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Fakten und Hintergründe zum Film "Mullewapp - Das gro?e Kinoabenteuer der Freunde"

Kino.de Redaktion |

Mullewapp - Das große Kinoabenteuer der Freunde Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Die Hauptdarsteller

Johnny Mauser

Kleiner Körper, große Ambitionen: Johnny Mauser (Sprecher: Benno Fürmann) würde so gern ein richtiger Schauspieler sein – ein Star, der Piraten und andere Helden spielt. Das scheitert leider immer wieder an der Tatsache, dass er eben ein ziemlich kleiner Mäuserich ist. Als er auf seiner Wanderschaft nach Mullewapp kommt, findet er da die staunenden Zuschauer, denen er von seinen vermeintlichen Heldentaten erzählen kann. Doch dann kommt der Tag, an dem er beweisen muss, dass in ihm tatsächlich ein kleiner Held schlummert…

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Waldemar

Der dicke Waldemar (Sprecher: Joachim Król) ist ein echtes Gemütsschwein: kräftig, bequem, bodenständig, durch wenig aus der Ruhe zu bringen. Wenn irgendwer aus Mullewapp mal eine helfende Hand mit ordentlich Muskelschmalz braucht – Waldemar ist stets zur Stelle. Vielleicht ist er nicht der hellste, aber das gleicht er mit seiner Liebenswürdigkeit und seiner Gutmütigkeit locker aus. Als der angeblich weit gereiste Superstar und Kosmopolit Johnny nach Mullewapp kommt, gehört Waldemar zu seinen ersten Fans.

Franz von Hahn

Franz von Hahn (Sprecher: Christoph Maria Herbst) steht mit beiden Beinen auf dem Boden der Realität. Er hat keine Zeit für Hirngespinste und anderen Firlefanz, denn er muss für seine Küken sorgen und sich auch um die Hennen des Hofs kümmern. Franz ist der heimliche Chef auf Mullewapp und stets auf er Suche nach Anerkennung. Jemand wie Johnny stört die Ruhe und den Tagesablauf seines kleinen Reichs. Vielleicht sind sich Franz und Johnny aber ähnlicher, als er es zugeben würde: Denn heimlich träumt Franz von der großen weiten Welt – und er würde für sein Leben gern fliegenkönnen…

Wolke

Wolke (Sprecher: Maxie Häcke) ist ein echter kleiner Sonnenschein: Mit guter Laune, Unbekümmertheit und Spieltrieb hält das putzige Lämmchen halb Mullewapp auf Trab. Selbst als Wolke von dem gefräßigen Feinschmecker Maître Wolf entführt wird und zu seinem Abendessen verarbeitet werden soll, verliert sie ihre gute Laune nicht ganz. Sie weiß eben, dass sie sich auf ihre Mullewapp-Freunde verlassen kann. Und die werden schon dafür sorgen, dass die kleine Wolke nicht im Bratentopf des Wolfs landet!

Maître Wolf

Er ist verschlagen, hungrig und hat einen sehr feinen Gaumen. Außerdem hat der eingefleischte Junggeselle Maître Wolf (Sprecher: Volker Wolf), der mit seinem Gehilfen Adlatus auf einer Insel mitten im See lebt, ganz genaue Vorstellungen von seinem Geburtstagsmenü: Lammkarree à la Vin de Croix d’Alsace du Pape. Dafür braucht er allerdings noch ein ganz zartes Lämmchen – und das findet er auf Mullewapp. Doch die drei Freunde werden dem vermeintlichen Meisterkoch einen ganz dicken Strich durch seine Speisekarte machen.

Adlatus

Er lebt ganz allein für seinen Herrn und Meister: Der brave, unterwürfige Schafsbock Adlatus ist für Maître Wolf Diener, Gehilfe, Küchenjunge und Mädchen für alles. Adlatus beobachtet durchaus skeptisch das fragwürdige Treiben und das pseudo französische Haute-Cuisine-Getue seines Chefs. Aber dank seiner kriecherischen, absolut untertänigen Art ist er bei ihm noch nicht in Ungnade gefallen. Sonst könnte es sein, dass auch Adlatus schnellauf dem Speiseplan des Wolfs landet…

Der Fuchs

Immer wieder stattet der Fuchs (Sprecher: René Heinersdorf) Mullewapp einen nächtlichen Besuch ab – und immer wieder muss er unverrichteter Dinge den Rückzug antreten. Der ewig hungrige Räuber ist hier einfach an der falschen Adresse. Denn die Bewohner des Hofs halten zusammen wie Pech und Schwefel und schlagen den Fuchs immer wieder in die Flucht. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass er einfach nicht der Schlauste seiner Art ist. Immerhin: Er gibt den drei Freunden den entscheidenden Tipp auf ihrer Suche nach Wolke…

Bello

Bello (Sprecher: Gerd Kilbinger) ist die graue Eminenz von Mullewapp. Der alte Hofhund mag schon bessere Zeiten gesehen haben, aber trotzdem ist er noch schwer auf Draht und sorgt mit viel Enthusiasmus für Disziplin auf dem Hof. Den jüngeren Mullewapp-Bewohnern schwärmt er gern mal von „den guten alten Zeiten“ vor – was denen oftmals langweilig und opahaft vorkommt. Trotzdem lauschen sie gern seinen Anekdoten. Und als Wolke entführt wird, ist es natürlich der erfahrene Bello, der die Rettungsaktion organisiert.

Die Hennen

Man kann sie auch als den ersten Fanclub von Johnny Mauser bezeichnen: Marylin (Sprecherin: Katarina Witt), Leila (Sprecherin: Vanessa Wunsch) & Co. himmeln den Möchtegern-Star auf Anhieb an, weil er so toll aussieht, so viel von der Welt gesehen hat und so aufregende Geschichten erzählen kann. Ihr Hahn Franz beobachtet misstrauisch das hysterische Gekicher und Gegacker seiner Hennen, wenn Johnny auf Mullewapp im Rampenlicht steht – kann es etwa sein, dass ihm hier gerade jemand den Rang bei den Hühnern ablaufen will?

