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Fakten und Hintergründe zum Film "New York Memories"

Kino.de Redaktion |

New York Memories Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Rosa von Praunheim über den Film

Zwanzig Jahre nach meinem erfolgreichsten Kinofilm Überleben in New York suche ich nach meinen alten Hauptdarstellerinnen Anna und Claudia und bin überrascht, was aus ihnen geworden ist.

Ich mache mich auf meine persönliche Spurensuche in New York, entdecke Bilder aus meinen alten Filmen wieder, von den wilden 70er Jahren mit Sexparties, wilden Demos und exzentrischen Warhol-Superstars. Ich erinnere mich an die tragischen 80er Jahre und den wütenden Kampf gegen Aids. Viele meiner Freunde starben. In den hoffnungsvollen 90er Jahren filmte ich den Aufschrei von Transsexuellen, die sich nicht mehr damit abfinden wollten, ermordet und vergewaltigt zu werden.

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Gleichzeitig säuberte der Bürgermeister Giuliani die Stadt New York. Sexclubs wurden zugemacht. Künstler und Obdachlose wur- den vertrieben. Manhattan wurde reich und einStück langweilig.

Nach über 10 Jahren kehre ich im Frühjahr 2009 mit der Kamera zurück und will wissen, was aus meiner Lieblingsstadt geworden ist, in der ich einst die glücklichsten Stunden meines Lebens hatte.

Interview mit Rosa von Praunheim

Wie ist die Idee zu diesem Film entstanden?

Ich hatte mich in Berlin frisch verliebt in den hübschen, jungen Oliver, für den es immer ein Traum war, nach New York zu kommen. Ich war zehn Jahre nicht mehr in New York gewesen, hatte die Nase voll von der amerikanischen Politik, von Reagan und Bush und auch vom New Yorker Bürgermeister Giuliani, der New York gesäubert hat. Er hat provozierende Kunstwerke verboten und New York zu einer Insel der Reichen gemacht.

Und was für ein New York fanden Sie 2009 vor?

Wir wohnten zuerst in einem Hotel an meinem geliebten Times Square. Bis Mitte der 90er Jahre war das eine aufregende Sexmeile. Hier ging ich gerne in Transenclubs, in schwule Sexshows, wo die geilsten Typen mit erigierten Gliedern das Publikum animierten. Das ist alles weg. Nur noch spießige Touristenläden. New York ist sehr teuer geworden. Trotz Wirtschaftskrise sind die Mieten unerschwinglich hoch. Meine alten Freunde können sich das Leben dort nur leisten, weil sie alte Mietverträge haben. Die meisten Künstler waren gezwungen, in die Vorstädte zu ziehen. In Manhattan verdrängten Modegeschäfte und Kaffeehaus-Ketten kleine Theater und Galerien.

Also, Sie waren enttäuscht von New York?

Zuerst ja, aber dann spürt man wieder diese unvergleichliche Energie. Es ist vor allem der Überlebenswille der New Yorker, die aus allen Teilen der Welt kommen. Hier wird nicht gejammert. Hier muss man positiv und konstruktiv sein Leben anpacken. Hier gibt es kaum soziale Absicherung und das macht die Leute so vital und erfinderisch.

Ist New York immer noch so kriminell?

Nein, mit dem Reichtum kam auch die Sicherheit. Überall ist Polizei und selbst in Gegenden, die man früher nicht zu betreten wagte, ist heute friedliche Ruhe eingekehrt. Ich erinnere mich sehr gut, wie ich in den 70er Jahren nie ohne Angst auf die Strasse ging. Es war selbstverständlich, genau zu beobachten, wer hinter einem ging. Zu jeder Zeit konnte man überfallen werden und die meisten meiner Freunde wurden mit der Zeit Opfer von Gewalttaten. Am meisten hatte ich Angst, Einbrecher auf frischer Tat in meiner Wohnung zu ertappen, wenn ich gerade zur Tür reinkam. Claudia aus meinem Film Überleben in New York wurde in ihrer Wohnung brutal vergewaltigt. Der Freund der anderen Protagonistin Ulli erschlug einen Freund im Drogenrausch, weil er seinen Hund getreten hatte. Es waren wilde Zeiten!

