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Fakten und Hintergründe zum Film "Palermo Shooting"

Kino.de Redaktion |

Palermo Shooting Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

„Palermo Shooting“ von A bis Z

A wie Andreas Gursky

Deutscher Photograph und Künstler, der zumindest zum Teil ein „role model“ für Campino war. (Auch wenn die Rolle des Finn natürlich in keiner Weise biografisch auf Gursky aufgebaut ist.) Andreas Gursky hat mehrere Albumcover für die Toten Hosen photographiert und hat Campino erlaubt, ihm als Recherche für seine Rolle bei der Arbeit über die Schulter zu schauen. Ich wiederum habe dafür mit Donata und meinem Kamerateam Gursky Modell gestanden für das Bild „Kathedrale 1“.

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Amerikanischer Freund

Der erste Film, den ich mit Dennis Hopper gemacht habe, ein halbes Leben vorher. (1976 war, und ich 31, statt 62…) Dennis kam direkt aus den Philippinen nach Hamburg und stolperte aus dem Flugzeug im vollen Outfit seiner Rolle in „Apocalypse Now“, in kurzen Hosen und um seinen Hals mehrere (ungeladene) Photoapparate. Er war gefährlich zugedröhnt, um nicht zu sagen lebensmüde, und es hat uns einige Zeit gekostet, ihn einigermaßen wieder auf Vordermann zu bekommen. Später hat Dennis selber oft darauf hingewiesen, daß ihm unser Film das Leben gerettet hätte. (Sonst würde ich das nicht zu behaupten wagen…)

B wie Battaglia

Die legendäre Photographin Letizia Battaglia lebt in Palermo, und hat über viele Jahre hinweg mit großem Mut und persönlichem Risiko die Opfer von Mafia- Morden photographiert und diese Bilder auch in Büchern publiziert. Sie spielt im Film eine (improvisierte) Szene mit Finn.

Bonnie „Prince“ Billy

Enorm produktiver Musiker aus Kentucky, der auch unter dem Namen „Will Oldham“ oder „Palace Music“ Alben und CDs veröffentlicht. Ist mit zwei Stücken im Film vertreten, dem hypnotischen „Death to Every One“ (das einen nicht mehr losläßt, wenn man einmal gehört hat) und einem neuen, für den Film komponierten Song, „Torn“.

C wie Campino

Frontmann und Sänger der „Toten Hosen“. Die Absicht, mit Campino einen Film zu machen, geht schon ein paar Jahre zurück. Beim Dreh unseres gemeinsamen Musikvideos „Warum werde ich nicht satt?“ im Jahr 2000 war mir klar, daß der Mann eine unglaublich starke Präsenz vor der Kamera hat, und daß er früher oder später wirklich Schauspieler werden mußte. Ich habe das Glück gehabt, daß er es mit mir versucht hat. Wir haben uns beide gegenseitig viel Vertrauen geschenkt, und ich denke, wir haben uns nicht enttäuscht. Ich habe noch nie jemanden gesehen, der vor der Kamera in so kurzer Zeit so viel gelernt hat. Und dann hat Campino Sachen ohne Stuntman gemacht, die ich eigentlich keinem Schauspieler hätte zumuten wollen. Er ist auf dem Bauch durch Palermo gerutscht, Laternen hochgeklettert und in den Hafen gesprungen…

D wie Düsseldorf

Meine Geburtsstadt. Die ersten Lebensjahre bin ich im Zentrum der Stadt aufgewachsen, ein paar Hundert Meter vom Rhein entfernt. Einmal, mit vier, auch fast darin ertrunken, als mein Vater mit mir auf dem Rücken zur anderen Seite nach Oberkassel geschwommen ist. (Brücken gabs damals keine…) Später in Urdenbach zur Volksschule gegangen und in Benrath aufs Schloßgymnasium. Noch später an der Uni dort ein Semester lang, ach!, Philosophie studiert. Aber bislang nie in Düsseldorf gedreht. (Außer ein paar Hintergründe für das Hosen-Video.) War ein seltsames Gefühl, da jetzt wieder auf den Rheinwiesen zu stehen, oder auf dem Nordfriedhof, wo meine Eltern liegen.

Donata

Meine Frau, seit 1993. Da war sie Kamera-Assistentin bei „In weiter Ferne, so nah!“. Liebe auf den ersten Blick! Donata ist inzwischen eine großartige Photographin geworden. Wir versuchen, so viel wie möglich zusammen zu machen, und deshalb ist Donata bei allen meinen Filmen als Standphotographin dabei. digital Finn als zeitgenössischer Photograph bearbeitet seine Photos digital und stellt sie dabei zu ganz neuen Bildwelten zusammen, wie man im Film auch sieht. „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“ sind dabei zu völlig relativen, eigentlich obsoleten Begriffen geworden. Gerade darüber hat Frank ein Wörtchen mit Finn zu reden… PALERMO SHOOTING selbst ist analog auf Film gedreht, dann aber digital weiterbearbeitet worden, im WERK in Berlin, wobei eine große Anzahl von Effektschüssen produziert wurde.

Drehbuch

Filme sollen uns zuallererst Geschichten erzählen! Klar. Innerhalb dieser Prämisse dürfen dann auch alle möglichen „Themen“ zur Sprache kommen. Das Problem ist oft nur, daß die meisten Stories sich selbst genug sind und alles andere gern an den Rand drängen. Wieviel muß man im Lauf eines Films nicht alles schildern, um Konstruktion und rotem Faden Genüge zu tun. Dabei können Filme so viel mehr als nur ihre Plots zu transportieren! Aber wo sie heute zunehmend nach festen Formeln hergestellt werden, bleibt immer weniger Spiel- oder Freiraum. Ich hatte dieses „Sicherheitsspiel“ ziemlich satt. Ich wollte lieber wieder einen Film wie Rock n Roll machen, (siehe Musik) gewagt, abenteuerlich, ohne ein Modell zu erfüllen, ohne Angst, auch mal „was zu sagen“, ohne Kalkül. „Wieder?“ Ja, wieder. Mir ist es schon immer besser gelungen, mich auf ein Lebensgefühl, auf Rätsel, Geheimnisse oder Fragestellungen voll einzulassen, wenn ich die Freiheit hatte, ohne ein vorher endgültig festgelegtes Drehbuch zu arbeiten. „Alice in den Städten“ habe ich so gedreht, „Im Lauf der Zeit“, den „Stand der Dinge“ oder „Lisbon Story“. Selbst für den „Himmel über Berlin“ gabs ein komplettes Buch erst am letzten Drehtag. Und auch für „Paris, Texas“ gabs nur ein halbes Drehbuch. Diesen Faden wollte ich mit PALERMO SHOOTING aufnehmen und das Territorium einer Figur und ihrer Geschichte wieder erforschen – nicht schon vorher kennen. Ich wollte erzählen, ohne vorher zu wissen, wies ausgehen sollte, meinen Gegenstand kennen, meine Themen, meinen „Content“, ohne sie alle vorher schon an einer „Story“ aufhängen zu müssen.

