Novemberkind

Kinostart: 20.11.2008
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Filmhandlung und Hintergrund

Verhaltenes, lebensnahes und berührendes Melodram und Roadmovie durch die Republik und deutsch-deutsche Geschichte.

Inga (Anna Maria Mühe) ist elternlos aufgewachsen und lebt als Antiquarin im mecklenburgischen Malchow. Da taucht im November 2007 Literaturprofessor Robert (Ulrich Matthes) auf, der angibt, ihre Mutter Anne am Bodensee getroffen zu haben. Inga konfrontiert ihre Großeltern damit und muss erfahren, dass sie und das ganze Dorf sie von Kind auf belogen haben. Mit Robert begibt sie sich auf die schwierige Suche nach ihrer wahren Familiengeschichte.

Ein wenig Geduld fordert das verhaltene, aber wohldurchdachte Melodram mit Roadmovieanteilen ein. Die mit einer glänzend aufspielenden Anna-Maria Mühe in einer Doppelrolle besetzte Geschichte um eine deutsch-deutsche Tragödie, die eine Familie zerriss, geht zu Herzen.

Inga lebt als Antiquarin in Malchow, Mecklenburg-Vorpommern. Da taucht Literaturprofessor Robert auf und behauptet, ihre Mutter Anne am Bodensee getroffen zu haben. Inga hielt sie für tot, haben ihr das doch die Großeltern schon als Kind weis gemacht. Mit Robert begibt sich Inga auf die Suche nach ihrer Mutter und ihrer wahren Familiengeschichte.

Inga lebt als Antiquarin in Malchow, Mecklenburg-Vorpommern. Eines Tages taucht Literaturprofessor Robert auf und behauptet, ihre Mutter Anne am Bodensee getroffen zu haben. Inga hielt sie für tot, haben ihr das doch die Großeltern schon als Kind weisgemacht. Mit Robert begibt sich Inga auf die Suche nach ihrer Mutter und ihrer wahren Familiengeschichte - und ahnt nichts von Roberts Plänen, der eigennützige Ziele verfolgt: Er will einen Roman über ihr Schicksal schreiben.

Antiquarin begibt sich mit einem Literaturprofessor, der eigennützige Ziele verfolgt, auf die Suche nach ihrer für tot gehaltenen Mutter. Christian Schwochows Debütfilm ist ein berührendes Melodram mit einer glänzenden Anna Maria Mühe.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. In eindringlichen Bildern hat Regisseur Christian Schwochow die Suche einer jungen Frau nach der Vergangenheit und sich selbst inszeniert. Gemeinsam hat er das Buch mit seiner Mutter Heide geschrieben. Dabei sind einige allzu poetische Manieriertheiten „passiert“, vor allem in der Figur des Roberts, der als schriftstellernder Literaturprofessor Inga beobachtet und für ein neues Werk ausnutzt. Seine literarischen Beobachtungen und gesprochenen Notizen geraten bisweilen gespreizter als es dem Film in seiner ohnehin trübe-sinnigen, wiewohl packende Atmosphäre guttut.

      Doch es sind zum einen die Darsteller, die den Film in der Hinsicht aufrecht erhalten, so Ulrich Matthes als Robert, mehr aber noch eine wunderbare Anna Maria Mühe. Am Anfang noch springt sie nackig und voller Lebenslust ins kalte Wasser, eine Frau, der die Kälte der Provinz nichts anhaben kann, im Gegenteil. Doch mehr und mehr entdeckt sie Lügen, gefriert ihre Welt immer mehr, und Mühe bringt diesen Prozesse beeindruckend auf die Leinwand: wie Inga kälter und spröder wird, ihre Seele erste Risse bekommt.

      Dass der Film, zum anderen, in der Mitte und gegen Ende bisweilen nicht vom Fleck zu kommen scheint, schadet nichts – im Gegenteil: Schwochow nutzt seine „November“-Zeit mit ihren winterlichen Landschaften und kalten Farben, um das Innenleben der Figuren erst zu kontrastieren, dann aber diese Eisigkeit immer mehr eindringen zu lassen. Die Jahreszeit wird hier mehr als simple Dreingabe. Handlung braucht es dazu fast keine.

      Dass schließlich noch als Rückblende der Mutters Schicksal parallel erzählt wird, das lockert den Film ohnehin auf, reißt ihn jedoch auch ein wenig aus seiner Stringenz. Bei all seiner Ruhe und der existentialistischen Unbehaustheit bleiben die politischen und geschichtlichen Dimensionen nur Anhang. Auch spielen die konkreten Motivationen und Ziele der Figuren – Ingas Muttersuche und Roberts „Story“ – irgendwann keine wirklich Rolle mehr, ebenso wie das was das wie gelöst wird, merkwürdig indifferent bleibt.

      Vielleicht muss das aber konsequenterweise so sein (zumindest stört es nicht allzusehr), damit „Novemberkind“ mit seinen reichhaltigen, vielschichtigen Winterfacetten ein Film ergeben kann, dessen Stimmung wie Raureif haften bleibt.

      Zumindest beim Publikum des Max Ophüls Preises, das dem Film dieses Jahr den Zuschauerpreis zusprach.

      Fazit: Winterlich-sprödes Drama um eine Frau auf Identitätssuche, das sich bisweilen schleppt und bei einigen Verkünstlichungen mit einer großartigen Hauptdarstellerin und eindringlicher Stimmung packt.
    2. Novemberkind: Verhaltenes, lebensnahes und berührendes Melodram und Roadmovie durch die Republik und deutsch-deutsche Geschichte.

      Anna Maria Mühe sucht im wiedervereinten Deutschland nach ihrer Identität und ihrer tot geglaubten Mutter. Verhaltenes, lebensnahes und berührendes Melodram, das die ganze Republik durchmisst.

