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Fakten und Hintergründe zum Film "M?tter und T?chter"

Kino.de Redaktion |

Mütter und Töchter Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Am Anfang gab es überhaupt keinen Plot, nur eine vage Idee von zwei Fremden, die sich nacheinander sehnen, und wie diese Sehnsucht ihre Psychen formt und deformiert. Wir hofften, dass daraus ein Porträt würde über die komplizierten Gefühle und ineinander verflochtenen Schicksale von erst zwei, und später drei Frauen. Ich habe keine Ahnung, aus welcher Ecke meines Bewusstseins all das dann herkam – ich konnte mich jedenfalls schwer selbst erkennen in dieser Geschichte. Eins war auf jeden Fall von Beginn an klar: Ich würde nur soweit fliegen, wie mich die Flügel der Schauspieler trügen.

Ich habe keine Ahnung, wie Schauspieler arbeiten. Ich selbst habe nie geschauspielert (abgesehen von ein paar Schulaufführungen) und es auch nicht studiert. Ich habe nur eine gewisse Vorstellung von den Dingen, die Schauspieler machen müssen, um ihre Rollen zu entwickeln. Die Gespräche, die sie mit sich selbst führen, die zermürbenden Erkenntnisse über sich selbst während der Suche nach der Seele ihrer Figur. Ihnen darf nichts Menschliches fremd sein.

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Annette Bening sprach über das Drehbuch, die Konsequenzen allen Handelns, die Wurzeln jedes Gefühls derart souverän und klar, dass es faszinierend für mich war, an meinem eigenen Set zu stehen und noch etwas über die Figuren zu lernen, die eigentlich ich geschrieben habe. Ein sehr faszinierender Prozess: Zu sehen, wie Karen sich bewegt, wie sie spricht, sich kleidet, und lacht und lebt. Wow, schau dir das an. Da drüben steht Karen. Wie hat Annette nur die Zeit dafür gefunden?

Annette zieht vier Kinder groß, hat eine Bühnenkarriere und entwickelt andere Filmprojekte. Sie hat Verwandte und Eltern, einen viel beschäftigten Ehemann, engagiert sich im Vorstand der Academy of Motion Picture Arts and Science. Und sie wird garantiert auch noch ein bisschen Zeit brauchen, um Annette zu sein, Zeit mit Annette zu verbringen in den Räumen, die kein anderer außer Annette betreten darf. (Edith Warton bezeichnete diese Räume mal als „Heiligstes des Allerheiligsten“. Vielleicht durfte Karen ja mal hineinschauen). Wann machte sich Annette Gedanken über Karen? Beim Haare bürsten? Beim Licht ausmachen, beim Aufheben eines Schuhs? Beim Trocknen der Tränen ihrer Kinder?

Während der Dreharbeiten hab ich Dich gefragt, Annette, ob Du mir später in ein paar Monaten mal verraten könntest, wie Du schließlich zu Karen gekommen bist. Aber eigentlich möchte ich das jetzt gar nicht mehr wissen. Verrat mir besser nicht, wie Du so eine unglaublich präzise und bewegende Route für Karens Gefühle ausgearbeitet hast. Wie Du so ein gefühlvolles Verständnis für ihre Dünnhäutigkeit und ihre Frustration gefunden hast. Führe mich besser nicht in die Kammer, in der das Kaninchen versteckt ist.

Ein paar Monate vor Beginn der Aufnahmen waren wir im Haus der Mutter eines Freundes in New York. Wir drehten vorab eine Szene, in der Elizabeth ihren Babybauch beobachtet. Ich hatte Naomi Watts zuvor nur einmal zum Abendessen getroffen. Nun war sie in ihrer ganzen schwangeren Pracht erschienen und wirkte ausgesprochen gelöst. Ich merkte schnell, dass sie einen wunderbar derben Sinn für Humor hat und dass sie gleichermaßen ein „girl’s girl“ und ein „boy’s girl“ ist. Während des Lichtaufbaus sprachen wir ein wenig über ihre Rolle der Elizabeth. Wenn ich spürte, dass sie mir aufmerksamer zuhörte, als mir lieb war, schaltete ich einen Gang zurück und hörte ihr zu.

