Nachspielzeit

  1. Ø 0
   2014
Nachspielzeit Poster

Filmhandlung und Hintergrund

Nachspielzeit: Drama über zornige junge Männer in einem erbittert geführten Berliner Kiezkleinkrieg.

Für den arbeitslosen Roman sind die Ausländer an allem Schuld, vor allem an seiner miserablen sozialen Lage. Der Deutschtürke Cem wehrt sich mit Sabotageaktionen gegen Immobilienspekulanten, die alteingesessene Mieter aus ihrem Neuköllner Kiez vertreiben wollen. Eigentlich stehen die beiden zornigen jungen Männer auf derselben Seite, aber nach einer ersten Begegnung auf dem Fußballplatz, die prompt in einer Prügelei endet, liefern sie sich einen Kampf, der beinahe tragisch endet.

Darsteller und Crew

Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Die Stimmung ist explosiv; ein Funke genügt, um die zornigen jungen Männer aus der Haut fahren zu lassen. Der Druck kommt jedoch vor allem von außen.

    Roman, ein Arbeitsloser ohne Perspektive, gibt „den Ausländern“ die Schuld an seiner Lage, weil sie angeblich von dem Geld profitieren, das ihm weggenommen wird. Der Deutschtürke Cem, der gerade ein freiwilliges soziales Jahr in einem Seniorenheim absolviert, hat sich einer Initiative angeschlossen, die sich mit Sabotageaktionen gegen den Ausverkauf des Neuköllner Kiezes wehrt. Roman und Cem begegnen sich das erste Mal bei einem Fußballspiel. Ihre Beleidigungen eskalieren in eine Prügelei, beide sehen Rot. Später treffen sie auch außerhalb des Platzes aufeinander; beinahe zu spät stellen sie fest, dass sie ihre Kräfte besser gegen einen gemeinsamen Feind bündeln sollten.

    Andreas Pieper (Buch und Regie) beginnt „Nachspielzeit“ mit rohen, betont unfertig wirkenden Aufnahmen, die seine beiden Protagonisten im finalen Kampf miteinander zeigen; die Vorgeschichte reicht er als Rückblende nach. Die Bildgestaltung (Armin Dierolf) aber bleibt dem Stil des Prologs treu, was dem Film eine große Direktheit gibt. Immer wieder ist die Kamera fast hautnah an den Figuren; auf diese Weise gelingt es Pieper, die Stimmungen unmittelbar einzufangen, zumal viele Szenen mit entsprechenden Rapsongs unterlegt sind. Das gilt nicht nur für Aggression, sondern auch für Zuneigung; die zärtlichen Bilder, die Pieper und Dierolf für eine Arbeitsplatzromanze zwischen Cem und Kollegin Astrid (Friederike Becht) finden, lassen diese Momente des Glücks fast wie fragile Fremdkörper wirken.

    „Nachspielzeit“, nach „Entzauberungen“ Piepers zweiter Langfilm, der mit Erfolg auf verschiedenen Festivals lief, ist sichtlich mit überschaubarem Budget entstanden. Aber das Drama lebt ohnehin von der Atmosphäre, und für die sorgen neben der Kamera vor allem die ausgezeichneten Hauptdarsteller. Frederick Lau ist dabei eine fast schon zu nahe liegende Besetzung für Roman, dessen dumpfer Ausländerhass bloß ein Ventil für seine diffuse Wut ist; aber natürlich spielt er das vortrefflich. Eine echte Entdeckung ist dagegen Mehmet Atesci, waschechter Kreuzberger und Ensemblemitglied im Berliner Maxim Gorki Theater, der bislang nur wenig Filmerfahrung hat. Während die Rollen der beiden jungen Männer vergleichsweise differenziert angelegt sind, entspricht Aleksandar Tesla als Handlanger der anonym bleibenden Investoren dem üblichen Schurkenklischee.

    Gegen Ende, als Pieper zu jener Szene zurückkehrt, mit der der Film begonnen hat, schließt sich der Kreis: Der Scherge des Kapitals hat die Mitglieder des Proletariats offenbar mit Erfolg gegeneinander aufgehetzt. Doch Pieper sorgt mit einem überraschenden Knalleffekt für eine unerwartete Wendung und gibt der Geschichte mit einem Epilog, der „Nachspielzeit“, ein nur noch haarscharf realistisches versöhnliches Ende. tpg.

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