - Zwei abgewichste Profis“ geschaffen hat. Wie ihrem Regisseur war den Effekt-Spezialisten klar, dass es eine enorme Herausforderung ist, eine komplett computergenerierte Figur zu schaffen, die so häufig im Bild zu sehen ist.

Für die ersten Entwürfe von Paul gingen Mottola und sein Team unterschiedliche Wege. „Die erste CG Version von Paul hatte uns nicht völlig überzeugt“, berichtet Mottola. „Deswegen ließen wir uns von einem talentierten Bildhauer einen Paul aus Knet entwerfen. Zunächst machte er eine kleine Figur und als wir schließlich eine befriedigende Rohfassung des Designs hatten, schuf er die lebensgroße Version.“

Mottola fährt fort: „Unsere Idee war, dass Paul eine evolutionäre Entwicklung des Menschen ist, die sich vor Millionen von Jahren zugetragen hat. Wenn unser Gehirn größer wird, benötigen wir keinen starken Körper mehr, denn wir sind klüger und nutzen die Technologie. Unser Körper würde schrumpfen wie bei dieser dünnen Kreatur. Unser Bildhauer traf diese Vorstellung und setzte bei seiner Gestaltung die Details und Verbesserungen unsere CGI-Version um. Von Pauls kleinen Dellen im Schädel über die Form seines Kinns bis zum Sitz der Augen - alles war perfekt.“

Als nächstes entstand ein Animatronic-Modell von Paul, mit dem die Bewegungsabläufe des Alien festgelegt werden konnten. Anschließend wurde eine Puppe, inklusive Händen, geschaffen, die für Großaufnahmen zum Einsatz kam. Zudem benötigte man dieses Double von Paul beim Dreh, um so die Abstände und Bewegungen zu bestimmen.

Um diese einzigartige Figur zu kreieren, waren vielfältige Anstrengungen notwendig, erläutert visual effects supervisor Jody Johnson: „Zunächst haben wir eng mit Greg gearbeitet, um zu erfahren, wie er sich Paul vorstellt. Danach trafen wir Seth, der Paul seine Stimme leiht, mit dem wir intensiv an der Darstellung und dem Charakter von Paul gearbeitet haben.“

Während der motion-capture (mo-cap) Phase der Vorproduktion wurden mehrere Wochen lang Aufnahmen von Seth Rogen und seiner Darstellung gedreht. Er wiederholte jede Szene mehrmals, damit die Animatoren die notwendigen Anhaltspunkte für Pauls Bewegungen bekamen.

Dem Schauspieler war wichtig, dass aus Paul kein stereotypes Alien wird. „In der motion-capture Phase fand ich es eine witzige Idee, dass sich Paul so viel wie möglich bewegt. Dabei sollte er betont lässig wirken, so als wäre er ständig etwas betrunken und bekifft. Mich amüsierte es, dass wir diese wahnsinnige Technologie benutzen, um damit etwas ganz Entspanntes zu schaffen.“

Gleichsam wie in einer Luftblase zu spielen war zunächst gewöhnungsbedürftig für den Comedian, der sich der Herausforderung jedoch gerne stellte. „Es gefiel mir, dass man an der Darstellung ständig arbeiten und sie immer mehr verfeinern konnte“, erläutert Rogen. „Es war eine schöne Abwechslung zum Live-Auftritt. Wir konnten jede Szene des Films betrachten und beispielsweise entscheiden: ‚Hier sollte Paul lauter werden.’ Wir haben versucht, jeden noch so kleinen Ton und jede Bewegung so echt wie möglich ausfallen zu lassen. Das hat enorm geholfen, um eine perfekte Illusion zu schaffen.“

Der Löwenanteil der Effekt-Anstrengungen von Double Negative bestand darin, die künstliche CGI-Figur in einer realen Umgebung durchgängig überzeugend aussehen zu lassen. „Dazu benötigten wir ein sehr natürliches Licht für Paul, damit er in die Bewegungen der anderen nahtlos eingebunden werden konnte“, erläutert Johnson.