Was ist aus den Stars aus Ihrem erfolgreichsten Film Überleben in New York geworden?

Claudia und Anna leben immer noch in New York und es ist fantastisch, was sie in den letzten zwanzig Jahren alles in New York erlebt haben. Claudia war damals in einer unglücklichen Beziehung mit einer Frau und versuchte, mit vielen Jobs zu überleben und Anna arbeitete als Go-Go-Tänzerin, um sich ihr Studium der Psychologie zu finanzieren. Sie verliebte sich in einen Richter, der die Bar kaufte, in der sie auftrat. Die kleine süße Ulli ist inzwischen nach Kalifornien gezogen. Man hat sie wohl mit einem Alligator beim Spazierengehen gesehen, aber Genaues weiss ich nicht.

Und was machen Anna und Claudia heute?

In meinem Film wird man sehr viel Überraschendes über diese wunderbaren Frauen erfahren. Ich kann nur sagen, dass sie mich bei den Dreharbeiten sehr unterstützt haben. Wir konnten überall filmen. Spannend war es mit Anna in Harlem zu drehen, wo sie inzwischen lebt. Vor zwanzig Jahren war das ein Slum und hoch-gefährlich. Claudia brachte uns durch ihren Beruf als Journalistin mit den originellsten New Yorkern zusammen wie den Reverend Billy, der die Church of Non Shopping gegründet hat und gegen den reichen Bürgermeister Bloomberg antritt.

New York Memories ist ja auch ein persönlicher Rückblick.

Ja, 1971 kam ich zum ersten Mal nach New York und war sofort begeistert. Da gab es noch die Factory von Andy Warhol und seine Superstars, von denen ich viele kennenlernte. Da gab es Undergroundtheater und Filme, billig gemachte Produktionen mit radikalen Ideen. Das war meine Welt und ich begann sofort, diese Szene mit meiner Kamera zu dokumentieren. Besonders begeistert war ich von der dicken Sängerin Tally Brown und ihren wilden Freunden. Für diesen Film bekam ich Ende der 70er den Bundesfilmpreis.

Und die Schwulenszene?

Zuerst erschien es mir so, als ob alle New Yorker schwul wären. Schwul oder jüdisch oder beides. Hierhin hatten sich aus dem ganzen Land Minderheiten geflüchtet, um freier leben zu können. Anfang der 70er gab es schon eine grosse politische Schwulenbewegung.

Die Sie in Ihrem Film Armee der Liebenden dokumentiert haben. In New York hatten Sie auch viel Sex.

Damals erlebte ich meine ersten Orgienbars, traf grosse starke Männer in dunklen Hinterzimmern im Meat Market District. Man konnte Tag und Nacht in den Lagerhallen am Ende der Christopherstreet Sex haben. Es war ein Traum, der ja in den 80er Jahren in Verzweiflung umschlug als Aids kam.

Und war Ihnen das gleich klar, dass das eine gefährliche Krankheit ist?

Ich bin ein Hypochonder und ich war engagiert in der Schwulenbewegung in New York. Als die ersten meiner Freunde krank wurden und auch starben, sah ich es als selbstverständlich an, meine Freunde inDeutschland zu warnen.

Sie haben dann mehrere Filme gedreht: Positiv über den politischen Kampf der New Yorker gegen Aids und Schweigen=Tod über Kunst und Aids.

Ich war sehr verzweifelt in dieser Zeit, aber gleichzeitig auch begeistert von dem Mut und der Kraft der New Yorker, die nicht aufgaben. Der Kampf gegen Aids hat die Schwulen ja wieder zusammengebracht und es ist viel erreicht worden.

