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Fakten und Hintergründe zum Film "Once"

Kino.de Redaktion |

Once Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Produktionsnotizen

John Carney, Autor und Regisseur von ONCE, bezeichnet sich selbst als einen großer Verehrer klassischer Musicals der goldenen 50er Jahre. Doch wer ONCE für ein solches hält, der irrt. Sehr wohl beinhaltet ONCE traditionelle Elemente eines Musicals, und trotzdem ist es Carney gelungen, alle bisher dagewesenen Musikfilme ganz neu zu interpretieren. Verknüpft mit dem Wunsch, konventionelles Filmemachen außer Acht zu lassen, ist ONCE ein moderner Musikfilm, der seines gleichen sucht.

„Ich habe schon ein paar Filme und TV-Shows gemacht, doch hatte ich zeitweilig Schwierigkeiten, ein traditionelles, 90-seitiges Drehbuch zu verfassen, in das Produzenten ihr Geld stecken wollen“, erklärt Carney. „Dieser Prozess ist langweilig, und ich bin seiner einfach überdrüssig geworden. Ich wollte etwas anderes schreiben, weg von einem normalen Drehbuch, etwas mit viel Musik.“

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Da kam es Carney nur gelegen, dass er Anfang der 90er Jahre als Bassist in der Dubliner Band The Frames mitspielte. Dadurch wusste er auch um die Kraft eines Liedes, das manchmal mehr aussagt als ein ganzer Dialog. Mit diesem Leitfaden vor Augen und Ohren machte er sich auf die Suche nach einer Geschichte, die sich in nur etwa zehn Seiten ausdrücken lässt: „Ein zweieinhalb Minuten langes Musikstück ist ausdrucksstärker als eine 24 Stunden lange Unterredung mit, sagen wir mal, einer Frau. Da kann man reden, reden, reden …“

Bewusst wollte Carney von Anfang an vermeiden, dass ONCE lediglich eine Hommage an die klassischen Tanz- und Musikfilme wird. Weder sollte es aneinander gereihte Szenen geben, in denen die Hauptdarsteller das jeweilige Ende mit einem Lied anfangen, noch wollte Carney, dass ONCE eine oberflächliche Imitation oder abgedroschene Interpretation des Genres wird. Carney stellte sich zwei Fragen: Was hat ein modernes Musical? Wo beginne ich? „Unter keinen Umständen wollte ich eine Handlung, die schmalzig ist. Also: Verkäufer begegnet Taxifahrerin, sie treffen sich des Nachts und singen vor seinem Geschäft“, gesteht Carney. „In den 60er, 70er und 80er Jahren versuchten sich einige Regisseure an Musical-Verfilmungen, die jedoch meiner Meinung nach allen Ursprungswerken zu sehr ähnelten.“

Carney stellte sich noch eine Frage: Wie also sieht ein modernes Arthouse-Musical aus, das sich zwar von herkömmlichen Produktionen beeinflussen, aber den Zuschauer vergessen lässt, dass er sich ein solches anschaut? „Genau das war die Herausforderung. Ein modernes, kleines Musical zu schaffen, bei dem das Publikum nicht genervt auf Musikszenen reagiert. Nach dem Motto, nun singen sie wieder und tanzen gleich auf den Stühlen. Vielmehr sollten die musikalischen Inhalte das Lebensumfeld der Hauptfiguren integrieren, was wir erreichten, indem wir an musikbezogenen Schauplätzen wie in einem Klaviergeschäft oder Aufnahmestudio drehten. Es ging mir darum, ein Kunststück zu schaffen, das die Lieder, vereint mit den zwei Hauptpersonen, gleichermaßen in den Vordergrund rückt; ich wollte ein paar grobe Szenen, Storylines und Figuren und damit einfach anfangen.“

Das detaillierte Erschaffen der beiden Hauptfiguren für ONCE wurde zu einem Teil von Carneys morgendlicher Routine. „Monatelang, eigentlich jahrelang, saß ich oftmals mit Kaffee und einer Zigarette draußen beim Frühstück, spielte auf meiner Gitarre Songs und überlegte dabei, welchen Film ich drehen könnte, der all diese Lieder vereint“, erinnert er sich. „So kam mir die Idee von einem Straßensänger und einer Pianistin, die nicht nur singen können, sondern auch Komponisten sind, eben ernsthafte Musiker. Deshalb fällt es ihnen leicht, sich gegenseitig die eigenen Kompositionen vorzuspielen und dabei zu singen.“

