Nach der Revolution

Kinostart: 30.05.2013
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Filmhandlung und Hintergrund

Engagiertes Drama über den arabischen Frühling in Ägypten und den Missbrauch einfacher Menschen durch Regimes.

Der einfache Mahmoud vom Land wird 2011 unter falschen Versprechungen in die Reiterstaffel gelockt, um brutal Hosni Moubaraks System gegen die Demonstranten auf dem Tahir-Platz zu verteidigen. Nach dessen Sturz erkennt er, dass er auf der falschen Seite gekämpft hat und schämt sich. Eine moderne Städterin wirft ein Auge auf ihn, ohne Rücksicht auf seine Frau und Familie und seinen Ruf im Dorf. Die Beziehung offenbart die Zerrissenheit und Zerrüttung der ägyptischen Gesellschaft.

Ein einfacher Kamelreiter verliebt sich in eine Journalistin, die bei Recherchen in sein Dorf kommt. Engagiertes Drama über den arabischen Frühling in Ägypten und den Missbrauch einfacher Menschen durch Regimes.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Der Film "Nach der Revolution" wirft sich mitten ins Getümmel in einem Land, das sich von den Fesseln der Diktatur zu befreien versucht. Die ägyptische Gesellschaft steht, worauf der Titel hinweist, vor einem Berg von Problemen: Die Geschichte von Reem und Mahmoud handelt von sozialen Unterschieden, feudalen Strukturen auf dem Land und einer Tradition der Gewalt. Der ägyptische Regisseur Yousry Nasrallah ("Das Tor zur Sonne", "Das Aquarium") nutzt die fiktive Handlung dazu, um seine Landsleute vor Frontenbildung zu warnen. Am Beispiel der klugen Vermittlerin Reem ermutigt er sie, aufeinander zuzugehen. Der Film spiegelt die Aufbruchstimmung und den Aufruhr, die Ägypten erfasst haben.

      Für das progressive Kairoer Umfeld Reems ist die Sache klar: Mahmoud und die anderen Reiter des 2. Februar 2011 sind Feinde der Revolution! Als Freiwillige Wochen später den arbeitslosen Touristenführern Futter für ihre Pferde bringen, wird Mahmoud übergangen. Das empört Reem umso mehr, als sie erfährt, warum der Reiter auf den Tahrirplatz kam: Man hatte ihm gesagt, Mubarak werde die Touristen wieder ins Land holen. Und ohne die kann er seine Familie nicht ernähren. Der Film entlarvt Lagerbildungen, die auf falschen oder vorschnellen Schlüssen beruhen. Aber er kritisiert auch den Dünkel der gebildeten Städter: Reems Kollegen verstehen nicht, wie sie sich mit dem einfachen Dorfbewohner anfreunden kann.

      Mahmoud symbolisiert die restriktive Kultur: Weil er auf dem Tahrirplatz vom Pferd gezogen und geschlagen wurde, hat er in den Augen der Dorfbewohner seine Würde verloren. Seine Kinder werden verspottet. Er selbst setzt seinen männlichen Machtanspruch in der Familie mit Gewalt durch. Der reiche Grundbesitzer, der im Dorf das Sagen hat, benutzt ihn skrupellos für seine Zwecke.
      Regisseur Nasrallah streut dokumentarische Aufnahmen und Archivmaterial vom Tahrirplatz als dem Ort der Revolution in die Handlung ein. Die Authentizität der Geschichte betonen auch die vielen Einheimischen, die in den Dorfszenen mitspielen. Aber zuweilen geraten die gutgemeinten Botschaften des Films sehr oberlehrerhaft: Reem zeigt den Dorfbewohnern, wie uninformiert sie sind, aber auch einen Weg aus der Misere.

      Fazit: Das Drama "Nach der Revolution" verknüpft informative Einblicke in die ägyptische Gesellschaft mit einem pädagogischen Appell an den friedlichen Dialog.
    2. Nach der Revolution: Engagiertes Drama über den arabischen Frühling in Ägypten und den Missbrauch einfacher Menschen durch Regimes.

      Engagiertes Drama über den arabischen Frühling in Ägypten und den Missbrauch einfacher und unpolitischer Menschen durch das frühere autoritäre Regime.

      Der arabische Frühling, vorbei - erstickt vom arabischen Winter. Yousry Nasrallahs Blick zurück auf die ägyptische Gesellschaft während der Revolution und vor allem nach der Schlacht hat angesichts der aktuellen Islamisierung fast nostalgischen Wert. Nicht die auf dem Tahir Platz demonstrierenden jungen Leute stehen im Mittelpunkt, sondern die bildungsfernen Schichten außerhalb der Städte, Menschen, die sich nach ein bisschen mehr Lebensstandard sehnen und nichts mit Politik am Hut haben.