E wie Effekte

Knapp 200 (!) digitale Effekte sind für PALERMO SHOOTING produziert worden, vor allem bedingt durch die hohe Anzahl von Traumsequenzen. Dabei habe ich versucht, meinen Schauspielern möglichst wenig Dreharbeiten vor dem Greenscreen zuzumuten. Wenn Campino aus allen Wolken fällt, das war natürlich im Studio gedreht. Auch Lou Reed hat es nie in eine Eckkneipe nach Neuss geschafft…

F wie Fresko

Unweit unserer (temporären) Wohnung in der Altstadt von Palermo liegt das Museum Abatellis. Da bin ich eines Tages nichtsahnend hineingegangen, als ich noch dabei war, die Stadt zu erforschen und gleichzeitig die erste Version meines Drehbuchs zu schreiben. Und so stand ich plötzlich vor dem riesigen, die ganze Wand eines Saales ausfüllenden Fresko „Il Trionfo della Morte“! Ich war nicht im Geringsten darauf vorbereitet, daß da die Grundlage meiner Geschichte vor mir ausgebreitet liegen würde. Die bildbeherrschende apokalyptische Figur des Todes, der mit seinen Pfeilen seine Opfer erlegt. Der (unbekannte) Maler des Wandbildes, der sich in einer Ecke selbst verewigt hat. Die Modernität dieses riesigen Gemäldes, das Picasso gekannt haben mußte, denn das Pferd im Zentrum von „Guernica“ hat ganz deutlich enorme Ähnlichkeit mit dem Pferdegerippe dieses Bildes aus dem 15. Jahrhundert. Und schließlich war mit diesem außerordentlichen Fund in Palermo auch gleich schon der Beruf von Flavia definiert, nämlich als Restauratorin eben dieses Freskos.

Finn, Frank und Flavia

Zuerst gabs natürlich Finn, den Photographen. Mit seiner Figur fing der ganze Film an. (Und das war Campino, von Anfang an.) Dann gabs Frank, der in einer allerersten Idee eher eine Mephisto-Figur war, bis ich ihn dann, nicht zuletzt durch die Begegnung mit dem Fresko „Il Trionfo della Morte“ in Palermo, zum „Tod“ gemacht habe, wodurch sich dann schließlich erst die Geschichte herausgeschält hat, so wie sie jetzt ist. Frank war gleich von Anfang an Dennis Hopper. (Sie können sich denken, woher er seinen Namen hat …) Und, last but not least, kam Flavia dazu. Nach der habe ich allerdings eine Weile lang gesucht, bis ich Giovanna Mezzogiorno gefunden habe. Ihren Namen habe ich als Graffiti in einer Hauswand in Gangi entdeckt… (Warum alle Vornamen im Film mit „F“ anfangen? Kann ich nicht sagen, hat sich einfach so ergeben…)

Franz Lustig

Mein Kameramann ist wieder Franz Lustig, der mit mir auch seinen ersten Spielfilm gemacht hat („Land of Plenty“) und der mit seinem zweiten Film („Dont Come Knocking“) gleich den Europäischen Filmpreis als bester Kameramann gewonnen hat. Franz ist aus Freiburg im Breisgau, und durch nichts aus der Ruhe zu bringen. In Düsseldorf hatte er einen Schwenker - da stand die Kamera immer auf einem Stativ und einem Dolly - in Palermo hat Franz alles selber aus der Hand gedreht.

Fabrizio de André

Legendärer italienischer Musiker, oft mit Jacques Brel, aber auch mit Leonard Cohen verglichen. Seine 1984 erschienene Platte „Crêuza de Mä“ ist ein Meilenstein der Musikgeschichte. Im Film kommt das Stück „Quello Che Non Ho“ aus dem „Indian“ Album vor, dessen titelloses Cover in Flavias Apartment auch mal in einer Nahaufnahme zu sehen ist. Fabrizio starb, viel zu früh, im Januar 1999, und der Soundtrack von PALERMO SHOOTING ist ihm gewidmet.

G wie Giovanna Mezzogiorno

In eben jenem Museum Abatellis in Palermo, in dem auch das Fresko „Il Trionfo della Morte“ zu sehen ist, bin ich auf ein wunderschönes kleines Ölbild einer Madonna gestoßen, das von Antonello de Messina stammt: „Die Verkündigung“. Auf den ersten Blick so gar kein sakrales Bild, zeigt es eine junge Frau, die offensichtlich tief erschüttert ist, dabei aber nicht erschrocken wirkt. Das Erstaunlichste an ihr ist die ganz ungewöhnliche, zugleich abwehrende und einladende Geste ihrer Hände. Von dem Ausdruck dieser jungen Frau war ich sehr beeindruckt, und so war meine erste (und einzige) Casting-Idee für Flavia, eine Schauspielerin zu finden, die etwas mit diesem Bild gemein hätte. Normalerweise hat man alles Mögliche im Kopf: man sucht ein bestimmtes Alter, blonde oder dunkle Haare, eine große oder eine zierliche Person. Diesmal wollte ich eben eine Frau finden, die das Geheimnisvolle dieses Ölbildes widerspiegeln könnte. Auf der Suche danach bin ich schließlich auf Giovanna gestoßen. Es ist immer gut, wenn man das Gefühl hat, diese oder jene Person muß diese Rolle spielen, es gibt überhaupt niemand anderen – und das war bei Giovanna vom ersten Eindruck an so. Und der hat mich in keiner Weise getäuscht. Flavia war keine einfache Rolle, weil sie lange Zeit im Film keine andere Biographie hat als eben ihren Beruf. Und ihre geheimnisvolle, innige Präsenz.

