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Fakten und Hintergründe zum Film "Ossi?s Eleven"

Fakten und Hintergründe zum Film "Ossi?s Eleven"
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Produktion: Produzent erobert die Leinwand

Am 3. April 2007 begannen im sachsenanhaltinischen Wolfen die Dreharbeiten zu OSSI´S ELEVEN, dem Kinoregiedebüt von Oliver Mielke, der sich zuvor vor allem als Produzent von Comedy-Formaten wie „bullyparade“ oder „Tramitz & Friends“ einen Namen gemacht hatte. Nicht zuletzt wegen Mielkes Vorgeschichte kann man OSSI´S ELEVEN getrost als Komödie bezeichnen, obwohl auch das tragische Element nicht zu kurz kommt und das Ganze – nicht zuletzt in Anlehnung an Steven Soderberghs „Ocean´s Eleven“ – im Gewande eines klassischen Heist Movie, einer Rififi-Geschichte, daherkommt. In erster Linie aber ist OSSI´S ELEVEN ein Schauspieler-Film, mit (mindestens) elf Hauptdarstellern, die von Mielke mit größter Akribie und viel Einfühlungsvermögen für die jeweiligen Rollen ausgewählt wurden.

Eine Schlüsselrolle kam dabei Tim Wilde zu, der als titelgebender Oswald „Ossi“ Schneider so etwas wie ein Primus inter pares ist. Mielke, der Wilde von Dreharbeiten zu „Tramitz & Friends“ kennt, war von einer Geschichte, die der Schauspieler erlebt hatte, besonders beeindruckt: „Er erzählte mir mal, wie er damals aus dem Osten geflüchtet ist, an der ungarischen Grenze erwischt worden ist, in der Botschaft in Prag saß und zu den wenigen gehörte, die mit dem Gysi wieder zurückgegangen sind in die DDR und zwei Tage später im Fernsehen gesehen hat, dass Herr Genscher alle befreit hat. Diese Geschichte war so tragisch-komisch, dass für mich in dem Moment klar war: das ist Ossi.“ Für Wilde ist Ossi „ein charmanter, liebenswerter Typ, und keiner, der jemandem etwas Böses will, also kein Typ der aus dem Knast kommt und versucht seine Schäfchen ins Trockene zu bringen, sondern ein ganz ehrlicher Charakter. Also das absolute Gegenstück zu Stefan Jürgens.“

Mistkerl mit Drecksau-Attitüde

Womit wir auch schon bei Karl Brenner alias Stefan Jürgens wären. Mit ihm verbindet Mielke bereits eine lange Freundschaft: „Wir haben uns auf Ibiza, wo Stefan mal gewohnt hat, kennen gelernt. Ich wollte schon immer mit ihm arbeiten und ich weiß, dass er einen kleinen Hang dazu hat, gerne mal loszuschreien und ne ,Drecksau' zu sein, in der Rolle natürlich nur. Deswegen war er prädestiniert für diesen Charakter und ich finde, er hat ihn auch super ausgefüllt.“ Jürgens, der vor allem durch seine Auftritte in der RTL-Comedy-Shoy „Samstag Nacht“ und als „Tatort“-Kommissar bekannt wurde, tingelt inzwischen erfolgreich mit einem Programm-Mix aus Musik und Comedy über Deutschlands Bühnen, arbeitet aber auch immer wieder als Schauspieler. Für Jürgens war von vorne herein klar, dass er mitmachen würde: „Oliver hat mich einmal angerufen und dann habe ich zugesagt. Das Drehbuch hat mir von vorne herein gefallen, das ist so unambitioniert, da wird kein großes Fass aufgemacht, sondern eine schöne kleine Geschichte erzählt.“ Und über seine Rolle sagt er: „Was mich an der Darstellung dieses Mistkerls, an dem mir wirklich herzlich wenig gefällt, interessiert hat, ist, dass er ein totaler Verlierer ist, bei dem jede Attitüde, jeder blöde Scherz oder jede vermeintlich harte Wirkung einen total erbärmlichen Hintergrund besitzt.“

