Fakten und Hintergründe zum Film "Nothing Personal"

Kino.de Redaktion |

Nothing Personal Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Urszula Antoniak

Wieso haben Sie sich für diese Thematik im Film entschieden?

„Der Film handelt von Einsamkeit und Freiheit. Von Einsamkeit als freie Wahl, nicht als etwas, das uns bloß passiert. In der westlichen Gesellschaft wird uns gesagt, dass Einsamkeit etwas Negatives ist, ein Zeichen unseres Versagens. Glücklich sein, heißt von Freunden umgeben, ständig aktiv zu sein.

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Aber wie steht es damit, allein mit sich selbst zu sein, sich selbst zu entdecken, Zeit für Reflexion zu haben, für Ruhe und zum Nachdenken? Ich denke, dass der Druck des modernen Lebens für sensible Menschen immer unerträglicher wird. Der Traum, das eigene Leben hinter sich lassen zu können und mit sich selbst allein zu sein, so wie bei der Hauptfigur in NOTHING PERSONAL, ist bei vielen von uns vorhanden. Niemand ist so radikal wie die Hauptfigur. Die meisten identifizieren sich eher mit dem anderen Charakter im Film, der von Stephen Rea gespielt wird. Er repräsentiert einen anderen Zugang zur Einsamkeit als freie Wahl. Er lebt in einem alten Haus, das von der Natur umgeben ist, er hat dort die besten Dinge, die eine Zivilisation zu bieten hat: Weisheit (Bücher), Harmonie (Musik) und Geschmack (gutes Essen).“

Was bedeutet Einsamkeit für Sie persönlich?

„Ich habe eine ähnliche Erfahrung wie die Frau im Film gemacht, nur in umgedrehter Reihenfolge. Die junge Frau in NOTHING PERSONAL wählt anfänglich bewusst die Einsamkeit, am Ende wird sie selbst allein gelassen. Ich wurde allein gelassen, als mein Partner starb. Die Jahre der Einsamkeit, die darauf folgten, haben mir etwas über die Einsamkeit als kreativen Zustand beigebracht.“

Haben Sie eine bestimmte Botschaft dem Zuschauer vermitteln wollen?

„Ich hatte keine bestimmte Botschaft, aber die Absicht, dass die Menschen nach dem Film ruhig sind und den Film reflektieren. Ich wünsche mir, dass sie den Film eine Zeit lang in ihrem Herzen tragen. NOTHING PERSONSAL kann mit einem Haiku-Gedicht verglichen werden. Es ist kurz, knapp und erzeugt ein bestimmtes Gefühl oder eine Reflexion. Es gibt nicht vor, eine Lebensweisheit zu vermitteln.“

Gibt es einen persönlichen Hintergrund zu diesem Film und zu ihren anderen Filmen?

„Ich bin eine Emigrantin. Ähnlich der Figur Anne in meinem Film. Ich bin eine Fremde, und die Menschen wissen nichts über den Hintergrund meiner Herkunft. Sie interpretieren Dinge in mich hinein, aus dem, was sie über Polen und über Emigration zu wissen glauben. Das ist der Grund, warum NOTHING PERSONAL solch ein persönliches Projekt für mich ist. Es stellt die Frage: Wie viel müssen Fremde von einander wissen, um sich zu vertrauen, zu mögen und Empathie zu empfinden? Emigration, die immer mit Entfremdung und Einsamkeit einhergeht, ist ein kreativer Zustand. Du wirst mit dir selbst konfrontiert, und das, was daraus entsteht, das bist wirklich du selbst. Ich weiß nicht, ob mein ‚Mittel-Europa’ Hintergrund wirklich ich bin, aber was ich in all meinen Filmen immer wieder entdecke, ist Ironie. Das Gewürz und die Weisheit des Lebens. Vielleicht verdanke ich der Ironie, dass meine beiden Fernsehproduktionen so erfolgreich waren: „Bijlmer Odyssey“ wurde an viele Länder verkauft und „Nederlands voor Beginners“ wurde vom Publikum und den Kritikern gelobt.“

Welche Bedeutung hat die Kapitel-Einteilung des Films?

„Die fünf Kapitel markieren fünf aufeinander folgende Stadien einer menschlichen Beziehung. Wir beginnen bei der Einsamkeit. Um eine andere Person zu erreichen, müssen wir die Einsamkeit aufgeben, die als das Verhältnis zu uns selbst beschrieben werden kann.

Im folgenden Stadium fühlen wir uns mit der anderen Person wohl, vertraut und mögen sie. Ich benenne dieses Stadium ‚Heirat‘. Der reale Anfang der Beziehung ist, wenn wir auf die andere Person neugierig werden, wir alles über sie erfahren möchten, vom Gefühl gequält werden, dass sie Geheimnisse vor uns und ein Privatleben ohne uns hat. Die Beziehung danach, die Wochen, Jahre oder unser ganzes Leben dauern kann, steuert auf ein Ende zu - entweder wir verlassen oder wir werden allein gelassen - die Person, zu der wir eine Beziehung hatten, stirbt. NOTHING PERSONAL präsentiert diesen Prozess in umgekehrter Reihenfolge (zuerst Heirat, dann der Beginn einer Beziehung usw.).“

Warum gibt es am Schluss des Films kein „Happy End“?

