Neil Young: Heart of Gold

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   2006

Neil Young: Heart of Gold: Schöner Dokumentarfilm eines vielseitigen, kompromisslosen Filmemachers über einen vielseitigen, kompromisslosen Musiker.

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Filmhandlung und Hintergrund

Neil Young: Heart of Gold: Schöner Dokumentarfilm eines vielseitigen, kompromisslosen Filmemachers über einen vielseitigen, kompromisslosen Musiker.

Musik-Urgestein Neil Young hält sich seit den 60er Jahren im Geschäft, brilliert als Solist bzw. in Bands wie „Buffalo Springfield“, „Crazy Horse“ oder „Crosby, Stills, Nash & Young“. Der Mann, der zwischendurch auch schon mal als „Godfather des Grunge“ apostrophiert wurde, lässt sich in keine Schublade pressen, wechselt seinen Stil wie andere Leute Hemden.

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Kritikerrezensionen

  • Nashville, Tennessee. Auf den Straßen der Stadt bewegen sich mehrere alte, amerikanische Limousinen. Nach und nach kommen einige Szimmen zu Wort. Auf den Rücksitzbänken der Limousinen sitzen Young und einige seiner Musiker, die ihn über Jahrzehnte hinweg begleitet haben. Sie wirken melancholisch, Young steht eine Gehirnoperation bevor, und niemand kann sagen, ob diese Band nach dem folgenden Engagement jemals wieder zusammen spielen wird. Es ist ein musikalisches Testament, dass Jonathan Demmes Kameras und Mikrophone an diesem Abend aufnehmen, eine Revue seiner größten Erfolge und jener Lieder, die Neil Young am meisten bedeuten.

    In den ersten Filmminuten fängt eine Kamera scheinbar zufällig eine Fotografie von Hank Williams ein, die an einer Häuserfassade angebracht ist. Williams, der als Musiker durch das Land zog, und erst kurz vor seinem Tod in den frühen 50er Jahren Anerkennung durch eine breitere Öffentlichkeit erfuhr, feierte den Höhepunkt seiner kurzen Karriere im Ryman Auditorium, jener Konzerthalle, die auch unter dem Namen „The Grand Ole Oprey“ bekannt ist und die noch heute als Wallfahrtsort für Countryfans gilt. Das Gebäude aus der Zeit der Jahrhundertwende genießt Berühmtheit auch durch seine Akustik und seine besondere räumliche Nähe zwischen Musikern und Publikum. Viele in diesem Saal gemachte Aufnahmen gelten als bahnbrechend. Die Wahl des Ortes untermauert dezent, aber unmissverständlich und selbstbewusst die Stellung, die Neil Young in der amerikanischen Folk- und Countryszene beansprucht.

    Diese Stellung ist so unangefochten, dass man sie nicht mit frenetisch klatschendem Fans untermauern muss. So verzichtet Jonathan Demme, mit Ausnahme einer sehr kurzen Sequenz, auf die bei Konzertfilmen sonst üblichen Aufnahmen des Publikums. Er verschreibt sich stattdessen ganz dem Zentrum des Interesses, Neil Young, den er von Kameras umkreisen lässt und aus verschiedensten Perspektiven beim singen, spielen und zuhören zeigt. Der Mann und seine Musik, darum geht es diesem Film. Auf den ersten Blick wirkt dies wie ein schlichtes Konzept. Doch es räumt den Menschen auf der Bühne größten Raum ein. Eine sensible Kameraführung und Schnittregie macht die Beziehungen der Musiker untereinander sichtbar. Hier unterstreicht der Film, was in der Realität stattfindet. Doch er fügt dem Geschehen noch eine eigene Ebene hinzu. Hinter der Bühne ist alles ständig in Bewegung, wechseln Bühnenbilder, Hintergründe und Lichtstimmungen. Diese vielschichtige Inszenierung stellt sich ganz in den Dienst der Musik, will Youngs unprätentiösem Werk nichts Aufbauschendes hinzufügen, nichts verkünsteln. Dennoch ist es vor Allem die hintergründige Farbdramaturgie, die aus dem Konzert ein filmisches Ereignis macht.

    Weil Demme das Publikum im Ryman Auditorium ausblendet, entsteht eine direkte Beziehung zwischen den Musikern, ihrer Musik und dem Kinopublikum. Der Kinozuschauer wird zum Konzertbesucher. Im Vergleich zu konventionellen Konzertfilmen, die die Euphorie des Augenblicks durch ausladende Kamerafahrten und Bilder von bewegten Bühnenleuchten und begeisterten Zuschauern einzufangen versuchen, setzt Neil Young: Heart of Gold auf eine sachte Entfaltung der subtilen Wirkungen der Musik. Die Reaktion findet auf der Ebene zwischen Zuschauer und der Musik statt, die Inszenierung dient lediglich als Katalysator, der dieses Verhältnis am Leben erhält und beschleunigt.

    Die Premiere des Films beim Sundance Filmfestival zeigte eine regelrechte Verschmelzung der filmischen Realität und der Wahrnehmung des Publikums. So war mitunter nicht auszumachen, ob gerade das Kinopublikum, das gefilmte Publikum im Ryman Auditorium, oder beide zwischen zwei Songs applaudierten.

