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Nicht ganz koscher - Eine göttliche Komödie

Nicht ganz koscher - Eine göttliche Komödie: Komödie über einen Juden, der zum Pessach nach Ägypten reist, doch in der Wüste strandet.

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Nicht ganz koscher - Eine göttliche Komödie

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„Nicht ganz koscher - Eine göttliche Komödie“ im Kino

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Filmhandlung und Hintergrund

Komödie über einen Juden, der zum Pessach nach Ägypten reist, doch in der Wüste strandet.

Ben (Luzer Twersky) kennt nur das orthodoxe Leben in Brooklyn, New York. Als von der kleinen jüdischen Gemeinde in Alexandria, Ägypten, ein Hilferuf entsendet wird, dass ihnen ein zehnter Jude für das Pessachfest fehlen würde, steigt Ben ohne groß zu überlegen in den Flieger. Ein Grund könnte sein, dass er den Kupplungsversuchen der Familie entrinnen will.

Doch auf dem Weg an sein Ziel erlebt er allerhand Pleiten, Pech und Pannen. Er verpasst seinen Flieger und möchte die restliche Strecke auf dem Landweg absolvieren. Als er jedoch mitten in der Wüste Sinai aus dem Bus geschmissen wird, ist seine einzige Hoffnung der mürrische Beduine Adel (Haitham Omari), der ihn per Anhalter mitnimmt. Bevor er jedoch sein Ziel erreichen kann, muss Ben bei der Suche nach Adels Kamel helfen, das irgendwo in der Wüste ist. Zu allem Überfluss versagt auch noch der Wagen und das Duo muss zu Fuß den Weg nach Alexandria meistern.

Der Trailer zeigt die urkomische Reise von Ben nach Alexandria:

„Nicht ganz koscher“ – Hintergründe, Besetzung, Kinostart

Bereits 2011 erhielten das Duo bestehend aus Stefan Sarazin und Peter Keller für ihr Drehbuch mit dem Titel „No Name Restaurant“ die LOLA für den Deutschen Drehbuchpreis. Erst elf Jahre später erscheint der fertige Film nun mit dem Titel „Nicht ganz koscher“ in den Kinos. Für die Culture-Clash-Komödie bezog das Drehbuch-Duo auch gemeinsam den Posten als Co-Regisseure, gedreht wurde an Schauplätzen in Wadi Rum in Jordanien, wo auch bildgewaltige Blockbuster wie „Lawrence von Arabien“, „Star Wars“ und „Dune“ entstanden.

Für die beiden Hauptrollen gewann man Haitham Omari („Bethlehem“) sowie Luzer Twersky („Felix und Meira“), dessen Ausstieg aus der streng-religiösen Gemeinde in New York in der Netflix-Doku „One of Us“ beschildert wurde. Der Kinostart für „Nicht ganz koscher“ ist am 4. August 2022.

Darsteller und Crew

  • Numan Acar
    Numan Acar
  • Fritjof Hohagen
    Fritjof Hohagen
  • Luzer Twersky
  • Makram Khoury
  • Haitham Omari
  • Stefan Sarazin
  • Peter Keller

Bilder

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. FBW-Pressetext:

      Der ultraorthodoxe Jude Ben nimmt den weiten Weg aus New York auf sich, um seine Familie in Jerusalem zu besuchen. Die will ihn allerdings nur wieder möglichst schnell unter die Haube bringen. Ein Schlamassel! Also meldet sich Ben umgehend freiwillig, eine jüdische Gemeinde im ägyptischen Alexandria beim Pessahfest zu unterstützen. Doch im muslimisch geprägten Ägypten scheinen alle etwas meschugge und so fliegt Ben mitten in der Wüste Wadi Rum kurzerhand aus dem Bus. Ausgerechnet der mürrische Beduine Adel kommt ihm aber zur Hilfe und beide machen sich auf den Weg nach Alexandria - vorher muss aber Adels entlaufendes Kamel gefunden werden. Amüsantes Aufeinandertreffen unterschiedlicher Religionen, die zunächst nicht unterschiedlicher sein können, aber im Kampf ums Überleben, gestrandet im Herzen einer Wüste, steht Freundschaft über allen Differenzen.

