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Fakten und Hintergründe zum Film "Muzika"

Kino.de Redaktion |

Muzika Poster

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Hintergrund: Musik in der CSSR und Slowakei

Wie es der Titel schon andeutet, spielt Musik in MUZIKA eine elementare Rolle. Dies stellt aber kein Novum dar, sondern war schon immer ein Merkmal der tschechischen und slowakischen Kultur. Sie ist reich an Beispielen, welche über Karel Gott und seine „Biene Maja“ weit hinausgehen, selbst wenn dies nicht nur im europäischen Umfeld, sondern auch innerhalb des Landes gern vergessen wird. Noch immer assoziiert man tschechoslowakische Musik mit Schlagern oder Blaskapellen, und natürlich gibt es derer viele: Blasmusik gehört vor allem in Böhmen und Mähren einfach dazu, wie Knödel auf den Speiseplan.

Doch wer so denkt, bringt sich selbst um die Vielfalt eines Landes, welches eben auch akustisch weit mehr zu bieten hatte und hat. So beispielsweise die Slowakische Philharmonie Bratislava. 1949 von den Dirigenten Václav Talich und Ľudovít Rajter gegründet, geht das bedeutendste slowakische Orchester regelmäßig auf Tournee quer durch die Welt, um ein begeistertes Publikum mit seiner Kunst zu fesseln. Werke, deren Aufführung sich lohnt, gibt es unzählige, in der Slowakei erblickten einige bedeutende Komponisten das Licht der Welt. So beispielsweise Juraj Beneš, in dessen reichhaltigem Schaffen Opern („The Players“, „Des Kaisers neue Kleider“) eine zentrale Rolle spielen. Oder Ján Cikker, der berühmteste slowakische Komponist – sein OEuvre umfasst Ballette, eine Sinfonie, Opern, Klavierstücke und Volksliedbarbeitungen, um nur ein paar Genres zu nennen. Weitere große Namen sind Juraj Hatrík, Peter Machajdík, Alexander Moyzes (er schrieb allein zwölf Sinfonien!), Eugen Suchon, der Autor der Oper „Krútnava“ oder Joseph Kolkovich. Auch dias legendäre „Collegium Musicum“, dessen Frontman und Orgelspieler Marian Varga, ein schüler Alexander Moyzes, auch in dem Film erwähnt wird.

Aber nicht nur Klassik zeichnet die slowakische Musik aus, wie die 1973 entstandene Combo „Fermata“, die sich vom Collegium Fermata getrennt hatte, eindrucksvoll unter Beweis stellte. Sie spielte lange Jahre instrumentalen Jazz-Rock, welchen sie mit Elementen des Progressive Rock und Folk verband. Jeder der Künstler konnte eine abgeschlossene Musikausbildung vorweisen, die Band erfand sich mit jedem Album neu.

So tauchten manchmal sinfonische Einflüsse auf, um beim nächsten Longplayer durch Pop ersetzt zu werden oder Hard Rock zu streifen. Damit zählt „Fermata“ zu den fortschrittlichsten Gruppen des Musikbiz.Im Frühjahr 2009 wird sie in Dresden und Ostdeutschland auch auf Tour gehen. Dennoch teilt sie das Schicksal vieler Kollegen, hierzulande kaum bis gar nicht beachtet worden zu sein.

Dabei verfügt das Land doch über fähige Musikgruppen aller Sparten. Um nur ein paar Namen zu nennen: „Chiki liki tu-a“ (Alternative Rock), „Kontrafakt“ (Hip-Hop), „LOJZO“ (Folk), „Majster Kat“ (Trash Metal), „PEHA“ (Pop). Sie vermitteln auf ganz unterschiedliche Weise ein – neues – Lebensgefühl, stehen für Aufbruch und Modernisierung, stehen damit allerdings nicht allein. Weil verkrustete Systeme immer auch Gegenbewegungen brauchen, war Musik als Politikum in der damaligen ČSSR stets Thema. So beispielweise im Zuge des Jahres 1968 mit seiner „Prager Frühling“ benannten Phase der Demokratisierung. In dieser Zeit entstand eine vielfältige kulturelle Szene, welche sich einerseits an westlichen Vorbildern orientierte, andererseits indes eigene Wege einschlug.

Die Popmusik in der Slowakei war progressiv, weil die Atmosphäre dort, im Gegensatz zu Tschechien, viel liberaler, wenn auch nicht ideal, war. In Tschechien hingegen standen sich der offizielle Pop und Rock/HeavyMetal konträr gegenüber. Slowakische Popmusik dominierte deshalb auch die tschechische Szene der 70er Jahre und hat immer noch einen festen Platz in Tschechien. Als Beispiel sei hier die Gruppe „Modus“ genannt, deren Frontman Lehotsky den Wärter in der staatlichen Agentur in MUZIKA spielt. In der Slowakei war niemand gezwungen, Kompromisse einzugehen, man wollte sie machen. Letzendlich versuchte man dies auf ehrliche Weise – irgendwie klappte es auch … Und mit ein wenig Glück konnte man auch subtile politische Statements einfließen lassen.

Es gründeten sich Bands wie „Primitives Group“, eine Bratislaver Combo, die Stücke US-amerikanischer Stars vom Schlage Frank Zappas oder Jimi Hendrix’ nachspielte, damit den staatlichen Normen die Stirn bot. Andere Gruppen, unter anderem „Aktual“, entwickelten ihren eigenen Stil, trugen parodistische Texte vor und benutzten Äxte oder Motorräder zur Erzeugung von Klängen. Nach der militärischen Niederschlagung des Prager Frühlings richteten sich jedoch staatliche Restriktionen gegen die unabhängige Musikszene, vor allem Rock und Jazz wurden mit repressiven Maßnahmen belegt. Berufsverbote waren an der Tagesordnung, Künstler mussten von staatlichen Gremien eine Auftrittserlaubnis einholen und scheiterten nur zu oft an Kleinigkeiten wie langen Haaren oder englischen Texten.

In der Folge entwickelte sich im Untergrund eine starke Gegenkultur, die für das freie Leben – auch in MUZIKA ein zentraler Punkt – stand. Als Vertreter sei beispielhaft „Plastic People“ genannt: Nachdem auch sie das Auftrittsverbot ereilt hatte, konnte die Combo nur noch im privaten Rahmen performen, um ihre häufig schwermütige Musik einem geneigten Publikum zu präsentieren. Vor Gefängnisstrafen nach dem Auftritt auf einer Hochzeit schützte es die Bandmitglieder trotzdem nicht.

Hauptsächlich durch illegale Musikkassetten verbreitete sich die Untergrundmusik dennoch vor allem innerhalb der jungen Generation, bis im Jahre 1989 revolutionäre Veränderungen zum neuen System führten. Seither ist jede Art von Musik legal, zumal der tschechoslowakische Präsident Václav Havel ausdrücklich ihre Bedeutung betonte. Und auch MUZIKA lebt unter anderem von ihrer Sehnsucht, ihrer Kraft, ihrem Wert für den Protagonisten Martin.

News und Stories

  • Fakten und Hintergründe zum Film "Muzika"

    Kino.de Redaktion05.11.2012

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