Die Küken

Mit großer Neugier und mindestens so großem Spieltrieb stöckelt der Mullewapp-Nachwuchs über den Hof. Pflichtbewusst und sehr pädagogisch versucht Franz von Hahn, seinen vorwitzigen Küken (Sprecher: Annabel Wolf, Emma Grimm, Gustav Häcke, Stella Wolf) das Rüstzeug fürs Leben mitzugeben. Manchmal erzählt er dabei sogar ein bisschen Unsinn – dass Hühner fliegen können zum Beispiel. Als Johnny Mauser auf den Hof kommt, sind die Küken natürlich auch hellauf begeistert: Ein so schillernder Star sorgt für Abwechslung im Alltag auf Mullewapp.

Ein Interview mit Helme Heine

Wann kam die Idee für einen „Mullewapp“-Kinofilm auf? Inwiefern waren Sie in die Entstehung und Produktion von MULLEWAPP – DAS GROSSE KINOABENTEUER DER FREUNDE involviert?

Das erste Interesse bestand bereits vor fast 25 Jahren. Aber erst als vor ca. 4 Jahren MotionWorks und Kinowelt auf mich zukamen, ging es von der Idee an die Umsetzung. Nach dem Motto „Da, wo Heine draufsteht, muss auch Heine drin sein“ habe ich Hunderte von Skizzen aller Charaktere gezeichnet, sie in allen Gemütsbewegungen dargestellt, sie von allen Seiten gezeigt – wie sie laufen, sitzen, stehen, in welchen Häusern oder Räumen sie wohnen, in welcher Landschaft sie leben. Das war das Rohmaterial für die Regie und die Zeichner.

Wie sah Ihr Einfluss als Schöpfer des „Mullewapp“ Universums auf das Drehbuch des Films aus?

Die Urgeschichte stammt von mir. Wie wurden die drei Freunde zu Freunden? Alle Welt kannte sie ja nur als bereits unzertrennliche Freunde. Ein Film muss aber eine Entwicklungsgeschichte haben. Als zweites schuf ich einen Gegenspieler: den Wolf. Danach schrieb ich zusammen mit Gisela von Radowitz drei oder vier Drehbuchfassungen, die aber noch von Bettine und Achim von Borries umgeschrieben und von der Regie ergänzt wurden. Die endgültige Fassung wurde ins Englische übersetzt, denn das war die Sprache dieser deutsch- französischen italienischen Co-Produktion. Später wurde sie aus dem Englischen wieder ins Deutsche zurückübersetzt. Das waren für mich viele, viele Phasen und Mutationen. In der gleichen Zeit hätte ich drei Romane schreiben können.

Haben Sie darauf gewartet oder es sogar forciert, dass ein Kinofilm produziert wird?

Es gibt zwei Arten des Reisens durch das Leben. Sie leben in der „richtigen“ Stadt, suchen die Nähe zu den Mächtigen, Einflussreichen, schlagen Ihre eigene Werbetrommel im Internet und auf Partys. Oder Sie setzen sich an einen Tisch und schreiben ein gutes Buch, das viele Leser findet. Dann kommen die „richtigen“ Leute zu Ihnen bis nach Neuseeland.

Worin besteht für Sie der fundamentale Unterschied zwischen den „Mullewapp“-Büchern und dem Film?

Buch und Film sind zwei polare Welten. Das Buch liebt das Wort, der Film das Bild. Der Autor ist ein Eremit, er braucht nur einen Bleistift und ein Blatt Papier. Der Film braucht tausend Hände, alles Spezialisten auf ihrem Gebiet. Ein schwierig zu führendes Team, dessen Grenzen die Finanzierbarkeit des Projektes sind. Im Buch kann ich jedes Wort, jedes Komma, jeden Strich selbst bestimmen, ändern.

Das Buch ist ICH, der Film ist WIR. Lassen Sie sich durch eigene Tiere zu den Charakteren Ihrer Bücher inspirieren?

Am Anfang ist das Wort, die Geschichte. Das Casting kommt später. Als ich die drei „Freunde“ Rollen besetzen musste, hatte ich an Stelle eines Hundes ein schwarzes Hausschwein mit dem schönen Namen „Sauraya“. Sie war das Vorbild für den dickenWaldemar.

Wie sind Sie auf die Figuren von Johnny Mauser, Franz von Hahn und den dicken Waldemar gekommen?

Ich wollte ein Buch über die Freundschaft machen. Eine Person, die sich selbst genug ist, ist ein Narziss. Zwei Personen sind das Normale. Dreiecksverhältnisse sind spannender, problematischer. Ich wollte Gegensätze schaffen, die sich charakterlich und optisch unterscheiden, wie Dick und Doof, Don Quichote und Sancho Pansa. Das sind bei mir Johnny Mauser und der dicke Waldemar. Franz kam als letzter dazu.

Können Sie unsere drei Helden aus Ihrer Sicht charakterisieren?

Johnny Mauser ist städtisch. Ein cleverer Nomade. Ein Überlebenskünstler. Der dicke Waldemar ist der Körper, bodenständig, sitzt die Dinge aus, versucht die Probleme dieser Welt mit dem Bizeps zu lösen. Franz von Hahn ist der Normalbürger, der sich um Frau und Kind zu kümmern hat. Er würde so gerne fliegen, abheben, aber die Schwerkraft, die Realität holt ihn immer wieder vom Himmel.

Worin besteht für Sie als sehr vielseitigem Künstler der besondere Reiz an der Arbeit an Kinderbüchern und speziell am „Mullewapp“-Universum?

Das Bilderbuch ist dem Film verwandter als der Belletristik. Es ist kein Text mit Illustrationen, sondern eine inszenierte Geschichte. Das Besondere an Mullewapp ist, dass dieser Hof einem Theater gleicht. Auf einer sehr kleinen, überschaubaren Bühne kann ich die wunderlichsten und elementarsten Geschichten erzählen. Die Freunde können sich zu Fuß oder per Fahrrad ein wenig davon entfernen, aber ich erlaubte ihnen nicht, sich in einer Großstadt zu verlaufen oder andere Erdteile zu erobern.

Sie beschäftigen sich mittlerweile – nicht zuletzt durch die Arbeit an dem Film – auch seit über 25 Jahren mit „Mullewapp“. Freuen Sie sich immer wieder aufs Neue darauf, in diesen Mikrokosmos einzutauchen?

In dieser sich täglich ändernden und bedrohten Welt ist es tröstlich, sich mit alten Bekannten zu treffen und Gedanken und Erlebtes auszutauschen.

Sie leben in Neuseeland, haben vorher in Südafrika und Irland gelebt und gearbeitet… Inwiefern hat sich das auf Ihre Bücher und besonders auf Ihr „Mullewapp“-Werk ausgewirkt?