Ergänzend sagt visual effects producer Hal Couzens: „Ein Film wie dieser darf nicht wie ein Effekt-Film aussehen. Er muss aussehen wie ein Film mit drei Typen, dessen Figuren von den Effekten lediglich unterstützt werden.“

Das klingt einfacher als es war, schließlich wurde mit sehr viel Handkamera, Steadicam und Kamerakränen gedreht. In der ersten Phase legte Kameramann Sher die Einstellungen genau fest. „Wir hatten eine Licht-Puppe von Paul, die eigens von Spectral Motion geschaffen wurde und die bei jeder Szene zum Einsatz kam. Larry setzte entsprechend die Beleuchtung, die Paul einen Rahmen gab und realistisch neben den anderen Darstellern aussehen ließ“, erläutert Johnson. „Ich machte eine Referenz-Aufnahme der Licht-Puppe, die für Double Negative als Basis der CG Beleuchtung diente.“

Neben seinem Tagesjob als Agent O’Reilly hatte Joe Lo Truglio eine weitere, nicht weniger wichtige Aufgabe in dem Film übernommen: Er war das Schauspiel-Double für Paul, wenn man das Alien für Referenzzwecke benötigte und die Licht-Puppe nicht länger notwendig war. Bei Dreharbeiten haben viele Schauspieler ein stand-in, das ist nichts Besonderes. Aber eine CG-Figur?

„Am Anfang bereitete es uns großes Kopfzerbrechen, dass in einer Komödie unbedingt ein Gegenspieler vorhanden sein muss“, erläutert Park. „Zunächst war uns nicht klar, wie wir das am besten bewerkstelligen konnten. Wir benötigten einen Schauspieler, auf den Simon, Nick und die anderen reagieren konnten. Als der Vorschlag mit Joe aufkam, dachten wir: ‚Warum sollte er das machen?’ Es ist ja schon ein bisschen schizophren, erst den Agenten O’Reilly zu verkörpern, um danach auf Knieschützern kauernd die Dialoge von Paul zu sagen. Aber Joe hat mitgemacht und das war die perfekte Lösung für uns.“

Lo Truglio erinnert sich an seine Zeit am Set als kleines grünes Männchen: „Paul war keine ganz leichte Angelegenheit, denn man sollte ebenso viel Mitgefühl und Leidenschaft für eine CGI-Figur entwickeln wie für einen echten Menschen. Es bedurfte vieler Leute, um das zu bewerkstelligen. Zunächst natürlich Seth, der bei den motion capture Szenen als Paul auftritt. Und dann die visual effects-Spezialisten von Double Negative. Ich habe Seth bei den Proben beobachtet und sein Verhalten übernommen, damit Simon und Nick beim späteren Dreh einen Gegenpart hatten. Schauspielerisch war das eine Herausforderung, denn die ganze Übung diente dazu, ein Alien zu schaffen, das ganz vielen Vorstellungen gerecht werden konnte. Das alles war ziemlich beeindruckend. Und ich habe dabei eine ziemlich lange Strecke auf Knieschonern zurückgelegt.“

Während Lo Truglio als stand-in von Paul bei den Schauspiel-Szenen diente, war Christopher Zajac-Denek das Action-Double für das Alien. Bei komplexen Abläufen wurden die Szenen zunächst mit den Schauspielern gedreht, die so taten, als wäre Paul dabei. Anschließend wurden die Sequenzen nochmals mit der Puppe und Zajac-Denek gedreht und eingefügt.

Mit Tanner, dem sechsjährigen Sohn des Stunt Koordinators, kam auch noch ein vierter Paul kurzzeitig zum Einsatz. Er spielt jene Szene, in der Paul auf Agent Zoil springt. Dazu sagt Couzens: „Wir fanden es realistischer, wenn tatsächlich jemand auf Jason springt. Also haben wir Tanner in einen grünen Anzug gesteckt und er ist mit vollem Einsatz auf Jason gesprungen. Dass sich Jason unter seinem Angreifer ziemlich winden muss, ergibt eine perfekte Interaktion. Später haben wir Tanner durch den CG Paul ersetzt.“

Alien Paul erwies sich als wahre Diva bei den Dreharbeiten, wie sich Mottola lachend erinnert: „Wir machten Aufnahmen mit Joe. Wir machten Aufnahmen mit jemandem, der einen kleinen grauen Ball für die Beleuchtungs-Referenz trug. Und wir machten Aufnahmen, bei denen niemand zu sehen ist. Dann drehten wir Versionen mit der Puppe und ohne sie - und hofften, dass es mit der Puppe funktioniert.“

Nachdem die Probleme der Beleuchtung und Darstellung gelöst waren, ging es um das Umfeld, in dem sich Paul bewegt. Dazu erläutert Johnson: „Wir benutzten eine Leica Total Station, mit der man lasergestützte 3D Modelle der Bilder erzeugen kann, die mit der Kamera gefilmt wurden. Für die Ausleuchtung haben wir das HDRI lighting-System eingesetzt, mit der man eine sehr hohe Dynamik bekommt.“ Damit wurde erreicht, dass Paul wie angegossen in die Welt von Graeme und Clive eingefügt werden konnte.

