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Fakten und Hintergründe zum Film "Nur ein Sommer"

Fakten und Hintergründe zum Film "Nur ein Sommer"
Poster Nur ein Sommer

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Ein Gespräch mit Anna Loos über Eva, K&u

Was verbindet Sie persönlich mit Eva?

Loos: Ich finde, sie sieht mir erstaunlich ähnlich. Nein Quatsch, mit Eva verbindet mich Ihre Herkunft, wir stammen beide aus der DDR und Eva ist ein Mensch der nicht schnell aufgibt, auch das hat sie von mir.

Sie selbst kommen aus Brandenburg. In wie weit hat Ihnen das dabei geholfen, sich in Eva einzufinden?

Loos: Ich bin mit 17 aus der DDR in den Westen geflohen, die Problematik sich in einer unbekannten Welt zurecht zu finden ist mir also sehr bekannt.

Wie ist ihr heutiger Bezug zu Brandenburg? Was hat sich verändert?

Loos: Brandenburg ist für mich Heimat, meine Familie und meine Wurzeln sind dort und ich liebe diese Stadt. Auf den ersten Blick ist Brandenburg nicht mehr so grau, es gibt mehr Farbe, mehr Geschäfte, mehr Gerüche alles hat sich verändert. Geblieben aber sind die Menschen und ihr Schlag. Für mich war und ist Brandenburg ein warmer Ort der Geborgenheit, eine kleine, ehrliche Stadt.

Hatten Sie schon mal dieses „Das kann doch nicht alles gewesen sein“-Gefühl so wie Eva?

Loos: Oh ja, sehr, sehr oft. In mir ist immer eine innere Getriebenheit, die mich selten zur Ruhe kommen lässt. Wäre ich ein Instrument, wäre das der Ton auf den ich gestimmt bin. „Nur ein Sommer“ ist inspiriert von den Erfahrungen, die Autorin und Regisseurin Tamara Staudt selbst auf der Alm gemacht hat.

Konnte sie Ihnen Tipps geben und Tricks zeigen, etwa im Umgang mit Einöde, Bergen, Kühen und Käse?

Loos: Das, was Tamara uns gezeigt hat, war ihre Liebe zu dieser ganz besonderen Art des Lebens dort auf einer Alm.

Ihr Umgang mit Kühen sieht unglaublich professionell aus. Hatten Sie schon vorher Erfahrungen mit Melken und Kühen oder mussten Sie eine innere Scheu überwinden?

Loos: Ehrlich gesagt hatte ich ganz schöne Angst, die Almkühe kamen mir anfangs riesig vor und ich hatte null Erfahrung mit Kühen. Allerdings hatten wir genug Zeit und einen wirklich tollen Almbauer, der uns und die Kühe langsam miteinander bekannt gemacht hat. Das Melken und Käse machen, haben wir dort gelernt. Es war bei unseren Dreharbeiten wichtig, alles authentisch drehen zu können. Nach ein paar Monaten hat uns der Bauer den Käse geschickt, den wir dort selbst gemacht haben, damit habe ich meinen Mann ziemlich beeindruckt.

Können Sie sich vorstellen, in der Einöde auf der Alm zu leben? Und sei es auch nur für eine Saison/Jahr?

Loos: Nein eigentlich nicht. Ich hab es dort sehr genossen, aber mich zieht es eher ans Wasser. Ich könnte mir vorstellen mit meiner Familie ein Jahr auf einer Südseeinsel zu verbringen.

Wie gut beherrschen/verstehen Sie nach den Dreharbeiten schweizerdeutsch?

Loos: Wenn die Schweizer richtig loslegen hab ich keine Chance mehr.

Wie muss man sich die Dreharbeiten auf einem Berg vorstellen?

Loos: Kein Strom, kein warmes Wasser, dünne Luft, kein Latte Macchiato aber ein wunderschönes reines Naturerlebnis.

Was haben Sie an neugewonnenen Einblicken und Erfahrungen wieder mit ins Tal genommen?

