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Fakten und Hintergründe zum Film "No Time to Die"

Kino.de Redaktion |

No Time to Die Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit King Ampaw (Regie)

Im vergangenen Jahr haben Sie in Deutschland Ihren bislang letzten Film präsentiert, „No Time to Die“, der erste Film seit „Juju-Nana Akoto“ von 1985. Warum haben Sie so lange gewartet?

Es hat alleine zwölf Jahre gedauert, bis ich überhaupt die Finanzierung für „No Time to Die“ zusammen hatte. Meine Filme kann ich nur machen, wenn ich vom Ausland gefördert werde. Bisher hat das der NDR getan. Für „No Time to Die“ habe ich außerdem von der Europäischen Union, der französischen Kooperation in Paris, der Filmstiftung NRW und der evangelischen Kirche in Stuttgart Geld bekommen. Aus Ghana selbst habe ich wenig gekriegt, nur etwas für mein Büro und kleine Gagen. Den Rest habe ich selbst aufgebracht.

Haben die guten Kontakte nach Deutschland geholfen? Sie haben Ihre Filmausbildung ja hier absolviert.

Ich bin 1961 in die DDR gekommen. Damals wollte ich Feinmechanik studieren. Wir waren 30 Studenten, jeder hatte ein Stipendium. In Ghana gab es kaum Akademiker, die wurden aber für den Aufbau des Landes benötigt. Präsident Kwame Nkrumah, der gerade unsere Unabhängigkeit erkämpft hatte, freundete sich mit den sozialistischen Staaten an. Und so schickte er Studenten ins Ausland, uns in die DDR, in der Hoffnung, dass sie anschließend wieder nach Hause kommen würde und helfen, das Land aufzubauen. Das hat leider nicht funktioniert. Die meisten sind im Ausland geblieben.

Und warum sind Sie nicht Feinmechaniker geworden?

Ghana war eine englische Kolonie, in der DDR mussten wir erst mal Deutsch lernen. Ich kam deshalb nach Dresden und lernte da Leute kennen, die mit Film zu tun hatten. Ich habe viel über Kameras erfahren, über Ton, Licht. Ich habe mit Produzenten geredet, das war sehr interessant. Mir wurde klar, dass es das ist, was ich wirklich machen wollte: Filme. Ich habe versucht, mein Studienfach zu wechseln. Das war nicht einfach, die Stipendien waren nicht dafür gedacht, dass man Film studiert. Aber ich habe gekämpft, eine Aufnahmeprüfung bei der Defa in Potsdam-Babelsberg bestanden und konnte dann dort studieren.

Sie waren einer der ersten Schwarzen in der DDR. Welche Erfahrungen haben Sie gemacht?

Ich habe das Leben in der DDR genossen. Wir hatten viel Freizeit und bekamen alles, was wir brauchten. Es gab noch keinen offenen Rassismus. Allerdings wurde geschimpft, dass die Regierung Ausländern oder Schwarzen Stipendien gab. Ich glaube, dass der Rassismus noch heute auf solchen Vorstellungen beruht. Er kommt jetzt nur richtig raus.

Sie sind nicht in Babelsberg geblieben.

1965 wurde Nkrumah durch einen Militärputsch gestürzt. Die neue Regierung wollte mit den Kommunisten nichts zu tun haben. Deshalb mussten alle Studenten, die in der DDR studiert hatten, nach Westdeutschland gehen. Nur gab es da noch keine Filmhochschule. Die Wiener Universität fürMusik und darstellende Kunst hatte eine Abteilung für Film.

Dort haben Rainer Werner Fassbinder kennen gelernt.

Ja. Die Hochschule hatte allerdings kaum Geld. Wir schlugen uns mit einer alten Bolex-Kamera herum. Ich wollte etwas Neues ausprobieren. Als 1967 die Hochschule für Film und Fernsehen in München gegründet wurde, sind wir von Wien nach Deutschland gegangen. Ich war im A-Kurs, zusammen mit Wim Wenders, Werner Schroeter, Peter F. Bringmann. Wenn einer einen Auftrag bekam, haben wir zusammen daran gearbeitet, wie Brüder. Mit Wim habe ich zusammen in einem Zimmer geschlafen, Werner Herzog ist einer meiner besten Freunde geworden. Mit dem habe ich später „Cobra Verde“ gemacht und ihn vor Klaus Kinskis Attacken gerettet.

Warum sind Sie nach ihrem Abschlussfilm nach Ghana zurückgekehrt?

Mir war klar geworden: Wenn ich in Deutschland bleibe, würde ich immer Assistent sein. Meine afrikanischen Filme, die ich damals gemacht habe, würde in Deutschland keiner finanzieren. Außerdem wollte ich sowieso nicht ewig in Deutschland bleiben. Ich hatte immer den Wunsch und den Mut, nach Ghana zurückzukehren. Sie müssen wissen, ich bin der Sohn eines Häuptlings, deswegen hat mir mein Vater den Namen King gegeben. Ende der siebziger Jahre bin ich dann zurück und habe zwei, drei Jahre beim ghanaischen Fernsehen gearbeitet. Die Tätigkeit hat mir nicht gepasst. Die machten nicht die Filme, die ich machen wollte. Also habe ich meine eigene Firma „Afro Movies“ gegründet. Die besteht nur aus mir selbst. Ich hatte Glück und der Norddeutsche Rundfunk finanzierte meinen ersten Film „Kukurantumi - Road to Accra“.

