Neu in unserer Familie: Ein Baby für alle

  

Filmhandlung und Hintergrund

Den Fernsehfilmredaktionen von ARD und ZDF wird regelmäßig vorgeworfen, zu sehr auf die klassische Familie fixiert zu sein und alternativen Konstellationen zu wenig Raum zu bieten. „Neu in unserer Familie“ vom vielfach ausgezeichneten Erfolgsduo Daniel Nocke/Stefan Krohmer über ein Elternpaar, das sich auf das Experiment einer offenen Beziehung einlässt, fällt jedoch nicht nur inhaltlich aus dem Rahmen. Die Arbeiten...

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Den Fernsehfilmredaktionen von ARD und ZDF wird regelmäßig vorgeworfen, zu sehr auf die klassische Familie fixiert zu sein und alternativen Konstellationen zu wenig Raum zu bieten. „Neu in unserer Familie“ vom vielfach ausgezeichneten Erfolgsduo Daniel Nocke/Stefan Krohmer über ein Elternpaar, das sich auf das Experiment einer offenen Beziehung einlässt, fällt jedoch nicht nur inhaltlich aus dem Rahmen.

    Die Arbeiten Krohmers sind darstellerisch ohnehin regelmäßig bemerkenswert. Für den Zweiteiler gilt das in besonderem Maße, denn hier spielen auch die Kinder wichtige Rollen. Das Ensemble ist zudem vorzüglich zusammengestellt, was in diesem Fall äußerst wichtig war, denn am Ende leben praktisch alle Mitwirkenden unter einem Dach. Der spezielle Reiz des Films liegt in dem für Nocke und Krohmer ungewöhnlichen Ansatz, eine Geschichte über ein harmonisches Paar zu erzählen, weshalb es auch keine echten Antagonisten gibt: Marit und Jonas (Maya Schöne, Benno Führmann) führen seit 14 Jahren eine Ehe ohne Trauschein, sie haben zwei tolle Kinder und keine materiellen Sorgen. Der Film beginnt mit ihrem Umzug von Köln nach Berlin. Auf die erste Zäsur folgt gleich eine zweite: Die beiden beschließen, jenen Versuchungen nachzugeben, die sich im Lauf des Lebens immer wieder mal anbieten, und keinerlei Geheimnisse voreinander zu haben. Jonas testet die neue Freiheit als erster: Als er noch mal nach Köln muss, lernt er die erfrischend lebensfrohe Johanna (Inez Bjørg David) kennen. Marit ist zwar etwas überrascht, wie flott das geht, findet aber ebenfalls bald einen Zweitmann. Heavy-Metal-Musiker Christian (Henning Baum), zweifacher Vater, entpuppt sich jedoch als Romantiker, der viel von Treue hält, sich unsterblich in Marit verliebt und deshalb erst mal Abstand nimmt. Damit ist es vorbei, als sich rausstellt, dass die stürmische Begegnung der beiden nicht ohne Folgen geblieben ist. Also wagen alle Beteiligten ein zweites, noch ungewöhnlicheres Experiment: Christian zieht zu Marit und Jonas.

    Nocke und Krohmer verklären das Modell nicht. Die kleinen Risse werden beiläufig, aber sichtbar inszeniert; die Kinder sind ohnehin alles andere als begeistert. Die Konflikte werden nicht beschönigt, aber auch nicht unnötig dramatisiert, zumal der Film auch dank der ausgesprochen coolen Musik nie seinen entspannten Tonfall verliert und immer wieder unerwartet witzig ist. Erfrischend offen ist auch die unverkrampfte Darstellung von Sex. Die beste Idee aber war womöglich die Besetzung der jeweiligen Bonusliebe: Inez Bjørg David versieht Johanna mit derart viel positiver Ausstrahlung, dass sie nicht nur die Kinder, sondern auch Marit umgehend für sich einnimmt. Henning Baum wiederum ist schon allein wegen seiner physischen Präsenz eine Wucht.

    Der zweite Teil ist wesentlich episodischer strukturiert ist als Teil eins, was sich angesichts des gewachsenen Ensembles wohl auch gar nicht vermeiden ließ, denn nun geht es nicht mehr nur um die Kernfamilie; gerade die pubertierenden Kinder müssen lernen, mit der neuen Situation klar zukommen. Umso wichtiger war deren Besetzung, und da haben die Verantwortlichen ein hervorragendes Händchen bewiesen. Vor allem Maria Matschke als die jüngere Selma ist sensationell gut und wirkt trotz der reifen Dialoge nie altklug. Der Zweiteiler führt daher zur Perfektion, was auch die früheren Werke von Nocke und Krohmer auszeichnete: Sämtliche Schauspieler agieren derart natürlich, als würde die Kamera (Patrick Orth) nicht Darstellern, sondern dem echten Leben zuschauen; etwas Besseres lässt sich über Schauspielkunst dieser Art nicht sagen. tpg.

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