Für die bayerische Komponente im Film sorgt Andreas Giebel alias Georg Richter, der als Zwangsversetzter im Osten allen erzählt, wie furchtbar er es dort findet. Oliver Mielke schwärmt noch heute von der ersten Begegnung: „Für mich war er gleich ein Pfundskerl, als er mit seinem Motorroller ankam, wir uns in einer Kneipe trafen und ich feststellte, dass auch er wie ein Wahnsinniger raucht. Ich habe ihn in ‚München 7` gesehen und musste sofort über ihn lachen. Er hat dieses typisch Bayerische, dieses auf der einen Seite lieb zu Habende und auf der anderen Seite dann doch das Brachiale, diese Mischung hat mir gut gefallen. Und ich habe mich tierisch gefreut, dass ihm das Buch gefallen hat.“ Giebel war vor allem von Mielkes Elan angetan: „Ich bin sowieso Feuer und Flamme für Menschen, die ideenschwanger herumlaufen und bei denen man merkt, dass sie etwas wirklich wollen. Oliver hat es echt geschafft, mir den Film schon damals so zu erzählen wie er jetzt tatsächlich geworden ist. Das freut mich natürlich ganz besonders.“ Und über den Film sagt er: „Für mich ist der Coup einfach eine Plattform für eine ganze Menge gebeutelter Menschen, die sich aus verschiedenen Schicksalsebenen heraus auf der schiefen Bahn befinden. Sie probieren etwas, aber da ahnt man schon, dass es nicht wichtig ist, ob es klappt oder nicht. Es geht vielmehr um die Möglichkeit, zwischen verschiedenen Menschen, die eigentlich nichts miteinander anfangen können, Brücken zu schlagen. Das ist sozusagen ‚Die Reise nach Panama für Erwachsene’.“

Gebraucht werden – darum geht es

Es ist sicherlich auch kein Zufall, dass die Rolle des ehemaligen OM Konrad Hauff von Manfred Möck, einem einstigen DEFA-Schauspieler, verkörpert wird. Tatsächlich konnte Möck, der auf der Berlinale 1988 für seine Leistung in „Einer trage des anderen Last“ mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde, Mielke in vielerlei Hinsicht behilflich sein: „Ich habe durch ihn unglaublich viel über Stasi-Vergangenheit gelernt, weil er mir erklärt hat, dass ein Ex-Stasi durchaus von allen Leuten unbehelligt in der Platte wohnen kann. Das wird total akzeptiert. Denn die Menschen haben

immer noch an dem schnellen Wechsel vom alten Regime zum neuen Regime, von dem sie eigentlich wieder über den Tisch gezogen worden sind, zu knabbern und sind komplett verunsichert.“ Entdeckt hatte Mielke Möck auf einem Foto und nach den ersten Proben stand fest: „Ich fand ihn großartig in seiner Mimik, es passte auch menschlich zusammen und dann habe ich gesagt okay, das ist ein richtiges Mitglied in der Truppe.“ Der ehemalige DEFA-Schauspieler weiß, dass die Menschen im Osten stets skeptisch sind, wenn jemand aus dem Westen über ihre Themen Filme realisieren will: „Wenn ein Münchner einen Stoff über Plattenbausiedlungen macht, dann ist der Osten sehr hellhörig, vor allem wenn es zu viel um Tristesse und Stasi geht. Aber dann war ich sehr erfreut darüber, dass ich bei Oliver eine Seele gespürt habe, dass es ihm um Menschen geht und er keinen Film über die Stasi erzählen will.“ Über seine Figur sagt er: „Er war ein Offizieller Mitarbeiter bei der Sicherheit, der kein Unrechtsgefühl besitzt. Und er war absolut der Meinung, dass er für die Friedenssicherheit richtig gehandelt hat. Und dann bekommt er das Angebot, bei dem Coup mitzumachen, was ihm natürlich sehr gefällt – Gebraucht werden ist nämlich ein ganz wichtiges Thema in dem Film.

Die mit Abstand skurrilste Rolle kommt mit Sicherheit Helmfried von Lüttichau zu. Er spielt Boris, der in einer merkwürdigen osteuropäischen Sprache vor sich hinbrabbelt und von dem niemand so recht weiß, wo er eigentlich herkommt. Diese Idee stammt aus einem Sketch, den Oliver Mielke bei „Tramitz & Friends“ realisiert hatte: „In ‚Land der Berge` spielen Christian Tramitz und von Lüttichau den Wilderer und den Jäger, die sich in einer undefinierbaren Sprache miteinander unterhalten. Daraus haben wir dann eine Kolumne entwickelt, die mittlerweile Kultstatus besitzt.“ Mielke weiter: „Helmfried liebt es, Figuren zu sprechen, die man nicht so richtig versteht. Und so sind wir auf diese Nummer gekommen, mit ihm als kleinem Hochstapler, der sich von Platte zu Platte bewegt und sich überall dort nur so lange aufhält, bis er wieder erwischt wird.“ Für sein „Lüttichauisch“ hat sich der Schauspieler, der seine Figur mit jenen aus den Kusturica-Filmen vergleicht, akribisch vorbereitet, begann er doch schon ein halbes Jahr vor Drehbeginn, eine Sprache zu erfinden: „Es durfte ja nicht russisch sein, es durfte ja nur so klingen, und dann bin ich stundenlang herumgelaufen und habe irgendwelche Wörter gesucht, bis ich den Klang hatte. Ich hatte schließlich ein ganzes Vokabelheft von verschiedenartigsten Lauten, die ich dann je nach Situation beim Drehen auch noch variieren konnte. Ich bin sozusagen ohne Text gekommen und hatte Sprachmaterial, was ich musikalisch einpacken konnte.“

