Ondine - Das Mädchen aus dem Meer

  1. Ø 3.5
   2009

Ondine - Das Mädchen aus dem Meer: Märchen und modernen Thriller verquickt Neil Jordan und erzählt von einem Fischer, der eine Meerjungfrau fängt. Christopher Doyle bettet den atmosphärischen Mix in magische Bilder.

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Filmhandlung und Hintergrund

Ondine - Das Mädchen aus dem Meer: Märchen und modernen Thriller verquickt Neil Jordan und erzählt von einem Fischer, der eine Meerjungfrau fängt. Christopher Doyle bettet den atmosphärischen Mix in magische Bilder.

An der Küste von Kork geht dem irischen Fischer Syracuse eines Tages ein zauberhafter Fang ins Netz: Die schöne Frau ohne Vergangenheit, die vor seinen Augen langsam zum Leben erwacht, beflügelt seine Gefühle und Sinne ebenso wie die Fantasie seiner kleinen, an den Rollstuhl gefesselten Tochter. Unter ihrem geheimnisvollen Einfluss nimmt der Alltag im Dorf überraschende Wendungen. Und wie alle Märchen birgt auch dieses dunkle Geheimnisse, hinter denen sich eine andere, düstere Wahrheit verbirgt.

Darsteller und Crew

Videos und Bilder

Kritiken und Bewertungen

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  • „Besonders wertvoll”

    An der Küste von Cork geht dem Fischer Syracuse eines Tages ein ganz spezieller Fang ins Netz: Aus dem Wasser zieht er eine wunderschöne junge Frau, die sich selbst Ondine nennt und sich scheinbar an nichts erinnern kann. Vor der Welt will sie sich verstecken, nur Syracuse darf sie sehen. Und obwohl dieser ihr Zutrauen gewinnen kann, kommt er nicht hinter ihr Geheimnis. Und dabei müsste er nur seine kleine Tochter Annie fragen, die längst zu wissen glaubt, wer Ondine wirklich ist... Der neue Film von Meisterregisseur Neil Jordan ist ein wunderschönes Märchen für Erwachsene. Geheimnisvoll schillernd bewegt er sich auf dem schmalen Grat zwischen zwei Welten. Das Reale und die Traumwelt gehen Hand in Hand, und Jordans Kunst (im Zusammenspiel mit dem genialen Kameramann Christopher Doyle) besteht darin, beide Welten glaubhaft zu verflechten. Der Film ist eine Geschichte über das Geschichtenerzählen und damit auch eine Reflexion über das Kino. Überzeugend: Charakterdarsteller Colin Farrell, dem man das irische Landleben ins markige Gesicht geschrieben sieht und dem man glaubt, dass er sich in einem permanenten Kampf mit sich selbst und der Welt befindet. Betörend: Alicjia Bachleda, die den Zuschauer ebenso verführt wie ihren männlichen Gegenpart. Und bezaubernd: Die kleine Alison Barry, die uns vor Augen hält, was wir nie vergessen dürfen: An Märchen zu glauben. Ein zauberhafter Film - und nicht von dieser Welt!

    Jurybegründung:

    In einem kleinen Fischerdorf an Nordirlands Küste lebt der von der Dorfgemeinschaft verachtete Fischer Syracuse. Ein Anfang wie in einem Märchen: Er zieht in seinem Schleppnetz als ?Beifang' eine wunderschöne junge Frau aus dem Meer. Sie scheint sich an nichts erinnern zu können und nennt sich Ondine. Nur er dürfe sie sehen. Seiner an den Rollstuhl gefesselten Tochter Annie erzählt er von seinem Fund, jedoch verschlüsselt er die Geschichte als Märchen während ihrer Dialyse. Annie allerdings ist fest davon überzeugt, dass Ondine eine Robbenfrau in Menschengestalt ist.
    Wie im Märchen zieht das Glück ein, die Netze von Syracuse sind prall gefüllt und alles könnte sich wunderbar entwickeln, wenn die Realität eine andere wäre. Von diesem Widerspruch lebt der Film, herausragend fotografiert von Christopher Doyle zwischen karger Küstenlandschaft, verwunschenen Orten und dem Dorfmilieu mit seinen Schattenseiten des irischen Alltags zwischen Armut und Ausgrenzung. Als Beispiel dient die alkoholabhängige Exfrau von Syracus, die die gemeinsame Tochter mehr schlecht als recht versorgt und Syracuse unter Druck setzt. Das ist nicht die einzige Bedrohung der sich romantisch entwickelnden Beziehung zwischen Ondine und Syracuse. Damit einher geht die kindliche Sicht von Annie mit ihrer Sehnsucht nach einer heilen Familie - sie will verhindern, dass Ondine wieder zurück ins Meer muss, wie die Märchen und Sagen Irlands künden. Auf einer anderen Ebene die Sehnsucht der beiden Erwachsenen nach gemeinsamen Glück, dem ihre unterschiedlichen Lebenswelten entgegen stehen. Eine latente Bedrohung ist von Anfang an spürbar und drängt sich nun brutal in die reale Welt. Ein Fremder taucht im Ort auf und kommt Ondine auf die Spur, will ihre wahre Herkunft verraten. Ein Krimi beginnt, der eine zweite Ebene in den Film einführt.
    Es ist leicht, das Unglück zu leben und schwer, sich das Glück zu erarbeiten, lautet am Ende die Botschaft, als alles doch märchenhaft glücklich überstanden ist. Dazwischen stehen viele tief greifende Verwicklungen zwischen Angst und Hoffnung, die zur Vielschichtigkeit und Vieldeutigkeit des Films beitragen. Märchenstruktur und reale Welt, in der hautnah die wahre Herkunft von Ondine aufgedeckt wird, werden kunstvoll ineinander geschoben. So wie im Märchen, das auch immer einen realen Kern transportiert mit der Gewissheit, dass das Gute trotz aller Widerstände siegt. Wünsche und Hoffnungen können in Erfüllung gehen, wenn man daran glaubt. Sie sind aber von außen wie von innen starken Gefährdungen unterlegen, die das Scheitern in sich tragen.
    Die darstellerische Leistung von Alison Barry, die die 10-jährige Annie spielt, ist besonders hervorzuheben. Noch ist sie altersgemäß dem magischem Denken verhaftet und doch mit ebenso scharfen analytischem Durchblick versehen. Sie spiegelt noch einmal den Grundtenor der Ebenen Märchen und Wirklichkeit wider. Traumhaft schön anzusehen in ihrer Körperlichkeit ist Ondine, oszillierend zwischen Sirene und Selbstbewusstheit. Herausragend auch Colin Farrell in der Hauptrolle des Fischers, der die Höhen und Tiefen seines Lebens glaubwürdig verkörpert.
    Neil Jordan hat als Regisseur auf hohem Unterhaltungsniveau eine starke kunstvolle Geschichte mit hervorragenden Schauspielern inszeniert, die uns in mehrfacher Deutungssicht spannungsreich mitnimmt. Nach Irland, dem Land wo viele Märchen ihren Ursprung haben, damit man den oft schwierigen Alltag besser verstehen und ertragen kann.

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • Schon mehrmals hat der irischen Ausnahme-Regisseur Neil Jordan die Welt der Märchen, Mythen und Geistergestalten erkundet, in „Die Zeit der Wölfe“, „High Spirits“, „Interview mit einem Vampir“. Oder er hat im rauen Alltag das Magische und Phantastische („The Butcher Boy – „Der Schlächterbursche“, „Jenseits der Träume“) gesucht und gefunden, hat gezeigt, wie in und an jemandem doch mehr sein kann, als es scheint, dass der Schein trügt und Menschen dabei doch ihre eigen Traumwelt erschaffen und brauchen – in „Mona Lisa“, in „The Crying Game“ oder dem tragisch-komischen, grotesk-realistischen „Breakfast on Pluto“.