      Selbst Anhänger oder ausgewiesene Kenner des Judentums, Islams oder Christentums müssen sich mitunter eingestehen, nicht alles über die ihnen jeweils exotische Religion zu kennen. Das fängt bei den Unterschieden einer Nahrungszubereitung als koscher oder halal an und geht bis zum Verständnis darüber, wofür religiöse Bräuche dienen. Während der Beduine es als Freundschaft betrachtet, wenn Essen geteilt wird, leben Juden koscher, um sich nicht mit anderen zu vermischen. Die Regisseure und Autoren Peter Keller und Stefan Sarazin bleiben sich im Film einem ganz eigenen Rhythmus treu und wurden 2011 nicht umsonst bereits mit dem Deutschen Drehbuchpreis ausgezeichnet. Sie spielen gekonnt mit den Vorurteilen und Unwissen, das ein jeder über die eine oder andere Weltreligion mit sich trägt und projizieren diese auf zwei Männer, die fast schon als Karikatur ihrer selbst in die Fettnäpfchen des jeweils anderen treten. Ermöglicht wird das auch durch das gekonnte Charakterspiel von Luzer Twersky als ultraorthodoxer Jude und Haitham Omari als Beduine ohne Kamel. Überhaupt ist die Komödie bis zum letzten Nebendarsteller und Kamel ausgezeichnet besetzt. Das gegenseitige Erkunden von Bräuchen, das im Angesicht eines Überlebenskampfes in einer Freundschaft gipfelt, die über jedem Glauben steht, wird auch für den Zuschauer zur Erkundung. In der kommt nie das Gefühl von Scham auf, einen Aspekt einer Religion noch nicht gewusst zu haben, sondern vielmehr der Freude der Erfahrung. Dazu bezaubert diese Komödie mit märchenhaften Landschaftsaufnahmen der Wüste Wadi Rum, die die Schönheit und Gefahr der Lage ohne Wasser gleichermaßen auszudrücken vermögen. Unter den wuchtigen Bildern des arabischen Himmels und mit einer Portion Falscher Fisch im Rucksack erscheint die Reise mehr als einmal wie die Reise Moses, nur umgekehrt als Sinnbild der Zusammenkunft. Hier wird Kino zur interkulturellen Verständigung auf allen Ebenen - ein Film für jede Religion.

      FBW-Jury-Begründung:

      Eine weite Wüstenlandschaft. Ein verlorener orthodoxer Jude läuft eine einsame Straße entlang. Im Off beginnt er, seine Geschichte zu erzählen: „Es ist lange her, dass ich auf diese Reise ging, und obwohl sie mein Leben beendete, war es das Beste, das ich je tat.“ Es wäre wahrlich kein Wunder, wenn Ben in dieser unwirtlichen Umgebung sein Leben lassen müsste. In traditioneller Bekleidung und beladen mit viel Gepäck bewegt er sich durch die Wüste wie durch das chassidische Viertel Borough Park daheim in Brooklyn. Selbst die religiösen Vorschriften hält er strikt ein und benutzt das mitgeführte Wasser für regelmäßige rituelle Reinigungen. Doch Bens Gottvertrauen zahlt sich aus, und der Beduine Adel wird zu seinem Retter. Der hat zwar keine Lust auf die Gesellschaft dieses weltentrückten Religiösen, aber er kann einen Fremden in der Wüste nicht einfach seinem Schicksal überlassen, sondern muss ihn beschützen. Von nun an sind die beiden völlig ungleichen Männer gemeinsam unterwegs und zum Überleben aufeinander angewiesen, insbesondere nachdem - nicht zuletzt durchs Bens Wasserverbrauch - der Wagen den Geist aufgibt und sie ihren Weg zu Fuß fortsetzen müssen. Dabei sorgen die fehlende Lebenspraxis des einen und der schroffe Pragmatismus des anderen immer wieder für Konflikte und für Komik.
      Die Regisseure Stefan Sarazin und Peter Keller, die auch das bereits prämierte Drehbuch geschrieben haben, erzählen keine herkömmliche Culture-Clash-Komödie vom Aufeinandertreffen zweier konträrer Charaktere oder dem Aufeinanderprallen von verschiedenen Kulturen, sondern es geht ihnen um nichts Geringeres als die Konfrontation und Handreichung der großen monotheistischen Religionen im Nahen Osten, der Region, in der sie ihren Ursprung haben und die bis heute von politischen Konflikten geprägt ist. Ein heikles Unterfangen, das den beiden aber gut gelingt, weil sie über profunde Kenntnis der Region und ihrer Religionen verfügen, weil sie die Genre-Konventionen beherrschen, aber auch keine Angst vor märchenhaften Elementen haben, und vor allem, weil sie zwei großartige Charaktere kreieren und eine zutiefst menschliche Geschichte der Annäherung erzählen.
      Sind die Figuren anfänglich eher stereotyp gezeichnet, so gewinnen sie im Laufe ihrer gemeinsamen Reise immer mehr an Kontur und Tiefe. Die Vorurteile geraten ins Wanken, Klischees lösen sich auf, und zum Vorschein kommen zwei sensible Menschen mit ihrer persönlichen Geschichte und ihren Verletzungen. Es stellt sich heraus, dass Ben, der bisher in seiner ultraorthodoxen, streng abgeschiedenen Gemeinde gelebt und allenfalls still gegen die Erwartungen der Familie und des religiösen Umfelds aufbegehrt hat, seit langem verliebt ist in Toybe vom Bagel Shop, die er jeden Abend anruft, ohne je ein Wort mit ihr zu wechseln. Er weiß nicht, was er tun soll, denn eine berufstätige Frau wäre in seinem chassidischen Umfeld nicht akzeptabel. Auch Adel hat Schwierigkeiten mit der Familie, hadert aber vor allem mit dem Schicksal der Beduinen, deren Kultur im Niedergang begriffen ist und die sich zunehmend im Tourismus verdingen müssen, um zu überleben. In dieser allmählichen Annäherung verliert Ben seine Angst vor dem schroffen Beduinen und dieser seinen Zorn auf den unbedarft-unverschämten Orthodoxen. Für Adel ist es gerade Bens naive Weltabgewandtheit, die ihm hilft, in Ben keinen Feind zu sehen, sondern einen Menschen, der seiner Fürsorge bedarf. Am Ende wird Adel für Ben und seine Glaubensbrüder einen Freundschaftsdienst erbringen, der weit über die traditionelle beduinische Hilfsbereitschaft hinausgeht.
      Wesentlichen Anteil am Abbau der Vorurteile haben die gemeinsamen Mahlzeiten und ihre Zubereitung unter einfachsten Bedingungen. Auch hierbei prallen zunächst die Gegensätze aufeinander, wenn Adel betont: „Wenn Beduinen zusammen essen, gibt es keinen Streit“ und Ben entgegnet: „Wir essen koscher, damit wir uns nicht vermischen.“ Aber die religiösen Vorschriften verlieren zunehmend an Bedeutung, und irgendwann ist es für Ben akzeptabel, wenn das Essen „nicht ganz koscher“ ist. Als die beiden schließlich in einem tiefen Brunnenschacht festsitzen und auf ihre jeweils eigene Art beten, zeigt sich der unterschiedliche Umgang der monotheistischen Religionen mit dem Namen Gottes: Während der Muslim Adel die 99 Namen Allahs aufruft, die im Islam gebräuchlich sind, bleibt dem orthodoxen Juden Ben nur „HaSchem“ zur Bezeichnung, weil „Der Name“ Gottes nicht genannt werden darf. Dieser Unterschied markiert in der prekären Lage, in der die beiden sich befinden, aber keinen Gegensatz mehr, sondern stärkt vielmehr das Verständnis des anderen und die Achtung seiner Religion. Dabei kommen sie quasi nebenbei zu der Erkenntnis, dass sie, wenn sie doch überzeugt sind, dass es nur einen Gott gibt, beide den gleichen Gott anbeten. Nach ihrer wundersamen Rettung begegnen sie im griechisch-orthodoxen Katharinenkloster am Fuße des Berges Sinai, des „Mosesberges“, schließlich Vertretern der dritten großen monotheistischen Religion.
      Stefan Sarazin und Peter Keller haben für ihre berührende Geschichte hervorragende Darsteller gefunden. Luzer Twersky, der selbst einer ultraorthodoxen Gemeinde in Brooklyn entstammt, als Ben sowie Haitham Omari als Adel agieren mit viel Charisma und großer Authentizität, und selbst die kleinen Nebenrollen sind mit bekannten Schauspielern der Region überzeugend besetzt. Große dramaturgische Bedeutung kommt der ebenso lebensfeindlichen wie traumhaft schönen Wüstenlandschaft zu, die von Holger Jungnickel und Alexander Haßkerl mit der Kamera in langen, ruhigen Einstellungen mit vielen Totalen und schönen Lichtstimmungen wunderbar eingefangen wird. Die Filmmusik, komponiert von Matthias Petsche in Kooperation mit dem Multi-Instrumentalisten Michael Popp, überzeugt durch Variationen und Interpretationen sephardisch-jüdischer und arabischer Themen und Klangtraditionen.
      Für seine märchenhafte Geschichte vom Entstehen einer tiefen Freundschaft über alle Gegensätze hinweg wurde dem Film das Prädikat BESONDERS WERTVOLL zuerkannt.

      Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)
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