„Riesenbaby“ mit breitem Grinsen

Für die Figur des ehemaligen Ruderers Axel Franke hatte Oliver Mielke einen ganz bestimmten Schauspieler im Visier: „Für mich ist Götz Otto so ein bisschen das Riesenbaby, auf der einen Seite physiognomisch so ein Zwei-Meter-Riese und auf der anderen Seite so ein unfassbarer Kumpeltyp. Diese Rolle des ewig Ehrgeizigen, der überall die Nummer Eins sein will, der immer die beste Currywurstidee haben will, diesen Grundoptimisten im Leben hat er sehr schön gespielt.“ Götz Otto selbst empfand die Arbeit an OSSI´S ELEVEN als etwas sehr Besonderes: „Der ganze Film ist ja auf einer hoch professionellen, semifreundschaftlichen Ebene entstanden, oder anders gesagt: das ist kein gängiges Procedere gewesen, von Anfang an nicht. Wir haben uns schon so oft getroffen, bevor wir überhaupt angefangen haben zu drehen oder ein Buch hatten, dass das alles schon fast so etwas wie einen konspirativen Charakter besaß.“ Und auch vom Ergebnis ist der einstige Bondbösewicht begeistert: „Ich bin sehr, sehr positiv angetan, manchmal auch überrascht, weil beim Drehen die Geschichte noch mehr im Vordergrund stand. Aber jetzt besitzt der Film so eine Menschlichkeit und vermittelt einem wunderbar, dass es auf ganz profane, aber doch wertvolle Dinge im Leben und nicht nur auf Kohle ankommt. Also ich bin – und das passiert mir selten bei Filmen, in denen ich selbst mitgespielt habe, durchaus mit einem sehr breiten Grinsen aus dem Kino rausgegangen.“

Axel Franke verkauft die Würstchen zusammen mit seinem Bruder Bruno. Dieser wird von Michael Brandner gespielt, an dem Mielke besonders schätzt, „dass er einen so unfassbar trockenen Humor hat. Er ist irgendwie so unnahbar und hat gleichzeitig aber so ein großes Herz. Ich brauchte für diese Rolle jemand Sensiblen, der nicht damit klar kommt, dass er seinen Bruder angelogen hat, und nicht in der Lage ist, sich zu verlieben oder Spaß am Leben zu haben, weil er diese Lüge mit sich herumträgt. Aber gleichzeitig nimmt er auch noch das eine oder andere Fettnäpfchen wie zum Beispiel die gelbe Bommelmütze mit. Das finde ich sehr gut.“ Auch Brandner fühlte sich in seiner „suizidgefährdeten Haut“ sichtlich wohl, denn „alle etwas tragischen Rollen sind leichter zu spielen als jede Komödie. Das Problem ist nur, dass man nicht zu viel Gas geben darf, sonst glaubt es einem keiner.“ Und zum Thema, dass der Regisseur beim Drehen stets die britischen social comedies als Vorbilder im Hinterkopf mit sich trug: „Klar, wenn ich etwas über das persönliche Scheitern dieser Truppe erzähle, dann lande ich genau da. Social comedy konzentriert sich immer auf ihre Charaktere. Man zeigt ihren Lebenskreis, zeigt sie in ihrer kleinen Tragik, aber auch ihrem ständigen Hoffen, was sie sich alle ja Gott sei Dank bewahrt haben. Und das ist auch hier sehr gut gelungen.“

