Filmhandlung und Hintergrund

Preisgekrönter britischer Independentfilm über zwei Teen-Girls und ihren Sommer der Liebe.

Kulturell und gesellschaftlich trennen sie Welten, doch in diesem heißen Sommer im ländlichen Yorkshire finden sie zueinander: Die gebildete, aus edelstem Hause stammende Tasmin (Emily Blunt) und die mittellose, ungezwungene Mona (Nathalie Press), Tochter einer jüngst verstorbenen Kneipenwirtin und Schwester eines brutalen Nichtsnutzes, der sich für einen wiedergeborenen Christen hält. Gemeinsam verleben sie schöne Tage in der blühenden Natur und kommen einander auch sonst näher – bis eines Tages grausam die Stunde der Wahrheit schlägt.

Viel Beifall und ein paar respektable Preise gab’s auf diversen Festivals für diese lesbische Klassenkampf-Liebesgeschichte des britischen Autorenfilmers Pawel Pawlikowski („Last Resort„).

Als Mona und Tamsin sich begegnen, hat die eine gerade ihren Lover, die andere ihren Platz im Internat verloren, was beide nicht als schweren Verlust empfinden. Die verarmte Waise und das wohlhabende Mädchen verlieben sich ineinander. Einen Sommer lang scheint es, als hielte ihre Nähe alles Feindliche fern. Doch die Gemeinsamkeiten enden schließlich bei der Intensität der investierten Gefühle.

Die 16-Jährige White-Trash-Göre Mona lebt mit ihrem Bruder im ehemaligen Pub der verstorbenen Mutter. Die gebildete, skrupellose Tamsin residiert im Herrenhaus samt Pferdestall – während die Mama auf Schauspieltournee weilt und der Vater die Sekretärin beglückt. Dennoch freunden sich die gegensätzlichen Mädchen während des langen Sommers an, verlieben sich und schwören einander ewige Treue. Da gehen die Wochen voller Leidenschaft unvermittelt zu Ende und Mona steht vor den Scherben ihres kurzen Glücks.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Mona und Tamsin stammen aus verschiedenen Schichten, doch sie haben einiges gemeinsam: viel Zeit, unausgeschöpftes Potential und das Alleinsein satt. Beim Rotweintrinken auf dem verlassenen Tennis-Rasenplatz der Villa, bei Streifzügen durch den Wald und zu Monas Lieblingsplatz am Bach genießen sie den Sommer und ihr wachsendes Interesse füreinander.

      Regisseur Pawel Pawlikowski („The Last Resort“), der mit Michael Wynne auch das Drehbuch nach einer Romanvorlage von Helen Cross schrieb, ließ bei den Dreharbeiten viel Raum für Improvisation. Oft stand dabei das Ende einer Szene noch gar nicht fest. Das sieht man den träumerischen Begegnungen auf den Hügeln von Yorkshire an. Die sommerliche Trägheit und Unternehmungslust, die sich abwechseln, wirken ansteckend und sind sinnlich spürbar.

      Die rothaarige, sommersprossige Mona staunt über die reiche Welt und die Bildung ihrer Freundin, und lässt sich von deren Drang, ein bisschen über die Stränge zu schlagen, mitreißen. Sie blüht in ihrem unschuldigen Genuss sichtlich auf. Die oft in Rot gekleidete, dunkelhaarige Tamsin ist sich ihrer Ausstrahlung bewusst und verstärkt diese mit abgebrühten Ansichten. Die körperliche Annäherung der beiden hat vor allem den Reiz des Unbekannten. Die psychische Energie, die diese Freundschaft entfacht, wird zu unbändig, um noch Halt in der Umgebung zu finden. „Thelma & Louise“ ist nur das bekannteste Beispiel für diese Sprengkraft, die Mädchen- und Frauenfreundschaften entwickeln können. Hier aber bleibt die Aufbruchstimmung lange nur ein Gefühl von wilder Freude.

      Sinnlich intensiv sind auch die romantischen Natur-Aufnahmen, etwa auf den Hügel im dunstigen Gegenlicht, auf dem Phils Christengruppe ein Holzkreuz befestigt hat. Unten im Vordergrund raucht zum Kontrast ein alter Industrieschlot. Das Bild von Tamsin, die zum Fenster ihrer Villa herausschaut und dabei von Blättern umrahmt ist, wirkt wie eine reine Sommerfantasie. Die Kameraarbeit von Ryszard Lenczewski und und David Scott ist zauberhaft. Das alles reichte unter anderem für einen BAFTA-Preis 2005 als Bester Britischer Film.

