Fakten und Hintergründe zum Film "Otto?s Eleven"

Kino.de Redaktion |

Otto's Eleven Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

„Was uns bei den Zwerge-Filmen so gut gefallen hat: Ein ausgegrenztes Grüppchen sehr schräger Leute lebt für sich in einer Gemeinschaft – damals war das im Märchenwald“, erinnert sich Regisseur Sven Unterwaldt an die beiden äußerst erfolgreichen Komödien „7 Zwerge – Männer allein im Wald“ und „7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug“, die er zusammen mit seinen Co-Autoren Otto Waalkes und Bernd Eilert verantwortet hat.

„In ‚Otto’s Eleven‘ verpflanzen wir unsere neue Gruppe auf eine winzige Insel. Von außen betrachtet wirken sie wie Nerds, aber bei näherem Hinsehen merken wir, dass sie etwas haben, was in unserer Gesellschaft vielfach verloren gegangen ist – sie bilden eine intensive Gemeinschaft: Einer für alle, alle für einen. Das geht zu Herzen, das ist eine sehr solide Basis für die Geschichte. Die Unterschiede der Figuren sind diesmal noch stärker herausgearbeitet, aber in der großen Krise, als es hart auf hart kommt, merken wir deutlich: Sie lieben sich wirklich. Das Schlimmste, was ihnen passieren könnte, wäre die Trennung. Genau das wünschen wir uns in der heutigen Zeit, in der wir die allgemeine Entfremdung beklagen – die Menschen verbringen mehr Zeit vor dem Computerbildschirm als in der Gemeinschaft. Wir entschieden uns also bewusst für einen Film mit einem guten Sozialgefüge. Die Zwerge hatten sich eher aus Frust über die Damenwelt zusammengefunden. Hier ist der positive Impuls eine Art Pfadfindertum: Wir halten zusammen.“

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Über die Anspielung des Filmtitels auf die berühmte Gauner-Komödie „Ocean’s Eleven“ sagt der Regisseur: „Die Vorlage spielt eher eine untergeordnete Rolle. Es geht uns nicht um die Parodie des Vorbilds – keine Szene bezieht sich konkret auf den Soderbergh-Film, allein der Schauplatz Casino stellt eine Parallele dar. Wir benutzen das nur als Konstrukt für eine Geschichte über fünf Freunde nach dem Motto: Wenn jemand unsere Gemeinschaft von außen bedroht, dann können wir auch anders!“

Immer haben es die Otto-Filme geschafft, ein großes Kinopublikum zu mobilisieren – und zu begeistern. Der ausführende Produzent Mark Popp sagt: „Die Zielgruppe könnte nicht größer sein – ich habe neulich eine Live-Show mit Otto miterlebt. Da waren Vier- und Fünfjährige ebenso dabei wie 80-jährige Omas – alle haben über Otto gelacht. Und ich bin sicher, dass sich das bei unserem Film wiederholt.“

Sven Unterwaldt ergänzt: „Wir möchten die ganze Familie unterhalten. Wenn ein reiner Kinderfilm anläuft, geht immer mindestens ein Elternteil mit ins Kino – oft ohne Enthusiasmus. Wir möchten dagegen einen Film präsentieren, der die Kinder begeistert, bei dem aber auch die Eltern sich drängeln: Ich geh mit, ich geh mit! Also nicht nur den Kindern wird eine Menge geboten, sondern auch die Eltern kommen auf ihre Kosten. Ich bewundere das häufig bei amerikanischen Filmen, denen es gelingt, tatsächlich Alt und Jung gleichermaßen anzusprechen, denn das ist sehr schwierig.“

Schwierig, aber durchaus nicht unmöglich, wie Unterwaldt über das Konzept von „Otto’s Eleven“ verrät: „Für uns lautet die Maxime: Schräger Humor, aber auch eine viel deutlicher durchkonstruierte Handlung als in den Zwerge-Filmen: Wenn unsere fünf Helden erst einmal losziehen, dann erleben sie Abenteuer, die das Publikum mit Spannung verfolgt. Trotz aller Albernheiten und Blödeleien steht wirklich etwas auf dem Spiel. Und die Kabinettstückchen der Comedians wie Ottos Spind-Auftritt oder die Trimm-dich-Lektion am Pokertisch sind nicht beliebig eingestreute Nummern, sondern sie haben immer auch eine dramaturgische Funktion.“

Dazu Autor Bernd Eilert, der Otto durch seine gesamte Karriere begleitet hat: „Schon beim ersten Otto-Film fällten wir mit der Wahl des Kameramanns Xaver Schwarzenberger eine richtungsweisende Entscheidung: Natürlich soll Otto seine Komik voll ausspielen, aber das in einem Umfeld, dem man nicht gleich ansieht: Ach, wir sind in einer deutschen Komödie.“

Was besonders die erwachsenen Zuschauer zu würdigen wissen, und warum sie dem Team um Otto Waalkes die Treue halten: Otto und seine Partner sind selbst begeisterte Kino-Fans und erweisen ihren Vorgängern in der Filmgeschichte immer wieder ihre Reverenz, wie Unterwaldt bestätigt: „Wir wollen einen im positiven Sinne altmodischen Film machen, der die Screwball-Tradition der klassischen Hollywood-Ära wieder aufnimmt, die schon in den 1980er-Jahren zum Beispiel mit den ‚Zurück in die Zukunft‘-Filmen ein Revival erlebte: Hektisch klappende Türen, hohes Erzähltempo, Verwechslungen, es passiert eine Menge. Das gibt es heute seltener, aber Otto, Bernd Eilert und mir gefällt das nach wie vor sehr. Unser Gott ist Billy Wilder!“

