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Filmhandlung und Hintergrund

Ohnmacht: Tobias Stille erzählt in seinem Debütfilm die bewegende Geschichte eines "entsorgten" Vaters.

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Kritikerrezensionen

  • Martin Brambachs ebenso ergreifende wie uneitle Leistung als entsorgter Vater macht diesen Film zu einem herausragenden Regiedebüt.

    Dieser Film kann gar nicht anders: Er muss polarisieren. Die einen werden Mitleid mit Klaus Schneider haben, weil sie seinen Zorn nachvollziehen können. Die anderen werden sich empören über den Polizisten, der gewaltsam ins Haus seiner Ex-Frau eindringt und ihren neuen Freund bedroht.

    Es ist vor allem die außergewöhnliche Leistung Martin Brambachs, der das Regiedebüt von Tobias Stille seine Intensität verdankt. Brambach gehört zu den vielen großartigen deutschsprachigen Schauspielern aus der zweiten Reihe, ein typischer Charakterdarsteller: Er kann einer Figur mit ein, zwei Auftritten Konturen geben, darf aber viel zu selten tragende Rollen spielen. Der grobschlächtige Schneider ist wie geschaffen für ihn: ein zutiefst verletzter Mann, der Sehnsucht und Sorgen hinter Unnahbarkeit und Ruppigkeit verbirgt. Sinnbildlich für die enorme Leere in Schneiders Leben sind die Gespräche mit der Prostituierten Angie (Katerina Medvedeva): Die einzigen Gefühle, die seine Mitmenschen für ihn übrig haben, sind käuflich.

    Von einem Tag auf den anderen aber bekommt Schneiders Dasein einen neuen Sinn: Rumänische Klaukinder haben sein Apartment leergeräumt. Sie werden zwar gefasst, aber da sie noch nicht strafmündig sind, muss die Polizei sie wieder laufen lassen. Schneider, seit der Scheidung ohnehin durch den Wind, zumal ihm seine Frau auch noch den Umgang mit dem gemeinsamen Sohn unterbindet, heftet sich an die Fersen der Kinder und schnappt sich Sherban (Radu Nedela). Er hofft, über ihn an die Hintermänner zu kommen. Langsam fasst der Junge Zutrauen zu seinem Kidnapper; für Schneider wiederum wird Sherban zu einem Ersatzsohn.

    Dank Brambachs konsequentem Verzicht auf Eitelkeiten aller Art konnte Stille die Geschichte so realistisch wie möglich verfilmen. Einmal allerdings setzt er einen optischen Kontrapunkt: Als sich die beiden „Familien“ – hier Schneider und Sherban in Begleitung von Angie und ihrer Tochter, dort seine Ex-Frau samt Sohn und Freund – auf der Kirmes begegnen, implodiert der Film regelrecht; die zerdehnte Szene spiegelt auf berührende Weise Schneiders Seelenzustand wider. Das Drama würde aber auch ohne die emotionale Biopsie funktionieren: weil es Brambach gelingt, diesen dünnhäutigen Typen, der schon bei alltäglichen Herausforderungen in die Luft geht, gleichzeitig abschreckend und anziehend zu verkörpern. Wie es Stille schafft, die an sich deprimierende Geschichte halbwegs positiv enden zu lassen, ist allerdings ebenfalls bemerkenswert. tpg.

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