Get Well Soon

Deutscher Musiker, mit bürgerlichem Namen Konstantin Gropper, der zwei neue Songs für den Film geschrieben hat: „Busy Hope“ und „Good Friday“. War durch seine tolle erste CD „Rest Now, Weary Head…“ auf ihn aufmerksam geworden.

Gangi

Kleiner Ort von 3.000 Einwohnern in der Madonie, südöstlich von Palermo, tausend Meter hoch gelegen. Als ich das erste Mal das Städtchen gesehen habe, auf dem Weg zum Ätna, habe ich schon in der Ferne gespürt, daß das der Schauplatz für das Ende des Films würde, schon als die Silhouette der Stadt auf dem Hügel auftauchte, wie eine Pyramide. Die Gassen sind für Autoverkehr praktisch zu steil und unzugänglich. Mir kam das Leben der Menschen in Gangi geradezu utopisch vor: wie da die Alten und die Jungen zusammenlebten, wie man von überall mit dem Blick in die Ferne schweifen konnte, wie da das mittelalterliche Stadtbild erhalten war, ohne museal zu wirken…

H wie Handy

Wichtiges Requisit des Films. Für Finn unentbehrlich, nicht nur zum Telefonieren oder Text-Senden, (oder auch einmal als Photoapparat…) Das kleine Ding erlaubt ihm auch, seine Musik ständig bei sich zu haben. Und für Finn ist die wie eine Droge geworden. Selten, daß er, außer in Gesprächen, die Knopfhörer mal nicht im Ohr hat. Dabei trägt sein Live-Soundtrack eigentlich nicht zu einem Realitätsverlust bei. Im Gegenteil: Die Musik erdet ihn und hilft ihm, sich zu konzentrieren. „Rock ‟n Roll has saved my life“ gilt für ihn in besonderem Maße.

Hopper

Ich habe gleich an Dennis gedacht, als ich wußte, daß ich einen Schauspieler bräuchte, um den  Tod zu spielen. Die ersten Besetzungsideen sind ja meistens die besten. Wir wollten schon immer wieder einmal einen Film zusammen machen, nach dem „Amerikanischen Freund“. Dennis, der ja meistens Bösewichte spielt, zeigt in PALERMO SHOOTING eine geradezu zärtliche Seite. So eine Rolle hat er einfach sein Leben lang noch nicht gespielt. Es hat mir die Sprache verschlagen, wie tief Dennis da in sich hineingegriffen hat. Ich hab geahnt, daß er das in sich hatte, aber ich habe nicht geglaubt, daß er da aus dem Stehgreif so eine Performance hinlegen würde. Er hat genau diese Gebrochenheit gespielt und diese Zärtlichkeit, die ich mir gewünscht hatte, aber gleichzeitig auch eine gewisse Grausamkeit. ‚Youve got to be cruel to be kind, um Elvis Costello zu zitieren…

I wie Irmin Schmidt

Kopf der legendären deutschen Band CAN, die in den Siebziger Jahren epochal neue Musik gemacht und Rock und Popmusik für immer verändert haben. Immer noch einflußreich und immer noch in allen Plattenläden der Welt vorhanden! Irmin und der (inzwischen leider verstorbene) Gitarrist Michael Karoli haben 1972 die Musik für einen meiner ersten Filme gemacht, „Alice in den Städten“. CAN haben einen Song beigetragen zu „Bis ans Ende der Welt“ und zu „Lisbon Story“ den musikalischen Prolog, nämlich die Musikcollage auf der Autofahrt quer durch Europa, von Frankfurt nach Lissabon. PALERMO SHOOTING war meine erste Zusammenarbeit mit Irmin an einem Score. Als ausgebildeter Pianist, Komponist und Dirigent hat Irmin Schmidt seine Wurzeln sowohl in der klassischen Musik, als auch im Jazz und natürlich in der Rockmusik.

J wie Jovovich

Mit Milla Jovovich habe ich 1999 „The Million Dollar Hotel“ gedreht, wo sie mich in der Rolle der Eloise überzeugt hat. War nicht einfach, mit solchen Gegenspielern wie Mel Gibson. Wir sind seitdem gut befreundet. Milla war hochschwanger während der Dreharbeiten in Düsseldorf, im achten Monat, so kann ich sagen, daß ihr die Rolle wirklich „auf den Leib geschrieben“ war. Noch während wir in Palermo weitergedreht haben, wurde Millas Tochter Ever geboren…

K wie Kinostart

Der ist in Deutschland von SENATOR für den 20. November geplant. Nicht schlecht, wenn man den Film gesehen hat und weiß, daß das in Palermo so wichtige „Festa dei Morti“ auch im November liegt… In Deutschland ist der Totensonntag in diesem Jahr am 23. November. Aber in Palermo wird dieser Feiertag ungleich fröhlicher, bunter und lebhafter begangen, fast wie Weihnachten. Da kriegen die Kinder Geschenke von den Toten…

L wie Liebe

Mehr gibt es nicht zu entdecken, im Leben wie im Film, immer wieder, daß nichts zählt, was nicht von Liebe getragen ist.

Lindbergh

Der große Photograph Peter Lindbergh war das andere Vorbild für die Rolle des Finn, zumindest für die Szenen, wenn er Milla photographiert. In der ersten Szene in der Industrieanlage in Essen spielt er übrigens selbst mit. Er ist der Statist im Stahlwerker-Kostüm, der heimlich einen Schnappschuß von Milla macht…

Lou Reed

Sollte zu seinem Dreh nach Düsseldorf kommen, bzw. nach Neuß, wo wir in der Kneipe „Zum Schwatten Pääd“ die Szene gedreht haben, wenn Finn nach seinem Beinahe-Unfall in der Jukebox die Velvet Underground und „Some Kinda Love“ drückt. Aber dann konnte Lou ausgerechnet in diesen Tagen nicht aus New York weg! So mußten wir das halbe „Schwarze Pferd“ in Palermo vor einem Greenscreen nachdrehen. Was aber Lou Reeds Auftritt nicht geschadet hat. Zumindest virtuell war er in Düsseldorf dabei und konnte auf diese Weise sogar durchsichtig werden!