Afrika hat mich gelehrt, dass das Glück nicht von der Höhe des Einkommens abhängt. In Irland habe ich das Geschichtenerzählen gelernt. In Neuseeland haben meine Farben neue Leuchtkraft bekommen. Es liegt am Licht, an den Menschen und an meinem Studio hoch oben über dem Meer.

Wo fühlt sich jemand, der ein so aufregendes Leben in aller Welt geführt hat wie Sie, zuhause? Ist „Mullewapp“ vielleicht sogar eine Art geistiges Zuhause für Sie?

Heimat sind mir meine Familie, meine Muttersprache, meine Freunde, dazu zählen auch Johnny Mauser, Franz von Hahn und der dicke Waldemar. Mit den zuletzt Genannten mache ich hin und wieder ein Buch, den anderen Freunden schreibe ich jede Woche einen Sonntagsbrief, damit sie mich nicht vergessen.

Was konkret wollen Sie den Kindern mit den Geschichten aus „Mullewapp“ vermitteln?

Das Vermitteln und Belehren überlasse ich den Schulen und Universitäten. Künstler sollten es vermeiden, Antworten zu geben. Sie sind keine moralische Lehranstalt, keine Lebenshilfe. Selbst den Politikern und ihren Antworten auf unsere Fragen misstrauen wir heute. Autoren sollten die ewig jungen Fragen in immer neuem Gewand stellen, damit sie nicht in Vergessenheit geraten. Die Antworten sollte der Leser, der Kinobesucher sichselber geben.

„Die drei Freunde“ haben zwei Generationen von kleinen (und großen Lesern) begleitet – was sind die schönsten Reaktionen dieser Leser auf die Geschichten, die Sie bislang bekommen haben?

Wenn die Kinder von vor 25 Jahren ihren eigenen Kindern aus dem gleichen Buch vorlesen.

Was erwartet uns noch aus „Mullewapp“?

Ich weiß es nicht. Es hängt, wie so vieles, von den Freunden ab. Vielleicht wollen sie nach all dem Kino- Trubel in Ruhe gelassen werden, ihren Alltag genießen oder vielleicht steht ihnen der Sinn nach neuen Abenteuern? Wir werden es sehen.

Produktionsnotizen

Sie sind unzertrennlich und gehen gemeinsam durch dick und dünn: Johnny Mauser, Franz von Hahn und der dicke Waldemar – die Stars aus Helme Heines Universum rund um „Mullewapp“. Aber wie haben die drei Freunde eigentlich den Grundstein für ihre Freundschaft gelegt?

Das ist das Ausgangsszenario von MULLEWAPP – DAS GROSSE KINOABENTEUER DER FREUNDE, in dem Johnny, Franz und Waldemar zu ihrem ersten Abenteuer auf der Leinwand aufbrechen – und sich buchstäblich zusammenraufen müssen. „Der eigentlich spannende Vorgang – für mich jedenfalls – war die Frage, wie sich die drei Freunde eigentlich kennen lernen“, sagt Tony Loeser, der Regisseur und Produzent von MULLEWAPP. „Darüber haben wir auch mit Helme Heine sehr lange gesprochen. Jeder kennt die Geschichten der drei und das, was sie auf dem Bauernhof so erleben. Die Frage nach dem Kennenlernen war die Initialzündung.“

Zusammen mit Helme Heine, dem Schöpfer der „drei Freunde“ arbeiteten Loeser und sein Co-Regisseur Jesper Møller diese Frage aus. Dabei genoss Loeser im Gegensatz zu seinem Partner eine Art „Heimvorteil“ – denn der gebürtige Däne Møller war mit dem „Mullewapp“-Universum vor der Arbeit an dem Film nicht wirklich vertraut: „Ich kannte die Bücher von Helme Heine nicht wirklich, aber als ich mich damit beschäftigt habe, haben sich mich prompt verzaubert“, sagt er.

Anschließend schrieben Heine und dessen Frau Gisela von Radowitz ein erstes Exposé, das – Heinetypisch – vor Ideen nur so strotzte. Im Gegensatz zu den Folgen der TV-Serie „Ein Fall für Freunde“, die immer wieder Geschichten und Elemente aus Heines populären Kinderbüchern um die drei Freunde entlehnt, entschlossen sich die Filmemacher, bis auf das Personal aus Mullewapp, auf keine Szenarien der Bücher zurückzugreifen. Die beiden Autoren Bettine und Achim von Borries arbeiteten das Exposé von Heine und seiner Frau schließlich in ein Drehbuch um. Und obwohl Helme Heine zum großen Teil des Jahres in Neuseeland lebt, war die Kommunikation zwischen ihm und den Filmemachern kein Problem. „Von Mai bis Oktober ist Helme Heine ja in Deutschland, da konnten wir sehr viele Dinge besprechen und klären“, sagt Loeser. „Ansonsten gibt es ja Telefon, E-Mail und Internet. Die wichtigen Eckpunkte sind allerdings im Sommer entstanden, als Helme Heine hier in Deutschland war – als wir alle zusammen gesessen haben, wurde der Film in die Richtung gegossen, die wir haben wollten.“

Den Geschwistern Bettine und Achim von Borries war das Mullewapp-Universum von Helme Heine natürlich bekannt. Achim von Borries sagt: „Ich habe die Bilderbücher mit meinem damals zwei, zweieinhalbjährigen Sohn zusammen angesehen. Für mich war das auch ein Grund, an dem Drehbuch zu arbeiten: Heine beschreibt eine sehr schöne, sehr sympathische Welt. Diesen Kosmos von Heine wollten wir für das Drehbuch nutzen, sowohl was Szenerie als auch Handlung anbetrifft.“ „Wir haben aber auch andere Bücher von Heine als Referenzen hinzugezogen“, ergänzt seine Schwester Bettine. „Er entwirft einfach unglaublich liebevolle kleine Welten, und die spiegeln sich in dem Film auch wider.“

Mit dem ersten Entwurf von Helme Heine und Gisela von Radowitz begannen Bettine und Achim von Borries zu arbeiten: „Tony Loeser kam damit auf uns zu, und in diesem Entwurf gab es bereits die Grundidee mit dem Wolf und der Entführung des Lämmchens.“ Daraus entwickelten die Autoren einen klassischen Filmstoff, den Achim von Borries folgendermaßen beschreibt: „Ein Fremder kommt an den Schauplatz Mullewapp, der Liebling der Mullewapper wird entführt, und weil sich der Fremde aufspielt wie ein Held, soll er den Liebling retten. Einige Mullewapper trauen dem Fremden nicht und so machen sich drei unterschiedliche Charaktere auf den Weg. Unterwegs werden die drei Freunde.“