Die Kinobegeisterung der Filmemacher schlägt sich auch in den liebevollen Zitaten aus Klassikern nieder, wie Unterwaldt berichtet: „Viele Elemente in ‚Otto’s Eleven‘ sind Verbeugungen vor anderen Filmen. Es ist ja fast ein Sakrileg, die berühmte Spiegelszene aus ‚Duck Soup‘ (Die Marx Brothers im Krieg) zu zitieren, aber ich als Marx-Brothers-Fan mag diese Szene besonders gern. Hoffentlich merken die Zuschauer, dass wir uns mit dieser Szene vor dem Original verbeugen. Wir parodieren es nicht, sondern ergänzen es durch eigene Elemente. Auch die alten Damen aus ‚Ladykillers‘ oder ‚Arsen und Spitzenhäubchen‘ sind sehr beliebt, sodass wir sie mit ‚Tantchen‘ in unserem Film gern zitieren. Wir haben einfach das Bedürfnis, die eigene Begeisterung beim Anschauen dieser Klassiker an das heutige Publikum weiterzugeben. Wichtig ist dabei die Ehrfurcht vor dem Original – und ein neuer Kontext, eine eigene Komponente, die das Zitat legitimiert.“

Die Filmemacher betonen aber, dass sie an einem Sequel zu den Zwerge-Filmen nicht interessiert waren. Für „Otto’s Eleven“ bedeutet das laut Unterwaldt: „Wir wollen die eigentliche Märchenwelt hinter uns lassen und dachten deshalb an eine kleine Nordseeinsel, die natürlich auch von der realen Welt recht weit entfernt ist und einen gewissen Märchencharakter hat. Selbst wenn wir das Gebrüder-Grimm-Ambiente nicht wieder aufnehmen, legen wir auf diese märchenhafte Atmosphäre weiterhin Wert.“

Bernd Eilert erinnert sich: „Den Zeitsprung der Zwerge aus dem Märchenreich in die Hamburger Gegenwartsrealität im zweiten Zwerge-Film fanden wir im Nachhinein etwas zu krass. Deshalb zeigen wir in ‚Otto’s Eleven‘ zwar reale Schauplätze, aber wir stilisieren sie zu einer ‚schöneren Realität‘. So unterstreichen wir die cartoonhafte Kompaktheit der Geschichte, die durchaus wieder Märchenatmosphäre atmet.“

Unterwaldt ergänzt: „Wir stellten uns für unsere neuen Helden eine zeitlose Umgebung vor, die eben nicht konkret einem Ort oder einem Jahr zuzuordnen ist. Wir haben daher die Architektur unserer Schauplätze sehr bewusst ausgewählt. Und die Autos, die im Film zu sehen sind, stammen alle aus der Zeit zwischen 1960 und 1980. Man nimmt sie aber nicht bewusst als Oldtimer wahr – da taucht mal ein VW-Käfer auf, ein Opel Admiral oder eine Ente – diese Autos gibt es ja noch, man achtet nicht auf sie. Auch die Litfasssäulen und die Straßenschilder haben einen unaufdringlich zeitlosen Look, der eine gewisse Künstlichkeit schafft – einfach nur, damit die Insulaner, wenn sie das etwas märchenhafte Spiegeleiland verlassen, nicht allzu unsanft in einer harschen Realität landen. Die Welt des Films soll einheitlich bleiben.“

Wie schon bei den beiden Zwerge-Filmen schrieb Otto das Drehbuch mit Bernd Eilert und Sven Unterwaldt. „Mit Otto und Bernd arbeite ich seit acht Jahren zusammen – dies ist unser dritter Film“, sagt der Regisseur. „Uns verbindet ein gegenseitiges blindes Vertrauen. Bernd und ich arbeiten gleich in der Frühphase der Ideenentwicklung sehr intensiv zusammen, während Otto als Bauchmensch mit unglaublicher Intuition darauf eingeht, wobei er unsere Ideen gar nicht lesen will, sondern sich erzählen lässt, um spontan zu reagieren. Wir drei ziehen uns dann zurück, wo kein Handy stört – in ein abgelegenes Häuschen, wo wir drei Wochen in Klausur gehen. Das wiederholen wir in den drei, vier Drehbuchphasen, die Bernd dann jeweils überarbeitet und ich kommentiere, bis Otto sich bei unseren Treffen ebenfalls einbringt. Gerade zu dritt lösen wir auftretende Probleme unglaublich schnell. Der Einzelne macht sich tagelang Gedanken und scheitert letztlich, aber zu dritt läuft es wie geölt, wir inspirieren uns gegenseitig. Und wir entscheiden sehr demokratisch: In 80 Prozent der Entscheidungen sind wir uns von vornherein einig. Aber wenn mal der seltene Fall eintritt, dass wir uns nicht einigen, diskutieren wir nicht lange, sondern stimmen ab und beugen uns der Mehrheit. Alle drei haben in diesem Sinne mal zurückstecken müssen. Dieses Prinzip hat sich bestens bewährt.“

Otto kommentiert: „Sven und ich kennen uns lange, nicht ganz so lange wie Bernd und ich, aber so entsteht ein Vertrauensverhältnis auch auf menschlicher Ebene, dadurch können wir uns die Arbeit teilen. Es hilft sehr, dass Sven derart viel Erfahrung mitbringt. Er ist wahnsinnig gut vorbereitet – und er ist auch sehr fleißig – im Gegensatz zu uns!“, grinst er.

Produktion: Die Besetzung

„Dies ist ein Ensemble-Film, wie ich ihn mir besser nicht vorstellen kann“, schwärmt Regisseur Sven Unterwaldt. „Die Idee des Teamgeistes ist hier wunderbar aufgegangen. Ich habe es noch nie erlebt, dass sich die Darsteller dem Projekt derart untergeordnet haben. Jeder Schauspieler fragt sich natürlich ständig: Wie wirke ich in dieser Szene? Aber diesmal spielte das keine Rolle – alle verstehen sich ausschließlich als Team. Niemand bettelt um einen weiteren Spruch, wie es in der Natur der Sache liegen würde.“

Otto berichtet: „Schon beim Schreiben denkt man an die Kollegen, die die Rollen spielen werden: Mirco Nontschew ist ein großer Bewegungsakrobat, Rick Kavanian ist ein Dialektkünstler, Max Giermann ist der Parodist, Arnd Schimkat eine valentineske Figur. Wir schreiben ihnen die Rollen auf den Leib, laden sie aber auch ein, selbst mit beizutragen. Das funktioniert sehr gut – die Gemeinschaft stimmt einfach. Bei einem Film wie diesem nimmt der Regisseur immer wieder Anregungen auf – da wird geändert, probiert, festgelegt, verworfen und manchmal die ganze Szene umgeschrieben.“

Dazu Unterwaldt: „Ich freue mich, dass ich mit meiner Idealbesetzung drehen durfte. Von Rick Kavanian bin ich begeistert, seit ich ihn erstmals in der ‚Bully-Parade‘ gesehen habe. Als Norddeutscher kannte ich die bayrischen Radiosendungen nicht, die er zuvor schon mit Bully Herbig gemacht hatte und durch die er dort bereits bekannt war. Seitdem habe ich seine Karriere vor allem auch im Kino verfolgt und gemerkt, dass er neben seinen Fähigkeiten als Comedian sehr tiefgründig ist und seine Aufgabe auch als Schauspieler sehr ernst nimmt.