Aus Sasha wird Sascha Schmitz

Ein ganz besonderer Besetzungscoup ist dem Drehbuchautoren, Regisseur und Produzenten mit der Verpflichtung des national wie international höchst erfolgreichen Pop-Sängers Sasha gelungen. Mielke kannte ihn schon von diversen Auftritten aus der „bullyparade“ und wusste bereits um Sashas schauspielerisches Talent. Für die Rolle des Tommy suchte die Filmcrew nach „jemandem in etwas höherem Alter, der trotzdem noch naiv ist, der quasi durch diese Männerfreundschaft seine Reifeprüfung besteht und seine Kunstfigur, den Elvis-Fan, ablegt. Sasha hatte große Lust auf diese Rolle, und die Arbeit mit ihm war ein Hammer.“ Auch wenn Sascha Schmitz, wie sich Sasha als Schauspieler nennt, bereits im Dezember 2007 in Leander Haußmanns „Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken“ erstmals auf der Leinwand zu sehen war, dürfte doch OSSI´S ELVEN als dessen Darsteller-Debüt in die Annalen eingehen. Das sieht auch Sasha selbst so: „Die Idee, bei Oliver in einem Film mitzuspielen, die gab es schon vor drei Jahren. Ich kenne ihn ja schon seit meinen Gastauftritten in der ´bullyparade’ und bei Barbara Schöneberger. Und das Angebot von Haußmann kam sehr kurzfristig, einen Monat vor Drehbeginn. Da war längst klar, dass wir OSSI´S ELEVEN machen werden. Für mich war es ein guter Platz zum Üben.“ Mit der Figur des Tommy hatte Sasha jedoch zunächst ein paar Probleme: „Ich musste mich an diesen Part erst gewöhnen, denn ich spiele ja tatsächlich so ein Weichei, lasse mich gerade was Frauen betrifft ziemlich an der Nase herumführen und bin da sehr naiv, und das bin ich im wahren Leben natürlich nicht.“

Mit „Hide and Seek“ hatte Sasha zuletzt den Titelsong zu dem Jugendabenteuerfilm „Die drei ??? – Das Geheimnis der Geisterinsel“ abgeliefert. Klar, dass sein musikalisches Talent auch bei OSSI´S ELEVEN gewünscht war: „Man hat mich gefragt, ob ich für ganz bestimmte Stellen zwei Songs schreiben möchte. Für mich war es das erste Mal, dass ich schon die entsprechenden Bilder dazu hatte. Da habe ich gesagt, okay, ich probier´s mal. Und dann ist das Ergebnis so anders geworden als das, was ich sonst mache, dass ich beschlossen habe, diese Titel unter einem Pseudonym zu veröffentlichen.“

Auch mit dem Engagement von Michael Habeck als Tommys Opa bestätigte sich Mielkes goldenes Händchen: „Das Witzige war, dass Sasha, als er Michael bei den Proben zum ersten Mal sah, rief: ‚Das glaube ich jetzt nicht! Mein Opa ist genauso groß wie du, und er sieht fast genauso aus.’ Die beiden haben sich auf Anhieb verstanden. Habeck kennt man in erster Linie als Synchronsprecher von Danny De Vito oder aus Kindersendungen wie der „Rappelkiste“. Für OSSI´S ELEVEN wollte Mielke „einen Opa, der ein bisschen belesen ist, der etwas Weises hat, in seiner eigenen Welt lebt, aber grundpositiv und irgendwie ein Knuddelopa zum Liebhaben ist. „Und als ich Michael Habeck kennen lernte, war für mich klar, der ist es. Der hat genau das, was ich suchte, und obendrein ist er auch noch ein großer Gentleman. Dem nimmst du auch ab, dass er die Ein-Euro-Suppe so zelebriert, als sei sie das festlichste Abendmahl, und so sieht ein Mensch aus, der gelassen mit dem umgeht, was seine Umwelt mit ihm macht. Das war die Idee.“

Frauen-Power in der Männer-Gang

Zu guter Letzt fehlt noch die weibliche Note in dieser Männerrunde. Jule Ronstedt und Karoline Eichhorn bringen als ungleiche Freundinnen zusätzlichen Schwung in die Geschichte. Mielke erzählt: „Wir haben so ein bisschen überlegt: wer könnte denn gute Freundinnen spielen, die beide von Männern verlassen wurden und von denen man fast meinen könnte, sie seien Schwestern. Jule Ronstedt passt wunderbar als Frau, die stets nach Männern sucht, die sie bemuttern kann. Karoline Eichhorn dagegen ist viel härter. Sie sagt einfach, so wird es gemacht und ich lass mich doch nicht auf diesen Penner ein. Trotzdem hocken beide dort in dieser Platte und haben eigentlich das Leben noch vor sich. Deswegen nehmen sie auch den hochschwierigen Beruf des Geldtransporterfahrers an, weil sie eine Gefahrenzulage bekommen. Und von dem Geld erhoffen sie sich, irgendwann einmal ins Ausland zu gehen und in der Toskana ein kleines Café aufzumachen. Leider scheitert das Ganze an ihrem unseriösen Chef.“ Natürlich hatte Mielke auch Ronstedt in dem Überraschungshit „Wer früher stirbt ist länger tot“ gesehen und war begeistert, und Karoline Eichhorn ist für ihn „eine unglaublich tolle Schauspielerin. Bei ihr habe ich mich besonders gefreut, dass ihr das Buch zugesagt hat. Denn ich habe mir nicht träumen lassen, dass sie mit dabei sein wird. Am Ende war ich sehr glücklich, dass ich die beiden Darstellerinnen gewinnen konnte.“ Auch Jule Ronstedt hat es sichtlich „Spaß gemacht, zusammen mit Karoline die einzigen Frauen in dieser Männergang zu sein. Gerade mit Karoline Eichhorn war es toll, weil wir irgendwie wie Hanni und Nanni waren. Auf der einen Seite, sie als die Taffere, Cleverere, auf der anderen Seite, ich als diejenige mit den größeren Sehnsüchten und ein bisschen Weichere, die auch schneller umkippt. Ich tat mir schon fast selbst ein bisschen leid.“