    Mit „Ondine – Das Mädchen aus dem Meer“ greift er all das auf, packt es aber in kein allzu cleveres und aufwändiges Kinostück, sondern in eine leichte und umso bezaubernde Erzählung. Letztlich ist „Ondine“ zwar kein Märchen, aber – irgendwie – dann doch, eines des Kinos. Eigentlich ganz klein und unbeschwert kommt der Film daher, nicht groß, sarkastisch, kraftmeiernd in Erzählbogen und Bilderreigen. Gerade darin zeigt sich Jordans großes Können, im Führen der Figuren, in den schnellen, mitunter Screwball-Comedy-artigen Dialogen, die in ihrer Launigkeit wie das ganz sorgfältige Spiel der Darsteller den Film wunderbar fern von Kitschromaze, Liebesmärchen und Kinderfilm hält. Auch Kameramann Christopher Doyle, der mit M. Night Shyamalans „Das Mädchen aus dem Wasser“ eine andere Nixengeschichte in warme, einlullende Bilder packte, nahm sich hier bravourös zurück: Der Film schenkt uns zwar ein, zwei mit der Kamera hingemalte, wunderschöne Bilder zum Schwelgen, vor allem in der kleinen saftig-grünen Kaltwetterbucht (gedreht wurde auf Bere Island im irischen Cork), wo Syracuse Ondine im Häuschen seiner verstorbenen Mutter unterbringt. Ansonsten besticht auch Visuell der Film dadurch, dass er ganz genau, ganz still, genügsam und souverän gemacht ist – heimlich mit großem Können.

    Da kann das Wetter auch irisch grau und wolkenverhangen sein und das Fischerdorf, das Unterschichtenleben von Syracuses Ex-Frau und das Dialyse-Mobile, in dem Annie ihre Zeit verbringen muss, ein bisschen sozial-realistisch. Und bestechend undramatisch, unterspielt kommen auch die sonstigen Konflikte daher: Syracuse und seine Ex, wenn der Teufel Alkohol doch wieder seine Finger nach dem Fischermann ausstreckt. Oder: Annie und die anderen Schulkinder, die sie traktieren könnten, aber nur in einer Szene kurz vorkommen, mehr achselzuckend den neuen elektrischen Rollstuhl des schwachen Mädchens ausprobieren, mit ihm ein Stückweit ins Wasserrollen und kaputt machen, was die naseweise Annie trocken kommentiert: Er sei wohl nicht amphibisch. Anschließend schiebt sie das Ding nach Hause.

    Selbst das wenig originelle Ende mit dem großen Spannungsfinale ist nur, hopp-hopp, schnell zusammengeschnitten, die Handlungsklippen schnell gemeistert, als habe Jordan, der wieder das Drehbuch schrieb, das Konventionelle seine Story dann selbst nicht interessiert.

    Dieselbe selbstironische Gleichmut findet sich in den Figuren – und wie den Film als ganzes schließt man sie schnell ins Herz. Allen voran Colin Farrell als Fischermann, der mit dem Priester (fast immer in einem Jordan-Film: Stephen Rea) launige Lebenshilfegespräche führt, der selbstbewusst ist und dann doch wieder im Laden für Odine Unterwäsche klaut, weil er sie sich zu kaufen schämt. Man wird aus ihm nicht so recht schlau, aber das ist gut so, nicht zuletzt, weil es Syracuse irgendwie selbst so geht. Dazu passt denn auch der typische Farrell-Blick: Unstet huscht er hin und her, wenn er nervös ist und so tun muss, als wüsste er, was Sache ist.

    Eine Entdeckung auch: Alicja Bachleda – manchem vielleicht noch als die polnisch Au-pair-Angebete von Tom Schilling in „Herz im Kopf“ (da wie in „Sommersturm“ noch unter dem Namen Alicja Bachleda-Curus) im Hinterkopf. Sie ist wie der ganze Film bezaubernd und bodenständig zugleich, eine Schönheit mit energischem Kinn, die stets durchaus eine Selkie sein könnte, aber nicht sein [i]muss[/i]. Wenn sie im nassen Kleid von ihrem Bade in der Bucht vor Annie aus dem kalten Wasser steigt, dann genießt die Kamera ihre Erscheinung, ihren Körper regelrecht, aber auch hier: gar nicht peinlich, gar nicht lüstern, sondern unbekümmert, arglos, fast wie im Vorbeigehen.