Persönlich ist er ein äußerst bescheidener Mensch: Rick sagte gleich, dass er gern darauf verzichtet, sich mit möglichst vielen cleveren und witzigen Sprüchen zu profilieren, weil er unser Ensemble-Konzept sofort begriffen hat. Der von ihm gespielte Pit entspricht hier in etwa Heinz Hoenigs Figur in den Zwerge-Filmen: Er übernimmt eine Art Vaterrolle in der Gruppe. Es muss nämlich in all dem Chaos eine ordnende Instanz geben, einen ‚Erzieher‘ für die übrigen vier ‚Kinder‘. Sein bäriges norddeutsches Auftreten haben wir mit ihm zusammen entwickelt. Das funktioniert bestens im Zusammenspiel mit Otto, mit dem er sich die Bälle zuspielt. In jeder Komödie braucht man einen ‚Abnehmer‘, der auf die Faxen seines Gegenübers reagiert. Rick versteht das hervorragend und spielt so, dass Otto möglichst vorteilhaft rüberkommt. Das ist eine sehr seltene Qualität. Sowohl auf menschlicher Ebene als auch bei der Arbeit habe ich große Hochachtung vor Ricks Leistung.“

„Dasselbe gilt für Max Giermann als Oskar“, berichtet der Regisseur weiter. „Ich lernte ihn erst vor einem Jahr kennen, weil ich das ‚Switch‘-Format auf ProSieben zwar aus der Taufe gehoben und lange inszeniert habe, aber Max ist erst später ins Team gekommen. Doch als wir 2009 für die ‚ProSieben Märchenstunde‘ gemeinsam ‚Kalif Storch‘ drehten, war sofort klar: Da haben sich zwei gefunden. Ich habe noch nie jemanden erlebt, der sich derart gewissenhaft auf einen Text vorbereitet. In ‚Otto’s Eleven‘ spricht er sehr schwierige und umfangreiche Texte. Trotzdem wird man sich später anhand der DVD fragen: Warum gibt es von Max Giermann keine der beliebten Outtakes, der verpatzten Einstellungen? Es existieren einfach keine, weil Max sich niemals verspricht! Dabei haben wir gerade an seinen Texten besonders gefeilt – mit kunstvollen Alliterationen, die besonders schwer zu lernen sind. Trotzdem gelingt es ihm, diese Sprüche ganz natürlich wirken zu lassen.“

Dazu sagt Max Giermann: „Es ist schön, dass wir uns wirklich einbringen dürfen. Otto und alle Beteiligten sind offen für unsere Ideen. Beim Treffen mit Regisseur, Autor und Otto haben wir überlegt, Oskar in Reminiszenz an die Helden von ‚Ocean’s Eleven‘ einzukleiden, denn die sehen immer sehr schick aus.“

Sven Unterwaldt ergänzt: „Oskar hat als einziger Insulaner ein gewisses Modeverständnis, er hat etwas von ‚Zoolander‘, aber ein wenig parodiert er auch die Brad-Pitt-Rolle mit der Haartolle aus ‚Ocean’s Eleven‘. Unser Problem war: Wie schaffen wir es, dass er sympathisch erscheint? Durch seine Eitelkeit könnte er sich schnell über die anderen erheben. Max wirkt aber wunderbar sympathisch, wenn er seine Eitelkeit überwindet, weil das Umarmen der Freunde eben doch wichtiger ist. Es ist nämlich eine schwere Aufgabe, das eigentlich arrogante Gockelhafte mit dem Gemeinschaftssinn zu verbinden – Max schafft das bravourös.“

Nicht zuletzt wurde Max Giermann aufgrund seiner genialen Parodiekünste besetzt. Unterwaldt erzählt: „Ich war zunächst dagegen, dass Max seine klassische ‚Switch‘-Parodie auf Stefan Raab in unseren Film mit einbringt. Ich finde viele TV-Persiflagen auf aktuelle Erfolge oft sehr billig. Aber in Max Giermanns Fall wollen die Zuschauer ihn als ‚Stefan Raab‘ natürlich sehen. Für mich funktionierte es in unserem Film deshalb doch, weil es uns gelingt, Max als ‚Raab‘ dramaturgisch zu integrieren: Der hat seine Funktion, denn ‚Tantchen‘ muss abgelenkt werden, und die schläft eben nur ein, wenn Stefan Raab auf dem Bildschirm erscheint – zumal weitere Elemente hinzukommen, die es im Fernsehen nicht gibt: Oskar muss als ‚Raab‘ improvisieren, als die geplante ‚Sendung‘ für ‚Tantchen‘ aus dem Ruder läuft – das hebt die Parodie auf eine neue, doppelbödige Ebene.“

Über die Dreharbeiten zu „Otto’s Eleven“ sagt Giermann: „Die Liebe zum Detail kenne ich vom Fernsehen auch, aber hier wird bei den Set-Bauten alles eine Nummer größer gefahren. Und wir drehen meist nur eine Szene am Tag, wiederholen die Einstellungen öfter, man muss also mehr Geduld mitbringen. Ich finde es sehr spannend, das mitzuerleben.“