Die Story zieht sich durch Carneys Geburtsstadt Dublin, in der der Liedermacher und Gitarrist Glen Hansard (The Frames) und die tschechische Einwanderin und Pianistin Markéta Irglová (selbst Musikerin aus Tschechien, die bereits mehrmals mit Hansard zusammen arbeitete) die Hauptrollen spielen. Trotz Carneys ehemaliger Bandzugehörigkeit zu The Frames und seiner Zusammenarbeit mit Hansard, der für Carney schon seit längerem Songs für ONCE komponierte, dachte er ursprünglich bei der Besetzung nicht an Hansard und Irglová. Seine Wunschbesetzung des Straßenmusikers war der irische Schauspieler Cillian Murphy.

„Als Cillian Murphy die Rolle ablehnte“, erklärt Carney, „sprach ich viel mit Glen über ONCE, denn entweder komponierte er gemäß meiner Skriptvorlagen Songs oder ich schrieb Dialoge nach seinen Kompositionen. Dann, nach einer Weile, dämmerte es mir, dass Glen die ideale Besetzung ist. Er fühlt die Lieder wie kein anderer Schauspieler, weil es seine Kompositionen sind. Deshalb ist er natürlich in der Lage, die Inhalte der Musikstücke schauspielerisch viel besser umzusetzen als jeder andere Mime.“

Dass Glen Hansard in Alan Parkers Film Commitments (1991) nach dem gleichnamigen Buch von Roddy Doyle den Part von Outspan spielte, war für Carney nicht weiter ausschlaggebend. Vielmehr bestand er darauf, dass Hansard mehr als bloß schauspielerische Erfahrung mitbrachte. „Glen ist ein unheimlich charismatischer Typ. Er ist natürlich, nicht angestrengt, sondern gibt sich locker, und dass er eben kein echter Schauspieler ist, ist nur von Vorteil. Ich mag es, mit Laien zu arbeiten, denn sie geben alles. Sie riskieren Kopf und Kragen für dich. Wohl aus dem Grund heraus, dass sie vielleicht nie wieder einen Film drehen werden.“

Für Hansard, der aus seiner Zeit als Straßenmusiker Anekdoten zu ONCE beisteuern konnte und plötzlich vom Komponisten zum Star des Films avancierte, war es ebenso eine Frage des Vertrauens, mit Carney zu arbeiten. „John und ich begegneten uns über die Jahre hinweg immer wieder“, erinnert sich Hansard. „Mich beeindruckte sein Feinsinn, die Filme und Musiken, die er mochte, hinterließen jedes Mal in mir eine tiefgehende Wirkung.“ Während der gemeinsamen Zeit bei The Frames lernten Hansard und Carney, einander zu verstehen und wertzuschätzen.

Zu der Zeit, als Hansard die Rolle des Musikers angeboten wurde, war Markéta Irglová, auf den Rat von Hansard hin, bereits gecastet. Doch als Cillian Murphy ausstieg, hing „alles in der Luft“, so Hansard. „Die Idee einzuspringen, verwarf ich gleich wieder, weil ich mich kein zweites Mal als Schauspieler sehen wollte. Aber es war Johns Film und außerdem eine Low-Budget-Produktion, und weil ich seiner Ästhetik vertraute, dachte ich, es könnte vielleicht doch gut sein. Na, wie ich schon ahnte, fragte mich John dann auch, ob ich mir vorstellen könnte, die Rolle zu übernehmen. Woraufhin ich nur antwortete: ‚Du hast mich also die ganze Zeit an der Nase herumgeführt!’“, scherzt Hansard. „Ich glaubte nämlich, dass John bei der Besetzung schon die ganze Zeit über an mich dachte. Ich sagte also nein, doch John meinte, ich sollte es mir noch mal überlegen.“

Nach einer Bedenkzeit stimmte Hansard zu, an der Seite von Markéta Irglová den männlichen Part zu spielen. „Markétas Rolle war von vorn herein so angelegt, dass sie entweder eine Immigrantin oder eine im Ausland Geborene ist. Voraussetzung war immer, dass beide Charaktere vom überdurchschnittlichen Wirtschaftswachstum Irlands in den 90er Jahren nicht profitieren“, erklärt Carney.