OSSI´S ELEVEN wurde komplett in den neuen Bundesländern gedreht. Neben einigen Arbeitstagen in Erfurt und in einer Eisenfabrik in Sachsen entstand der Hauptteil in Sachsen-Anhalt in Wolfen, einem Stadtteil von Bitterfeld. Diese Plattenbauten avancieren im Verlauf des Films zu einem weiteren Hauptdarsteller. Oliver Mielke: „Wir haben in einer Straße gedreht, die hieß doch tatsächlich Straße der Chemiefacharbeiter. Das ist wirklich eine sehr heftige Gegend, da leben auch noch Menschen, aber jeden Tag wird eine Platte abgerissen und die jeweiligen Mieter müssen alle drei Monate umziehen. Das ist ziemlich tragisch. Alles ist verseucht, und dann hat man ihnen auch noch diese Windräder mitten in ihr Wohngebiet reingestellt.“ Für Tim Wilde war das alles keine große Umstellung, schließlich ist er ja so groß geworden: „Ich bin exakt so aufgewachsen. Die Wohnungen waren genauso geschnitten, aber wir hatten noch ein Zimmer mehr, also eine so genannte Drei-Raum-Wohnung. Aber ansonsten: die gleichen Lichtschalter, das gleiche Linoleum, alles war wirklich exakt genauso. Wir waren ja ein bisschen außerhalb von Wolfen. Da möchte man ja nicht wirklich wohnen. Es sei denn, man hat solche Nachbarn wie die Wurstverkäufer oder so…“

Die Straße der Chemiefacharbeiter

Der Drehort von OSSI´S ELEVEN war auch aus einem Grunde schicksalsträchtig, wie der Regisseur berichtet: „Hier wurde der erste Farbfilm überhaupt entwickelt. Und die Orvo-Werke sind heute noch dort, haben inzwischen eine Vertretung für Fuji-Filme. Die Betonplatten, die man in dem Park sieht, wo wir gedreht haben, gehören in Wirklichkeit zu einer großen Skulptur, die sich die Filmstraße nennt, und quer durch dieses Plattenbaugebiet symbolisieren dicke Betondinger zum Beispiel ‚Das Emulsionsbad’ oder ‚Die Entwicklungskiste`.“ Und auf die Frage, warum es eigentlich nur ein Wolfen Nord und kein Wolfen Süd gibt, bekam Mielke folgende Antwort: „Man hat dieses Wohnbaugebiet damals in den Norden gebaut, weil es immer Westwind gab und die einzige Richtung, in die der Wind mit den Chemikalien nicht hinwehte, war eben der Norden.“

Auch Manfred Möck, der selbst aus Sachsen-Anhalt stammt, hat seine Erinnerungen an diesen Ort: „Bitterfeld stand immer für die Orvo-Werke und für Industrie, das war immer die tristeste Ecke. Und wenn man durch Bitterfeld mit den Auto oder mit dem Zug durchfuhr, dann roch es schon immer anders, die Luft roch nicht gesund.“ Und Götz Otto weiß, warum die Architektur, die er eigentlich menschenfeindlich nennt, in OSSI´S ELEVEN vergleichsweise positiv rüberkommt: „Der Punkt ist, dass man hier die Bauten und die Menschen dahinter sieht. Und plötzlich erhalten die Bauten eine andere Dimension als nur platte Architektur. Und weil die Figuren so positiv gezeichnet sind, so sympathisch nach Hoffnung suchen, erstrahlen auch die Plattenbauten in einem anderen Licht.“

OSS´S ELEVEN – eine Auslegungssache

OSSI´S ELEVEN besitzt nicht nur wunderbare Charaktere und einen originellen Schauplatz, sondern auch einen pfiffigen Filmtitel, der jede Menge Raum für die unterschiedlichsten Interpretationen zulässt.