Für diesen Film mussten die Autoren den eigentlichen Motor einer cineastischen Geschichte erfinden: einen Konflikt. „Die Figuren haben in Heines Büchern ja eigentlich keine Konflikte“, fährt von Borries fort. „Wir mussten also die Handlung dahingehend ausbauen. Johnny, Waldemar und Franz konnten nicht von Anfang an Freunde sein, sonst hätten wir keinen Film gehabt. Wir haben uns aber immer an den Geschichten und vor allem an den Bildern von Heine orientiert und versucht herauszufinden, wie wir anhand der Bilder den Figuren eine Historie und einen Konflikt geben können.“

„Das ist bei Johnny Mauser die Tatsache, dass er ein gescheiterter Schauspieler ist, der auf Mullewapp aber ein Star wird“, ergänzt seine Schwester. „Oder Franz, der vortäuscht, dass er fliegen kann… oder Waldemar, der mit seiner Kraft gar nicht so recht umzugehen weiß und wahnsinnige Angst vor Wasser hat.“

Die Zusammenarbeit mit den Produzenten, dem Regisseur, Helme Heine und Gisela von Radowitz selbst war nach den ersten Hürden sehr fruchtbar und angenehm. „Die Produzenten und wir waren sehr gespannt, was Heine/von Radowitz zu unserem doch völlig anderen Drehbuchentwurf sagen würden“, gibt Achim von Borries zu Protokoll. „Umso glücklicher waren wir, dass beide sehr schnell die Gesetzmäßigkeiten des Films verstanden.“ Auch Loesers Co-Regisseur Jesper Møller war an der Drehbucharbeit beteiligt: „Es gab schon die Story und einige Drehbuchfassungen, als ich an Bord kam“, erinnert er sich. „Ich hatte aber die Gelegenheit, meine Sichtweise und meinen künstlerischen Input abzugeben. Wir hatten sehr kreative und fruchtbare Phasen, als wir die finale Skriptfassung erstellt haben. Das hat innerhalb des kreativen Teams wunderbar funktioniert. Das bestand aus uns Regisseuren, den beiden Drehbuchautoren und natürlich Helme Heine und seiner Frau – Helme Heine ist eine unglaubliche kreative Kraft.“

Heine gab seine Figuren also in gute Hände. Denn das erklärte Ziel der Autoren war es, den Kosmos Mullewapp so vorlagengetreu wie möglich auf das Medium Film zu übertragen. Ein großer Vorteil war es für die Geschwister, dass ihr Ausgangsmaterial so umfangreich war. Das erleichterte ihre Arbeit immens: „Es war für uns relativ einfach, weil wir auf die Kinderbücher zurückgreifen konnten“, sagt Bettine vonBorries. „Die Bilder von Heine sind sehr einnehmend, erzählen aber nicht zuviel. Insofern mussten wir nicht den Ton von jemand anderem kopieren. Wir konnten uns außerdem einigermaßen frei in die Figuren hinein fühlen. Das kann bei einer Charakterisierung sonst schon relativ schwer sein.“ Ihr Bruder pflichtet ihr bei: „Prinzipiell ist es hilfreich, wenn man eine bestimmte Personage hat, mit der man dann arbeiten kann. Es gibt eben schon eine Maus, einen Hahn und ein Schwein – und diese Personage kann man einsetzen wie man sie für die Geschichte braucht.“

Rein organisatorisch stellte das Schreiben das Geschwisterpaar vor keine großen Probleme. „Wir haben sowohl zusammen geschrieben als auch einzeln, und dann hat jeder seinen Senf dazu gegeben“, erinnert sich Bettine. „Wir haben oft zusammen am Computer gesessen, aber teilweise auch einen zeitversetzten Dialog geführt: Ich habe zuhause angefangen, etwas zu schreiben, und Achim hat dann knallhart geändert und gestrichen… oder umgekehrt.“ Und ihr Bruder ergänzt: „Es kam natürlich auf die Drehbuchfassung an, aber prinzipiell fangen wir getrennt an und arbeiten dann immer enger zusammen.

Selbst die größten Schwierigkeiten bei der Drehbuchentwicklung wurden ausgeräumt – auch wenn das nicht immer einfach war und das Team ungewöhnliche Lösungswege ging. Jesper Møller erinnert sich an eine solche Phase: „Tony, die Autoren, ich und noch ein paar andere saßen ein paar Tage lang von morgens bis abends im Meeting und brüteten über ein paar Probleme, die das Drehbuch aufwarf“, sagt er. „Wir fanden einfach keine Lösung. Wir saßen am Tisch und warfen Ideen hin und her, aber wir konnten uns einfach nicht einigen. Also haben wir uns eines Tages entschlossen, früh Feierabend zu machen und in die Innenstadt von Halle zu gehen. Es war ein schöner Tag, und wir setzten uns in eine Kneipe. Die Stimmung war etwas gedrückt, wir waren ein bisschen frustriert. Wir Dänen sind einigermaßen trinkfest, und ich bestellte erstmal Long Island Ice Teas für alle. Der schmeckt wie Limo – besteht aber aus fünf verschiedenen Alkoholsorten. Nach der dritten Runde konnten wir uns an den weiteren Verlauf des Abends nicht mehr erinnern. Aber als wir am nächsten Morgen mit dickem Schädel wieder zusammen kamen, haben wir in den ersten vier Stunden dieses Tages alle Probleme gelöst, an denen wir zuvor tagelang geknabbert hatten. Wir waren uns alle einig – und das war eine der kreativsten Phasen in meiner Karriere.“

Parallel zur Drehbuchentwicklung wurde auch der Stil von MULLEWAPP – DAS GROSSE KINOABENTEUER DER FREUNDE definiert. Auch hier war Helme Heine als geistiger Vater dieses einzigartigen Mikrokosmos maßgeblich beteiligt. „Bei der Festlegung der Figuren und Modelle, die für den Film – im Gegensatz zu den Büchern – sehr einheitlich und kontinuierlich gestaltet werden müssen, haben wir Heine sehr viele Fragen gestellt“, sagt Tony Loeser. „Er hat uns und den Character Designern viele Ideen und Tipps gegeben und letztendlich sein Okay gegeben, als er gesehen hat, dass seine Figuren bei uns in guten Händen waren.“