Trotz des beispiellosen Wachstumsphänomens, welches die Iren den „Celtic Tiger“ nennen, beobachtete Carney, das nicht alle Bevölkerungsschichten der neuen Konsumgesellschaft verfielen und es noch einige gab, die den bohemen Lebensstil, der zuvor in weiten Teilen des Landes verbreitet war, bevorzugten. „Es gibt in Irland noch Gruppen von Menschen, die wie in den 80er Jahren leben“, erklärt er. „Ich wollte ebenso einen Film über diese Außenseiter machen. Wenn ich heute das Leben in Dublin beobachte, dann muss ich mich oftmals kneifen, damit ich mich an die Menschen erinnere, denen es nicht ausschließlich um Geld, Sportwagen und andere Besitztümer geht.“

In einer mit Geld überschwemmten Stadt stehen die beiden Charaktere im Abseits. Ein armer Straßenmusiker, der sich zusätzlich als Staubsaugermechaniker mühsam durchschlägt, und eine Immigrantin, die noch weniger besitzt als er. „Genauer betrachtet ist sie obdachlos, ohne Habe, ohne Stellung“, erklärt Carney. „Es ging aber nicht darum, das Leben einer Immigrantin zu zeigen, sondern einer talentierten Komponistin und Pianistin in einem fremden Land, in dem sie sich noch nicht einmal ein Klavier kaufen kann.“ Carney insistiert, dass Markéta Irglová keineswegs Vorbild stand, als es darum ging, den Hintergrund für die weibliche Hauptrolle zu erarbeiten. „Es war ein regelrecht natürlicher Prozess. So selbstverständlich, dass er mir erst nach einigen Monaten der Zusammenarbeit bewusst wurde“, belächelt er die Ironie des Lebens. „Plötzlich sah ich es ganz klar vor Augen: Markéta und Glen sind die Idealbesetzung. Ich war erleichtert, als die Entscheidung getroffen war, denn das Casting für einen Film kann unglaublich nervenaufreibend und kostspielig sein.“

Die damals 17-jährige Markéta Irglová wusste um das Filmprojekt, doch der Beruf der Schauspielerin war ihr gänzlich fremd. „Ich hatte ein paar von Johns Filmen gesehen und dachte, sie sind cool“, erinnert sie sich. „Plötzlich, eines Nachts, fragte mich Glen am Telefon, ob ich nicht mitspielen möchte. John dachte, es wäre eine gute Idee, sagte er. Ich dachte, er macht Witze!“ Erstaunt sagt sie weiter: „Wie verrückt, denn ich habe noch nie in meinem Leben geschauspielert. Zunächst glaubte ich, John würde bestimmt noch jemanden finden. Doch ich muss gestehen, der Gedanke, in einem Film mitzuwirken, für den Glen die Musik schreibt, war unglaublich reizvoll, denn ich liebe seine Musik“, gesteht sie. „Beim Casting spielte ich für John Klavier und las ein wenig aus dem Drehbuch vor. Das war’s. Wie es scheint, gefiel es ihm …“, lacht sie.

Nachdem die Besetzung der Hauptrollen endgültig feststand, konnte Carney sich um die Zusammensetzung seiner Crew kümmern, die hauptsächlich aus Kollegen und Freunden bestand, deren Fähigkeiten er bei vorherigen Zusammenarbeiten schätzen gelernt hatte. „Die Filmcrew war fantastisch, alles Leute, die ich kannte, denen ich vertraute“, erklärt Carney. „Ich wusste, dass sie ihr Bestes geben und verstehen würden, dass ONCE kein konventioneller Film werden würde. Ich fühlte mich wie 16, ausgerüstet mit Camcorder, guten Freunden und ein paar Liedern im Repertoire. Genau diese herzliche und ungezwungene Stimmung werden auch die Zuschauer spüren. Sie werden merken, dass der Film wahrhaftig ist.“