Das fertige Ergebnis begeisterte Darsteller und Crew gleichermaßen. Mottola fasst es so zusammen: „Wenn Paul sich den Nacken massiert, dann sieht man seine Sehnen und wie sein Daumen zugreift. Solche Details sind ganz entscheidend. Man nimmt sie nur nebenbei wahr, aber sie erzeugen eine enorme Wirkung.“

Unabhängig von der erstklassigen Qualität der Effekte war es für die Glaubwürdigkeit der Geschichte bedeutsam, dass die Beteiligten an die Existenz von Außerirdischen glauben, allen voran Koautor und Hauptdarsteller Pegg. „Ich bin überzeugt, dass es Aliens gibt“, sagt er. „Es muss sie geben. Es existieren Milliarden von Planeten und Sternen da draußen. Ich hoffe nur, dass die Außerirdischen so klein sind wie Paul.”

Produktion: Design und Drehorte

Greg Mottola ist bekannt für seinen visuellen Stil, den er für das Comedy-Abenteuer „Paul“ noch perfektioniert hat. Als Vorbild diente ihm Steven Spielberg, von dessen Frühwerk „Sugarland Express“ bis zu seinen Science-Fiction-Meisterwerken „Unheimliche Begegnungen der Dritten Art“ und „E.T. – Der Außerirdische“.

Neben diesen visuellen Hochglanz-Anleihen an Spielberg wollte Mottola seinen Wurzeln als independent-Regisseur treu bleiben. Bei allen visuellen Ambitionen beschreiben Darsteller und Crew ihren Regisseur einhellig als „entspannt“ und „lässig“.

Die Gelassenheit des Regisseurs wurde vom widrigen Wetter auf eine harte Probe gestellt. „Wir hatten Hagelstürme, Gewitter und weitaus mehr Regen als bei uns in England“, berichtet Park. „Der ursprüngliche Anstoß für diesen Film war, dass wir einmal in einem angenehmeren Klima als in England drehen wollten. Doch genau das Gegenteil war der Fall.“

Pegg räumt ein, dass er entgegen seiner Hoffnungen klimatisch vom Regen in die Traufe kam. „Wir fanden uns an einem Ort wieder, wo das Klima schneller umschlägt als sonst wo auf der Welt. Wir hatten strahlenden Sonnenschein und zwanzig Minuten später gab es Stürme, mit Golfball großem Hagel. Nicht selten mussten wir vor schweren Gewittern Schutz suchen. Wir hatten eigenes ein Unwetter-Warngerät am Set, weil in New Mexico offensichtlich nicht wenige Menschen vom Blitz erschlagen werden.“

Wenngleich der Film im gesamten Südwesten von Amerika spielt - von der Comic-Con in San Diego bis zum Devil’s Tower in Wyoming (der schon in „Unheimliche Begegnungen der Dritten Art“ vorkam) - fanden die Dreharbeiten ausschließlich in New Mexico statt. Dort fand man ideale Schauplätze für eine Wüste, die wie Nevada aussieht und für Berge, die man in Wyoming oder Colorado vermuten würde.

Für die Entwicklung des visuellen Konzepts trafen sich Regisseur Mottola,

Produktionsdesigner Jefferson Sage und line producer/executive producer Robert Graf mit J. Todd Anderson, dem Storyboard-Künstler, der viele Jahre für Joel und Ethan Coen gearbeitet hat. Gut drei Monate lang arbeiteten Mottola und Anderson an den Storyboard-Entwürfen für den Film.

Mit der Umsetzung dieser Entwürfe wurde Produktionsdesigner Jefferson Sage betraut, mit dem Mottola zuvor schon bei der Kult-Serie „Undeclared“ gearbeitet hat.

Eine entscheidende Rolle bei einem road movie spielt naturgemäß das Fahrzeug, in diesem Fall ein Wohnmobil. „Diesem Wohnmobil haben wir die meiste Zeit gewidmet, schließlich findet dort der größte Teil der Handlung statt“, erläutert Sage.

Das Aussehen des Wohnmobils musste natürlich seinen exzentrischen Passagieren entsprechen. „Wir entschieden uns bewusst für ein älteres Modell, denn solche Geeks würden nie ein ultramodernes Wohnmobil fahren – ganz abgesehen davon, dass ihnen die Miete viel zu teuer wäre“, erläutert Sage. „Wir haben uns deshalb nach Modellen der 70er und 80er Jahre umgesehen.“ Die Wahl fiel schließlich auf einen Winnebago, der für die Außenaufnahmen eingesetzt wurde und einen Bounder, in dem die Innenaufnahmen entstanden.