Auch die Tatsache, dass die Produktionsfirma MotionWorks von Loeser und seiner Geschäftspartnerin Romy Roolf schon einschlägige Erfahrungen mit den „drei Freunden“ hatte, wirkte sich positiv auf die Zusammenarbeit mit Heine und der Arbeit an dem Film aus. Natürlich waren alle Filmemacher mit der Materie bestens vertraut – auch aus privaten Gründen. „Ich kenne die Bücher von Helme Heine durch meinen Neffen, den Sohn meiner Schwester“, sagt Romy Roolf. „Er ist mit den Bilderbüchern aufgewachsen. Aber durch die Produktion der Fernsehserie für „Die Sendung mit der Maus“ haben wir natürlich schon die Vorarbeit für MULLEWAPP geleistet. Wir haben dafür ja schon 26 Fünfminüter produziert und konnten daraufhin den Spielfilm entwickeln.“

Die Kurzfilme boten auch für Jesper Møller eine gute Gelegenheit, sich in den Look von MULLEWAPP einzuarbeiten: „Als ich zu dem Projekt stieß, befand es sich gerade in einer Pre-Design-Phase“, erinnert er sich. „Ich habe dann auch mit Helme Heine und dem Art Director Jens Møller eng zusammen gearbeitet, um das finale Design aufgrund der Vorlage und den bereits existierenden Kurzfilmen zu bestimmen. Das wollten wir natürlich im Film verfeinern. Die Qualität sollte der großen Leinwand gerecht werden – und auch der Geschichte, die wir erzählen wollten. Als gelernter Animator und Figurendesigner zählt das Gestalten von Charakteren zu meinen Stärken.“

A propos Stärken: Die Arbeitsteilung zwischen den beiden Regisseuren funktionierte prächtig und ohne Probleme. „Bei traditionell gezeichneten Spielfilmen ist das schiere Arbeitspensum so groß, dass man als Regisseur das allein gar nicht bewältigen kann“, erläutert Møller. „Da geht es erstmal um Tausende von Zeichnungen, und zwar inklusive derer, die schließlich im Papierkorb landen. Das erfordert unglaublich viel Zeit, und wenn man alles zusammen nimmt, ist das für eine einzige Person nicht machbar. Darum ist es bei Animationsfilmen die Regel, dass sie von zwei Regisseuren inszeniert werden. Manchmal arbeiten die Regisseure bei einem Animationsfilm wie Zwillinge oder wie eine Person. Manchmal teilen sie auch strikt ihre Zeit und ihre Aufgaben unter sich auf.“

Genau das war bei Tony Loeser und ihm der Fall. „Tony und ich sind ein sehr dynamisches Team“, fährt Møller fort, unsere Synergien funktionieren exzellent. Unsere individuellen Stärken ergänzen sich ganz hervorragend. Ich komme aus dem Bereich der traditionellen Animation, Tony aus der Stop-motion. Ich habe eine besonders starke Beziehung zu der eigentlichen Animation, also zu den Zeichnungen und dem Artwork. Und Tonys besondere Stärke liegt im Erzählen der Geschichte. Natürlich hat er sich auch um die Animation gekümmert, aber eben insbesondere darum, dass der Film der Vorlage treu bleibt und die Qualität des Ursprungsmaterials erhalten bleibt.

Darüber hinaus hängt Tonys Herz außerdem an der Musik. Insofern hat er auch die zentrale Rolle bei der Post-production gespielt. Wie gesagt: Wir haben uns bei der Arbeitsteilung perfekt ergänzt.“ Rein logistisch sah das folgendermaßen aus: Tony Loeser befand sich zum größten Teil am Produktionsstandort von MotionWorks in Halle, Møller teilte seine Zeit zwischen Kopenhagen, Halle und Berlin auf, „es kam ganz drauf an, wo ich gerade gebraucht wurde“, sagt er. „Weil große Teile des Films auch in Italien und Frankreich hergestellt wurden, haben wir uns dort auch ständig mit den kreativen Teams besprochen. Aber räumlich war es so, dass Tony in Halle arbeitete und ich zwischen Dänemark und Deutschland pendelte.“

Im Gegensatz zu seinem Landsmann und Namensvetter war „Mullewapp“ für Jens Møller, dem Art Director des Films, durchaus ein Begriff. „Ich kannte bereits die Bücher von Helme Heine“, erläutert der Kopenhagener. „Ich hatte sie zwar nicht konkret vor Augen, aber sie gehörten zu den Büchern, die ihren Weg nach Dänemark gefunden haben und die ich meinen Kindern gern als Gutenachtgeschichten vorgelesen habe. Und ich habe dieses Universum sehr gern gemocht.“

Als die Arbeit am Drehbuch bereits im Gange war, kamen die Produzenten im Frühjahr 2007 auf Møller zu, als sie nach den Schlüsselmitarbeitern für die filmische Umsetzung suchten. „Die Entwicklung des Drehbuchs und des Looks gingen zeitlich nebeneinander her“, erläutert Møller. „Zu dem Zeitpunkt als ich an Bord kam, gab es schon einen groben künstlerischen Look, der natürlich auf den Büchern basierte. Das bezog sich unter anderem auf Hintergründe. Der finale Look wurde aber erst bestimmt, als das Drehbuch beendet war – als erster Schritt der eigentlichen Produktionsphase. Dabei haben wir bestimmte Zugänge und Stilmittel getestet, um den künstlerischen Look der Bücher zu erreichen.“

Den speziellen Look von MULLEWAPP erklärt Jens Møller folgendermaßen: „Der Kern dieses Universums besteht darin, dass es in sich abgeschlossen ist. Es mutet an wie eine ganze Welt, die nur für diese Charaktere existiert. Darin gibt es keine Menschen und keine anderen Tiere außer denen, die es in den Büchern gibt. Das ist das ganz Besondere daran – es ist idyllisch und warm… und man fühlt sich einfach wohl in dieser Welt. Sie ist komplex und einfach zugleich, und diese Einfachheit ist das wichtige in diesem Universum.