Filme zu produzieren ist mitunter eine relativ entmutigende Angelegenheit. Im Fall von ONCE erfuhr John Carney aber genau das Gegenteil, bewegte er sich doch in einem ihm wohl bekannten Umfeld. „Ich kenne Samson Films schon seit Jahren“, erklärt er. „Als ich die Idee zum Film hatte, dachte ich an verschiedene Möglichkeiten, ihn zu produzieren. Als dann feststand, dass ich unbekannte, oder besser gar keine Schauspieler besetzen würde, ging ich zu Samson Films und sagte: ‚Hier habe ich ein ungefähres Drehbuch, dazu einige Songs, seid ihr an Bord?’ Sie stimmten zu.“ Carney erklärt außerdem: „Mit Martina Niland (Produzentin) und David Collins (Ausführender Produzent) verbindet mich eine gute Freundschaft. David und ich haben bereits mehrmals kooperiert, was den Vorteil hat, dass ich mich nicht immer wieder aufs Neue erklären muss. Ich glaube, ihm gefiel nicht nur das Projekt, sondern auch die Aussicht, mit mir wieder zusammen zu arbeiten. Samson Films ist für Projekte mit wenig Budget ideal, denn David Collins ist in seinem Leben an einem Punkt angekommen, an dem er sich nichts mehr beweisen muss; er macht, was er will. Es war ein sehr entspanntes Arbeiten.“ Dieser Meinung schließt sich Produzentin Martina Niland an und fügt hinzu: „Im Hinblick auf Johns Ausführungen ONCE umzusetzen, haben wir uns auf eine simple Form des Filmemachens beschränkt und Bürokratie sowie andere Komplikationen vermieden, damit sich jeder von uns hundertprozentig auf die Filmarbeit konzentrieren konnte. Eben das werden die Zuschauer auch bemerken.“

Die Dreharbeiten zu ONCE dauerten zwei Wochen. „Das war superschnell“, erinnert sich Glen Hansard, der keinesfalls mit dem Gedanken spielt, sein Leben als Musiker für eine Filmkarriere aufzugeben. „Als ich Commitments drehte, musste ich auch viel arbeiten, aber dass ich am Ende des Tages so fertig war, daran konnte ich mich nicht erinnern! Wir haben von morgens um sechs Uhr bis abends voll durchgearbeitet, so was saugt dir das Blut aus den Adern. In einer Band zu spielen ist um vieles einfacher. Da steht man gegen Mittag auf, fährt zum Flughafen, fliegt in ein anderes Land, der Soundcheck ist so um fünf oder sechs Uhr, die Türen gehen um acht auf und um neun geht’s auf die Bühne. Das ist alles ganz locker.“

Ähnliches machte Markéta Irglová durch, die, wie sie zugibt, „vermischte Gefühle bezüglich der Dreharbeiten“ hatte, weil sie so „anstrengend“ waren. „Schauspielerei heißt ein guter Lügner zu sein. Selbst wenn man morgens mit persönlichen Problemen aufwacht, kann man sich ihnen nicht widmen, sondern muss seine Rolle so überzeugend spielen wie möglich. Auch wenn man überhaupt nicht so empfindet, weil man den Kopf mit anderen Dingen voll hat. Das waren anstrengende Tage. Mit Musik machen ist es kaum zu vergleichen.“ Schließlich fand sie Gefallen an der neuen Erfahrung. „Es war toll, so vielen neuen Menschen zu begegnen, mit ihnen zu arbeiten und dann den Film anzuschauen“, sagt sie. „Mit ONCE haben wir einen kunstvollen Film zustande gebracht, und wenn ich zurückblicke, denke ich, haben wir etwas Ausgezeichnetes geschaffen.“

Offensichtlich sind die Musikstücke wichtige Elemente von ONCE. Dass letztendlich Glen Hansard und Markéta Irglová die Rollen des Musikers und der Immigrantin besetzten, bereicherte nicht nur die Figuren mit unterschiedlichen Gefühlsebenen, sondern ebenso die Lieder, welche sie gemeinsam aufnahmen. John Carney bezeichnet Hansard als „guter Liederschreiber“, weil seine Stücke niemals wortwörtlich zu nehmen sind. „Vielmehr sind sie Abbilder, Darstellungen, Ideen und Zeitmomente. Wie viele gute Songs sind sie ziemlich vage, offen für jegliche Interpretationen; Gedichte, die zunächst belanglos sind, die aber plötzlich die Welt bedeuten, wenn man erfährt, was sie beschreiben. Seine Musik malt kleine Bilder, nach denen ich dann bestimmte Rollen für ONCE anlegte. Manchmal war es aber auch andersherum. Ich skizzierte Glen Ideen für eine Szene, und er schrieb den passenden Song dazu. Viele Lieder, die Glen beisteuerte, hatte er vorher schon in seinem Repertoire, aber irgendwie passten sie zum Film.“ Für Glen Hansard ist ONCE gleichbedeutend mit einer außergewöhnlichen Erfahrung: „Ich bin unheimlich stolz auf ONCE. Nicht nur, weil wir es geschafft haben, sondern auch, weil der Film meine Musik irgendwie unsterblich macht. Das ist wunderbar.“