    Durch die Konzentrierung der Inszenierung auf den Mann und seine Musik gelingt hier scheinbar nebenbei ein intimes Portrait des Musikers Neil Young, indem die Inszenierung nicht von der menschlichen Dimension ihrer Hauptfigur ablenkt, sondern diese immer und immer wieder durch lange Naheinstellungen seines Gesichts unterstreicht. Man hat das Gefühl, dem Künstler nahe zu kommen, ohne von einem Star überschattet zu werden. Denn Young ist in diesem Film nicht „larger than life“, wird nicht in Manier des Rock n’ Roll zum Übermenschen stilisiert. Stattdessen gibt Demme einem vom Leben gezeichneten Gesicht Raum, schenkt feinen Zwischentönen Beachtung und erlöst so den Rock Star für einen Moment von seinem Schicksal, eine Ikone sein zu müssen.

    Keine Frage, kein Kommentar, keine Einblendung trübt dieses Portrait. Jonathan Demme lässt Neil Young alles in seinen eigen Worten und Liedern sagen, will nichts enthüllen oder besonders hervorheben und Young ist weise genug, den ihm gewährten Raum mit nichts als seiner schlichten Präsenz zu füllen. Angesichts einer derart zurückhaltenden Inszenierung möchte man diesen Film mitunter als distanziert bezeichnen, wäre da nicht diese spezielle Nähe, die sich aufbaut, wenn man im Kinosessel allmählich von dem Gefühl ergriffen wird, diesen Mann, Neil Young, schon eine Ewigkeit zu kennen.

    Fazit: Konzertfilm, dessen künstlerische Tiefe sich erst auf den zweiten Blick erschließt. Jonathan Demmes Inszenierung stellt sich uneitel in den Dienst des Musikers und seines Werks und erzeugt ein Portrait von ungeahnter Tiefe und Intimität.
  • Der eine, Neil Young, gilt als kompromissloses Musik-Genie von großer Bandbreite. Für den anderen, Filmemacher Jonathan Demme, gilt auf seinem Gebiet Ähnliches. Nun haben sich die beiden (wieder mal) zusammen getan. Mit spektakulärem Ergebnis.

    Musik-Urgestein. Anders kann man Neil Young nicht beschreiben. Wie vielleicht nur die „Rolling Stones“ hält er sich seit den 60er Jahren im Geschäft, brilliert als Solist bzw. in Bands wie „Buffalo Springfield“, „Crazy Horse“ oder „Crosby, Stills, Nash & Young“. Als Soundtrack-Komponist kennt man ihn von Jim Jarmuschs „Dead Man“, Platten wie „Harvest“ oder „Rust Never Sleeps“ gehören in jede ernstzunehmende Sammlung und unter dem Pseudonym Bernard Shakey arbeitet er als (ausführender) Produzent, als „pioneer of expressionist home made rock’n’roll movies“. Und – ganz wichtig – der Mann, der zwischendurch auch schon mal als „Godfather des Grunge“ apostrophiert wurde, lässt sich in keine Schublade pressen, wechselt seinen Stil wie andere Leute Hemden.

    Ein Künstler, ganz nach dem Geschmack von Oscar-Preisträger Jonathan Demme („Das Schweigen der Lämmer“). In Folge des Gezerres um „Der Manchurian Kandidat“ denkt er laut darüber nach, in Zukunft die Finger von Big-Budget-Hollywood-Produktionen zu lassen – „zu viel Fremdeinmischung, zu wenig künstlerische Freiheit.“ Das kann ihm bei seinen Clinica Estetico-Produktionen schließlich nicht passieren. Da ist er sein eigener Herr, darf aufrüttelnde Dokumentationen über Haiti realisieren, seinen „Cousin Bobby“, Seelsorger in Harlem, porträtieren und auch seiner Musik-Leidenschaft frönen. 1984 waren die „Talking Heads“ mit „Stop Making Sense“ dran, 1998 der un(be)greifbare Robyn Hitchcock mit „Storefront Hitchcock“ und jetzt co-operiert er, nach „Philadelphia“ und den „Complex Sessions“, zum bereits dritten Mal mit dem gebürtigen Kanadier Neil Young.

    Mit ein paar Autofahrten durch Nashville geht’s los. In den Limousinen sitzen alte Weggefährten und Freunde Youngs, geben knapp Auskunft über den Meister, darunter die Country-Größe Emmylou Harris, Ehefrau Pegi, der Keyboarder Spooner Oldham, der Steel-Gitarrist Ben Keith. Die legendäre, pinkfarbene Musikkneipe Tootsie’s wird auf dem Weg zum Rymans Auditorium passiert. Dann sitzt Young, Singer und Songwriter, auf der Bühne, umgeben von seiner Band. Zu hören und zu sehen ist die Premiere der „Prairie Wind“-Tournee. Ellen Kuras‘ („Dave Chappelle’s Block Party“) Kamera umstreicht, umschmeichelt das „Heart of Gold“, wechselt Perspektiven und Einstellungen. Neil Young spielt, lässig, versiert, voller Inbrunst, macht Musik erfahrbar, beschreibt das Leben durch Lieder. Einfach, traditionsreich und -bewusst ist er hier, nah an den Wurzeln. Bisons bevölkern bei „Far from Home“ die Weiden, Elvis wird in „He Was the King“ Tribut gezollt und auf dem Titeltrack setzt er sich mit dem Tod des Vaters auseinander. Aber trotz aller Rückschau und Introspektion blickt Young nach vorne: „It’s a long road behind me, it’s a long road ahead…“ Hoffentlich, sowohl für Young als auch für Demme, die hier mit minimalen Mitteln Maximales leisten. Kunst kommt von Können. geh.

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