Besonders fasziniert waren Sie von einer Bewegung, die sich Transexual Menace nannte. Darüber entstand auch ein Film.

Es waren grossartige Menschen, die ich da traf. Sowohl Mann zu Frau, als auch Frau zu Mann Transsexuelle, die für Gleichberechtigung kämpften. Mit hundert von ihnen ging ich nach Washington, um dort die Senatoren über ihre Rechte aufzuklären.

Und bei den Dreharbeiten 2009 trafen Sie auf den 13-jährigen Sohn Ihres Kameramanns Jeff Preiss.

Das war eine Überraschung. Ich wusste, dass Jeff, der Kameramann meines Films Überleben in New York eine Tochter hatte, auf die er sehr stolz war und als ich ihn wiedersah, sprach er von Isaac, seinem Sohn. Isaac hatte sich schon mit zwölf Jahren auf You Tube mit einem sehr berührenden kleinen Film als Junge geoutet. Durch ihn erfuhr ich, dass es immer mehr Kinder und Jugendliche gibt, die schon früh entdecken, dass sie zum anderen Geschlecht gehören und heute, im Zeitalter des Internet, mehr Unterstützung finden als früher.

In Ihrem Film gibt es zwei attraktive junge Frauen, die Sie schon als Kinder kannten. Lucie und Marie Pohl.

Ich lebte damals im New Yorker Stadtteil Soho bei meiner Freundin Vera und ein paar Stockwerke über ihr gab es eine verrückte Künstlerfamilie, die Anfang der 90er Jahre nach New York gezogen war. Klaus Pohl hatte in Deutschland viel Erfolg mit seinen Theaterstücken. Er wollte sich hier mit seiner Frau, einer grossartigen Sängerin, und seinen Kindern einen Traum erfüllen. Als ich die Familie Pohl 2009 wiedertraf, waren die Töchter Schönheiten geworden und sehr begabte Künstlerinnen.

Marie Pohl hatte in Deutschland einen erfolgreichen Roman veröffentlicht Maries Reise und Lucie war auf der Schauspielschule in Berlin. Haben sie auch in New York Erfolg?

Das war das Reizvolle für mich, ihren Überlebenskampf in New York zu zeigen. Obwohl sie in Deutschland Erfolge hatten, ist New York um ein Vielfaches härter und schwieriger. Beide lieben New York und träumen davon, auch hier Karriere zu machen. Beide müssen nebenher jobben. Allein die Miete für ein kleines Zimmer kostet um die 2000 Dollar. Sie erinnerten mich an Anna und Claudia, als sie in New York anfingen. Keiner wusste damals, ob sie das harte New York durchhalten. Claudia und Anna haben es geschafft. Ob Lucie und Marie es schaffen werden, wissen wir noch nicht.

Wie schwer war es in New York zu drehen?

Für grosse Filme ist es sehr schwer, für meinen kleinen Dokumentarfilm war es leichter. Ich hatte einen grossartigen Kameramann aus Berlin, Lorenz Haarmann, mit dem ich schon früher in New York gedreht hatte und er hat bei diesem Film meines Erachtens seine beste Arbeit gemacht. Er konnte sich sehr schnell auf die schwierigsten Situationen einstellen und hat immer aus der Hand gedreht, auch lange Interviews. Und er ist attraktiv und freundlich, das hilft bei Interviews enorm.

Mit welchem Gefühl kamen Sie aus New York zurück?

Mein Freund Oliver, der für den ganzen Film Ton gemacht hat, wollte gar nicht mehr zurück. Er liebte die Buntheit, die Verrücktheit von New York. Für mich ist Berlin immer Erholung. Obwohl viele New Yorker inzwischen von Berlin schwärmen, New York ist und bleibt einmalig. Nach New York wird man süchtig und ich bin froh, dass ich in dieser einmaligen Stadt so lange und intensiv leben, lieben und arbeiten durfte.

(Rosa von Praunheim im Gespräch mit Ursula Mistress, Februar 2010)

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