Die Rolle des Computer-Spezis Artur übernimmt Arnd Schimkat. Über ihn sagt Unterwaldt: „Für mich war Arnd die einzige Neuentdeckung. Er kam zum normalen Casting, wobei ich schon wusste, dass er sich in Bayern mit seiner Bühnenfigur Arthur Senkrecht bereits einen Namen gemacht hat. Schon allein durch seine zwei Meter Körpergröße passte er meiner Meinung nach gut in unser Ensemble. Arnd entsprach genau unseren Vorstellungen: durch die Ernsthaftigkeit, das Karl-Valentin-mäßige, aber auch in den romantischen Szenen mit Jasmin Schwiers, die von großer Bedeutung sind, weil sie schnell hätten peinlich werden können. Die beiden sind natürlich komisch, passen aber eben auch sehr gut zusammen. Arnd hatte gar keine Ambitionen, alles zu zeigen, was er kann, sondern merkte sofort: In diesem Fall ist weniger mehr. Sein Artur im Film fällt nicht mit der Tür ins Haus, sondern gewinnt mit der Zeit an Bedeutung. Das spielt er sehr intelligent und sehr beherrscht.“

Als einziger Darstellerveteran der Zwerge-Filme kam Mirco Nontschew an Bord. Dazu der Regisseur: „Mit Mirco habe ich nicht nur schon im Fernsehen gearbeitet, sondern jetzt auch meinen vierten Kinofilm gemacht. Mirco ist eine Nummer für sich, eine eigene Welt. Er ist ein klassischer Bühnenkomiker à la ‚RTL Samstag Nacht‘. Seine Gag-Sprache ist sehr physisch und ergänzt das übrige Ensemble wunderbar. Er war noch in keinem Film so gut wie in diesem – durch seine grandiosen Auftritte, mit denen er uns an jedem Drehtag neu überrascht. Es macht mir Spaß, den gewaltigen Output an Material, den er uns anbietet, zu kanalisieren.“

Nontschew erinnert sich: „Als ich das Drehbuch gelesen hatte, habe ich mir Gedanken über mein Outfit gemacht und zu Hause selbst ein Video gedreht – das schickte ich an Sven Unterwaldt. Sein Kommentar: Genauso machen wir es!“

Unterwaldt ergänzt: „Die Perücke, das Aerobic-Stirnband von Jane Fonda und die Hard-Rock-Masche hat Mirco zu einer 1980er-Jahre-Fitnessparodie ausgebaut. Mirco darf übertreiben – das gehört bei ihm einfach dazu. Solange die Figuren sich dadurch gegenseitig nichts nehmen, funktioniert das. Und das ist in unserem Ensemble der Fall, weil die einzelnen Comedians so unterschiedlich sind, dass sich ihre Komik nicht überschneidet, sondern ergänzt.“

Nontschew berichtet: „Wir müssen uns natürlich an die Bewegungsabläufe halten, damit uns die Kamera wie geplant ins Bild bekommt. Aber in der Szene an sich lässt Sven uns eine Menge Spielraum, was durchaus nicht normal ist.“ Und über das Kostüm des Möchtegern-Bodybuilder Mike sagt er: „Ich hatte etwa 20 T-Shirts zur Auswahl und habe mich für das mit dem Aufdruck ‚Muscle Toff‘ entschieden – an dieser Stelle vielen Dank an unseren Starautor Bernd Eilert: Der hatte die Idee, ich leider nicht!“

„Eigentlich wollten wir außer Otto keinen der Zwerge-Darsteller in ‚Otto’s Eleven‘ einsetzen“, erzählt Sven Unterwaldt. „Auch bei Mirco waren wir lange unschlüssig – nicht weil uns sein Spiel nicht mehr gefiel, sondern um ein klares Signal zu geben: Dies ist nicht ‚Zwerge 3‘! Otto ist zwar wieder mit dabei, aber trotzdem geht es diesmal um eine andere Art Humor. Die ‚7 Zwerge‘ waren eher im Kinderfilm angesiedelt – diesmal gibt es mehr Handlung, und Otto spielt eine weniger naive Figur als Zwerg Bubi – das wollen wir deutlich machen. Prinzipiell war also klar, dass aus diesem Grund Mirco nicht mitwirken sollte. Doch dann trafen wir uns wegen eines anderen Themas mit Mirco und er begann am Tisch derart mitreißend zu improvisieren, dass uns klar wurde: Sein Comedy-Talent ist so einzigartig, so unnachahmlich – wir können nicht auf ihn verzichten.“

Max Giermann kommentiert: „Weil Mirco Nontschew mitwirkt, kommt mir der Dreh wie eine tägliche Gratis-Vorstellung vor, denn er bringt uns ständig zum Lachen, bis wir in den Pausen am Boden liegen. Wir haben jede Menge Spaß und verstehen uns super.“

Den weltmännischen Gegenpol zu den Insulanern bildet der Casino-Besitzer Jean Du Merzac, den der international renommierte Sky du Mont darstellt. Unterwaldt erinnert sich: „Sky du Mont war von Anfang an unsere Wunschbesetzung, denn wir fragten uns: Wer in Deutschland hat die Grandezza der Andy-Garcia-Rolle im US-Original, aber gleichzeitig auch den Abstand, sich selbst auf die Schippe zu nehmen? Da gab es einfach keine Alternative zu Sky du Mont. Wenn er die Rolle nicht gespielt hätte, hätten wir ein großes Problem gehabt, denn er strahlt große Seriosität aus, hat aber auch das nötige Comedy-Verständnis. Er muss nämlich auch geschockt auf die Insulaner reagieren, als er sie kennen lernt – dabei aber immer Haltung bewahren. Auch diese Reaktionen sind seine große Qualität.“

Über seinen Regisseur sagt du Mont: „Sven Unterwaldt ist stets bestens vorbereitet – er hat den fertigen Film komplett im Kopf. Seine größte Qualität ist unter Regisseuren sehr selten: Er kann zuhören. Man kann mit ihm sprechen, wenn man etwas nicht gut findet.“