M wie Musik

Die zeitgenössische populäre Musik, ob nun Pop, Rock, Blues, Punk, Hiphop, Jazz oder Rap, traut sich ständig, alle möglichen Themen anzusprechen, (oft in kühnen und unvermuteten Zusammenhängen,) die in dem anderen großen populären Medium, dem Kino, zunehmend ausgespart werden. Sänger(innen) scheinen vor nichts Angst zu haben: Da gibt es Songs über Leben und Tod, über Gott und den Teufel, über Beten, Glauben und Unglauben, über Einsamkeit und Kummer, über Reichtum und Armut, über die Zeit und die Ewigkeit, über Gerechtigkeit, Freiheit, Solidarität, darüber, WIE man LEBEN soll oder WAS man heute DENKEN kann… Hören Sie rein in die Musik von Nick Cave, U2, Portishead, Bonnie Prince Billy, Coldplay, Radiohead, David Gray, Rickie Lee Jones, Tom Waits, Bob Dylan ohnehin, oder in Deutschland Herbert Grönemeyer, Die Toten Hosen oder Xavier Naidoo, um nur ein paar Namen zu nennen. Da geht es oft genug um die existentiellsten und grundlegendsten Dinge. Und die Leute sind offen dafür, mehr noch: dankbar! Wenn man deren Songtexte liest, kann man nicht umhin, sofort zu merken, daß die Zusammenhänge in heutigen Filmen kaum vorkommen könnten. Warum scheut im Verhältnis zur Musik „das Kino“ so sehr vor allem zurück, was auch nur annähernd mit „dem Leben“ zu tun hat, bzw. mit einer Verarbeitung von alltäglichen existentiellen Fragen? Warum wird da so wenig auf Risiko gespielt?

Mafia

Eins wußte ich, als ich mich entschieden habe, einen Film in Palermo zu drehen: Es sollte kein Film über die Mafia werden! Wir haben dann auch keinerlei Bekanntschaft mit den Herren gemacht. Nur beim Essen in der „Focacceria“, bei uns um die Ecke, saß man immer mit Polizeischutz an den Tischen auf der Piazza S. Francesco. Der Besitzer hatte nämlich ausgesagt gegen die Erpresser, die von ihm Schutzgeld („pizzo“) verlangt hatten.

Monta

Deutscher Musiker, mit bürgerlichem Namen Tobias Kuhn, der für den Film zwei Stücke geschrieben hat. „My Impropriety“ und „No Man‟s Land“. Seine letzte CD „The Brilliant Masses“ hat mich echt beeindruckt!

N wie Nick Cave

Ich kenne Nick nun seit 25 Jahren, seit seiner Hoch-Zeit als pre-grunge-König in Berlin. Er hat nicht nur im „Himmel über Berlin“ und „Soul of a Man“ mitgespielt, sondern auch tolle Songs geschrieben für „Bis ans Ende der Welt“ oder „In weiter ferne, so Nah!“. Mit seiner neuen Band Grinderman hat er zwei Songs für PALERMO SHOOTING aufgenommen, den „Song for Finn“ und den „Song for Frank“.

Norman Ohler

Romanautor, den ich vor Jahren kennengelernt hatte, als sein erstes Buch „Die Quotenmaschine“ erschienen war, der weltweit erste Internet-Roman, wenn ich mich recht erinnere (und Wikipedia Recht hat.) Dann erschien „Mitte“ und ich las gerade sein drittes Buch „Stadt des Goldes“, als ich mit meinem Drehbuch einmal durch war und mir überlegte, ob es nicht vielleicht sinnvoll wäre, einen Co-Autor an Bord zu nehmen, damit ich in Palermo mit den anstehenden Drehbuch- und Dialogänderungen nicht ausschließlich auf mich allein gestellt wäre. Norman hat mich toll unterstützt, nicht zuletzt bei dem langen und schwierigen Dialog zwischen Frank und Finn.

O wie Orlando

Leoluca Orlando war viele Jahre über Bürgermeister von Palermo und ein unerbitterlicher und unerschrockener Mafia-Bekämpfer. Auch heute noch kann er nur mit Bodyguards aus dem Haus treten. Er hat mehrere Bücher geschrieben, die u.a. auch ins Deutsche übersetzt worden sind. Und er spricht ein sehr gepflegtes deutsch, wie man im Film hören kann, wenn er Finn über die Bedeutung des palermitanischen „Totensonntags“ aufklärt.

P wie Palermo

Meine Filme sind allesamt von einem ausgeprägten Ortssinn bestimmt. Die Orte waren da auch immer Co-Stars, Träger und „Zuträger“ von Geschichten. Palermo ist auch so ein Katalysator. Grotesk und lärmend auf der einen Seite, großartig und labil auf der anderen. Tief verletzt, aber nicht totzukriegen. Provozierend ehrlich und direkt wie die Menschen dort. Nicht „schön“, denkt man schnell, aber dann doch wider Erwarten atemberaubend und geheimnisvoll.

Portishead

Von Portishead ist gerade die dritte, lang erwartete CD herausgekommen, „Third“, von der im Film „The Rip“ vorkommt. Gesungen von Beth Gibbons, meiner Lieblingssängerin schlechthin in der zeitgenössischen Musik. Aus Beths Solo-Platte „Out of Season“, die sie zusammen mit Rustin‟ Man vor ein paar Jahren gemacht hat, ist unser Schlußlied: „Mysteries“. Da kriege ich auch nach dem hundertsten Hören noch Gänsehaut…

Photographie

Einen Film über einen Photographen zu machen, das hatte ich mir vor langer Zeit schon vorgenommen. Wie bei keinem anderen zeitgenössischen Beruf sind Photographen mit den Fragen konfrontiert, was heute noch „wirklich“ oder „wahr“ ist. Wo jedes Bild in seine (digitalen) Atome zerlegt werden kann, und wo es Kategorien wie „Original“ oder „Fälschung“ nicht mehr gibt, stellt sich mit jedem „Ab- Bild“ aufs Neue die Frage, wer überhaupt noch an eine Ableitung aus der Realität glaubt, und wenn ja, was diese zu bedeuten hat. Die digitalen Welten, mit denen wir heute alle umgehen, erklären auch den Realitätsverlust, unter dem viele Menschen zunehmend leiden. Was soll man noch ernst nehmen, wenn alles eigentlich manipulierbar ist…