      Einer von ihnen ist die fiktionale Figur Mahmoud, angeheuert von Hosni Mubaraks Schergen, um mit der Reiterstaffel die protestierenden Menge in Schach zu halten. Die Brutalität dieser Formation ging am 2. Februar 2011 mit der berüchtigten „Battle of the Camel“ in die Annalen ein. Nach dem Sturz des Regimes schämt sich der Kämpfer, auf der falschen Seite gestanden zu haben, auch seine Kinder leiden unter Mobbing in der Schule. Wie vom anderen Stern wirkt da eine moderne Städterin, die über die Armut der im dahin dümpelnden Tourismus Beschäftigten recherchiert und ein Auge auf den Mann wirft, ohne sich Gedanken über dessen Frau und Familie oder seinen Ruf im Dorf zu machen.

      Der Film nimmt sich viel vor: Revolution und Aufbruch, Rolle der Frau, Korruption und soziale Ungerechtigkeit, Zusammenprall zwischen Stadt und Land, Tradition und Fortschritt. Verbindendes Element ist bei allen der Wunsch nach Normalität, nur stellt sich darunter jeder etwas anderes vor. Nasrallah verzichtet größtenteils auf Klischees, überfrachtet aber die in eine pädagogisch-politische Lektion mündende Handlung. Er vermittelt engagiert und in großer Intensität das Bild einer in sich zerrissenen und zerrütteten Gesellschaft, die süßliche Romanze zwischen privilegierter Oberschichtslady und drangsaliertem Unterschichtsmann passt da nur bedingt in den komplizierten Kontext. Wenn am Ende ein Einzelner die Pyramide hochsteigt und es lange dauert, bis man die Spitze sieht, hat diese Sisyphos-Arbeit Symbolcharakter. Ägypten ist noch lange nicht in der Demokratie angekommen. mk.
    3. „Wertvoll”

        Es ist der 2. Februar 2011. Auf dem Tahrir-Platz in Kairo greifen Reiter auf Pferden und Kamelen die protestierenden Gegner des Mubarak-Regimes an. Auch Mahmoud ist unter den Reitern, gerät aber in eine Schlägerei und fällt vom Pferd. Gedemütigt und als Verräter geächtet verliert er erst seinen Job und dann alle Hoffnung auf die Zukunft, auch für seine Kinder. Da begegnet er Reem, einer modernen jungen Frau, die sich für die Rechte der Frauen und der ärmeren Bevölkerung einsetzt. Die beiden werden Freunde und kommen sich immer näher. Doch gewisse Dinge dürfen nicht sein, auch wenn eine Gesellschaft den Umsturz wagt. Vor dem Hintergrund der ägyptischen Revolution inszeniert Regisseur Yousry Nasrallah eine Liebesgeschichte zwischen zwei starken Menschen, die in jeder Beziehung ungleich und gefangen sind in dem Konflikt zwischen Tradition und Moderne. Immer wieder durchmischen sich fiktive und dokumentarische Szenen, kommen Themen zur Sprache, die mal sehr persönlich, mal sehr politisch sind. So gelingt ein intensiver Einblick in die Abläufe des Umbruchs in einem Land mit vielen gesellschaftlichen Problemen. Es ist noch ein weiter Weg für Ägypten, hin zu wahrer Freiheit und Demokratie. Mit Filmen wie NACH DER REVOLUTION wird dafür aber ein wichtiges Zeichen gesetzt.

        Jurybegründung:

        Mit seinem Filmwerk NACH DER REVOLUTION ehrt der ägyptische Filmregisseur Yousry Nasrallah die politischen Geschehnisse im Jahre 2011 in seinem Heimatland. Die entscheidenden Szenen des Volksaufstandes um die Freiheit auf dem Tahrir-Platz in Kairo sind mit dokumentarischen und eigens für den Film gedrehten Szenen vermischt eingebracht worden. Dies alles vor dem Hintergrund einer unerfüllten Liebesbeziehung zwischen einem ehemaligen Anhänger von Mubaraks Regime und einer jungen Revolutionärin. Mahmoud ist ein mittelloser Kunstreiter aus Nazlet El-Samann, einem Gebiet vor Kairo in unmittelbarer Nähe der Pyramiden, aus dem die Bewohner wegen Grundstücksspekulationen vertrieben werden sollen. Mit einer großen Mauer werden sie von den Touristen abgeschirmt, von denen sie bisher gut leben konnten. Reem ist eine moderne junge Frau, die in der Werbebranche arbeitet, in einer wohlhabenden Gegend von Kairo wohnt und die sich mit aller Kraft für die Rechte der Frauen in Ägypten einsetzt. Die Verbindung der beiden Protagonisten und ihr Umfeld deckt nicht nur das sehr unterschiedliche Spektrum der Bevölkerung Ägyptens ab, sondern zeigt auch die unterschiedlichen sozialen, politischen und religiösen Strömungen auf.

        Das ist mit einer guten Kamera und einer dramaturgisch präzis vorgezeichneten Montage mit Einbeziehung der Dokumentarteile filmisch und inszenatorisch gelungen.

        Insgesamt ein wertvoller, aufklärender und wichtiger Film mit einer Botschaft für Ägypten und die Welt. Dies in einer Gegenwart, in der es auf schicksalsträchtige Weise schon heißen muss: Nach der Revolution ist vor der Revolution!

        Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

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