Für die Straßenszenen kamen zwei fahrtüchtige Wohnmobile zum Einsatz, ein drittes Modell wurde im Studio nachgebaut. Diese Studio-Version bekam den Spitznamen „Hero RV“, weil die gesamte Einrichtung verschoben werden konnte, um Platz für Kamera und Beleuchtung zu schaffen.

Als Double für die Comic Con von San Diego, der weltweit größten Comic-Messe, wurde das Albuquerque Convention Center gefunden, das mit sehr viel Liebe dem Original nachempfunden wurde. „Wir hatten alle viel Spaß mit der Comic-Con“, bekräftigt Mottola. „Wir alle sind mit Comics und Science-Fiction aufgewachsen und haben großen Wert darauf gelegt, dass alles möglichst echt wirkt. Billige Witze wollten wir auf jeden Fall vermeiden.“

Für die Reise von Pegg und Frost zu den Vasquez Rocks von Los Angeles musste in die visuelle Trickkiste gegriffen werden. Die aus „Star Trek“ bekannte geologische Formation gehört naturgemäß zum Pflichtprogramm von Geeks wie Graeme und Clive. Sage schickte seine second unit crew zu den Außenaufnahmen von Vasquez Rocks, während er in New Mexico die entsprechenden Szenen mit Pegg und Frost drehte. Anschließend wurden beide Sequenzen zusammengefügt.

Ein Highway in der Wüste von New Mexico diente als Double für jene Straße in Nevada, die in die berühmte Area 51 führt. Auch der geheimnisvolle weiße Briefkasten von dort wurde von Sage eigens nachgebaut.

Sage wurde bei seinen Entwürfen von Mottola unterstützt, der einst die Kunsthochschule besuchte, bevor er Regisseur wurde. „Durch diesen Hintergrund interessierte sich Greg sehr intensiv für die Optik und Bilder, die er in seinem Film haben wollte“, erläutert der Produktionsdesigner. „Am Ende hatten wir ein modernes Konzept für einen Science-Fiction-Film mit einer romantischen Komponente.“

Special-effects Koordinator Larz Anderson sagt über seine Arbeit: „Das war ein sehr witziges Drehbuch, das aber auch viele interessante Herausforderungen stellte. Wir sprengten ein ganzes Haus in die Luft, was immer Spaß macht. Und wir zündeten ein Feuerwerk mitten im Wald eines Nationalparks, was, gelinde gesagt, nicht ganz so unproblematisch ist.“

Zu seinen weniger exotischen Aufgaben gehörte der Bau des Wohnwagens im Studio. „Wir setzten das Gefährt auf Luftkissen, damit wir die Erschütterungen der Straße nachahmen konnten“, erläutert Anders. „Mit pneumatischen Rammen konnten wir das Abbremsen simulieren. Wenn die Schauspieler auf die Bremse traten, kippte das ganze Fahrzeug nach vorne und aus den Schränken flog das Inventar. Das sieht ziemlich dramatisch aus.“

Besonderes Vergnügen bereitet Anderson die Gasexplosion im Farmhaus, die eine zentrale Szene des Films darstellt. Der Sequenz entstand in zwei Teilen. Im Studio drehte man den kontrollierten Feuerball mit Propan-Gas. Für die Außenaufnahme wurde ein Haus mit dünnen Wänden errichtet, das auch ohne große Mengen von Sprengstoff leicht zum explodieren gebracht werden konnte. „Auf diese Weise gelang es, dass das Haus einstürzt und am Ende nur noch ein Haufen Schutt übrig bleibt“, erläutert Anderson.

Für das Feuerwerk im Wald eines Nationalparks war eine enge Abstimmung mit der Forstbehörde erforderlich. „Wir hatten vorsichtshalber ein Feuerwehr-Team dabei, wir haben die Luftfeuchtigkeit gemessen und kontrollierten genau das Gebiet, wo die Feuerwerkskörper niedergingen“, erklärt Anderson. „Am Ende hat alles ziemlich gut funktioniert.“

Produktion: Die Kostüme

Kostüm-Designerin Nancy Steiner verfügt über reichhaltige Erfahrungen im Filmgeschäft. In Sachen Baumwoll-T-Shirts musste sie ihr Wissen allerdings erweitern. „Graeme und Clive sind Comic-Fans und Geeks, Mode ist für sie also kein Thema. Dennoch wissen sie durchaus, was sie anziehen. Sie sind ziemlich stolz auf ihre T-Shirts mit Comic- und Sciene-Fiction-Motiven.“

