Mit seinem neunten Spielfilm erzählt Kult-Regisseur Quentin Tarantino erneut eine „kontrafaktische“ Geschichte. Am Schluss weicht der Film nämlich bewusst von den historischen Ereignissen ab. Wir liefern die Erklärung zum Ende von „Once Upon a Time in Hollywood“. (Achtung, Spoiler)

Schon zwei Mal zuvor hatte Tarantino seine Filme dazu genutzt, um die historische Realität zu korrigieren. In „Inglourious Basterds“ stirbt die gesamte Führungsriege des dritten Reichs in einem Kino, in „Django Unchained“ rächt sich ein Sklave mit aller Härte an rücksichtslosen Sklavenhändlern. In „Once Upon a Time in Hollywood“ macht der Regisseur nun einen grausamen Sektenmord ungeschehen, der Hollywood nachhaltig traumatisiert hatte. Wir erklären, wo der Film von der Realität abweicht.

Die Ereignisse im Film

Im Finale des Films wollen Tex Watson, Susan Atkins, Linda Kasabian und Patricia Krenwinkel auf Geheiß des Sektenführers Charles Manson die Schauspielerin Sharon Tate (Margot Robbie) umbringen. Doch als sie mit laufendem Motor vor dem Haus von Rick Dalton (Leonardo DiCaprio) halten, tritt der angetrunkene Dalton auf die Strasse und jagt sie im aggressiven Ton davon. Daraufhin zieht sich die Gruppe zur Hauptstraße zurück und beschließt dort, lieber in Daltons Haus alle Anwesenden umzubringen. Schließlich hätte ihnen der Schauspieler in unzähligen Filmen und Serien gezeigt, wie man tötet.

Nachdem Linda Kasabian einen Rückzieher gemacht hat und mit dem Auto der Gruppe davon gefahren ist, gehen sie zu dritt in das Haus, wo sie von Dalton, Cliff Booth (Brad Pitt) und Hund Brandy grausam getötet werden. Am Schluss wird der überrumpelte Dalton von Nachbarin Sharon Tate dazu eingeladen, mit ihr und ihren Gästen Jay Sebring, Wojciech Frykowski und Abigail Folger zu feiern. Diese Kontakte werden Daltons Schauspielkarriere höchstwahrscheinlich zu neuem Schwung verhelfen.

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Quentin Tarantino: Alle 9 Filme des Kult-Regisseurs im Überblick

Die wahren Ereignisse

Bei dem von Tarantino abgewandelten Ereignis handelt es sich um die sogenannten Tate-Morde, die am frühen Morgen des 9. August 1969 stattfanden. Alle im Finale gezeigten Personen gab es tatsächlich, mit Ausnahme von Rick Dalton, dessen Frau Francesca sowie Stuntman Cliff Booth, die frei erfunden sind.

Die vier Mitglieder der Manson Familie Tex Watson, Susan Atkins, Linda Kasabian und Patricia Krenwinkel wurden deshalb nicht von ihrem ursprünglichen Plan abgehalten, in das Anwesen von Sharon Tate einzudringen. Kasabian türmte damals nicht, sondern wartete stattdessen in der Einfahrt. Auf dem Grundstück richteten die drei verbliebenen Manson-Jünger dann ein echtes Blutbad an und töteten die schwangere Tate, Jay Sebring, Wojciech Frykowski, Abigail Folger und den 18-jährigen Steven Parent mit Messerstichen und Schusswaffen.

Alle Killer konnten ungesehen türmen und wurden am 16. August bei einer Razzia auf der Spahn Movie Ranch festgenommen. Die Untersuchung wurde jedoch wegen Diebstählen und Brandstiftung anberaumt, nicht wegen der Morde. Erst als Susan Atkins am 6. November 1969 vor einer Mitgefangenen damit prahlte, gemeinsam mit drei weiteren Mitgliedern der Manson Family die Tate-Morde begangen zu haben, kamen die wahren Täter ans Licht.

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„Once Upon a Time in Hollywood“ & „Mindhunter“: Die wahre Geschichte von Charles Manson

Warum hat Tarantino die Geschichte korrigiert?

Die Tate-Morde waren nicht nur eine menschliche Tragödie, sie markierten auch das Ende einer ganzen Ära – und das praktisch über Nacht. Panik griff um sich, die Waffenverkäufe schnellten in die Höhe und namenhafte Stars ließen sich nun rund um die Uhr von Wachpersonal bewachen. Zudem war angesichts des Massakers niemand mehr nach Cocktailempfängen zumute.

Hollywood hatte seine Unbeschwertheit verloren und wurde fortan von den Morden überschattet. Allgemein wird diese Zeit als das Ende des alten Hollywoods angesehen. Es ist durchaus verständlich, dass ein leidenschaftlicher Filmemacher wie Tarantino, der zudem im Los Angeles der 60er Jahre aufwuchs, dieses düstere Ende von Hollywood in seinem Film abgeändert hat.

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