„Hat das Leben ein glückliches Ende? Es hat ein logisches Ende. Das Leben ist ein Kreislauf. Wir beginnen es allein und beenden es allein. Glück ist alles zwischen diesen zwei Stadien. Jede mögliche Beziehung hat ein logisches Ende - wir werden von der Person allein gelassen, die vor uns stirbt. (Es sei denn, wir sterben zusammen). Bevor dies in NOTHING PERSONAL passiert, verbringen die zwei Charaktere Anne und Martin einen vollkommenen Tag miteinander: Der Mann holt Lebensmittel, später arbeiten sie im Garten, essen zu Abend, etc. Dieser Tag steht für alles, was die zwei wahrscheinlich im „realen“ Leben erlebt hätten, wenn nicht einer von beiden gestorben wäre.“

Warum haben Sie die Schauspieler Stephen Rea und Lotte Verbeek für den Film gewählt?

„Neben dem Talent war ich auf der Suche nach einer ikonenhaften Qualität der Gesichter der zwei Hauptcharaktere. Für mich geht es in NOTHING PERSONAL um zwei Archetypen: Eine junge Rebellin und ein alter Weiser, die eine Vereinbarung eingehen aber auch ein Duell. Lottes undurchdringliches, maskenähnliches Gesicht war perfekt als ikonisches Bild einer Rebellin - stark und zerbrechlich zugleich. Stephens Gesicht ist stark und ironisch. In der Tat ein Gesicht eines weisen Mannes, denn Ironie ist die wahre Weisheit des Lebens.“

Über die Produktion

Die Dreharbeiten zu NOTHING PERSONAL fanden hauptsächlich im nordwestlichen Teil von Irland statt, in Connemara, „dem Herz und der Seele von Irland“ (Urszula Antoniak). Als Kulisse diente hauptsächlich ein Haus, das ursprünglich der Familie von Oscar Wilde gehörte. „Illaunroe“, wie es genannt wird, ist ein schlichtes Fischerhaus auf einem Meeresarm in „Lough Fee“. Wildes Vater hinterließ das Haus Oscar Wilde und seinem Halbbruder Dr. Henry Wilson. Wilde hat sogar einmal ein Gedicht über diesen einsamen und friedlichen Ort verfasst und nannte es „Lotus Land“. Ein Fresco aus der damaligen Zeit ist noch immer zu sehen, es wurde von einem Freund Oscar Wildes gemalt. Viele Einrichtungsgegenstände wie Bücher, Karten, Gemälde und Möbel sind noch authentisch. Für Urszula Antoniak besitzt der Ort „eine unglaubliche Ausstrahlung.“

Insgesamt dauerten die Dreharbeiten 26 Tage, zwei Tage davon wurden in Holland und ein Tag in Spanien, in Vejera de la fronterra, gedreht. Vejera de la fronterra ist eine gut erhaltene Kleinstadt aus dem 12. Jahrhundert, die im Volksmund ‚White Pueblo‘ genannt wird, weil dort alle Gebäude mit einer sehr leuchtenden weißen Kalkfarbe angestrichen sind.

Urszula Antoniak schrieb allein sechs Monate lang an dem Drehbuch. Die Vor-Produktion dauerte drei Monate, bevor dann sechs Wochen lang gedreht wurde. Abschließend dauerte es noch einmal drei Monate, bis die Produktion beendet war. Über ein Jahr kreative Arbeit stecken in ihrem Filmdebüt.

Bei den Außen-Dreharbeiten in Connemara gab es auf Grund der abschüssigen Landschaft kaum Halt für stehende Kameras. Urszula Antoniak nahm den kompletten Film auf 16mm Filmmaterial auf. Die Handkamera war manchmal eine Wahl und manchmal ein Muss, einige Drehorte im Hügelland konnten nicht einmal mit einem LKW erreicht werden.

Allein der Aufstieg auf den Hügel, von dem das Haus überragt wurde, dauerte 40 Minuten. Auch die Licht-Ausrüstung war sehr begrenzt. Da die äußeren Lichtverhältnisse ständig wechselten, war es schwierig ein gleich bleibendes Licht herzustellen. Auch die Witterung machte dem Team mehrmals einen Strich durch die Rechnung. Häufige Regenschauer weichten den Boden auf, der Untergrund wurde zu tiefem Matsch verwandelt und das abschüssige Gelände tat das seine dazu, dass die Dreharbeiten immer wieder zu einem besonderen Abenteuer wurden.

Trotz der extremen Bedingungen bezieht Urszula Antoniak in NOTHING PERSONAL die Landschaft in besonderem Maße mit ein und macht sie so zum dritten Hauptdarsteller im Film. Die Weite und Größe der Landschaft lässt die Menschen darin fast verschwinden und zu kleinen Punkten am Horizont werden. So wird die Landschaft in Beziehung zu den Personen im Film gesetzt. NOTHING PERSONAL erhält damit eine weitere Dimension der Handlung.

Außerdem finden wir in NOTHING PERSONAL immer wieder Szenen, in denen die Regisseurin menschliche Gesichter wie eine Landschaft beobachtet, sie gebraucht lange und ruhige Einstellungen.

Letztendlich hat Urszula Antoniak immer wieder Drehorte ausgewählt, wie das Haus „Illaunroe“ und die Gegend Connemara, die ihrer Meinung nach eine „gewisse Aura“ besitzen.

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