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Fakten und Hintergründe zum Film "Motel"

Kino.de Redaktion |

Motel Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Über acht Jahre hat Autor Mark L. Smith das Konzept von MOTEL im Kopf hin- und hergewälzt,

bevor es schließlich den Weg auf die große Leinwand fand. Als Smith eines Tages mit seiner Frau auf Nebenstraßen durch New Mexico fuhr, fielen ihm die vielen kleinen Motels am Straßenrand auf, die ohne irgendwelche Gäste zu existieren schienen. „Ich fragte mich, wovon sie lebten, wie sie ihr Geld machten“, erinnert sich Smith. „Dieser Gedanke ging mir seitdem nicht mehr aus dem Kopf.“

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Smith wusste, dass seine Geschichte nur schrecklich aufregend und bezwingend zugleich

wird, wenn sich die Zuschauer mit den Figuren identifizieren können. Außerdem nahm er sich eineLehre des Suspense-Meisters Alfred Hitchcock zu Herzen: Smith erkannte, dass es der nervenzerreißenden Spannung des Films zugute kommt, wenn er sich bei der Einführung der Hauptfiguren David und Amy Fox und ihrer fragilen Beziehung genügend Zeit lässt.

„In den ersten zwanzig Minuten passiert nichts Schreckliches, aber man lernt die Charaktere kennen und interessiert sich für sie“, sagt er. „Es entsteht das Gefühl, das uns auch hätte treffen können. Das könnten wir sein, meine Frau und ich – einfach jeder.“

Das Drehbuch brachte Smith zu Brian Paschal, dem Chef der Entwicklungsabteilung der Hal-Lieberman-Company, die Sony Pictures angeschlossen ist. „Ich war Feuer und Flamme,

nachdem ich das Drehbuch der Geschichte gelesen hatte“, erinnert sich Paschal, der als ausführender Produzent an dem Film beteiligt war. „Es ist eines dieser Drehbücher, bei denen man überhaupt nicht merkt, dass man umblättert und auf einmal sieht man auf und ist durch damit.

Der Film ist düster und pervers und die Snuff-Filme sind grässlich, aber eigentlich geht

es in der Story um ein Paar, das durch seinen Überlebenswillen wieder zueinander findet.“

„Manchmal sieht man sich Thriller oder Horrorfilme an und fragt sich, warum die Opfer nicht einfach umgebracht werden“, ergänzt Paschal. „Was mir an diesem Film so gut gefällt ist, dass diese Frage beantwortet wird. Die Killer drehen einen Film. Und je mehr sie mit David und Amy spielen, je mehr sie die nackte Angst aus ihnen herausquetschen, umso besser wird das Ergebnis.“

Paschal brachte das Skript zu Hal Lieberman, der sofort als Produzent des Films unterschrieb. „Mark ist ein ausgezeichneter Autor, jemand, mit dem wir schon lange zusammenarbeiten wollten“, sagt Lieberman. „MOTEL ist ausgezeichnet durchdacht, sehr kraftvoll und wird nie langweilig. Von dem Moment an als sie in dem Motel einchecken bis zum letzten Bild des Films ist es eine einzige höllische Jagd. Es ist unheimlich aufregend zuzusehen, wie die beiden Protagonisten dies überstehen.“

Der frühere Produktions-Chef von Universal Pictures vergleicht das Kinoerlebnis mit einer Achterbahnfahrt. „Warum setzen sich Menschen da hinein? Weil sie die Aufregung spüren und Angst haben wollen und weil sie wissen, dass es ihnen nach der Fahrt gut gehen wird. In diesem Film können sie sich in die Situation der Hauptfiguren versetzen und sich fragen: Würde ich überleben, wenn mir so etwas passierte?“

Lieberman schickte das Drehbuch zu Clint Culpepper, Präsident von Screen Gems, der Sony-

Pictures-Abteilung, die mit ihren Horrorfilmen wie The Exorcism of Emily Rose (Der Exorzismus der Emily Rose, 2005) und When a Stranger Calls (Unbekannter Anrufer, 2006) in jüngster Zeit große Erfolge feiern konnten.