Machen Sie politische Filme?

Jeder Mensch, ob er will oder nicht, hat mit Politik zu tun, weil wir in einer politischen Welt leben. Ein politischer Aktivist aber bin ich nicht und will es auch gar nicht sein. Ich will Filme machen mit sozialkritischen Themen. Das ist für mich auch Bildung. In „Kukurantumi - Road to Accra“ geht es zum Beispiel darum, nicht zu bekommen, wovon man träumt. In „No Time to Die“ hat jemand einen unangenehmen Beruf. Er ist Leichenfahrer und findet deshalb keine Frau. Das sind nicht nur Probleme in meinem Land. Das sind universale, menschliche Probleme.

Wie unterscheidet sich die Filmsprache in Ghana von anderen Ländern?

Es gibt nur eine Filmsprache: Großaufnahme, Totale, Ton, Technik. Das ist die Filmsprache. Egal, ob in Afrika, Europa oder Amerika. Genauso wie der Schriftsteller seinen Bleistift und sein Papier hat: Ohne Bleistift und Papier kann er nicht schreiben. Was und wie er schreibt, ist etwas anderes.

Sie haben zuletzt auf Video gedreht. Video ist erschwinglich und leicht handhabbar. Jeder kann einen Film drehen. Fluch oder Segen?

Video ist gut. Es ist einfacher, billiger, schneller. Aber das heißt nicht, dass jeder einfach eine Kamera nehmen und irgendwelche Bilder schießen sollte.

In Ghana wurde 1978 das NAFTI gegründet, das nationale Film und Fernseh-Institut. Verhilft das zu Qualität?

Die Studenten machen bessere Filme. Aber es gibt in Ghana eine Filmindustrie, die 12 Filme pro Woche herstellt. Die kümmern sich nicht um künstlerische Ansprüche, die kümmern sich um kommerzielle Fragen. Bei den Homevideos geht es nur ums Geld.

Was funktioniert.

Ja, denn früher gab es nur Filme aus Amerika und Europa zu sehen. Immer haben Afrikaner nur Weiße auf der Leinwand gesehen, nur Themen, die nichts mit Afrika zu tun hatten. Heute sehen sie sich selbst, mit ihren eigenen Problemen, ihrer eigenen Komik und mit allem, was zum Leben im Land dazu gehört. Den Leuten ist es egal, ob der Film eine eigene Sprache hat oder ob er gut geschnitten ist.

Die Kirchen haben einen großen Einfluss auf die Videofilmlandschaft.

Es existieren so viele Kirchen in Ghana, und die wissen, dass der Film ein sehr populäres Medium ist. Also benutzen sie Videos für ihre Predigten und kassieren damit Geld. Das klappt, weil in Afrika alle Menschen in die Kirche gehen, aber keiner ins Kino. In Deutschland geht keiner in die Kirche. Dafür gibt es in Ghana heute kein einziges Kino mehr. Die sind alle in Kirchen umgewandelt worden, in den Kinosälen wird gepredigt. Wo zeigst du also deine Filme in Afrika? Die Leute gucken die DVDs zu Hause.

Was heißt das für die Filmkultur?

Wir haben zwar eine Filmschule, aber es werden kaum Filme gemacht. Es fehlt das Geld. Die Videofilmer nehmen einfach eine Kamera und machen einen Film. Dann fahren sie mit einem Auto herum und machen Musik und Werbung für ihr Video und verkaufen es gleich auf der Straße. Ich will aber keine Filme machen, die auf der Straße verkauft werden! Nach zwei, drei Tagen wissen die Leute nicht mehr, wie diese Filme überhaupt hießen - einmal angeguckt und vergessen. Dafür ist mir die Zeit zu schade. Aber die Leute, die einfach drauflos filmen, leben sehr gut. Die drehen einen Film nach dem anderen. Das ist genauso, wie wenn man Zucker in seinen Tee tut. Man trinkt ihn und fertig.

Alle Ihre Filme sind Komödien. Da wundert sich der Ausländer mit seinem negativen Bild von Afrika.

Das europäische Bild von Afrika besteht fast nur aus Armut, Korruption, Aids und Krieg. Das ist das, was man im Fernsehen zu sehen bekommt. Aber es gibt auch ein normales Leben, es gibt Kultur, Tradition und Unterhaltung. Afrikanische Filmemacher können auch Menschen zum Lachen bringen. Das versuche ich mit meinen Komödien zu zeigen.

(Das Gespräch führte Monika Sandmann; Quelle: FREITAG Nr. 41/08, 9.10.2008)

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "No Time to Die"

    Kino.de Redaktion05.11.2012

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