Von Anfang an war allen Beteiligten klar, dass nur ein traditionell handgezeichneter Film diesem Universum gerecht werden könnte. „Wenn wir versucht hätten, MULLEWAPP als computeranimierten Film umzusetzen, hätten wir den Look von Heine nicht erreichen können“, stellt Møller fest. „Die Charaktere hätten völlig anders ausgesehen. Stilistisch kam das für diesen Film nicht in Frage.“ Und Tony Loeser pflichtet ihm bei: „Die Figuren von Helme Heine sind ja ganz klassisch zweidimensional gezeichnet. Eine 3D-Animation hätte in unserem Falle keinen Sinn gemacht – auch nicht, wenn wir die schließlich wieder in 2D umgewandelt hätten. Wo Heine draufsteht, soll auch Heine rausgucken. Der Film soll so dicht wie möglich an den Büchern sein und den Stil von Helme Heine auch widerspiegeln.“

„Wir haben bei einem der ersten Meetings kurz über die Möglichkeit nachgedacht, den Film per Computer zu animieren. Aber wir haben nicht mal fünf Minuten gebraucht, um ,Nein‘ zu sagen“, schmunzelt Jesper Møller. „Das Material gehört einfach in ein handgezeichnetes Universum. Wir haben sogar besonders penibel darauf geachtet, dass der Film entsprechend aussieht. In vielen Disney- Zeichentrickfilmen wird darauf hingearbeitet, dass der Zuschauer nicht bemerkt, dass sie handgezeichnet sind. Wir sind genau den entgegengesetzten Weg gegangen. Unser Publikum soll merken: Dieser Film ist gezeichnet, und wir verstecken das auch nicht.“ „Der große Vorteil handgezeichneter 2D-Animation liegt in dem einzigartigen Ausdruck“, fährt er fort. „Jedes Bild ist handgemalt und hat seinen eigenen, einzigartigen Appeal auf der Leinwand.

Das trifft ganz besonders auf das ,Mullewapp‘-Universum zu: Ich nenne Mullewapp gerne das ,happy asylum – die ,Anstalt der Glücklichen‘. Die Figuren sind sehr glücklich, sie helfen einander, aber sie sind auch ein bisschen jenseits unserer Welt. Das Format der klassischen Animation, der sehr persönliche Zugang der Zeichnungen, unterstützt genau das. Es erschafft einen einzigartigen Appeal, der den Zuschauern einen ganz besonderen Zugang zu den Figuren ermöglicht. Abgesehen davon lebt das Universum von Helme Heine natürlich von einem speziellen Look – unter anderem durch die Wasserfarben-gemalten Zeichnungen. Um das auch in dem Film zu erreichen, war die traditionelle Animation die einzig richtige Entscheidung.“

Die Technik der handgezeichneten Animation hat für Jens Møller einen weiteren großen Vorteil: die Schlichtheit. „Man kann etwas mit einfachen Mitteln erzeugen“, erklärt er. „Wenn man etwas am Computer animiert, tendiert man dazu, mehr Details hinzuzufügen, mehr Kleinigkeiten, die Glaubwürdigkeit erzeugen sollen.“

„Die größte Herausforderung bestand darin, die Balance zu finden zwischen dem Charme der Vorlage, der Qualität des handgezeichneten Looks und der Raffinesse, die den Zuschauern die Möglichkeit gibt, beim Anblick der Zeichnungen in dieses Universum einzutauchen“, ergänzt Jesper Møller. „Die Qualität der Bücher von Helme Heine zu bewahren und sie für den Film noch zu erhöhen – das stellte uns auch noch vor große Schwierigkeiten. MULLEWAPP ist sehr raffiniert, aber auf eine sehr simple Weise. Das in den Film zu übertragen, war eine schwere, aber sehr dankbare Aufgabe.“

Die Stilentwicklung nahm einige Zeit in Anspruch: Vier bis fünf Monate lang arbeitete der Art Director mit seinem Team am eigentlichen Look des Films „Wir haben natürlich über einen längeren Zeitraum mit Hintergründen und Stilmitteln experimentiert, aber für den finalen Look haben wir ca. vier, fünf Monate gebraucht“, sagt er. „In dieser Zeit war auch Helme Heine involviert – nicht sehr eng, aber wir haben ihm natürlich unsere Entwicklungen in jeder Phase vorgelegt, und er hat seine Ideen und Gedanken dazu beigetragen. Meistens hat er allerdings nur gesagt, dass alles sehr, sehr hübsch aussieht.“

Für Jens Møller war es eine echte Herausforderung, dem Film den Look der Bücher zu verleihen. „Schließlich braucht man für einen Film einen ganz anderen Zugang als für ein Buch“, erläutert er. „Man braucht Tiefe, ein visuelles Universum, bei dem man das Gefühl hat, dass hinter einem und um einen herum auch noch Dinge aus diesem Universum sind. Bei der Arbeit an Asterix und die Wikinger (Asterix Et Les Vikings, 2006) war genau der gleiche Zugang nötig – da musste ich einen Comic auf einen Film übertragen.“ Für den Art Director war die Arbeit mit den bereits existierenden Vorlagen und Figuren keineswegs einfacher wie es bei den Autoren der Fall war. „Ich würde sogar sagen, es ist einfacher, wenn man bei der Gestaltung völlig freie Hand hat“, fährt Møller fort. „Man muss dann nur entscheiden, wie das Ergebnis am Ende des Tages aussieht und nicht, ob es einer Vorlage gerecht wird.

Wenn man so bekannte Charaktere wie die drei Freunde hat, müssen die natürlich so wie in den Büchern aussehen – aber gleichzeitig muss man einen Look für sie entwickeln, der auf der Leinwand einfach glaubwürdig aussieht: Sie müssen sich bewegen, sie müssen laufen können. Das ist eine große Herausforderung.“

„Die Arbeit an Figuren, die so gut bekannt sind, ist Fluch und Segen gleichermaßen“, fügt Jesper Møller hinzu. „Einerseits hat man die Möglichkeit, gleich mit den Figuren zu arbeiten, sie weiter zu entwickeln oder raffinierter zu gestalten. Und man kann sich gleich mehr der Geschichte widmen, weil die Figuren nicht erst noch ,erfunden‘ werden müssen. Andererseits muss man der Historie solcher Figuren auch treu bleiben und mit den Erwartungen der Zuschauer kämpfen. Die haben alle ihre eigenen Vorstellungen, die man respektieren muss.