Unterwaldt weiter: „Jean Du Merzac ist kein brutaler B-Picture-Bösewicht – seine Assistentin ist viel gewalttätiger. Aber er ist so aalglatt und schleimig, dass man ihm mit Freude zuschaut. Die Rolle lebt davon, dass Du Merzac sich selbst für einen Schöngeist hält. Er schleimt sich bei Reporter Harry Hirsch ein, weil er gern im Fernsehen auftreten will, hält ihn eigentlich aber für einen eitlen Fatzke. Er sieht sich als Kunstkenner, ist aber im Grunde nur am Geld interessiert. Dadurch bekommt die Rolle schöne Brüche, die Sky sehr wichtig sind – sonst hätte er die Rolle nicht gespielt. Zumal seine Figur die Handlung entscheidend bestimmt.“

Stéphanie Berger übernahm die Rolle von Du Merzacs Assistentin Carla Rossdal. Sie sagt über ihren Filmpartner: „Sky du Mont – der Frauenflüsterer: Das sagt alles! Er ist ein sehr angenehmer Zeitgenosse, hat sehr viel Humor, nimmt sich selbst gern auf die Schippe, hat eine gesunde Portion Selbstironie. Er gibt mir Tipps, verrät mir Tricks, ich lasse mich gern von ihm anleiten, und vor allem hat er tolle Anekdoten zu erzählen, weil er mit seiner Erfahrung eine Menge erlebt hat.“

Über Stéphanie Berger berichtet Unterwaldt: „Stéphanie ist in ihrer Schweizer Heimat durch ihre eigenen Sendungen bestens bekannt, was ich nicht wusste. Sie kam hochschwanger zum Casting, ist aber ein derart glühender Otto-Fan, dass sie ihre Mitwirkung trotz des zwei Monate vor Drehbeginn dann geborenen Babys unbedingt möglich machen wollte. Wir freuten uns sehr, denn sie brachte die Rolle der Rossdal wirklich auf den Punkt. Man orientiert sich ja meist an bekannten Gesichtern, was es den anderen schwerer macht. Aber Stéphanie hat uns derart überzeugt, dass für uns niemand sonst infrage kam. Man spürt, wie sie in dieser Schurkenrolle aufgeht – als ob sie in einem Disney-Film die böse Königin mimen würde. Sehr schön finde ich, dass nicht der Hauptschurke brutal ist, sondern dass die physische Gewalt von der Frau ausgeht.“

Bergers großes Engagement für die Rolle hat sich ausgezahlt. Sie sagt: „Ich bin begeistert von der Stimmung am Set: Die Kollegen sind mit beiden Beinen auf der Erde geblieben, haben keine Starallüren. Ich beobachte sie sehr oft bei der Arbeit – dadurch lerne ich viel dazu.“

Produktion: Otto Waalkes

„Mit Otto werde ich hoffentlich noch sehr viele Filme machen“, schwärmt Regisseur Sven Unterwaldt. „Die Zusammenarbeit funktioniert seit vielen Jahren – das ist der beste Beleg. Wir verstehen uns ohne viele Worte, was auch damit zusammenhängt, dass ich mit seinen Auftritten aufgewachsen bin: Ich habe jede Otto-LP gekauft. Otto hat sicher, ohne dass mir das im Einzelnen bewusst ist, mein gesamtes Humor-Verständnis entscheidend geprägt. Damals war es eine Sensation, wenn die jährliche ‚Otto-Show‘ herauskam – in den 1970er-Jahren das Ereignis überhaupt. Deshalb ist es mir eine große Ehre und Freude, mit Otto zusammenzuarbeiten. Er sprudelt heute noch genauso vor Ideen wie damals. Wir verstehen uns bestens, wodurch die Arbeit am Set sehr angenehm ist. Wir haben die Produktion sogar anderhalb Tage eher beenden können als geplant. Aufgrund unserer intensiven Vorbereitung gibt es auch nie die Situation, dass einer von uns sagt: ‚Ach, das habe ich mir aber anders vorgestellt!‘ Der Look eines Films setzt sich aus vielen Elementen zusammen: Kamera, Ausstattung, Sets, Kostüme, Maske. Wir wissen inzwischen, dass wir exakt dieselben Vorstellungen haben. Deshalb muss auch nicht jeder Schritt überprüft werden – wir vertrauen uns blind. Und dadurch wird die Arbeit sehr viel leichter.“

Rick Kavanian empfindet ähnlich: „Ich kenne Otto gefühlt mein ganzes Leben lang. Ich bin auf die Welt gekommen, und das Erste, was ich gehört habe, war ‚Hollarahitiiiiiiiiiiiiii‘! Ich werde nie vergessen, wie ich als Elfjähriger in München im Deutschen Museum das anatomische Modell eines menschlichen Körpers mit den inneren Organen sah, und sofort zitierten alle Kinder Otto: ‚Milz an Leber, Großhirn an Kleinhirn!‘ 30 Jahre später mache ich mit Otto persönlich einen Film. Toll!“

Stéphanie Berger ergänzt: „Den Otto-Gang habe ich schon als Kind geübt. Otto war schon immer mein Idol, und jetzt schließt sich der Kreis, weil ich ihn immer schon imitiert habe. Es ist wunderbar, jetzt mit ihm spielen zu dürfen. Mit geht das Herz auf, wenn ich ihn agieren sehe – für mich ist Otto ein Stück Heimat.“

Max Giermann über seine Erfahrung beim Dreh von „Otto’s Eleven“: „Die Arbeit mit Otto ist völlig unverkrampft – als ob man schon lange zusammenarbeiten würde. Es gibt keine Berührungsängste, er hat keinerlei Allüren. Man könnte ja annehmen, dass er mit seiner langen Erfahrung sagen würde: ‚Jetzt erkläre den jungen Kollegen bei ihrem ersten Film mal, wo es lang geht!‘ So ist es aber nicht – wir tauschen uns ständig aus, es ist ein Geben und Nehmen.“