Peter Przygodda

Mein Cutter, der mit Oliver Weiss zusammen den Film geschnitten hat. Peter hat schon meinen Abschlußfilm an der Filmhochschule geschnitten, und seitdem, mit ganz wenigen Ausnahmen, fast alle meine Filme. Przygodda ist Berliner, daher sein Spitzname „Keule“. Peters Methode ist die „total immersion“. Er sitzt jeden Morgen in aller Herrgottsfrühe am Schneidetisch (oder heute dem Avid) und geht früh am Abend schlafen. Er widmet sich dem Film mit einer Absolutheit, die ich bei keinem anderen Cutter je erlebt habe. Er kennt nach einer Weile jeden belichteten Meter Film, besser als ich selber. Ich habe mich inzwischen daran gewöhnt, ihn oft tagelang allein zu lassen. Ich kann mich einfach darauf verlassen, daß er im Material den bestmöglichen Film findet, der darin (mitunter) verborgen ist. Seit er non-linear am AVID arbeitet, nennt er das allerdings nicht mehr „schneiden“, sondern „klicken“…

Pfeile

Die fliegen Finn in Palermo um die Ohren. Auf Finns Frage, wer er sei, antwortet ihm Frank: „Der Tod… ist ein Pfeil aus der Zukunft, der auf dich zugeflogen kommt.“

Q wie Quattro Canti

Platz im Zentrum der Altstadt von Palermo. Hier an den „Vier Ecken“ kreuzen sich die Nord-Süd und die Ost-West Achse. Die Via Maqueda wurde schon im 16. Jahrhundert gebaut. Der Platz wird von 4 spiegelbildlichen Barockbauten eingefaßt, mit 4 Springbrunnen, die allegorisch die vier Jahreszeiten darstellen. An einem dieser Brunnen schläft Finn auf seinem ersten Streifzug durch die Stadt ein, und hier trifft ihn Franks erster Pfeil.

R wie Regenbogen

Der erschien am Himmel in einem schwierigen Moment (in der Szene zwischen Finn und Letizia Battaglia) und leuchtete dann so lange, bis die Szene im Kasten war. Wir waren alle übermüdet, die Zweisprachigkeit zwischen englisch und italienisch wollte nicht so richtig klappen, es nieselte ständig, aber dann hat der Regenbogen alles rausgerissen.

Ringel

Gian-Piero Ringel, mein Producer. Italienischer Abstammung, väterlicherseits (sogar aus Palermo!), ansonsten aber in Deutschland aufgewachsen. Hat an der DFFB Produktion studiert, und war trotz seines noch recht jungen Alters (im Vergleich zu mir zumindest) ein Fels der Zuversicht. Dabei hatte Gian-Piero es nicht leicht: Als er anfing, die Finanzierung zusammenzustellen, gab es noch kein Drehbuch, und der Film war nicht besetzt. Dann wurde die Geschichte komplexer, die benötigte Drehzeit länger, internationale Stars kamen dazu, und eh wir uns versahen, war die Kalkulation aufs Doppelte gestiegen. Gian trugs mit erstaunlicher Gelassenheit.

Rosa Balistreri

Legendäre Musikerin aus Palermo, 1927 geboren und 1990 gestorben. Als Tochter eines fahrenden Händlers wuchs sie in sehr ärmlichen Verhältnissen auf und lernte schon in ihrer Kindheit ganz Sizilien kennen. Auch ihr späteres Leben war geprägt von Armut und Demütigungen. Um sich und ihre Kinder durchzubringen, verdiente sie ihr Geld mit Putz- und Hilfsarbeiten. Rosa Balistreri sang mit kräftiger, bisweilen rauher Stimme. Ihr Repertoire reichte von Wiegenliedern über Volkslieder der verschiedenen Regionen Siziliens bis hin zu Gedichten von Ignazio Buttitta. Sie interpretierte Texte über die Armut, die Gefangenschaft und die Mafia. (Danke, Wikipedia…) Zwei Songs sind von ihr im Film: „Cu Ti Lu Dissi“ und „Quannu Moru“.

S wie Sizilien

Um Goethe zu zitieren: „Palermo, 17. April 1787. Italien ohne Sizilien macht gar kein Bild in der Seele: Hier ist der Schlüssel zu allem!“

Sollima

Giovanni Sollima! Großartiger Cellist aus Palermo. Habe ich durch Patti Smith kennengelernt, mit der er in Palermo ein Konzert gegeben hat, was ich auch gedreht habe. Aber dann mußte das am Ende doch der Schere zum Opfer fallen. Auf jeden Fall spielt Giovanni im Film mit als der Cellist auf der Party im Palazzo Butera, wohin Finn sich eines Nachts verirrt…

Shooting

„To shoot pictures…“ ruft Phillip Winter am Anfang von „Alice in den Städten“ mal aus. Die Doppeldeutigkeit des „Schießens“ kommt leider nicht in allen Sprachen so deutlich heraus. Da ist das Englische bemerkenswert unverblümt…

Satya de la Manitou

Kumpel von Dennis, den der schon beim „Amerikanischen Freund“ dabei hatte. Er hat Dennis als unermüdlicher Dialogue Coach begleitet. (Dennis hatte in 3 Tagen zehn Seiten Dialog zu lernen…) Auf dieser Reise (seiner ersten nach Italien) kam Satya dazu, endlich den Geburtsort seiner Eltern in der Nähe von Palermo aufzusuchen, was ihn emotional tief aufgewühlt hat. Außerdem spielt er auch mit. Man sieht ihn aber nur von hinten, als „Regisseur“ im Teatro Garibaldi, wo Finn einer Probe beiwohnt.

T wie Tod

Der Tod als personifizierte Figur kommt im Kino nicht so oft vor. Den Teufel gibt es noch und nöcher in vielen 100 Filmen, aber der Tod ist eine seltene Figur. (Großartige Ausnahme: Bergmans „Das Siebente Siegel“) Ich wollte den Tod nicht als finsteren Gesellen zeigen, sondern als eine zerbrochene Figur, in Anlehnung an den deutschen Stummfilm „Der müde Tod“ eher als einen, der an seiner Aufgabe verzweifelt. Tätowierung Alles echt, wie Campino selber.