Loos: Oh, es gab viele Momente, die ich nie vergessen werde. Wir haben mit den Kühen zum Beispiel immer ein wenig länger im Stall gebraucht, als sie normalerweise dort stehen. Das hatte zur Folge, dass die zu einem bestimmten Zeitpunkt immer anfingen sich hemmungslos zu entleeren. Das Filmteam sprang dann immer von links nach rechts, aber am Ende hatte es doch jeden erwischt.

Ein Gespräch mit Stefan Gubser über Berg

„Nur ein Sommer“ hat im Juni 2008 den Publikumspreis beim „Festival des deutschen Films“ gewonnen. Sie haben den Film vor Ort vorgestellt. Was für Reaktionen der Zuschauer kamen Ihnen entgegen? Was hat das Publikum beeindruckt?

Viele waren von der Landschaft beeindruckt, in die diese Geschichte sehr schön eingebettet ist. Dieses Zurück zur Natur, das eine gewisse Sehnsucht auslöst, nach Urtümlichkeit. Weit weg sein, vom alltäglichen Stress der Stadt. Ich habe das ja selbst bei den Dreharbeiten sehr genossen, sechs Wochen auf einem Berg zu sein, 2200m über all der Hektik und dem Stress, der unten im Tal irgendwo in den Städten passiert. Wir hatten ja kaum Handy-Empfang da oben. Und es hat sehr gut getan, mal nicht ständig erreichbar zu sein.

Klingt, als ob Sie sich problemlos auch länger in die Einöde zurückziehen könnten?

Das habe ich auch schon getan. Fast ein Jahr lang habe ich Brasilien in der Pampa gelebt, ohne Strom und fließend Wasser. Ich ziehe mich gern ins so genannte primitive Leben zurück, wo man auf sich selbst zurückgeworfen ist. Für mich ist das eine sehr priviligierte Situation. Wenn man es freiwillig macht, sicher. Aber wie ist das etwa bei Bergbauern, wie

Daniel im Film, die sozusagen beruflich ein halbes Jahr in der Einöde leben?

Ich bin eine Woche, bevor die Dreharbeiten begannen, auf die Alm in die Hütte gefahren. Wir haben ja in einer echten Senn-Hütte gedreht, wo im Sommer gekäst wird. Eine Woche lang habe ich mit dem Besitzer, Walter Schmocker, gelebt. Schmocker verdient mit dem Käse den Unterhalt für sich und seine Familie. Er verbringt tatsächlich ein halbes Jahr ganz allein auf der Alm und sieht seine Frau und seine drei Kinder währenddessen nur sehr selten, weil die ja ein ganz normales Leben mit Arbeit und Schule im Dorf leben. In dieser Woche habe ich schon einen guten Einblick in so ein Leben bekommen und in die Kunst des Käsemachens.

Konnten Sie auch charakterlich ein bisschen was von Schmocker abgucken? War er so introvertiert und schroff wie der Senn, den Sie darstellen?

Introvertiert auf jeden Fall. Schroff würde ich nicht sagen, was vielleicht daran liegt, dass er ja im Herbst und Winter seine Familie um sich hat. Aber man hat ihm schon ein bisschen angemerkt, dass er es durchaus gewohnt ist, mit sich allein zu sein. Ich glaube auch, dass ihm dieses bunte Filmteam, das da plötzlich in seine ruhige Welt platzte, nicht ganz geheuer war. Nach und nach genoss er den Rummel aber schon, nicht zuletzt, weil sein Rat immer sehr gefragt war.

Im Film geht es auf der schweizerischen Alp recht international zu: Eva, die Melkerin, kommt aus Deutschland, Mehmet, der Kuhhirte, ist Mazedonier. Suchen die schweizer Bergbauern tatsächlich im Ausland nach Arbeitern und Helfern?