Jule Ronstedt: „Der Titel ist natürlich nur ein Gag. Der Film ist zwar wie „Ocean´s Eleven“ konzipiert, aber bei uns geht es ja schon von Anfang an um relativ wenig Geld. Auf die Leute im Osten mag der Titel vielleicht abschreckend wirken, aber ich finde, Tim Wilde stellt den Ossi echt charmant dar, man mag in einfach gern in seinem Losertum.“

Helmfried von Lüttichau: „Als ich den Titel das erste Mal gehört habe, habe ich lachen müssen. Und immer wenn ich davon erzähle, müssen die meisten Leute lachen. Das sehe ich als positives Zeichen. ‚Ocean´s Eleven’ habe ich nicht gesehen, das muss ich aber mal endlich nachholen, um zu sehen, was die Kollegen so machen.“

Stefan Jürgens: „Sich da jetzt an diese Ossi- und Oceans-Geschichten marketingtechnisch dranzuhängen, kann man sich absolut leisten. Und diese Assoziationen, die hier geweckt werden, machen ja auch durchaus Sinn. Aber ansonsten gibt der Film sich diesem Anspruch ja gar nicht hin. Das eine ist Hochglanz, und das andere die deutsche Bodenständigkeit.“

Michael Brandner: „Wunderbar. Der Titel war das erste, worüber ich gelacht habe, weil ich das einfach eine gute Idee finde. Das ist ein schöner Aufhänger.“

Andreas Giebel: „Ich habe den Leuten immer erklärt, dass der Film auch im Osten spielt, aber es eine Hauptfigur gibt, die Oswald heißt. Deswegen heißt der Film OSSI´S ELEVEN. Also diese Doppeldeutigkeit, die man erst im Laufe des Films mitkriegt, finde ich gut. Trotzdem sind es natürlich auch elf Leute, er lehnt sich auch an „Ocean´s“ an, erfüllt also alle drei Funktionen.“

Tim Wilde: „Am Anfang war ich ein wenig skeptisch, aber mittlerweile denke ich, für mich ist es ja toll, denn wenn mich jemand fragt, was wir mit Oceans Eleven gemeinsam haben, dann sage ich: Okay, erst mal den Hauptdarsteller, die sehen beide gleich gut aus, da gibt es keinen Unterschied, und das zweite ist, dass wir das gleiche Budget gehabt haben, also die haben ein bisschen weniger gehabt als wir, und insofern finde ich den Titel jetzt natürlich klasse.“

Götz Otto: „Unser Film ist ja kein „Ocean´s Eleven“ Spoof, und trotzdem hat er noch genug mit dem Film Ocean´s Eleven zu tun, um sich daran anlehnen zu können. Gleichzeitig ist es ein eigenständiger Film. Und auch diese Doppelung Ossi, die Hauptfigur, und Ossi im Gegensatz zum Wessi, hat durchaus auch eine Begründung im Film. Deshalb finde ich den Titel super.“

Interview mit Oliver Mielke

Sie haben unglaublich viele populäre TV-Formate produziert, darunter „bullyparade“, „Blondes Gift“ oder „Tramitz & Friends“, um nur wenige zu nennen. Wie kam es zu dem Entschluss, ins Kinofach zu wechseln?

Das war vor ungefähr vier Jahren. Damals ist mir die Idee eines eigenen Senders, nämlich sun tv, nicht zuletzt durch die Kirch-Insolvenz so ein bisschen weg gebrochen. Und weil ich festgestellt habe, dass ich auch privat lieber Geschichten konsumiere, reifte in mir der Entschluss, einfach mal selbst eine zu schreiben und zu realisieren.

Geschrieben haben Sie OSSI´S ELEVEN gemeinsam mit Philip Kaetner.

Ja, er arbeitet schon ungefähr seit zehn Jahren in meiner Firma und er hat auch schon diverse Projekte, unter anderem für MTV, realisiert. Mit Philip läuft es wirklich gut. Für mich ist er so etwas wie der kleine Gott der Dialoge. Irgendwie sind wir ein sehr merkwürdiges Ehepaar, weil wir total unterschiedlich sind, uns aber super ergänzen.

Sie haben bei Ihrem Debüt alle zentralen Funktionen übernommen: Buch, Regie und auch Produktion…

Produzent hätte ich gar nicht unbedingt sein müssen. Ich habe bloß keinen Produzenten gefunden, der mich als Regisseur haben wollte. Ich wusste natürlich im Vorfeld nicht, ob ich Regie führen kann und ob mir das Spaß macht. Aber jetzt habe ich Blut geleckt. Und wenn ich ein nächstes Projekt realisieren sollte, dann würde ich auch gern nur die Regie übernehmen. Denn der Produzent ist kein Muss.

Der doppeldeutige Titel OSSI´S ELEVEN lässt viel Raum für die verschiedensten Interpretationen.