So wie Stéphanie Berger und Max Giermann drehte auch Arnd Schimkat erstmals mit Otto und seinem Team. Er sagt: „Wenn fünf Komiker aufeinandertreffen, ist die Dynamik sehr intensiv. Doch in den Drehpausen greift Otto zu seiner Gitarre: Er spielt selbst Klassik auf höchstem Niveau – genial und sehr entspannend. Wir fünf haben eine sehr gute Zeit, sehr harmonisch, freundschaftlich und doch gemeinsam zielorientiert. Ich habe hier keine Rampensau erlebt! Ich kannte Otto bisher nicht persönlich und war überrascht und begeistert von dem Rollenangebot. Otto gehört zu meinem Leben, er ist eine stehende Größe, die man sich nicht wegdenken kann. Und wenn eine so überhöhte Figur real in mein Leben tritt, bin ich schwer beeindruckt – zumal es in den Kritiken zu meinen Auftritten manchmal den Vergleich gibt: ‚Die bayrische Antwort auf Ostfrieslands Otto‘. Es war von Anfang an eine Affinität da. Ich habe Otto schon immer geliebt und studiert.“

Dagegen sind Olli Dittrich, Sky du Mont, Mirco Nontschew und Otto seit vielen Jahren gute Freunde. Dazu Dittrich, der im Film die Gastrolle des Sensationsreporters Harry Hirsch übernimmt: „Ich kenne Otto schon aus der Zeit, als ich als Teenager mit meiner Band in Hamburg auftrat. Otto ist eine Legende, und wenn er mich bittet, den Harry Hirsch zu spielen … Harry ist der Inbegriff von Comedy aus einer Zeit, als es den Begriff noch gar nicht gab. Wenn man den darstellen darf, ist das eine große Ehre!“

Du Mont berichtet: „Wir sind in Hamburg fast Nachbarn und treffen uns regelmäßig. Ich habe bereits im ersten und erfolgreichsten Otto-Film mitgewirkt – ich hoffe, dass ich der Produktion wieder so viel Glück bringe. Ich schätze Otto sehr – er ist ein sehr lieber, lustiger und toller Mensch.“

Und Mirco Nontschew ergänzt: „Otto hat die ungeheure Motivation eines kleinen Kindes – das macht seine große Power aus, diese Kindlichkeit schätzen seine Fans, und sie überträgt sich positiv auf das gesamte Team. Dabei hält er sich sehr zurück und lässt uns genügend Raum, um unsere persönlichen Fähigkeiten einzubringen.“

Produktion: Über die Dreharbeiten

„Otto’s Eleven“ entstand im Frühjahr 2010 in Berlin, Potsdam und im Casino Baden-Baden. Sven Unterwaldt berichtet: „Für das Studio Adlershof in Berlin haben wir uns entschieden, weil es (neben der Bavaria in München) nur dort eine riesige quadratische Studiohalle gibt, die unseren Anforderungen entspricht. Außerdem fanden wir am Berliner Gendarmenmarkt, in Potsdam und im Umland viele der nötigen Motive, die zu unserem Konzept passten. Wir wünschten uns für den Film ein Ambiente in einer Art Jugendstil mit Kopfsteinplasterstraßen. Durch den Filmschnitt kombinieren wir zu diesem Zweck viele Schauplätze zu einer dramaturgischen Einheit.“

Die Häuserzeile, in der „Tantchen“ wohnt, steht in Potsdam – die gegenüberliegende Straßenseite, nämlich die Rückfront des Casinos, fand das Team am Deutschen Theater in Berlin-Mitte, während die beeindruckende Front des Casinos vom Konzerthaus am Gendarmenmarkt gedoubelt wird. Der Regisseur erinnert sich: „Die Verantwortlichen dort gestatteten sogar, dass für die Aufnahmen die Buchstaben ‚CASINO‘ oben an der Fassade angebracht wurden. Das durfte aber nicht mithilfe eines Krans geschehen, weil der Untergrund die Belastung nicht ausgehalten hätte. Stattdessen mussten Freikletterer die Lettern auf die Fassade stecken, damit diese keinesfalls durch Schrauben oder Dübel beschädigt wurde.“

Neben dem Casino landet der Helikopter von Reporter Harry Hirsch, gespielt von Olli Dittrich. Er berichtet vom Dreh: „Es war eine tolle Sache, mit dem Helikopter zu fliegen – für mich war es das erste Mal. Das war gar nicht so unproblematisch, weil er auf einem engen Potsdamer Marktplatz landen musste. Viel schwieriger ist jedoch das Starten: Normalerweise würde der Helikopter in einer Vorwärtsbewegung abheben. Doch wegen der Enge des Platzes musste er senkrecht Starten. Das ist die gefährlichste Startmethode – falls der Rotor aussetzt, fällt der Helikopter wie ein Stein zu Boden.

Glücklicherweise habe ich das erst erfahren, nachdem ich dreimal mit dem Ding gestartet war!“

Das Innere des Casinos ist echt, befindet sich aber im berühmten Baden-Baden, wo schon Dostojewski seine Rubel verspielt hat. „Direktor Marcus Brandenburg vom Casino Baden-Baden hat uns buchstäblich Tür und Tor geöffnet und unser Projekt äußerst zuvorkommend unterstützt – wir durften fünf Tage lang die Innenräume des Casinos für unsere Aufnahmen nutzen“, berichtet Unterwaldt begeistert. „Brandenburg ist ein großer Kinofan und freute sich sehr, diesen Beitrag zu unserem Projekt zu leisten – und er wirkt in einer Szene auch selbst mit: am Pokertisch. Es hat eben auch Vorteile, wenn man in einer medienmäßig nicht so überfrachteten Stadt wie Baden-Baden dreht: In den Großstädten treten sich die Filmteams gegenseitig auf die Füße, in Baden-Baden ist das eher selten – umso mehr wird man dort willkommen geheißen, wenn man Stars wie Otto und Sky du Mont mitbringt.“

80 Mitarbeiter des Filmteams, zwölf Schauspieler und täglich 120 Komparsen bevölkerten die prächtigen Säle des ehrwürdigen Casinos, bis alle Szenen abgedreht waren. Der Hinterhof und das Büro des Casinos wurden im Berliner Studio nachgebaut. Um die einheitliche Illusion der völlig verschiedenen Schauplätze zu gewährleisten, sorgte das Ausstattungsteam für nahtlose Anschlüsse – zum Beispiel dadurch, dass beim Öffnen der echten Casinotür die Wand des Hinterhofs aus der Studiodekoration zu sehen ist.

