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Berlinale 2019: „La Paranza dei Bambini“ wird zum „Gomorrah“ der nächsen Generation

Berlinale 2019: „La Paranza dei Bambini“ wird zum „Gomorrah“ der nächsen Generation
© Palomar

Im Wettbewerb der 69. Berlinale 2019 feierte der italienische Beitrag „La Paranza dei Bambini“ seine Uraufführung. Warum der Film völlig zurecht mit dem Silbernen Bären für das beste Drehbuch ausgezeichnet wurde, verrät euch unsere Berlinale-Kritik.

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Paranza - Der Clan der Kinder - Trailer Deutsch

Ihre Gesichter sind dreckig, ihre Oberkörper nackt und sie bejubeln sich im Feuer selbst. Die „Paranza“ heißt die Gang von Nicola (Franceso Di Napoli) und seinen Freunden. Sie wohnen in Neapel und wollen den schnellen Aufstieg. Sie sind die nächste Generation nach den gefährlichen Camorra, die mittlerweile im Gefängnis sitzen oder längst tot sind.

Auf Mopeds düsen sie durch die engen Gassen, kennen jeden Bewohner, wissen wer das Sagen hat, wer wem Schutzgeld bezahlt. Die Drogendealer kennen sich. In der Nacht übt Nicola im Hinterhof am Gewehr. Als er seine Chance sieht, den Aufstand gegen einen alten Boss zu wagen, ergreift er sie. Der schnelle Erfolg ist ihnen sicher: Markenklamotten, Partys und Schusswaffen sind die begehrten Trophäen, und natürlich die aktuelle Vormachtstellung. Doch die kann in Neapel nur mit weiterem Blut gehalten werden, selten ist dies das Blut der Schuldigen.

Gomorrah – Gewalt vererbt an die Kinder

Es ist ein Bandenkrieg, der an die nächste Generation weitervererbt wird. Regisseur Claudio Giovannesi gelingt ein Zeugnis über die aktuelle Lage in Italien mit Mitteln des Neorealismus. Die Riege der jugendlichen Clans wird von Laiendarstellern verkörpert, die den Alltag täglich miterleben und so für einen hohen Grad an Authentizität sorgen.

Besonders Hauptdarsteller Francesco Di Napoli überzeugt mit seiner unbeschwerten Art des Spiels. Gewitzt und charmant, aber auch hart und durchgreifend, bringt er alle Qualitäten mit, um den jugendlichen Gangsteranführer mit Bravour auf die Leinwand zu bannen.

Das Drehbuch entstand aus der Kollaboration zwischen Regisseur Giovannesi, Maurizio Braucci und Roberto Saviano, der bereits in „Gomorrah“ die explosive Lage in Neapel schilderte. „La Paranza dei Bambini“ wird so zum „Gomorrah“ der Jugendgeneration. Die Chancen für die Ehrlichen sind gering, der Erfolg auf illegalem Weg ist geradezu rasant und die Lebenserwartung entsprechend gering. Worauf also warten?

Trotzdem schafft es Giovannesi das Thema behutsam, mit Gefühl und geradezu unbeschwert nachzuzeichnen. Stets dann, wenn die Kids mit ihren Mopeds durch die Gassen düsen, die Kamera eng und nah bei den Protagonisten. Ein Film über eine missliche Lage, wo Hoffnung und Verderben, Liebe und Tod eng beieinander liegen.