Vielleicht ist das ganz gut so mit dem Verwechseln. Einige haben dahinter sogar schon eine Fußballmannschaft vermutet. Obwohl ich das Wort Ossi jetzt nicht besonders schön finde, stand es für uns von Anfang an als wunderbare Abkürzung für Oswald fest. Und natürlich haben wir ein bisschen augenzwinkernd und parodiemäßig auch an „Ocean´s Eleven“ gedacht. Aber unsere Jungs machen das eben mit Mitteln, mit denen der Normalsterbliche „Ocean´s Eleven“ durchführen würde.

Das heißt, Sie haben nicht unbedingt bei Soderbergh geklaut?

Ich würde mal sagen: Nein. Die Idee war, dass dieser Film in irgendeinem Plattenbau in Europa spielen kann. Das Problem ist, dass in diesen Randgebieten die Leute immer mehr vereinsamen. Bei uns geht es deshalb auch weniger um Kriminalität, OSSI´S ELEVEN will uns viel lieber sagen: Schau dich mal um, nach rechts und links neben dir, und du wirst sehen, da gibt es überall Menschen, die liebenswert sind.

Das heißt, Sie haben sich weniger an US-Vorbilder gehalten.

Ich liebe die tragikomischen Geschichten aus England. Denn wenn ich so einen Film sehe, habe ich das Gefühl, dass ich die Leute, die darin mitspielen, kenne. Ich bin also sehr schnell in der Lage, mich in die Figuren hineinzuversetzen und kann nachvollziehen, was sie unternehmen. In jeder Tragik steckt ja auch immer eine Komik, und die Engländer schaffen es, keine Problemfilme daraus zu machen, sondern immer wieder auch das Lustige des Lebens rauszuholen.

Können Sie sich erklären, warum derartige Filme so selten bei uns realisiert werden?

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass die Skepsis schon beim Buch anfängt. Wenn man eine tragische Figur zeichnet, dann denkt jeder gleich, dass das jetzt düster, dunkel und traurig wird. Aber dem muss gar nicht so sein.

Sie sind als Kinoregisseur ein unbeschriebenes Blatt. Wie haben Sie es geschafft, so viele renommierte Schauspieler für Ihr Debüt zu begeistern?

Mit der deutlichen und klaren Ansage, dass ich ein No-Name-Regisseur bin. Ich habe ihnen in die Augen geschaut und gesagt, dass ich diesen Film gern machen möchte. Ich glaube, der entscheidende Punkt, warum sie mitgemacht haben, war, dass ich sie von Anfang bis Ende sehr, sehr ernst genommen, ihnen genau zugehört habe und ich ehrlich mit ihnen umgegangen bin. Die Lösung lag in der Ehrlichkeit. Ich habe offen gesagt, worum es mir geht, und da waren sie auch offen für mich.

Trotz der zahlreichen Figuren erfährt man über jeden Charakter etwas, alle entwickeln so etwas wie ein Eigenleben.

Uns war es ganz wichtig, dass dieser Film menschelt und wir Menschen zeigen, die man kennt, die in irgendeiner Form auch eine Geschichte haben, und als Drehort haben wir einen Plattenbau in der Ex-DDR. Auch hier haben wir recherchiert und Fragen gestellt: Gibt es wirklich Menschen, die von der Stasi ohne ihr Wissen gedopt worden sind? Ja, die gibt es. Gibt es Leute, die offizielle Mitarbeiter der Stasi waren und heute noch am selben Platz wohnen? Ja, die gibt es. Gibt es die Besserwessis, die heute dort leben, obwohl sie eigentlich immer weg möchten, aber doch nicht weggehen? Die gibt es. Es wären wahrscheinlich noch zig weitere Charaktere möglich, aber wir haben uns schließlich einfach ein paar Leute aus dem Block herausgepickt.

In OSSI´S ELEVEN wollen die Jungs ja an alte D-Mark-Bestände ran. Ist es nicht gewagt, im Euroland einen Film über die gute alte Deutsche Mark zu machen?

Fünf Jahre ist ein ganz gutes Zeitintervall wie ich finde. Wenn man zu Hause mal wieder aufräumt, ist man doch erstaunt, dass man doch noch in der einen oder anderen Ecke eine Mark oder gar ein Zwei-Mark-Stück findet. Irgendwie sind wir da drauf gekommen und haben dann ein bisschen nachgeforscht. Es sind ja tatsächlich noch sieben Milliarden D-Mark-Münzen im Umlauf, na ja, inzwischen sind es vielleicht nur noch sechs, aber als wir gedreht haben, gab es noch sieben.

Irgendwie passt ja diese D-Mark-Nummer auch zu dem Loser-Image..