Drehbuchautor und Regisseur John Carney verbindet mit ONCE eine ganz persönliche Erfahrung. Für Carney, der sich zuletzt als Koautor und Regisseur für die erfolgreiche Fernsehserie „Bachelors Walk“ auf RTÉ (Staatlicher Irischer Fernsehsender) verantwortlich zeigte, markiert ONCE sein Comeback zum Film. „Erfahrung zu haben, ist gut. Es ist leichter, Menschen davon zu überzeugen, dir zu vertrauen“, erklärt Carney zurückblickend auf die Produktion. „Ich war damals in einer ganz bestimmten Phase meiner Karriere. Erst war ich Filmemacher, aber dann zog es mich zum Fernsehen. Als ich wieder ins Filmgeschäft wollte, fand ich es schwer, einen Film in Gang zu bekommen; ich war mir unsicher. ONCE hat nichts mit einem Karriereschritt zu tun, sondern mit der Entscheidung, mich in der Kunst des Filmemachens von Grund auf wieder neu beweisen zu wollen.“

Interview mit Glen Hansard

Wie war die Zusammenarbeit mit Ihrem Freund John Carney, dem Regisseur von ONCE?

John und ich kennen uns seit Jahren, er gehört sozusagen zur Familie. Ich weiß, welche Regisseure und Filme er mag und um was es ihm beim Filmemachen geht. Unsere Zusammenarbeit war deshalb ein sehr natürlicher Prozess, denn wir konnten uns gegenseitig inspirieren.

Hatten Sie Angst, dass Sie seinen Erwartungen nicht entsprechen würden?

Natürlich hatte ich Vorbehalte. Er musste mir versprechen, dass er mich und Markéta rauswirft, wenn wir seinen Ansprüchen nicht genügen würden. (lacht)

Konnten Sie während der Dreharbeiten Ihre eigenen Ideen einbringen? Waren Sie frei zu improvisieren?

Ja, sehr sogar. Als das Drehbuch fertig war, gab es manchmal keinen Anlass, sich an das Geschriebene zu halten. Die Szene, in der Markéta und ich im Bus nach Hause fahren, ist frei erfunden. Ursprünglich waren zwei Seiten Dialog vorgesehen, doch als John merkte, dass unsere schauspielerischen Leistungen zu mager sind, fing ich einfach an, auf meiner Gitarre zu improvisieren. So entstand der Song “Broken Hearted Hoover Fixer Sucker Guy”. Es kam öfter vor, dass Markéta und ich manche Dialoge einfach zu steif sprachen, dann sagte John schon gleich von sich aus, dass es besser wäre, wenn wir es in unseren Worten ausdrücken.

Ist der Charakter an Ihr Leben angelehnt?

Ja, ich war 13 Jahre alt, als ich durch die Straßen Dublins zog. Fünf Jahre lang traf ich viele seltsame Menschen! (lacht)

Wie entwickelten Sie die Songs zum Film?

Das war einfach. Meine Rolle als Straßenmusikant habe ich schnell begriffen, nicht zuletzt, weil ich selbst fünf Jahre lang einer war. Deshalb konnte ich meinen Stil, Lieder zu komponieren, beibehalten. Ich musste mich nicht verstellen. Außerdem vertraute ich auf die Meinung von John, was bestimmte Hooklines betraf.

Sicherlich konnten Sie ihm auch deshalb vertrauen, weil er damals Mitglied Ihrer Band The Frames war …

Richtig. Seit ich John kenne, bemängelt er Filme, die nur 40 Sekunden eines Songs spielen und nicht die ganze Version. Seiner Meinung nach muss der ganze Song zu hören sein. (lacht) Das ist natürlich eine extreme Ansichtsweise und oftmals eben nicht möglich. Im Nachhinein finde ich es bewundernswert, dass er keinen unserer Songs kürzte, das war mutig.

Sie sind seit über 15 Jahren Bandleader der irischen Rockband The Frames. War ONCE eine willkommene künstlerische Abwechslung?