Insofern ist die Arbeit an einem Film wie MULLEWAPP auch eine Beschränkung.“ Nach der Entwicklung und der Bestimmung des Looks war die Arbeit an MULLEWAPP für den Art Director noch lange nicht beendet. „Als Art Director muss ich natürlich am Anfang den Stil, die Farben und das ganze Universum entwickeln. Dann müssen aber noch die Hintergründe und das Farbenstyling der Figuren bestimmt werden, die Texturen auf den Figuren und so weiter. Und nach der eigentlichen Animation muss ich beim Compositing bestimmen, wo die Figuren vor den Hintergründen positioniert werden, wo ziehende Wolken oder Regen im Bild sein müssen. In dieser Phase ist die Art Direction auch fast am wichtigsten. Insgesamt dauert für mich die Arbeit an einem Film wie MULLEWAPP zwischen 1 ½ und 2 Jahren.“

Eine der größten Herausforderungen für Møller war dabei, dass – wie bei einem Zeichentrickfilm üblich – viele Produktionsfirmen auf der ganzen Welt an der Herstellung beteiligt waren. „Unter diesen Umständen einen einheitlichen Look zu gewährleisten, ist schon schwierig“, sagt er. „Je mehr Menschen daran beteiligt sind, desto größer ist die Herausforderung, jeden mit dem gleichen Konzept und den gleichen Ideen arbeiten zu lassen. Mein Job als Art Director ist es, allen Richtlinien an die Hand zu geben. Dafür gestalten wir so genannte „Bibeln“ – sowohl visuelle als auch geschriebene Richtlinien für die verschiedenen Phasen der künstlerischen Produktion, mit denen jeder nach den gleichen Regeln arbeiten kann. Das erfordert eine Menge Koordination, aber daran ist man bei einem Animationsfilm gewöhnt.“ Dennoch reiste Møller ständig zwischen MotionWorks in Halle und den Produktionsfirmen 2d3D Animations in Frankreich und Enanimation in Italien hin- und her und führte unzählige Internet-Konferenzen.

Über den eigentlichen Herstellungsprozess und die Aufgabenverteilung zwischen den Produktionsfirmen gibt Romy Roolf zu Protokoll: „MULLEWAPP ist eine deutsch-italienisch-französische Co-Produktion, und Enanimation und 2d3D sind unsere Co-Produzenten. In der Arbeitsverteilung haben wir die Kompetenzen der einzelnen Studios so genutzt, dass letztlich jeder für das zuständig war, was er am besten kann. Bei uns in Halle sind alle Fäden zusammen gelaufen, hier wurde das Projekt maßgeblich entwickelt. Bei einem Trickfilm gibt es ja viele Zulieferer, die Teilbereiche herstellen, die dann wiederum zusammen gefügt werden – in unserem Fall ist dies in Halle geschehen.“

„2d3D Animation hat zum Beispiel relativ wenig animiert, aber das Compositing, also die finale Bildzusammensetzung, ist zu 50 Prozent von dieser Firma übernommen worden“, konkretisiert Loeser. „Insgesamt waren elf Studios aus acht Ländern an MULLEWAPP beteiligt.“ Und Romy Roolf ergänzt: „Diese Zahl ist einigermaßen normal. In unserem Fall ist das eine sehr breit aufgestellte Produktionsstruktur gewesen, weil wir uns zwar schon lange mit dem Thema MULLEWAPP beschäftigen, aber die eigentliche Produktionszeit für einen so großen Animationsfilm relativ kurz war. Darum war ein so breites Netzwerk mit den verschiedenen Animationsstudios und „Zulieferfirmen“ nötig.“

Insgesamt waren ca. 500 künstlerische und technische Mitarbeiter an MULLEWAPP – DAS GROSSE KINOABENTEUER DER FREUNDE beteiligt, die reine Produktionszeit des Films nahm rund 16 Monate in Anspruch und begann im August 2007 mit der Zeichnung des Storyboards. Das wurde Ende des Jahres fertiggestellt, Anfang 2008 ging der Film in die Hauptproduktion, die ist dann innerhalb eines Jahres durchgeführt worden. Neben den handgezeichneten Animationen konnte man freilich nicht ganz auf Computeranimationen verzichten: „Das Fahrrad, das Boot und einige Requisiten sind 3D animiert“, sagt Roolf. „Aber die Character Animation ist klassisch handgezeichnet. Im Compositing-Schritt wurden diese Elemente kombiniert.“

Nach dem Storyboard-Prozess wurde zunächst das Layout für den Film erstellt, in dem das Storyboard in einzelne Einstellungen aufgeteilt wird. Das Storyboard bietet für eine Einstellung mehrere Bilder, im Layout dagegen hat jede Einstellung nur ein Layout. Darin werden Hintergrund, die Hauptposen der Figuren, der Dialog und dessen „Fahrplan“ bestimmt, so dass der Animator weiß, wann die Figur beginnt zu reden und wann sie wieder aufhört. Außerdem wird im Layout bereits die Lichtrichtung festgelegt.

Anschließend ging es an die eigentliche Animation, in der die Animatoren die so genannten „Hauptphasen“ herstellen. Danach zeichnen die Assistenten der Animatoren die „Zwischenphasen“, gefolgt von der Reinzeichnung, in der die Figuren sauber gezeichnet und Schatten angelegt werden.

Bei MULLEWAPP wurde in Reinzeichnung und Kolorierung der Aquarell-Effekt hinzugefügt. „Den hat man meines Wissens so in einem Zeichentrickfilm noch nie gesehen“, erklärt Tony Loeser nicht ohne Stolz. „Wir haben diesen Effekt über einen Zeitraum von einem dreiviertel Jahr hinweg entwickelt. Das Problem dabei war, wie wir diesen Aquarell-Effekt in einem Industrieprozess herstellen können.“ Der Aquarell-Effekt war für die Filmemacher definitiv eine der größten künstlerischen Herausforderungen.

Denn daran soll der Zuschauer erkennen: Hier bewegt er sich in Heines Welt. Loeser: „Unsere Frage war: Wie kriegen wir die Atmosphäre von Heine rüber in den Film, so dass sie nachvollziehbar bleibt – diese offene Outline, die mit Bleistift in unterschiedlichen Stärken gezogen ist… das war die ganz große Herausforderung von der Bildseite.“

Anschließend wurde diese Reinzeichnung, das so genannte Clean-up, eingescannt und dann koloriert. Beim folgenden Compositing wird der Hintergrund mit der farbigen Animation zusammen gefügt. Dabei werden auch Kamerafahrten angelegt und die verschiedenen Ebenen der Bilder und die Effekte.