Es gibt nämlich kaum etwas Schlimmeres als Schauspieler, die mit der Stimme des Regisseurs im Kopf agieren. Aber meine Ängste waren unbegründet. Ein halbes Jahr später, als die Dreharbeiten liefen, war klar, dass Naomi ihre eigene Elizabeth entwickelt hatte. Ich fragte nicht, wer sie ist, sondern verfolgte vielmehr, wie sich ihre Figur vor meinen Augen entfaltet, sie sich in ihrer ungezähmten Unabhängigkeit in ihrer Welt bewegt. Mit harter Disziplin, unbändigem Ehrgeiz und gleichzeitig versteckter Zerbrechlichkeit und Angst. Deine Elizabeth, Naomi, ist gefährlich, herzzerreißend und, wie ich finde, absolut liebenswert. Du bist zuerst in ihren Kopf eingetaucht (Und sollte dort Angst geherrscht haben – wie nicht selten bei Künstlerin dieses Kalibers – habe ich es nicht bemerkt). Die Rolle war körperlich sehr anspruchsvoll, es gab Nacktszenen und Gefühlsausbrüche – und die Drehtage waren lang. Naomi war trotzdem witzig und hat uns oft zum Lachen gebracht. Und sie hatte ein sechs Wochen altes Baby zu stillen und ihren zweijährigen Sohn zu versorgen. Sie hat mir verraten, dass sie manchmal von einem dritten Kind träumt.

Nach den Aufnahmen des Babybauchs fragte mich die Besitzerin des Hauses, worum es denn in dem Film gehe. „Meine Mutter war auch 14 Jahre alt, als sie mich zur Welt brachte“, sagt sie. „Und gab mich zur Adoption frei. Als ich erwachsen war und sie schließlich gefunden hatte, war sie bereits gestorben.“ Naomi hörte schweigend zu und ließ sich nichts anmerken. Wie bei Annette und Karen, sind mir auch Naomis Verbindungen zu Elizabeths Herzen ein Rätsel. Ein Rätsel wie eine Droge.

Ich wäre gerne mal für 24 Stunden Kerry Washington. Aber keine Stunde länger, sonst würde bei mir der Motor explodieren: eine wechselvolle Filmkarriere, politisches Engagement (sie ist eine furchtbar gute Diskussionspartnerin), Arbeit für wohltätige Zwecke, Freundschaften mit Staatsoberhäuptern, Reisen und ein grundsätzliches Interesse an wirklich allem. Außerdem ist Kerry eine sehr humorvolle Person, ein bodenständiger, stets hilfsbereiter Mensch, der sich in seiner Haut wohlfühlt – und sich mehr aufbürdet und tragen kann als ein Mann meiner Statur. Kerry bewältigt das alles und schwitzt nicht mal dabei. Und leistet dazu noch die harte Arbeit einer Künstlerin. Auf welchem Flug, in welchem Hotelzimmer, vor welchem Fernsehauftritt, in der Vorbereitung auf welches Theaterstück hast Du Dir Deine Vorstellungen von Lucy gemacht? Sie klärte mich auf, dass Lucy ein bisschen spießig sei, eine Perfektionistin. Dass ihre Verzweiflung durchaus komische Züge haben, ihre Versagensängste extrem quälend und ihr Schmerz sehr schwer wiegen könnten. Am Ende des langen, kurvenreichen Weges findet Lucys Schicksal, dank Dir Kerry, ein wohlverdientes, glückliches Ende.

Das Schlimmste an unserer Filmwelt sind die schlichten Wahrheiten. Zum Beispiel die allgemeine Vorstellung, Schauspieler seien eitel, unsicher und schwierig. Auf einige mag das zutreffen – ebenso wie auf einige Taxifahrer oder Chirurgen. Über das, was wir Schauspielerin abverlangen, wird jedoch kaum ein Wort verloren. Vor anderen zu stehen, sich bloßzustellen und die Haut für eine Figur zu Markte zu tragen – das Schöne ebenso wie das nicht so Schöne – der Duft, die Falten, die Narben, die Gänsehaut – die Landschaft des Körpers ist dem direkten Sonnenlicht ausgesetzt. Eine Nacktheit wie diese ist für mich der Stoff, aus dem Alpträume gemacht sind.

Es kommt sehr oft vor, dass ich mich im Schatten hinter der Kamera ducke und zusammenzucke, wenn ich den Schauspielern dabei zusehe, wie sie das tun und sagen, was ich geschrieben habe. Und ich hoffe in dem Moment, dass niemand auf mich schaut und begreife gleichzeitig, dass Karen/Annette und Elizabeth/Naomi und Lucy/Kerry und Paul/Sam und Paco/Jimmy mir dermaßen nahe sind, dass mir die Schamesröte ins Gesicht steigt. Dank ihnen kann ich meine Träume verwirklichen – Geschichten zu erzählen und andere Leben zu leben. Wie kann ich sonst herausfinden wie es ist, es sich anfühlt, ein anderes menschliches Wesen zu sein?

Möglicherweise gibt es einen einfacheren Weg. Ich fragte also meine Tochter, wie es sich anfühlt ein zehnjähriges Mädchen zu sein. Die Frage hat sie ziemlich verärgert, und ihre Antwort war wie ein Gewehrschuss: „Genauso wie es sich für dich anfühlt 49-jähriger Mann zu sein, Dad!“ Puh!

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