      Doch der Regisseur vertraut manchmal zu sehr auf optische Suggestion in der handlungsarmen Geschichte. Zum Beispiel flackern, wenn Tamsin und Mona spiritistischen Kontakt mit dem Geist von Sadie aufnehmen, sehr viele, ja unzählige Kerzen. Niemand weiß, wer die alle angezündet hat und wozu. Solche Effekte scheinen auf ein jugendliches Publikum zu zielen. Auch das jähe Ende dieser Geschichte ohne richtigen Höhepunkt wirkt etwas aufgesetzt.

      Fazit: Eine sinnliche Hymne auf den Sommer und die Jugend.
    2. My Summer of Love: Preisgekrönter britischer Independentfilm über zwei Teen-Girls und ihren Sommer der Liebe.

      Zwei Mädchen aus England und die Liebe zum Firmament. Unter freiem Himmel – die eine auf einer Wiese liegend, die andere auf einem Schimmel thronend – begegnen sich Mona und Tamsin und damit zwei Welten. Aus diesem flüchtigen Erstkontakt wächst eine Sommerliebe, die sich auf der Insel bereits in einem BAFTA als Bester Britischer Film niedergeschlagen hat. Auch auf dem Kontinent und überall, wo jugendliches Erleben unverkrampft, frech und ohne die dramaturgischen Schnittmuster des kommerziellen Kinos Sehsüchte weckt, sollte dieser kleine Film auf große Resonanz stoßen.

      Vergleiche mit Peter Jacksons „Heavenly Creatures“, die von der britischen Presse beim Start im letzten Herbst angestrengt wurden, treffen zu in der Ausformung der beiden Persönlichkeiten, in den unterschiedlich intensiv investierten Gefühlen, nicht aber stilistisch. Jacksons Durchbruch war ein visuell elegantes und einfallsreiches Mordgedicht, „My Summer of Love“ dagegen ist optisch spröder, verrät mit vielen Close-ups eher eine TV-Ästhetik. Regisseur Pawel Pawlikowksi kommt vom Dokumentarfilm. Unmittelbarkeit und Authentizität, die durch Improvisationselemente forciert wurde, sind zwangsläufig neben einem frechen, widerspenstigen Ton die großen Stärken dieses an Maria Maggentis „Two Girls in Love“ erinnernden Films, der vor neun Jahren auch in die deutschen Kinos kam.

      Schauplatz von Pawlikowskis Nachfolger auf sein gut aufgenommenes Immigrantendrama „Last Resort“ ist Yorkshire – spätestens seit Emily Brontés „Wuthering Heights“ ein gutes Pflaster für intensive Leidenschaften. Hier lebt Mona (Natalie Press) nach dem Tod ihrer Mutter allein mit ihrem Bruder Phil (Paddy Considine), der seine gewalttätige kriminelle Vergangenheit als Wiedergeborener Christ begraben hat. Die Veränderung des Bruders zum fanatischen Bibeljünger hat Mona isoliert, bis sie in der reichen Tamsin (Emily Blunt), die gerade vom Internat geflogen ist, eine Freundin und vermeintlich verwandte Seele findet. Bereits die erste Begegnung der Mädchen, in der Mona von einer Wiese zur reitenden Himmelsgestalt Tamsin aufblickt, zeigt die soziale Kluft und die Hierarchie in dieser Beziehung. Fast losgelöst von den Realitäten ihres Lebens verbringen die Mädchen einen verträumten Sommer, erteilen fremdgehenden Vätern und egoistischen Monotonbegattern eine Lektion, provozieren auf einer Tanzveranstaltung, werden zu einer Festung, die uneinnehmbar zu sein scheint. Das Spielerische in dieser Beziehung ist dabei stärker ausgeprägt als das Sexuelle, was auch den Ort markiert, an dem sich die beiden Teenager auf ihrem Weg in die Welt der Erwachsenen befinden.

      Humorvoll und ohne Voyeurismus beobachtet der Film, atmosphärisch unterstützt von einem unorthodox zusammengestellten Soundtrack zwischen Goldfrapp, Bollywood, Edith Piaf und Saint-Seans, die Mädchen bei ihrer kleinen Rebellion gegen Umfeld und Alltag. Die von beiden Hauptdarstellerinnen mit großer Natürlichkeit gespielten Figuren und ihre Gefühle sind dabei immer wichtiger als der Plot und seine durchaus unerwartete finale Wende. „Es muss interessant sein, an etwas glauben zu können“, bleibt als entscheidender Satz des Films haften. Er beschreibt das Dilemma der Jugend, aber auch das dieser Liebe, weil nur eines der Mädchen eben genau dieses überwunden und an etwas zu glauben gelernt hat. kob.

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