Filmhandlung und Hintergrund

Über zwei Jahre hinweg entstandene Dokumentation über das im Bürgerkrieg zerstörte Mostar und den Versuch des Wiederaufbaus.

Hans Koschnick, von der EU für zwei Jahre als Administrator in Mostar eingesetzt, soll dafür sorgen, das Gemeinwesen wieder in Gang zu bringen, Ruinen wieder aufzubauen. Die Menschen sind hin- und hergerissen zwischen Depression und wiederaufflackernder Hoffnung und hauptsächlich mit dem alltäglichen Kampf ums Überleben beschäftigt.

Eindringliche, einen Zeitraum von fast zwei Jahren umspannende Dokumentation über den Versuch des Wiederaufbaus in der auch nach den schlimmsten Kriegswellen geteilten Stadt Mostar. Pepe Danquart und Mirjam Quinte begleiteten den früheren Bremer Bürgermeister Hans Koschnik bei seiner oft deprimierenden Sisyphos-Arbeit. „Nach Saison“ erhielt auf der Berlinale den Friedensfilmpreis.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Nach Saison: Über zwei Jahre hinweg entstandene Dokumentation über das im Bürgerkrieg zerstörte Mostar und den Versuch des Wiederaufbaus.

    Eigentlich sollte der Titel „Nach dem Krieg“ lauten, denn als Hans Koschnik 1994 von der EU als Administrator für das geteilte Mostar eingesetzt wurde, um das gestörte Gemeinwesen wieder auf Vordermann zu bringen, schien der Frieden greifbar. Pepe Danquart (Oscar-Preisträger 1994 für den Kurzfilm „Schwarzfahrer“) und Mirjam Quinte begleiteten den früheren Bremer Bürgermeister bei seiner oft deprimierenden Aufbau- bzw. Sisiphos-Arbeit. „Nach Saison“ erhielt auf der Berlinale den mit 10.000 Mark dotierten Friedensfilmpreis.

    Aus 100 Stunden Material komprimierten Danquart und Quinte zwei Stunden spannendste Gegenwartsgeschichte. Zwei Bürgerkriege in drei Jahren haben aus Mostar ein Trümmerfeld gemacht, das Koschnik zu Beginn Ärmel-aufkrempelnd in eine lebenswerte Stadt umwandeln wollte. In den Gesprächen zwischen Filmemachern und SPD-Mann stand nicht Tagespolitik im Vordergrund, sondern die existenziellen Dinge. So fragt Koschnik philosophisch: „Was ist Wahrheit?“. Und daß jede Wahrheit relativ ist, zeigen die Bilder und vor allem die Statements der Bewohner des geteilten Mostars.

    Da treiben die Kroaten, die mit den Bosniern gegen die Serben kämpften, die Muslime aus der von ihnen beherrschten Stadthälfte, schießen auf ihre früheren Weggenossen. Manchmal glaubt man sich in die Zeit des Ustascha-Faschismus versetzt, wenn alte Kämpen fanatisch brüllen „Für Heimat sei bereit!“ und die Hand zum Hitlergruß heben, ein Invalide ungeniert verkündet, er würde jeden Moslem töten, der sich auf christliches Terrain wagt. Der kroatische Westen ist durch eine unsichtbare Mauer vom muslimischen Osten getrennt, der Grenzübergang heißt Checkpoint Charly. Trotz aller Misere behalten die geschundenen Menschen im Ostteil aber ihre Hoffnung und, selten, ihren Humor. Sie feiern Feste und wissen, es könnte das letzte sein. Manche wollen nichts mehr vom alltäglichen Krieg und Überlebenskampf wissen. Ein junger Mann macht Radio, das Programm: Alles außer Krieg. Das alte unversehrte Mostar kommt nur noch als Geschichte vor. An die legendäre alte Brücke Stari Most, die die Stadthälften verband, erinnern sich die Menschen fast mit Tränen. Übriggeblieben sind zwei Turmruinen.

    Die Filmemacher wollten „keine bunten Bilder vom Krieg geben“ oder „Urlaubsbilder aus der Trümmerlandschaft“ mitbringen. Deshalb entwickelten sie in atmosphärisch dichter schwarz-weiß Fotografie und im Stil der Wochenschauen eine Geschichte des Scheiterns. Die ethnischen Gruppen stehen sich 1996 verfeindeter gegenüber als je zuvor. Nicht nur die Brücke Mostars ist zerstört, auch die Beziehungen der Menschen untereinander. Die Wunden brauchen länger zur Heilung als der mit internationaler Scheckbuch-Politik initiierte Wiederaufbau und die Wiederherstellung von Werten. In nuancierten Bildern breitet sich ein Szenario von Haß und gegenseitigem Unverständnis aus, ein Film, der schmerzt. Weh tut allerdings auch der Off-Kommentar, nicht nur der teilweise unerträgliche Text, auch die belehrende Stimme zerstört die Intensität dieses Dokumentarfilms. Dennoch überzeugt „Nach Saison“ als Plädoyer gegen den Krieg, als beindruckender Kontrapunkt gegen die tagtäglich ins Wohnzimmer gesendete und oft austauschbare Fernsehware. mk.

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