Traumsequenzen

Finn kann kaum noch richtig schlafen, und wacht aus seinen kurzen Träumen immer schreckhaft auf… Wie kann ein Film Träume wiedergeben? Ist nicht der Film ohnehin Traum? (Gut reflektiert in dem populären Ausdruck aus den Fünfziger Jahren von der „Traumfabrik“ Hollywood.) Wenn man träumt, gibt man sich seinem Träumen so viel unkontrollierter und „hingebungsvoller“ hin als jemals dem wachen Sehen und Erleben. Aber gerade da treffen sich Kino und Traum… Auch im Film kann man sich anders verlieren als in jeder „Wirklichkeit“…

Thom

Deutscher Musiker, mit bürgerlichem Namen Thomas Hanreich. Thom hat vor 4 Jahren die Musik für „Land of Plenty“ geschrieben, produziert und zum größten Teil auch selbst gespielt. Sein Album „Gods and Monsters“ ist nach wie vor eine der am meisten verkannten CDs der neueren (deutschen) Rock-Geschichte. Für PALERMO SHOOTING hat Thom zwei Songs geschrieben: „Beds in the East“ und „Ever Loving“. Die Toten Hosen kommen im Film übrigens alle vor, nicht nur Campino. Wo allerdings Breiti, Andi, Kuddel, Vom und auch Jochen stecken, das müssen die Fans schon selber rausfinden…

U wie Udo Samel

Spielt den verrückten Banker auf der Rheinwiese, der zur Entspannung Schafe hütet. Udo hat auch schon „In weiter Ferne, so nah!“ mitgespielt. Ein großer Schatz! Die Szene ist sicher eine meiner liebsten! Wegen seines Kostüms, des Huts und der Gamaschen (!) nannten wie die Figur beim Drehen liebevoll „das Ampelmännchen“.

V wie Velvet Underground

Deren Klassiker „Some Kinda Love“ läuft in der Musicbox, kurz bevor dem etwas mitgenommenen Finn der Lou Reed erscheint. Mit diesem Song hat es in meinem Leben eine besondere Bewandtnis. Der hat mir mal das Leben gerettet. Aber das ist eine lange Geschichte…

Vespa

Unabdingbares Requisit, wenn man in Italien dreht. Erst ist Giovanna gefahren, und Campino saß hinten drauf, dann umgekehrt.

W wie Widmung

Der Film trägt am Ende die Widmung: Für Ingmar und Michelangelo. 30.7.2007

Ich war auf Motivsuche in Gangi, als ich von der Europäischen Filmakademie mit der Nachricht angerufen wurde, daß unser ehemaliger Präsident Ingmar Bergman in der Nacht verstorben sei. Das war ein trauriger Tag, um einen Dreh vorzubereiten. Am nächsten Morgen fuhr ich wieder in den Ort, als mich der einzige Verkehrspolizist auf der einzigen Kreuzung anhielt und mir andeutete, ich solle das Fenster herunterkurbeln. Ich wunderte mich schon, was ich wohl falsch gemacht haben könnte, als er sich zu mir beugte und mir mitfühlend sagte: „Und heute Nacht ist Michelangelo Antonioni gestorben!“ In welcher anderen Stadt der Welt hätte einem das passieren können!

X wie Xenophobie

Unter Fremdenfeindlichkeit hat  Palermo Gott sei Dank nicht zu leiden. Zu viele „Fremde“ haben hier geherrscht und tiefe Spuren hinterlassen: Die Griechen, die Araber, die Normannen, die Franzosen, die Spanier, die Deutschen… Im Moment gibt es einen großen Einwandererschub aus Afrika. Und aus China! Ganze Straßenzüge sind in den letzten Jahren in chinesische Hände übergegangen. Dabei werden selbst Häuserkäufe nur in bar abgehandelt. Die Chinesen glauben offensichtlich nicht an bargeldlose Geschäfte…

Y wie Ypsilon, …

… was genau so aus dem Griechischen kommt wie der Name „Palermo“, der vom griechischen „panormos“ stammt, was soviel heißt wie „großer Hafen“, oder „All- Hafen“… Zumindest erfährt Finn das auf der Rheinweise von einem Banker…

Z wie Zollverein in Essen

In Essen auf dem Gelände des Zollvereins (von der Unesco zum Weltkulturerbe ernannt) haben wir das Haus gefunden, in dem Finn nun wohnt und arbeitet, sein „Cube“. Die Architekten dieses einzigartigen Gebäudes sind die Japanerin Kazuyo Sejima und ihr Partner Ryue Nishizawa.

Campino über…

…Cannes:

„Mir kommt das alles vor, wie 'Peterchens Mondfahrt': Eigentlich habe ich mich ein bisschen verlaufen, aber ich freue mich wahnsinnig dass Wim für sein Wagnis belohnt wurde, die Hauptrolle mit einem Amateur wie mir zu besetzen.“

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…Dennis Hopper:

„Dennis ist jemand, der gar nicht erst erlaubt, dass man beim Spielen zu sehr abrutscht. Er reißt einen einfach mit, ich musste mich nur an ihm festhalten und dann hat er mich mitgezogen. Es war schön, dass er mir die Bälle so zugespielt hat.“

…das Schauspielen:

„Beim Film sind Leute für kurze Zeit ganz intensiv zusammen, Schauspieler müssen ganz schnell ihre Hemmschwellen abbauen. Wildfremde Menschen sollen plötzlich miteinander knutschen – was nicht unkomisch ist. Mit dem richtigenFilmpartner, ist das auch ok.“

…seine Hauptrolle:

„Am Anfang war ich unsicher und fühlte mich ein bisschen so, wie wenn man in ein Gebiet kommt, das man nicht gut kennt. Man freut sich zwar darauf, aber man rechnet auch überall mit Gefahren. Mit der Zeit hat sich das gelegt und ich konnte das Glück immer mehr würdigen, dass ich hier mit an Bord war. Es ist ein Traum, sich so austoben zu dürfen.“

…sein Verhältnis zum Regisseur:

„Ich setze mein volles Vertrauen in den Kapitän, der muss die gefährlichen Klippen umschiffen. Ich bin Matrose und tue, was er sagt. Sollten wir sicher im Hafen landen, werde ich auf ihn anstoßen. Und wenn wir auf eine Eisscholle laufen, werde ich ihn verfluchen – ist doch ganz normal.“

…seine Figur:

„Das Drehbuch ist mir wie auf den Leib geschrieben. Ich kann ganz viel von Finn nachvollziehen, es tut mir aber gut, dass die Figur zugleich sehr weit weg von mir ist – erst durch diese Distanz konnte ich wirklich mit dem Spielen beginnen. Hätte ich einen Musiker spielen sollen, hätte ich größere Schwierigkeiten gehabt.“

…Wim Wenders:

„Für mich liegt Wims besondere Stärke darin, dass er Bilder und Musik so unheimlich gut verbindet, weil er zu beidem einen irren Bezug hat – das ist bei vielen Regisseuren nicht der Fall. In all seinen Filmen hat es mich immer wieder beeindruckt, wie es ihm gelingt, Emotionen über Musik herauszustellen. Und seine Bilder sprechen ja sowieso für sich.“