Natürlich spielt auch der Ton von MULLEWAPP – DAS GROSSE KINOABENTEUER DER FREUNDE eine zentrale Rolle im Gesamtkunstwerk des Films. Auf die Musik und seine Synchronsprecher ist Tony Loeser besonders stolz. „Mit unseren Sprechern sind wir sehr glücklich – wenn man Christoph Maria Herbst, Joachim Król und Benno Fürmann hört, oder auch Volker Wolf, der den Wolf spricht… davon waren wir schon sehr beeindruckt. Das sind ja auch gestandene Schauspieler, die ihren eigenen Charakter mit in die Figuren einbringen.“

Schwierigkeiten, eine so prominente Besetzung für die Hauptrollen zu bekommen, gab es für Loeser und sein Team zu keinem Zeitpunkt. „Da brauchten wir überhaupt keine Überzeugungsarbeit zu leisten – die Bücher sind allgemein bekannt, und einige der Sprecher haben ja auch Kinder. Alle waren eigentlich schon sofort Feuer und Flamme“. Loeser war auch die treibende Kraft hinter der Synchronbesetzung von MULLEWAPP. „Ich hatte von Anfang an meine Vorstellungen für die Synchronsprecher“, fährt er fort. „Wir haben überlegt, wer welche Rolle sprechen könnte und dann entsprechende Beispiele von diversen Synchronstudios unter die Figuren gelegt bekommen. Da war für mich relativ schnell klar, dass die Stimmen, die es letztlich auch geworden sind, einfach gut zu den Charakteren passen. Es war meine Wunschbesetzung.“

Auch die erste Synchronarbeit von Katarina Witt als das Huhn Marilyn fügt sich nahtlos in den Film ein. Für die musikalische Welt von MULLEWAPP schließlich schrieb der Komponist Andreas Hoge eine wunderbare Mischung aus Skiffle- und orchestraler Musik, die von Hoge selbst und einer Skiffleband und dem Sinfonieorchester Wuppertal eingespielt wurde. „Es ist eine sehr einfache Musik, aber genau auf den Film und für die Kinder in dem angepeilten Alter zugeschnitten“, erläutert Loeser weiter.

„Andreas Hoge hat auch den „Freunde“-Song geschrieben und getextet, der von Christoph Maria Herbst, Joachim Król und Benno Fürmann selbst interpretiert wird. Die drei machen das ganz wunderbar.“

Immer wieder gab es für die Filmemacher bei der Produktion Erfolgserlebnisse, die sie in ihrer Arbeit weiter anspornten. Das schönste Erlebnis, so Loeser, ist natürlich „der fertige Film.“ Und er fährt fort: „Natürlich gab es auch viele kleine Zwischenerfolge: Wenn die ersten Animationen gut aussehen, die ersten Hintergründe und farbigen Animationen oder das „Animatic“, in dem das Storyboard in stehenden Bildern sozusagen auf Länge geschnitten abläuft und den Film erzählt, wenn man merkt, dass die Skiffle-Musik mit einem großen Orchester so wunderbar zusammen geht. Die Überraschung mit den Stimmen, wenn sie auf die Figuren passen… so gibt es in jeder Produktionsphase angenehme Erfolgserlebnisse.“

Die erste Vorführung vor der Hauptcrew war für die Ausführende Produzentin Romy Roolf das Schlüsselerlebnis mit MULEWAPP: „Die erste Teamvorführung hatte natürlich ein durchaus sehr kritisches Publikum, weil da Leute im Raum saßen, die teilweise ein Jahr lang nicht mehr an dem Film beteiligt waren. Bei denen kam der Film schon sehr gut an, das war für uns ein Highlight.“ Viele Hände sorgten dafür, dass unter der Regie von Tony Loeser und Jesper Møller die Geschichten von Helme Heine auf der Leinwand adäquat zum Leben erweckt wurden. Den einzigartigen Charme von „Mullewapp“ bezeichnet Loeser so: „Es geht um das immerwährende Thema Freundschaft – da sind drei grundverschiedene Charaktere, und in dem Moment, in dem sie sich gegenseitig akzeptieren und stützen, kommen sie auch weiter und können Probleme lösen, die sie als Einzelner kaum bewältigen könnten. Das ist die Stärke der Geschichten, die unterhalten ohne allzu didaktisch zu werden.“

Auch Jesper Møller ist mittlerweile vom einzigartigen Charme der „Mullewapp“-Geschichten begeistert: „Ich habe eigene Kinder, und ich habe ihnen die Geschichten natürlich gleich vorgelesen, als ich angefangen habe, mich mit dem Projekt zu beschäftigen“, erläutert er. „Sie haben ebenso wie ich auf die gleichen Dinge reagiert: Es gibt simple kleine Konflikte, die von den Tieren in Mullewapp gelöst werden. Das sind universelle Konflikte, mit denen Erwachsene und Kinder etwas anfangen können, ob sie nun aus Deutschland, Dänemark oder Sibirien kommen. Helme Heine hat sich auch nie davor gescheut, Tabus anzufassen und die Konflikte damit voranzutreiben, auch wenn es sich hier um Kinderbücher handelt. Seine Bücher sind nie im amerikanischen Sinne politisch korrekt. Er ist immer ein bisschen ironisch oder sogar sarkastisch. Das ist ein sehr starker, sehr europäischer Zugang, und damit können wir alle etwas anfangen. Denn es zaubert uns ein Lächeln auf die Lippen. Und das macht seine Geschichten im wahrsten Sinne des Wortes zeitlos. Seine Bücher sind in meinen Augen moderne Klassiker.“

Bleibt am Ende die Frage, die Helme Heine wohl besonders oft gestellt bekommt: Wo liegt eigentlich Mullewapp? Tony Loeser kennt die Antwort: „Das ist ein romantisierender Gedanke, aber er trifft den Gedanken von Helme Heine: Mullewapp trägt jeder im Herzen.“

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    Der Animationsfilm „Mullewapp - Das große Kinoabenteuer der Freunde“ mit den Helden aus den Büchern von Helme Heine kommt am 23. Juli in die deutschen Kinos. Die deutsch-italienisch-französische Koproduktion wurde von Tony Loeser (Produzent der TV-Zeichentrickserie „Ein Fall für Freunde“) und Jesper Moeller („Asterix und die Wikinger“) inszeniert. Das Drehbuch schrieben Bettine und Achim von Borries („Die drei Räuber“...

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