      Wahrlich kein leichtes Drama mit Roadmovie-Anteilen hat Debütant Christian Schwochow gedreht. Aber eines, das alle eingeforderte Geduld belohnt und sich einem bislang wenig beachteten Thema mit hohem Anspruch nähert - im Krebsgang: Wie eine Familie im Osten durch die folgenschwere Trennung auseinander gerissen wurde. Das ergibt eine emotional ergiebige Doppelrolle für die charismatische Anna-Maria Mühe, deren natürliche Ausstrahlung ihresgleichen sucht.

      Nebel liegt wie eine Käseglocke über dem mecklenburgischen Malchow, wo Antiquarin Inga (Mühe) arbeitet, als im November 2007 Literaturprofessor Robert (Ulrich Matthes als komischer Kauz) auftaucht und behauptet, ihre Mutter Anne am Bodensee getroffen zu haben. Diesen Nebel des Schweigens zu lüften, das Dorfgeheimnis zu enthüllen, daran nimmt die junge Frau sichtbar Schaden: Nach einem Zerwürfnis mit ihren Großeltern, die ihre Schuld verschwiegen und stets behaupteten, Anne sei ertrunken, beginnt sie mit Robert eine Reise durch Deutschland auf der Suche nach der Wahrheit. Sie ahnt nichts von Roberts Plänen, einen Roman über ihr Schicksal zu schreiben. Grobkörnige Rückblenden ins Jahr 1980 offenbaren den tragischen Kern, wo Anne (wieder: Mühe) einen russischen Deserteur in ihrer Wohnung versteckt, mit ihm ein Kind zeugt und bei der Flucht eine bittere Entscheidung treffen muss, an der sie zu Grunde gehen wird.

      Diese Altlasten der Geschichte zerreißen das Selbstverständnis der elternlos aufgewachsenen Inga, die mit Beharrlichkeit die jüngste deutsch-deutsche Vergangenheit aufarbeitet - Parallelen zur ähnlich verlaufenden Auseinandersetzung mit der nationalsozialistischen Historie zieht der Film selbst. Ins Unrecht der Diktaturen ist jeder verstrickt, was die Mitschuld ins Private transportiert. Diesem schwierigen und winterkalten Weg der Aufklärung entspricht Schwochow stilistisch. Er verabreicht die Wahrheit nur in homöopathischen Dosen, was einen schleppenden Fortgang der Geschichte bedingt. Es ist nie zu spät für die Wahrheit - nur fehlt den meisten Menschen der Mut dazu, sie auszusprechen. Der Verlust menschlicher Wärme ist die zweite frappierende Lehre des durchdachten und dramaturgisch wohl konstruierten Diplom-Films, der am Ende einen Aufbruch ins Ungewisse wagt - in eine gesamtdeutsche Zukunft hoffentlich ohne Lügen.

      tk.
    3. „Wertvoll”

        Nach knapp zwanzig Jahren erfährt Inga, dass ihre totgeglaubte Mutter lebt. Statt in der Ostsee ertrunken zu sein, floh sie mit einem russischen Deserteur über die deutsch-deutsche Grenze. In gut durchkomponierten, von konsequentem Realismus geprägten Bildern begibt sich Inga auf eine obsessive Suche quer durch das vereinte Deutschland. Dabei offenbaren sich mehr und mehr Konflikte, die sich im Laufe der geschickt durchdachten Dramaturgie ver-dichten. Eine außergewöhnliche Lichtgestaltung, gute Darsteller und gelungene Wechsel zwischen zwei Erzählebenen machen Christian Schwochows Abschlussfilm zu einer reifen, meisterhaften Leistung zwischen Heimatverlust und Identitätssuche, zwischen Road-Movie und Melodram.

        Jurybegründung:

        Ein außergewöhnlich gut durchdachtes Drehbuch ist Grundlage für diese emotional berührende und funktionierende Geschichte um die Suche einer jungen Frau nach ihrer Identität. Ein gelungener Kunstgriff ist der Gegenpart der jungen Verlorenen: ein Mann, der bei dieser Suche zum einen literarischer Voyeur und zum anderen selbst auf der Suche nach dem Sinn seines Lebens ist. Statt seinem Versuch, ihre Geschichte zu erzählen, wird er es ihr überlassen, ihre ureigene Geschichte selbst zu erzählen. Ein versöhnlicher Schluss einer Reise durch Deutschland.

        Nur langsam erschließt sich diese Geschichte dem Zuschauer, offenbaren sich dabei aber mehr und mehr Konflikte, die einem dramaturgisch geschickt angelegten Spannungsbogen dienen, dessen Erzählrhythmus sich dem Ende zu deutlich steigert.

        Die außergewöhnliche Kamera bietet gut durchkomponierte Bilder auf zwei Erzählebenen - in Gegenwart und Rückblenden. Letztere sind durch Kameraperspektiven und Farbgebung besonders eindrucksvoll. Eine präzise Montage unterstreicht die gekonnte Dramaturgie. Behutsam ist der Einsatz der musikalischen Begleitung. Die Rollen sind bis in die Nebenparts trefflich besetzt. Ihr Spiel unter sicherer Führung ausdrucksstark, wobei Anna Maria Mühe und Ulrich Matthes besonders herausragen.

        Gelten die in der Diskussion aufkommenden leichten Einwände den etwas „intellektualisierenden“ Ansätzen in der Dramaturgie, so kann der Ausschuss aber mit dem berechtigten Bonus für eine außergewöhnlich gut gelungene Diplomarbeit von Christian Schwochow gerne das Prädikat besonders wertvoll aussprechen.

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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