Nie mehr wie es war

  1. Ø 0
   2016
Nie mehr wie es war Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Nie mehr wie es war: Bedrückend realitätsnahes Drama über einen Vater, der herausfindet, dass er 16 Jahre lang ein Kuckuckskind groß gezogen hat.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • In dem bedrückend realitätsnahen Elterndrama von Johannes Fabrick findet ein Vater heraus, dass er 16 Jahre lang ein Kuckuckskind groß gezogen hat.

    Kaum jemand dreht so traurige Filme wie der Österreicher Johannes Fabrick. Seine Dramen kreisen stets um existenzielle Fragen: Mal geht es um die Leere, die der Freitod eines geliebten Menschen hinterlässt („Der letzte schöne Tag„, Grimme-Preis), mal will eine krebskranke Frau dafür sorgen, dass ihr Mann nach ihrem Tod nicht alleine ist („Pass gut auf ihn auf!„). Im Unterschied zu vielen anderen Werken Fabricks, in denen oft Julia Koschitz die Hauptrolle spielt, ist die zentrale Figur in „Nie mehr wie es war“ ein Mann: Thomas (Fritz Karl) entdeckt eines Tages zufällig, dass er nicht der biologische Vater seines 16jährigen Sohnes Milan (Matti Schmidt-Schaller) sein kann. Und nicht nur das: Ein Brief seiner Frau Nike (Christiane Paul) an den Kindsvater lässt ihn vermuten, dass er all die Jahre bloß ein Platzhalter war.

    Fritz Karl vermittelt fast schon schmerzlich glaubwürdig, wie Thomas quasi über Nacht komplett den Boden unter den Füßen verliert, als ihm klar wird, dass ihn seine Frau 17 Jahre lang belogen hat. Mit radikaler Konsequenz zerstört Thomas auch den Rest Gemeinsamkeit: Er zieht aus, schließt das gemeinsame Münchener Szenelokal und beantragt die Scheidung. Gleichzeitig leidet er unter der Trennung gerade von Milan. Als der Junge ihn mit einer anderen Frau sieht, klaut er Thomas‘ Auto und macht sich aus dem Staub; die Sorge um den Sohn bringt die Eltern zumindest vorübergehend wieder zusammen.

    Das Drehbuch stammt von Britta Stöckle, die für Fabrick neben „Pass gut auf ihn auf!“ auch das Trinkerdrama „Ich habe es dir nie erzählt“ geschrieben hat. Abgesehen vom völlig unnötigen Cliffhanger-Auftakt mit anschließender langer Rückblende – der Film beginnt mit Nikes Sorge, Milan könne sich von einer bestimmten Brücke stürzen – verzichtet der Regisseur wie gewohnt auf jede emotionale Effekthascherei; dank Karls intensivem Spiel ist der empathische Faktor groß genug. Weil Thomas als positiver, lebensfreudiger Mensch eingeführt wird, der gerade zu seinem Sohn ein inniges Verhältnis hat, können es sich Fabrick und Stöckle auch erlauben, die Figur zu demontieren. Dank der Einführung ist Thomas zweifelsfreier Sympathieträger, zumal sowohl seine tiefe Verletztheit wie auch seine Entrüstung nachvollziehbar sind. Aber dann macht er einen tiefgreifenden Wandel durch: Aus dem Hallodri wird ein hartherziger Zyniker, der seiner Frau fortan mit frostiger Kälte begegnet. Dass sie postwendend zum Gegenangriff übergeht, macht ihre Position nicht besser; derart negativ besetzte weibliche Hauptfiguren gibt es im TV-Drama nur noch höchst selten. Eine ungemein berührende Rolle spielt Michael Wittenborn als Milans mittlerweile an Alzheimer erkrankter Erzeuger, der mit seinen heiter-melancholischen Auftritten den letzten Akt dominiert. tpg.

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