Spiegeleiland mit seinen fünf Hütten wurde in der großen Studiohalle in Adlerhof eingerichtet, weil es eine solche Insel nirgends gibt, zumal die Infrastruktur für ein großes Filmteam an der Nordsee nicht vorhanden wäre. Aber es gibt auch weitere Gründe für diese Entscheidung, wie die Filmemacher berichten.

„Wir haben uns die kleinen Halligen vor der nordfriesischen Küste angeschaut, doch meist steht dort nur ein Haus statt der fünf, die wir benötigten, und Strand gibt es dort auch nicht“, sagt Bernd Eilert.

Unterwaldt erinnert sich: „Ich habe ‚U-900‘ damals tatsächlich auf dem Meer vor Malta gedreht – es war logistisch die Hölle: Das nötige Equipment war auf 15 Begleitschiffe verteilt!“

Und der ausführende Produzent Mark Popp ergänzt: „Die Schauspieler und Comedians haben ständig randvolle Terminkalender – es ist sehr schwierig, sie zu einem gemeinsamen Termin vor die Kamera zu bekommen – ein Grund mehr für die Entscheidung, das Inselset im Studio zu bauen, weil die Arbeit dort einfach schneller geht – man hat zum Beispiel keine Probleme mit dem Wetter.“

Spiegeleiland ist winzig und sieht von oben tatsächlich wie ein Spiegelei aus. Auch die entfernte Ähnlichkeit mit dem Vorbild des gallischen Dorfs von Asterix und Obelix erforderte eine Gestaltung ganz nach den Vorstellungen der Filmemacher.

Über das Set sagt Arnd Schimkat: „Die Liebe zum Detail ist sensationell. Wir drehen in einer Halle von der Größe eines Fußballfelds – dort ist eine ganze Insel aufgebaut. Auch nach zehn Drehtagen entdecke ich jeden Tag noch etwas Neues auf dem sehr sorgfältig gestalteten Set.“

Dazu lieferte die Münchner Firma Scanline eine ausführliche Prävisualisierung, das heißt, ein digitales Layout der Insel, mit dessen Hilfe die einzelnen Kamerapositionen detailliert geplant werden können. Daraus ergeben sich die nötigen Dimensionen der Bluebox im Studio, in die später das Meer einkopiert wird: Der Hallenboden wurde blau gestrichen und die Wände rundum mit blauen Planen verhängt. Solche komplizierten Probleme löste das Filmteam durch eine stringente Vorbereitung in enger Zusammenarbeit mit Kameramann Peter von Haller und Scanline.

Schwierig wird es, wenn das Postschiff über das nicht vorhandene Meer auf die Insel zufährt und anlegt – die zwei Bildelemente wurden getrennt und ‚trocken‘ gedreht, indem man die Kamera per Motion-Control identische Bewegungen ausführen ließ. Beim Zusammenfügen ergab sich dann eine perspektivisch stimmige Einheit.

In einer anderen Einstellung fährt das Amphibienboot der fünf Freunde eine Kurve. In Wirklichkeit bewegte sich aber die Kamera um das stationäre Boot im Studio – technisch zunächst kein Problem. Das ergab sich erst dadurch, dass das Sonnenlicht auf dem sich drehenden Boot ebenfalls die Richtung ändern musste. Weil das Boot aber unbeweglich auf dem Studioboden verharrte, musste nicht nur die Kamera um das Boot kreisen, sondern parallel dazu auch die riesigen Scheinwerfertürme, die das Sonnenlicht simulierten. Die perfekte Illusion entsteht also nur durch großen logistischen Aufwand.

Die Bewegung des Postschiffs beim Anlegen entstand dadurch, dass es von vielen Studiohelfern durchs Studio gezogen und geschoben wurde. Gleichzeitig simulierten sie den Seegang. Und man darf am Meer den Wind nicht vergessen. Dafür gab es im Studio Windmaschinen, die aber so laut sind, dass man in diesem Fall den Originalton nicht verwenden konnte – doch genau auf den legt Regisseur Unterwaldt beim spontanen Spiel der Comedians größten Wert: „Zuviel Nachsynchronisieren macht die am Set herrschende spontane Energie kaputt.“

Die Kompromisslösung für den Studiowind bestand aus mehreren kleinen, sehr geräuscharmen Ventilatoren. Zum Beispiel befindet sich im hinteren Mast des Postboots ein winziger Ventilator, der nur die Fahne an diesem Mast flattern lässt.

Im Film sieht man einige Totalen der Insel, in denen reichlich Wind und damit die großen Maschinen benötigt wurden – nur in diesem Fall verzichtete das Team auf den Originalton.

Die Firma Scanline ist weltweit als Spezialist für Wassersimulation berühmt. Sie schuf den Wassergeist für die ‚Die Chroniken von Narnia – Die Reise auf der Morgenröte‘ und die Tsunamis für Roland Emmerichs ‚2012‘. Für ‚300‘ gestaltete das Team die an die Küste geschleuderten Schiffe: Selbst Hollywood setzt bei Wassereffekten auf die unübertroffenen Experten von Scanline.

Für Hintergründe – zum Beispiel den Küstenstreifen am Horizont – werden auch heute noch ‚Plates‘, also vorab gedrehte Realaufnahmen, als Teilelemente der im Computer zusammengefügten Bildteile verwendet. Aber alle Wasserelemente im Vordergrund entstehen völlig digital. Bei Scanline waren etwa 60 Experten an der Gestaltung der visuellen Effekte beteiligt – für jeden Aspekt gibt es Spezialisten – einen für Bugwellen, einen für Wasserwirbel etc. Die Wassersoftware wurde in den vergangenen Jahren intensiv weiterentwickelt, sodass die Experten im flachen Wasser sogar den Meeresgrund sichtbar machen können.