    Ein kleiner magischer Film mit Ecken und Kanten ist „Ondine – Das Mädchen aus dem Meer“, mit einem Seufzen, einem Grinsen und einem freundlichen Achselzucken – auch sich selbst gegenüber. Einer, der viel besser ist als dass er es nötig hätte, „gut“ oder „toll“ zu sein.

    Fazit: Ein einfacher und zauberhafter, bodenständiger wie (gegenüber seinen eigenen Erzählstandards) ironischer und ganz souveräner Beinahe- (oder doch schon wieder „realistische“) Märchenfilm von Ausnahmeregisseur Neil Jordan.
  • Klassisches Märchen und moderner Thriller – Neil Jordan verquickt gekonnt die konträren Genres und profitiert dabei von den magischen Bildern Christopher Doyles.

    Das Glück hat ihn verlassen, den Fischer Syracuse, der Tag für Tag mit seinem verbeulten Trawler aufs Meer hinausfährt, nur um dann ohne eine einzige Makrele wieder heimzukehren. Dem Alkohol hat er abgeschworen, sich von seiner Frau, die noch an der Flasche hängt, getrennt. Eigentlich hält ihn nur noch seine an den Rollstuhl gefesselte Tochter Annie, die bei der Mutter wohnt, am Leben. Da geht dem Einzelgänger, ideal verkörpert vom traurig blickenden, langhaarigen und leicht schmuddeligen Colin Farrell („Alexander“), eines Tages ein Frau ins Netz – oder ist es gar eine selkie, eine sagenumwobene Meerjungfrau?

    Auf den ersten Blick erkennt man die Handschrift Neil Jordans, der – nachdem ein lang geplantes Hollywood-Projekt wieder einmal an der Finanzierung gescheitert war – enttäuscht in die irische Heimat zurückkehrte. Den Frust hat er sich da mit „Ondine – Das Mädchen aus dem Meer“ von der Seele geschrieben, sich bei seiner 16. Spielfilmregie früherer poetischer Arbeiten erinnert – der wunderbaren Gangsterballade „Mona Lisa“ etwa oder der Rotkäppchenvariante „Zeit der Wölfe“. Wie ein Märchen beginnt er seinen Film, bedächtig im Tempo, sparsam in den Dialogen und mit einem guten Auge fürs Lokalkolorit.

    Kaum ist Ondine – nuanciert und geheimnisvoll gespielt von Alicja Bachleda („Trade – Willkommen in Amerika“) – an Bord, geht es für Syracuse aufwärts. Reichlich Lachs und Hummer fischt er und auch seine Stimmung bessert sich – die geheimnisvolle Frau hat es ihm angetan. Derweilen forscht Annie (Alison Barry) nach Erklärungen für deren mysteriöses Auftauchen und ein Fremder beginnt, sich im Dorf nach Ondine umzuhören. Hier kippt der Ton des Films. Das Drama schleicht sich ein, der Thriller. Alles Magische weicht aus der Handlung, plötzlich wird’s im Wortsinn handfest und Syracuse greift wieder zum Glas.

    Man mag darüber streiten, ob der Film all seine Elemente „richtig“ verknüpft, die Tempowechsel passen und ob die „logische“ Erklärung der Geschehnisse überhaupt von Nöten ist. Fakt bleibt, dass atmosphärisch alles stimmt: Schroff und kantig wie die Gegend in der er lebt, gibt sich Farrell, nah dran bleibt Jordan an seinen Protagonisten und deren rauem (Arbeits-)Alltag, bestechend wie immer führt Christopher Doyle die Kamera. Neblig-mythisch gestaltet er seine Bilder, in denen Blau-, Grün- und Schwarztöne dominieren. Einen nachhaltigen Eindruck hinterlässt Jordans Lieblingsschauspieler Stephen Rea als Ortspfarrer und Kjartan Sveinssons irritierender Score kommentiert perfekt die Handlung. geh.

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