Nackt. Das Netz vergisst nie

  1. Ø 5
   2017
Nackt. Das Netz vergisst nie Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Nackt. Das Netz vergisst nie: Eine Mutter bekommt die ungeheuerliche Macht des Netzes zu spüren, als sie gegen die Poster von Nacktfotos ihrer Tochter vorgehen möchte.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Auf der Website „Fuck my Ex“ tauchen eines Tages Nacktfotos auf, die die 16jährige Lara mit dem Smartphone für ihren Freund Basti gemacht hat. Gegen eine Zahlung von 500 Dollar bietet der Betreiber der Seite an, die Bilder zu löschen. Die Eltern zahlen, das Profil verschwindet; allerdings nur bis zum nächsten Tag.

    Da die Website anscheinend irgendwo in Asien betrieben wird, ist die deutsche Polizei machtlos. In der Hoffnung, einen Hinweis auf die Identität des Urhebers zu bekommen, nimmt Laras Mutter Charlotte (Felicitas Woll) Kontakt zu den anderen deutschen Frauen auf der Seite auf, aber bei allen ist die Scham zunächst größer als die Wut. Als sie schließlich doch Erfolg hat, schlägt die dunkle Seite erbarmungslos zurück.

    Anders als etwa in „Homevideo“ (NDR 2011) wird die Geschichte (Buch: Anne-Marie Keßel) nicht aus Sicht der Tochter erzählt. Hauptfigur ist vielmehr Charlotte, die sich in einen aussichtslos scheinenden Kampf gegen Windmühlen stürzt und derart auf ihren Kreuzzug fixiert ist, dass sie völlig vergisst, sich um die traumatisierte Lara zu kümmern; ihre Ehe leidet ebenfalls. Trotzdem sind die Szenen mit Lara ungleich berührender. Beim Spießrutenlauf in der Schule lässt sich gleich zweimal unangenehm gut nachvollziehen, wie es dem Mädchen ergeht. Die junge Aleen Jana Kötter vermittelt Laras Unbehagen, das sich zur Panik steigert, vorzüglich; sie war schon in dem Drama „Nur eine Handvoll Leben“ ganz ausgezeichnet. Felicitas Woll und Martin Gruber sind als Eltern vor allem zu Beginn überzeugend, als die Welt der Familie noch in Ordnung ist; später klingen die Dialoge nicht immer lebensnah vorgetragen. Auch die Umsetzung weckt längst nicht so viel Empathie wie andere Internetfilme zu diesem Thema (etwa „Das weiße Kaninchen„).

    Keßler und Regisseur Jan Martin Scharf erzählen die Geschichte als Rückblende. „Nackt“ beginnt auf dem Tiefpunkt, als Charlotte dem Nervenzusammenbruch nahe ist, mit einem Fleischermesser bewaffnet auf die nächtliche Straße rennt und eine junge Frau aus der Nachbarschaft, die mit ihrem Freund im Auto schmust, fast zu Tode erschreckt. Natürlich soll ein derart packender Auftakt die Neugier wecken, aber er hat auch zur Folge, dass die Spannung anschließend wegsackt. Emotional wird es erst wieder, als Charlotte ihre Tochter belehrt, man müsse sich seinen Ängsten stellen; außerdem gebe es in der Schule niemanden, der ihr etwas Böses wolle. In Zeitlupe zeigt Scharf, was Lara nun erlebt: Anfangs gucken alle bloß komisch, dann gibt es die ersten anzüglichen Bemerkungen. Am schlimmsten ist der Verrat von Basti (Niklas Nißl), der nicht etwa zu ihr hält, sondern auf Distanz geht.

    Ohnehin pflegt der Film einen seltsamen Umgang mit den potenziellen Verbündeten: Bei der Polizei unterstellt eine ältliche Beamtin, Lara habe die Fotos selbst ins Netz gestellt. Ähnlich unmotiviert unsympathisch verhält sich eine Hacker-Gruppe, die Charlotte äußerst arrogant abblitzen lässt, als sie die Jugendlichen bittet, die Website stillzulegen. Einzige Mitstreiterin ist Amal (Jasmina Al Zihairi), auch sie ein Opfer von „Fuck my Ex“. Dass sich die junge Frau Charlottes Kreuzzug anschließt, ist alles andere als selbstverständlich, denn sie hat viel mehr zu verlieren als Lara: Sie ist Muslima, ihr Vater ist Imam. Umso unverständlicher, dass Charlotte sich nicht um die Freundin kümmert, als die hilfesuchend vor ihrer Tür steht. Angesicht der Relevanz und der Ernsthaftigkeit, mit der das Drama die Thematik behandelt, wirkt auch der Titel mit seinem plakativen Reizwort „Nackt“ unangemessen plump. Dazu passt, dass Scharf Laras Nacktfotos unnötig oft zeigt. Sat.1 versichert jedoch, auf den Bildern sei nicht Aleen Jana Kötter zu sehen. tpg.

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