Ja, der Film kam wirklich zur rechten Zeit in mein Leben. Ich bin dankbar für meine bisherigen Erfolge mit den Frames, doch mit ONCE habe ich es geschafft, ein völlig neues Publikum zu erspielen. Es war naiv von mir zu denken, dass der Film zwar sein Publikum finden, aber dann auch schnell wieder in Vergessenheit geraten würde. Seit ONCE wissen die Leute, wer The Frames sind, wir verkaufen mehr CDs und Tickets als je zuvor. Danke, John!

Was hat sich durch den unerwarteten Erfolg verändert?

Wir werden jetzt nicht die größten Rockstars oder Filmstars werden. Berühmtsein finde ich so gut wie gar nicht anziehend, das ist eine eher abstoßende Vorstellung. Ich freue mich aber, wenn wir mehr Platten verkaufen und meine Musik von mehr Leuten gehört wird.

Warum, glauben Sie, ist ONCE mit einem Budget von gerade mal 130.000 EURO so erfolgreich?

Das ist wirklich schwer zu sagen! Vielleicht, weil ONCE niemandem etwas vormachen will. Der Film ist so, wie wir ihn wollten, ohne Beteiligung eines Studios, das vielleicht lieber ein Happy End gesehen hätte. Ich vergleiche ONCE mit einem französischen Film, der aber in Dublin spielt und ein bisschen wie ein Film Noir wirkt. ONCE ist authentisch. Der Plan war eigentlich, dass wir mit dem Film durch die kleinen Kinos Irlands ziehen, anschließend Konzerte geben und möglichst viele DVDs an das Publikum verkaufen können. (lacht) Daran können Sie sehen, wie unglaublich einfach wir den Erfolg von ONCE einstuften.

Wie reagiert das Publikum, wenn Sie mit Markéta live den Soundtrack von ONCE vorspielen?

Die Tatsache, dass wir wirklich Musiker und auch ein Paar sind, ist für einige Menschen komisch. Aber was zwischen den beiden Charakteren im Film passiert, ist meiner Begegnung mit Markéta sehr ähnlich. ONCE ist deshalb vergleichbar mit einer Dokumentation unseres Lebens. Ich glaube, darauf reagieren viele Menschen positiv, denn wir spielen nur uns selbst.

Wie haben Sie Markéta getroffen?

Markétas Vater ist ein relativ bekannter Konzertpromoter in Tschechien. Als er vor sechs Jahren mein Konzert in Prag betreute, lud er mich und die Band in sein Haus ein. Wir saßen im Garten, ich machte Musik und Markéta spielte Klavier. Damals war Markéta 13 Jahre alt. Ihr Vater und ich befreundeten uns, und über die Jahre hinweg besuchte ich ihn immer mal wieder und nutzte die Urlaube vor Ort, um Songs zu komponieren. Markéta half mir beim Komponieren und begleitete mich auf dem Klavier.

Wie hat sich Ihrer Meinung nach seit dem wirtschaftlichen Boom Anfang der 90er das gesellschaftliche Umfeld Irlands verändert?

Irland war jahrhundertelang vom Rest der Welt abgeschnitten. Wir sind eine weiß-katholische, unterdrückte Nation, bereisten die Welt, exportierten Dichterkunst und Liedergut, doch niemand schien Irland als Reiseziel zu sehen. Der ökonomische Aufschwung zog plötzlich viele Auswanderer aus Bosnien, Polen, Tschechien, Rumänien und sogar Nigeria an. Obwohl wir Iren generell Besucher willkommen heißen, stelle ich zu meiner Enttäuschung eine Art Ausländerfeindlichkeit fest. Der Staat greift in der Einwanderungspolitik hart durch. Es fühlt sich fast amerikanisch an, denn wir erlauben, dass uns der Wirtschaftsaufschwung in ein kleines Imperium verwandelt. Das ist falsch. Ich glaube, wir wissen gar nicht, was wir mit dem vielen Geld anstellen sollen, außer Luxusautos zu kaufen und auf jedem freien Stück Land Häuser zu bauen, selbst wenn dafür Kulturdenkmäler abgerissen werden. Es gibt mehr Häuser als Menschen! Irland ist eine einzige Baustelle. Selbst vor Kulturdenkmälern, die älter sind als ägyptische Pyramiden, wird kein Halt gemacht. So etwas würde es in Deutschland nie geben. Verglichen mit anderen EU-Ländern ist das Leben in Irland am teuersten. Geldgier hat uns in Schweine verwandelt. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich liebe mein Land, doch ich glaube, wir sind alle benommen vom vielen Geld.