Giovanna Mezzogiorno über…

…ihre Rolle:

„Flavia erweckt zerstörte Kunst zu neuem Leben. Ihre ganze Leidenschaft gilt dieser Arbeit, der Restaurierung des alten Freskos mit dem Todesmotiv. Erst später erfahren wir, dass dieses Fresko mit einer persönlichen Tragödie verbunden ist. Als sie Finn zum ersten Mal begegnet, fühlt sie sich sofort von ihm angezogen. Dieses starke Gefühl ist fast schon surreal in seiner Stärke. Flavia spürt eine große Wahrhaftigkeit in Finn und sie bemerkt seinen Schmerz. Beide haben etwas verloren in ihrem Leben und das verbindet sie.“

…Campino:

„Ich kannte Campino vorher gar nicht, seine Band ist in Italien nicht sehr bekannt. Er erzählte mir einmal von einem Konzert hier bei uns, was ihn wohl ziemlich enttäuschte. Weil ich ihn als Rockstar nicht kannte, war es für mich zunächst etwas irritierend, ihn als Campino statt mit seinem richtigen Namen anzusprechen. Campino ist ein wunderbarer Mensch, zu dem man schnell einen guten Draht bekommt. Er kann gut zuhören und schenkt einem viel Aufmerksamkeit – das sind sehr seltene Qualitäten bei einem so großen Rockstar.“

…den Tod:

„Ich musste mich schon früh mit dem Tod beschäftigen. Mein Vater starb sehr jung mit 51 Jahren. Ich war damals erst 17, da macht man sich natürlich viele Gedanken. Wobei der Tod in diesem Film auf einer anderen Ebene vorkommt: Als Tod in der Kunst, als Tod in der Einbildung oder in Träumen. Das ist so völlig anders als was ich selbst erlebte. Für mich war der Tod vor allem ein Schock. Im Film begegnet man dem Tod auf eine philosophische, sogar romantische Art. Das war eine sehr neue Erfahrung für mich.“

…Wim Wenders:

„Ich war überrascht, wie sehr Wim einen beschützt und wie stark er sich um einen kümmert. Beim Namen Wenders dachte ich bislang eigentlich nur an den großen Künstler, an grandiose Bilder und wunderbare Filme. Dass er sich dann so um einen kümmert, wäre mir nie dazu eingefallen. Diese schöne Verbindung mit dem Regisseur hat mir ein sehr gutes Gefühl gegeben.“

Dennis Hopper über…

…den Namen Frank:

„Ich weiß nicht, warum meine Figur Frank heißt, das sollte man besser Wim fragen. Es könnte sein, dass es von BLUE VELVET kommt, wo ich einen Frank gespielt habe. Aber ich habe noch niemanden danach gefragt.“

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…sein Aussehen:

„Als mir Barbara, unsere Maskenbildnerin, erzählte, dass Wim überlege, ob Frank eine Glatze haben solle, war ich sofort gegen diese Idee. Später, als ich meinen Text vor dem Spiegel las, wurde mir klar, dass Frank definitiv eine Glatze braucht. Mein Partner Satya schlug vor, dass ich auch noch die Augenbrauen rasieren sollte, was ich ein bisschen zu viel des Guten fand. Aber dann gefiel mir auch diese Idee sehr gut. Das Licht ist einfach großartig. Ich sehe sehr, sehr grau aus und trage graue Kleidung. Das Licht kommt von oben und bringt mich regelrecht zum leuchten. Durch die Schatten sehen meine Augen aus wie bei einem Totenkopf.“

…den Tod:

„Dass der Tod eine so sanfte, sensible Figur sein sollte, hat mich sehr fasziniert. Diese Anmut verleiht ihr eine ganz besondere Kontur. Ich glaube, das war ein sehr mutiges Unternehmen für jeden von uns.“

…Campino:

„Die Arbeit mit Campino war ausgezeichnet. Seine Rolle ist ganz anders als meine, schließlich fürchtet er sich ja vor dem Tod und all das spielt sich vor allem in seinen Gedanken ab. Campino hat das sehr professionell gemacht.“

…Wim Wenders:

„Wim und ich haben uns nicht stark verändert. Ich trinke inzwischen nicht mehr, ich verzichte auf Drogen und habe mehr Kontrolle über mein Leben. Aber wie ich damals beim AMERIKANISCHEN FREUND schon sagte: Für mich ist Wim wie ein großer, deutscher Bernhardiner. Ich war in einem Schneesturm verloren. Und da kommt dieser Hund mit einem Fässchen Brandy um den Hals und rettet dich – das war Wim für mich. Er ist ein warmherziger, großzügiger Mensch, der weiß, was er will - und der es auch bekommt.“

Interview Gian-Piero Ringel (Produzent)

Wie würden Sie den Film beschreiben?

Ein sehr mutiger, radikaler, authentischer Wenders, der polarisieren wird. Eine musikintensive, abenteuerliche Reise in eine der aufregendsten Städte Europas. Diesem Film kann man unmöglich gleichgültig gegenüber stehen!

Reiseführer warnen davor, in Palermo ungefragt Photos zu machen – Sie drehen gleich einen ganzen Film dort: Welche Hindernisse gibt es dort zu überwinden?

Den großen Charme Palermos machen vor allem die verwinkelten Gassen der immens großen Altstadt aus. Das bringt ganz alltägliche Schwierigkeiten mit sich, die man in fast allen südeuropäischen Großstädten antrifft: Verkehr, Stau, Abgase, Lärm. Daraus resultieren dann viele praktische Fragen: Wie bewege ich den Filmtross durch die Stadt? Woher bekomme ich eine Vespa? Was tue ich, wenn sie am nächsten Morgen nicht mehr vor meiner Tür steht? Sind Mafia und Schutzgelder nur ein sizilianisches Klischee? Oder wie weit muss man sich da vorab ‚arrangieren’? Abseits des Klischees muss man sich professionell damit auseinandersetzen. Beginnend mit der Erzählebene: Muss die Mafia eine Rolle spielen in unserer Geschichte in Palermo? Welche Erwartungen hat der Zuschauer und wie gehen wir damit um? Danach kann man sich über Kriminalität und Sicherheit Gedanken machen, aber ich frage auch nicht die Russenmafia, ob ich in Berlin drehen darf. Jedoch ist man gut beraten, sich mit den Bewohnern der Stadt zu verständigen, bevor man mit 40 Mann vor ihrer Haustür kampiert.