Sie sind Lucky Loser. Für mich steht das Materielle gar nicht so sehr im Vordergrund, aber die Jungs werden zum ersten Mal seit Jahren wieder gebraucht. Dieser Ex-Stasi versteckt sich seit 18, 19 Jahren, seit der Wende zu Hause, die Sportler verkaufen gezwungenermaßen Würstchen. Dummerweise nur an sich selbst, weil kein Mensch eine Wurst will. Ich glaube, dass es nach der Wende ganz viele Menschen gab, die plötzlich so einen totalen Lebensentzug hatten, die vorher eine Lebensaufgabe hatten, ob bei der Stasi oder sonst wo, die aber dann von einem Tag auf den anderen nicht mehr gebraucht wurden. Und unser Film soll ein bisschen zeigen, wie man sich wieder gebraucht fühlen kann. Und dass ist ja wohl mit das Wichtigste im Leben.

Es gibt eine Szene in OSSI´S ELEVEN, die völlig farbentsättigt ist. Nur Ossis Jackett leuchtet grün. Was hat es damit auf sich?

Das ist eine Hommage an Depeche Mode. Die haben früher ihre Videos alle in Schwarz-weiß gedreht und einen roten Farbklecks mit hinein genommen. Bei mir war der Farbklecks eben grün. „Personal Jesus“ handelt ja von dem Traum, sein eigener Jesus zu sein. Und auch in OSSI´S ELEVEN geht es um den Traum, mit einigen Freunden ein Ding zu drehen, aber schon bei der ersten Frage muss Ossi passen und der ganze Plan ist kaputt.

Depeche Mode taucht dann noch einmal auf. Als nämlich aus dem Traum Realität wird und Ossi feststellt, dass sein bester Freund ihn mit seiner Frau betrügt, da läuft „Good bye Lovers“ im Hintergrund, um noch einmal den Gegensatz von Wunschtraum und Realität zu zeigen.

Diese „Personal Jesus“-Szene wurde übrigens heiß diskutiert. Philip, mein Co-Autor, hat sich nie für diese Szene begeistern können, weil sie so ganz künstlich ist und so ganz daneben. Aber ich liebe allein diesen Moment, wenn Ossi stehen bleibt und im Hintergrund die Brillen klicken, klick, klick, klick…

Was auffällt, ist auch die exzellente Kameraarbeit, selten hat man Plattenbauten in so schönem Licht gesehen…

Thomas Wittmann, mein Kameramann, hatte am Anfang schon einen leichten Horror, als er meine Vorstellungen hörte: ich will bunt, ich will Farbe, ich will möglichst wenig darauf aufmerksam machen, dass wir uns in einer tristen Gegend befinden. Denn es ging mir von Anfang an um die Charaktere. Aber wenn du farbentsättigte Bilder und dann auch noch diese Platte zeigst, dann wirst du auf eine falsche Spur gelenkt. Und ich will eben genau das Gegenteil zeigen, will das Schöne aus dem Hässlichen so ein bisschen rauskitzeln. Irgendwann verspielt sich das dann auch mit der Platte, denn vom Look her könnten wir auch in Duisburg sein oder in Neuperlach oder in den Pariser Vorstädten. Und Randgebiete, in denen Menschen vereinsamen, gibt es überall in Europa.

Ihr Kameramann Thomas Wittmann ist in Deutschland noch eher unbekannt. Wie kamen Sie auf ihn?

Schon bei der ersten Begegnung waren wir uns sofort sympathisch. Ich habe mir dann insgeheim gewünscht, dass wir zusammen kommen. Und als ich seine Demorolle gesehen habe, war ich begeistert. Thomas hat drei Jahre in Australien gearbeitet, dort Kurzfilme gedreht und auch einen Kamerapreis für eines seiner Werke gewonnen. Was mir ebenfalls imponiert hat, war, dass er schon im Vorfeld bei den Location-Besichtigungen so ein Engagement gezeigt hat. Thomas ist für mich ein ganz wichtiger Mann in der Produktion. Ich habe selten so einen tollen Handwerker gesehen, der so engagiert arbeitet.

Wie Sie eingangs schon sagten, haben Sie als Kinoregisseur Blut geleckt. Was könnte einen weiteren Spielfilm verhindern?

Es kann daran scheitern, dass ich jetzt einen Megaflop hinlege, und es Leute gibt, die Qualität ausschließlich nach dem Box Office beurteilen. Dann habe ich mit Zitronen gehandelt, das ist klar. Aber wenn OSSI´S ELEVEN einigermaßen läuft, dann hätte ich auf jeden Fall ein neues Projekt in petto. Auf jeden Fall sehe ich mich als jemanden, der charmante Filme macht, deren Look eher old fashioned ist und der ohne Technik und diese Dinge auskommt und sich wirklich aufs Spiel konzentriert.