Auf der Insel drehen die fünf Freunde einen Werbefilm, um auf ihrer Website Touristen anzulocken. Dazu Sven Unterwaldt: „Bei dem Werbefilm habe ich den Super-8-Look meiner eigenen Schmalfilme aus Jugendtagen nachgeahmt – inklusive der runden Ecken des Filmbilds, der Kratzer im Material und der ausgeblichenen Farben: Der große PR-Anspruch verkommt also zur Parodie eines platten Amateurfilms. Durch diesen Werbefilm merken die Zuschauer, dass die Insulaner sich gern verkleiden – vom Cowboy bis zum Pinguin. Das ist quasi die Vorbereitung auf den Coup im Casino: Im Keller von ‚Tantchen‘ finden sie alles, um sich für die Konfrontation mit Du Merzac mit den unterschiedlichsten Mitteln der Tarnung vorzubereiten.“

Pit verkleidet sich als Harry Hirschs Kameramann – oberflächlich betrachtet soll die selbst gebastelte Kamera mehr oder weniger echt aussehen. Erst wenn man genauer hinschaut, merkt man, dass sie aus den banalsten Alltagsgegenständen (Benzinkanister, Abflussrohr) zusammengesetzt ist. Die Idee mit dem Kanister hatte Unterwaldt schon früh. In Zusammenarbeit mit der Requisitenabteilung kam dann die Taschenlampe als Sucher, das Maßband als Schärferegler, der Weckglas-Deckel als Objektiv hinzu. Ottos improvisiertes Reporter-Mikrofon ist eine Klorolle mit einem schwarz lackierten Tennisball oben drauf.

„An dieser Entwicklung der Requisiten habe ich riesig Spaß – und mische mich entsprechend ständig ein!“, sagt Unterwaldt.

Beim Casino-Coup war wie in allen Bankraub-Filmen wichtig, zunächst den Plan genau zu verstehen, damit die Zuschauer später auch merken, was beim eigentlichen Coup dann schief geht – nur so haben sie ihren Spaß daran. Beim Vorbild ‚Ocean’s Eleven‘ wird der geplante Verlauf durch real gedrehte Filmszenen vorab als eine Art ‚Vorausblende‘, eine Rückblende in die Zukunft gezeigt. Dazu Unterwaldt: „Für uns Drehbuchautoren war dies eines der größten Probleme, denn dieses Verfahren bedeutet: Wir brauchen eine Erklärungsszene – dabei muss man höllisch aufpassen, damit sie nicht langweilig gerät. In modernen Filmen bekommt man dabei häufig Computermodelle vorgesetzt. Doch diese Methode konnten wir uns für Otto und seine Freunde nicht vorstellen – bei ihnen muss es eine komische Verfremdung geben. Wenn sie also ihr ‚3D-Modell‘ des Casinos zu Demonstrationszwecken bauen, ist es ein Modell aus Pappkarton – mit Klorollen, die die Gruppenmitglieder doubeln und durch das Modell geschoben werden.“

Über die Dreharbeiten sagt „Germany’s Next Topmodel“ Sara Nuru, die im Film die Rolle der Corinna übernimmt: „Ich bekomme erstmals mit, wie viele Leute hinter der Kamera im Team tätig sind. Wenn ich jetzt den Abspann eines Films sehe, weiß ich wirklich zu würdigen, wie wichtig all diese vielen Leute für das Zustandekommen des Films sind.“

Dazu Sven Unterwaldt: „Bei diesem Film hatte ich auch hinter den Kulissen mein Traumteam zur Verfügung: Mit Kameramann Peter von Haller drehe ich jetzt meinen dritten Film, Oberbeleuchter Niels Maier und Cutter Stefan Essl, Komponist Karim Sebastian Elias, Kostümbildnerin Eveline Stößer, Szenenbildner Christian Schaefer, Tonmann Benjamin Schubert und der für die Tonmischung verantwortliche Michael Kranz – das ist ein Team, das mir so großartig zugearbeitet hat, wie ich es selten erlebt habe. Praktisch nie haben alle Wunsch-Mitarbeiter im richtigen Moment Zeit – sie haben ständig andere Verpflichtungen. Doch diesmal hat es wirklich in allen Bereichen geklappt, sodass ich mein Traumteam zusammenstellen konnte. Die Mitarbeiter sind bei einem solchen Projekt Tag und Nacht im Einsatz – niemand macht Dienst nach Vorschrift, denn alle glauben an den Film, alle unterstützen meine Vision mit höchster Konzentration. Das ist sicher auch der Grund dafür, dass ich selbst am Ende der 39 Drehtage so entspannt war wie nie zuvor, denn normalerweise ist man am Ende eines solchen Projekts urlaubsreif. Diesmal hätte ich auch noch 20 Tage weiterarbeiten können!

Ähnlich hat Sky du Mont den Dreh erlebt: „Wenn man mit Comedians arbeitet, ist das immer anders als die Arbeit mit Schauspielern. Schauspieler sind viel mehr fixiert auf das Licht, auf die Markierungen am Set. Die Comedians sind Alleinunterhalter, die ständig Gitarre spielen, singen und Witze machen und Dialekte nachahmen. Das ist ein bisschen chaotischer, aber es macht Spaß, wir lachen sehr viel. Der Charme dieser Produktion ist diese Mischung aus Comedians und Schauspielern.“

Und Mirco Nontschew ergänzt: „Unsere Drehtage sind sehr lang, und manchmal stehe ich morgens müde auf, aber ich fahre immer mit Freude ins Studio. Was Schöneres könnte mir nicht passieren.“

Das findet auch Team-Neuling Arnd Schimkat: „Der Humor im Film ist typisch Otto – wie man ihn kennt und liebt. Sehr hohe Gag-Frequenz, ein schneller Humor. Und das Team ist sehr familiär – ich bin zu Hause angekommen!“

Kein Wunder, dass der ausführende Produzent Mark Popp zufrieden ist: „Das Team ist bestens eingespielt, alles flutscht. Noch nie habe ich eine so gute Stimmung am Set erlebt. Ich bin darauf gefasst, dass am letzten Drehtag ein paar Tränen fließen werden, weil wir wieder auseinandergehen müssen.“

Wie schaffen die das? Wie entsteht diese Atmosphäre? Was ist Ottos Geheimnis? Er verrät es uns: „Das Konzept muss stimmen – man muss selbst dran glauben, muss Spaß haben, etwas schaffen, über das man selbst lachen kann. Das Schönste ist dann, wenn andere auch darüber lachen.“

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