Wie groß ist der Respekt eines jungen Produzenten vor dem erfahrenen Regisseur?

Groß. Alles andere wäre gelogen. Jedoch nicht nur aufgrund seines Ruhmes, der DVD-Box in meinem Schrank oder der goldenen Palme, sondern aufgrund dessen wie er arbeitet, was er leistet. Der Mann ist unglaublich reflektiert, effizient und hat im Normalfall einfach doppelt so viel Energie wie ich. Ich erfahre von seiner Seite auch großen Respekt und großes Vertrauen. Das ist toll und macht so ein Projekt mit einem altem Hasen und einem jungen Hund überhaupt erst möglich.

Wie schwierig ist die Finanzierung für ein Wenders-Projekt?

Erst unmöglich. Dann ganz einfach, um dann wieder unmöglich zu werden. In jedem Fall komplex. Es dauerte an sich erstmal sechs Jahre bis die eigentliche Finanzierung losging, um sie dann in drei Monaten stemmen zu müssen. Wir sind da mit dem hohen eigenen Druck rein gegangen, kurzfristig drehen zu müssen. Das hat dann viele Entscheidungen – teils schweren Herzens – vereinfacht. Im Endeffekt habe ich nur ein paar graue Haare bekommen. Dafür wurden aber aus manchen Geschäftspartnern Freunde.

Wie teuer sind die Musikrechte an den zahlreichen Songs – oder gab es einen Friends&Family-Rabatt?

Natürlich war das Musikbudget viel zu klein, nämlich anfangs 50.000 €. Niemand hat mit über 20 Songs, unter anderem von Portishead, Grinderman und Calexico gerechnet. Ich zumindest nicht. Dann mussten wir nachfinanzieren und es gab eigentlich teure Freunde, die uns sehr entgegengekommen sind. Die meisten waren von PALERMO SHOOTING und Wim so begeistert, dass es nicht wirklich ums Geld ging. Wichtig ist dabei auch, wie gut man beraten wird und wie man eine transparente, gerechte Gagenpolitik vermitteln kann.

Welche Rolle spielt die digitale Bearbeitung?

Die digitale Bildbearbeitung ist ein Ausdrucksmittel von Finns Kreativität. Die Manipulation seiner Bilder begründet seinen Erfolg. In Palermo ändert sich seine Haltung. Nicht nur zur Bildbearbeitung und zur Photographie an sich, sondern auch zu sich selbst, zum Leben. Das wirkt sich natürlich auch auf den konkreten, digital bearbeiteten Look des Films aus. Die Entwicklung Finns ist also nicht nur in Franz Lustigs fantastischen Bilder spürbar, sondern auch in der gesamten digitalen Bearbeitung. Man könnte also sagen: die digital Bearbeitung geht in diesem Film weit über die Grenzen bloßer Gestaltung hinaus.

Interview Franz Lustig (Kamera)

Aller guten Dinge sind drei – war die Arbeit mit Wenders diesmal anders als zuvor?

Jeder Film ist anders und ich denke, dieser ist ein sehr persönlicher Wenders-Film geworden. Wim hat mich dieses Mal mehr an seinen Gedanken und Ideen teilhaben lassen. Natürlich war auch hier wieder viel Flexibilität gefragt, was ich toll finde. Der Tod im Film beklagt den Tod des Films – wie stehen Sie zum Vormarsch des Digitalen? Manche Dinge sind nicht aufzuhalten, obwohl sie meiner Meinung nach eigentlich keinen Fortschritt bedeuten. Heutzutage scheint oft das billigere Medium automatisch das Bessere zu sein.

Warum wurde der Film in den unterschiedlichen Formaten Super 16 und 35 gedreht?

Düsseldorf und die Stimmung dort sollte für Finn eher etwas glatt, clean und unterkühlt sein, deswegen S-35. Palermo sollte dagegen, mit S-16 Handkamera, lebendiger, roher und direkter dargestellt werden. Film spiegelt Emotionen immer noch am besten wieder.

Welche Rolle spielt die digitale Bearbeitung?

Da wir über 100 VFX Shots im Film haben, bot sich ein Digital Intermediate natürlich an, trotzdem haben wir versucht, die meisten Korrekturen rein primär durchzuführen, um die „natürliche Filmästhetik“ nicht zu verwässern, wobei wir die feinen Nuancen schön herausarbeiten konnten.

Welche Rolle spielt die Musik, waren die Stücke beim Drehen bereits bekannt?

Beim Dreh haben wir uns natürlich auf den O-Ton konzentriert. Vielleicht hatte Wim die Musik schon teilweise im Kopf und hat sich davon inspirieren lassen.

Reiseführer warnen davor, in Palermo ungefragt Photos zu machen – Sie drehen gleich einen ganzen Film dort: Welche Hindernisse gibt es dort zu überwinden?

Uns stand die Stadt offen. Wir hatten wohl die richtigen Leute dabei, so dass wir uns frei bewegen konnten.

Wie ist der Vergleich bei den Arbeitsbedingungen zum vorigen Film in USA?

Ich denke, wenn man die richtige Crew für das jeweilige Projekt gefunden hat, spielt es keine Rolle unter welchen Bedingungen man den Film zu realisieren hat. Dann überwindet man alle Hindernisse und im Idealfall hat man sogar noch Spaß dabei, so war es auch diesmal.

Was war für Sie die schwierigste Szene?

Die Traumsequenz mit Hopper im Archivio Communale, da der Raum zum einen riesig war und das Lichtkonzept für den Tod zum anderen sehr präzise ausgeführt werden musste.

Gab es ein Storyboard?

Meistens haben wir uns am Abend vor dem Drehtag mit der Auflösung der einzelnen Szenen beschäftigt und für komplizierte Szenen, wie zum Beispiel für die Traumsequenz, in der die Welt kippt, wurde eine Storyboard entwickelt. Oft aber sind die Auflösungen spontan am Set entstanden.

Wie photographiert man einen Hopper, der selbst ja Photograph ist?

Hopper ist für mich vor allem ein begnadeter Schauspieler, der in diesem Film den Tod verkörpert. Also ist für mich die Frage eher: Wie photographiert man Dennis Hopper als den Tod? Und das schaut man sich am besten an.

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