Um das passende Outfit der beiden zu finden, begab sich Steiner in die „Hölle von Ausverkäufen“. Als Coup erhielt sie von Lucasfilm die Erlaubnis, „Star Wars“-Motive für die T-Shirts zu verwenden. Ihr Team organisierte zudem ein großartiges Bild von Dan Clowes, dem Schöpfer von „Eightball” sowie von „Ming, dem Gnadenlosen“ aus „Flash Gordon” sowie von „Project Superpowers“ aus der graphic novel „Dynamic Forces”.

Als Glücksfall erwies sich, dass die Statisten der Comic-Con Szenen mit ihrem ganz persönlichen Outfit erschienen: Mit ausgewaschenen T-Shirts von Prinzessin Leia, Darth Vader, Stormtrooper sowie diversen Science-Fiction- und Anime-Figuren. Diese Kleidung fand Steiner sehr authentisch, weil sie mit viel Liebe und Leidenschaft entworfen wurde und überaus individuell ausfiel.

„Mir war von Anfang wichtig, dass die Kleidung möglichst echt aussehen sollte“, berichtet Mottola. „Das sind Typen, die entweder ihr Geld ausgeben, um ein teures Sturmtruppen-Kostüm zu kaufen oder ihre Zeit investieren, um es mit viel Liebe selbst anzufertigen. Ich wollte für den Film keine Kleidung, die nach Kostümverleih aussieht. Ich ahnte nicht, dass die Besucher der Comic-Con mehr als glücklich waren, mit ihrem kompletten Fantasy-Outfit mitzuspielen. Wir hatten jede Menge von Anime-, „Star Trek“- und „Star Wars“-Typen aus ganz New Mexico. Sogar aus den Nachbarstaaten reisten einige an, weil sie im Film dabei sein wollten.“

Besonders begeistert war Mottola davon, dass sich seine Designer die Rechte an den berühmten Motiven sichern konnten. „Lucasfilm erlaubte uns die Nutzung von ‚Star Wars’ , Paramount gestattete die Verwendung von ‚Star Trek’-Figuren und Bildern. Man war unglaublich großzügig und hat den Witz unseres Filmes verstanden. Dort mochten man offensichtlich den Geist von ‚Paul’.“

Die Designerin Steiner hatte die einzigartige Aufgabe, ein CGI-Alien einzukleiden. „Paul trägt Shorts und Flip-Flops“, erzählt sie. „Wir mussten allerdings erst einige Kameratests vornehmen, um jene Shorts zu finden, die am besten zur Hautfarbe von Paul passen. Zudem bekam er ein kleines Cowboy-Kostüm, das er zur Tarnung trägt.“

Die meisten Figuren tragen, passend zu ihrem Hintergrund, nur ein oder zwei Outfits im gesamten Film. Eine Ausnahme macht Ruth, deren Veränderung auch in der Kleidung sichtbar wird. „Ruth ist sehr konservativ und nicht besonders modisch gekleidet“, erläutert Steiner. „Allerdings wollte ich sie nicht zugeknöpft und klischeehaft aussehen lassen.“

Bei der ersten Begegnung mit den Jungs (bevor diese sie unfreiwillig entführen) trägt Ruth ein T-Shirt mit der Aufschrift „Evolve this!“ und einem Bild von Jesus, der Darwin angreift. Dieses Shirt steht für ihre extreme, anti-evolutionäre Überzeugung. Mit ihrer Wandlung verändert sich auch der look, Ruth wird etwas lockerer und wirkt mehr sexy. „Nur ein bisschen“, betont Steiner. „Wir wollten es nicht übertreiben. Wir wollten vermeiden, dass Ruth zu ordinär aussieht.“

Zu den Kommentaren

News und Stories

  • Sky: Die Film-Neustarts dieser Woche

    Das Pay-TV-Unternehmen Sky hat auch diese Woche wieder einige Film-Neustarts zu vermelden, die auf dem Sender Sky Cinema starten. Den Anfang macht am Montag, 6. Februar 2012, der Animationsfilm „Milo und Mars“. Der Film dreht sich um Milo, der genervt davon ist, dass seine Mutter ihm ständig vorschreiben will, was er zu tun hat. Manchmal möchte er seine Mutter deshalb am liebsten auf den Mars schießen. Als sie aber...

    Ehemalige BEM-Accounts  

Kommentare