Was inspiriert Sie am meisten?

Das Leben an sich, Freunde, Familie, Liebende.

Hat ONCE eine Moral?

ONCE ist eine gesungene Liebeserklärung an Dublin, und zwar an die Stadt, in der ich aufwuchs, nicht die, wie sie heute ist. Deshalb drehten wir an Orten, die nicht überteuert sind; wir mieden das moderne Dublin. Als der Straßensänger die Immigrantin kennen lernt, fragt er sie nicht nach ihrer Herkunft, es ist ihm egal. Wenn es eine Moral gibt, dann die, dass alle Menschen gleich sind.

Welche Projekte liegen in der Zukunft?

Markéta und ich werden bis Mitte kommenden Jahres durch Europa und die USA touren. Danach belege ich einen Filmkurs in New York und gehe auf Tour mit meiner Band The Frames.

Interview mit Markéta Irglová

Was haben Sie sich von Ihrer ersten Filmerfahrung erwartet?

Ehrlich gesagt wusste ich nicht, was ich erwarten sollte. Weder war ich jemals auf einem Filmset noch habe ich je vor laufender Kamera geschauspielert. Ich hatte keine Ahnung, was da auf mich zukam. Überrascht habe ich allerdings festgestellt, dass beim Filmemachen nicht nach zeitlicher Abfolge gedreht wird. Das fand ich etwas verwirrend.

Haben John und Glen Ihnen Ratschläge gegeben?

Ja. John meinte, ich sollte so natürlich wie möglich sein, mich bloß nicht verkrampft an den Dialog halten, sondern einfach improvisieren, wenn ich nicht weiter wüsste. Er stellte sogar die Kamera so weit aus unserem Blickfeld, dass wir uns ihrer Anwesenheit nicht bewusst wurden (lacht). Jedes Mal, bevor wir eine Szene drehten, reichte er uns zur Beruhigung eine Tasse Tee und erklärte ausführlich, was er von uns als Schauspieler erwartet. Das machte vieles leichter.

Was ist Ihnen während der Dreharbeiten am schwersten gefallen?

Das waren die Szenen auf der Straße. Glen ist in Irland sehr bekannt. Jedes Mal, wenn wir draußen drehten, versammelten sich viele Menschen um uns herum. Und für mich, die sehr schüchtern ist, war das eine Doppelbelastung. Auf einmal beobachteten mich außer der Filmcrew Hunderte von anderen Menschen.

Wirkte es sich zum Vorteil aus, dass Sie und Glen schon vor Beginn des Films befreundet waren?

Ja, sehr. Im Nachhinein bin ich froh, dass Cillian die Rolle ablehnte, denn mangels meiner schauspielerischen Erfahrungen wäre er sicherlich ungeduldig mit mir geworden. Deshalb war ich ungemein erleichtert, als Glen an Bord kam. In seiner Anwesenheit kann ich mich entspannen und so sein, wie ich bin. Allerdings war es seltsam, vor der Kamera unsere Freundschaft herunter zu spielen und so tun, als ob wir uns überhaupt nicht kannten.

Wie kamen Sie mit dem Druck zurecht, der auf Ihnen lastete?

Ich war natürlich sehr nervös, vergleichbar mit dem ersten Tag Schule. Jeder kennt das Gefühl. Doch was hätte ich machen sollen? Wegrennen und meine Freunde im Stich lassen, kam offensichtlich nicht in Frage. Also versuchte ich, keine Angst zu zeigen, denn das verschlimmert ja viele Situationen nur noch mehr. Nachdem John das erste Footage sah, rief er uns ganz begeistert an, und meinte, dass wir uns keine Gedanken machen sollten, unsere Chemie stimmt. Ab da war ich entspannter und ich fing an, die Drehtage zu genießen.

In welchen Situationen haben Sie sich außerdem unwohl gefühlt?

Bei jedem Dreh wird einem das Gesicht gepudert oder an der Kleidung gezupft, und wenn es regnet, wird einem der Schirm gehalten. Es mag ja sein, dass richtige Schauspieler diese Behandlung erwarten, ich dahingegen finde es beklemmend, wenn sich permanent so viele Menschen um mich bemühen.