Ja, das ist wirklich so. Offenbar sind wenige Schweizer bereit, sich dieser völligen Abgeschiedenheit auszusetzen. Und die Arbeit ist zudem sehr hart. Im Ausland finden sich wohl mehr Menschen, die bereit sind, das auf sich zu nehmen. Allerdings dreht sich der Wind in der letzten Zeit wieder etwas. In den letzten Jahren gibt es auch immer mehr Schweizer, die nicht nur ihren Urlaub lieber im Inland verbringen und bergsteigen, sondern auch für eine ganze Saison dableiben und helfen. Dieses zurück-zur-Natur-Gefühl macht sich immer mehr bemerkbar.

Und wie nah ist Ihnen selbst die Natur Ihrer Heimat?

Sehr. Ich bin begeisterter Bergsteiger und Wanderer. Es gibt allerdings eines, das mir immer einen Heidenrespekt abgerungen hat: Kühe. Ein bisschen nervös war ich also schon, als ich auf die Alp musste, zu Schmocker und den Kühen. Aber das hatte sich innerhalb von drei Tagen total gelegt. Schmocker ist so selbstverständlich mit den Tieren umgegangen, hat mir gezeigt, wie man melkt. Danach war dann mein Respekt weg. Im Laufe der Zeit hab ich mich sogar getraut, eine Kuh einfach wegzuschubsen, wenn sie blöd im Weg stand. Für mich persönlich war das schon eine wichtige Erfahrung.

Sie sind also um einige Erkenntnisse reicher nach dem Dreh wieder ins Tal abgestiegen?

Auf jeden Fall. Ich könnte problemlos eine Kuh melken und im Zweifel sogar meinen eigenen Käse machen. Das war ja überhaupt das außergewöhnlichste an dieser Arbeit, dass wir alle nach ein paar Monaten von Schmocker ein Stück von dem Käse geschickt bekamen, den wir selbst da oben fabriziert hatten. Das war toll!

Directors Statement

Mit meinem letzten Film SWETLANA bin ich um das Jahr 2000 durch die „neuen Bundesländer“ getingelt und habe viele kennen gelernt, die auf der Suche nach Arbeit ins Ausland gingen, sich vor und zurück, hin und her schulten, um dann zu hören, dass gerade das, auf was sie umgeschult worden waren, jetzt mal wieder nicht gebraucht würde. Ihre Wohnungen wurden manchmal gesprengt oder „zurück gebaut“, ihre Lebensentwürfe endeten immer öfter in der Sackgasse, und trotzdem machten sie immer wieder neue Entwürfe, besonders die Frauen.

Diese Gespräche haben mich beschäftigt. Wie ist das, wenn plötzlich eine Gesellschaftsordnung von einem auf den anderen Tag nichts mehr wert ist, wenn man nicht mehr so reden sollte, wie es noch gestern von einem erwartet wurde, wenn die Betriebe nacheinander schließen, wenn man von einem Tag auf den anderen sich in einem völlig neuen Gesellschaftssystem wieder findet? Und plötzlich dazu verdammt ist, darauf zu warten, dass irgendeiner einen noch braucht … Diesen Typ von Frau verband ich immer mit der Schauspielerin Anna Loos, mit der ich schon immer einen Film machen wollte.

Zur ungefähr gleichen Zeit in meinem Leben traf es sich, dass ich zwei Sommer lang als Sennerin in den Schweizer Bergen gearbeitet habe. Dort gab es Arbeit genug, aber oberhalb der Baumgrenzen machen die Frauen sich rar … und wenn es zu früh schneit im Jahr, muss man abtreiben, dann gibt es weniger Käse, und das Geld wird knapp den Winter über, und dann steht der Bauer im Winter am Skilift.

Heute reist man der Arbeit hinterher, das wird von einem erwartet im Zeitalter der Jagd nach dem maximalen Profit, im Großen wie im Kleinen. Und so traf ich auf knapp zweitausend Metern Höhe Polen und Deutsche und viele andere Landsleute, die im rauen, stillen und grandiosen Bergsommer der Schweizer Alpen wie in einem babylonischen Sommernachtstraum ihrem kleinen Stück vom Lebensglück hinterher steigen. Und Eva Grünberg ist eine von ihnen.