Würden Sie denn weiter schauspielern, wenn sich die Gelegenheit ergibt?

Sagen wir mal so: Ich habe diesen Beruf nie als mögliche Karriere betrachtet, aber wenn mir eine gute Rolle angeboten wird, würde ich nicht nein sagen.

Wie war die musikalische Zusammenarbeit mit Glen?

Glen kam oftmals zu mir nach Tschechien geflogen, um Songs für den Film zu schreiben. So ergab es sich, dass wir zwei Lieder zusammen komponierten und ich noch einen Song alleine schrieb.

Als Sie Glen das erste Mal trafen, waren Sie 13 Jahre alt. Was mochten Sie an ihm?

Glen hat mich sofort fasziniert, weil er anders war als die Menschen, die ich bis dahin getroffen hatte. Er offenbarte mir eine ganz neue Welt, indem er mir interessante Bücher und Filme vorstellte und mich dazu anhielt, meine eigene Musik zu schreiben. Das war sehr wichtig, denn bis dahin spielte ich ausschließlich klassische Musik. Außerdem glaube ich, dass die Iren und Tschechen Seelenverwandte sind. Beide Völker sind freundlich, genügsam, ausgelassen und trinken gerne (lacht). Wir haben ein Sprichwort: In jedem von uns steckt ein Musiker. Und wenn man in Irland zum Essen bei Freunden eingeladen wird, dann geht die Gitarre herum, und jeder spielt ein Lied. Ja, ich glaube, wir haben mit den Iren sehr viel gemeinsam.

Sie leben in Dublin. Fühlen Sie sich wie eine Immigrantin?

Nein, im Gegenteil, als ich das erste Mal nach Dublin kam, gab mir die Stadt ein Gefühl von Sicherheit. Während meiner Besuche bei Glen habe ich mich gleich mit so vielen Menschen gut verstanden, dass es mir sofort das Gefühl von einem neuen Zuhause gab.

Was haben Sie in Zukunft vor?

Bis nächsten Sommer toure ich mit Glen durch die Lande. Was danach passiert, weiß ich noch nicht. Ich bin ja letztes Jahr erst mit meiner Schule fertig geworden. Eigentlich wollte ich mir ein Jahr frei nehmen und durch die Welt streifen, aber dann kam der Film dazwischen. Momentan mache ich mir nicht großartig Gedanken oder Sorgen. Die Zukunft wird schon das Richtige bringen.

John Carney über die Entstehung der Filmidee

„Die Gespräche starteten vor ungefähr zwei Jahren, während The Frames in Dublin ein Konzert gaben. Als Regisseur mit musikalischer Vergangenheit wollte ich schon immer einen Film machen, der kein klassisches Musical ist, aber dennoch über eine Reihe von Liedern eine moderne, einfache Liebesgeschichte erzählt. Anfänglich gab es ein paar Ideen, die ich aber gleich wieder verwarf, weil sie zu verkrampft daher kamen. Ich wollte eine einfach strukturierte Handlung, die Songs einbindet, und die ein modernes Publikum als Musical akzeptiert. Letztendlich entschied ich mich für einen Straßensänger in Dublin, jemanden, der nichts besitzt, folglich auch nichts verlieren kann.

Ich entwickelte eine simple Liebesgeschichte, in der es vordergründig um ein Paar geht, und bat Glen Hansard (Sänger in der Band The Frames), Songs für den Film zu komponieren, die gleichfalls als Vorlage für das Drehbuch dienten. Über einige Monate hinweg tauschten wir Ideen aus und entwickelten zehn Songs und ein 60 Seiten langes Drehbuch. Mir war daran gelegen, einen originellen Film zu drehen, so etwas wie eine visuelle Langspielplatte mit einer im Mittelpunkt stehenden, realistischen, modernen Liebesgeschichte.

Heutzutage kann ein drei Minuten langes Lied mehr aussagen als zehn Seiten Dialog. Die Charaktere kommunizieren vielmehr durch die Lieder, als dass über Dialoge durch die Dramatik zum Höhepunkt geführt wird. Trotzdem wird der Spannungsaufbau in drei Akten beibehalten; nur sind diese schwerer erkennbar, wobei die Lieder Hilfestellung leisten.“

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