„Clint hat das Drehbuch an einem Samstag gelesen“, erinnert sich der Produzent. „Als er auf Seite 30 war, rief er mich an und sagte: ,Mein Gott, das Skript jagt mir Todesangst ein. Ich ruf dich wieder an, wenn ich es durchgelesen habe.‘ Anschließend war er ganz verrückt danach, hat es noch am Wochenende gekauft.“

Nachdem der Handel in trockenen Tüchern war, begannen die Produzenten mit ihrer Suche nach einem Regisseur, der Smiths Drehbuch auf die Leinwand übertragen, konnte. Lieberman schlug

Nimrod Antal vor, einen jungen Amerikaner, der in Ungarn kürzlich seinen ersten Spielfilm fertig gestellt hatte: Kontroll (Kontroll, 2003).

Ein packendes Drama, das fast komplett im Budapester U-Bahnsystem angesiedelt ist, 2004 den Prix de la Jeunesse beim Filmfestival in Cannes gewann und auf Festivals in Europa und den USA einen enormen Wirbel um den jungen Filmemacher auslöste.

„Kontroll war brillant und exzellent gestaltet“, sagt Lieberman. „Der Film bewies nicht nur, dass Nimrod wusste, wie man mit einer Kamera umgeht, sondern auch, dass er in der Lage war, einen einzigartigen Erzählton in einer räumlich begrenzten Umgebung durchzuhalten.

Bei MOTEL wollte er eine Geschichte über zwei Menschen erzählen, und zwar so vorstellbar und energetisch wie möglich.“ Antal wiederum beeindruckte die Qualität von Smiths Drehbuch und faszinierte die Idee, dass ein Paar durch eine unvorstellbare Tortur seine Liebe neu entdeckt. „Es hat mich an ältere Thriller erinnert, die sehr simpel und elegant waren, aber einem trotzdem Angst gemacht haben“, sagt der Regisseur. „Der ganze Rhythmus des Films war bereits im Drehbuch ausformuliert. Diese Ungewissheit und diese Spannung den ganzen Film über aufrecht zu erhalten, das stand schon so in den Seiten.

Letztendlich geht es in MOTEL um ein Paar, das sich wieder neu findet. Das war für mich der Antrieb des Films.“

Den Filmemachern war klar, dass sie für die Rollen von David und Amy Fox Darsteller brauchten, die nicht nur über natürliche Anziehungskraft verfügten. Sie mussten außerdem den körperlichen Anstrengungen der Rollen gewachsen sein und großes schauspielerisches Können besitzen, um währenddessen mit höchster emotionaler Intensität agieren zu können.

Kate Beckinsale spielte in gefeierten Indie-Hits wie Laurel Canyon (Laurel Canyon, 2002) und The Golden Bowl (The Golden Bowl, 2000), aber auch in Blockbustern wie The Aviator (Aviator, 2004) und Pearl Harbor (Pearl Harbor, 2001). Dank ihres Parts als mächtige Vampirin Selene in den Underworld-Filmen ist sie zu einem der führenden, weiblichen Actionstars in Hollywood aufgestiegen.

Beckinsale fühlte sich zur Rolle der Amy Fox in MOTEL hingezogen, weil der Geschichte eine komplexe Beziehung zugrunde liegt. „Es wirkte erfrischend auf mich, einen Film mit einer Ehebeziehung beginnen zu lassen, die unter keinem guten Stern steht und dann auch noch die äußeren Umstände so zu verändern, dass die Beziehung tatsächlich auf die Probe gestellt wird“, sagt Beckinsale. „In dem Moment, wo es um Leben oder Tod geht, stellt sich nur die eine Frage, ,Bedeutet mir diese Person etwas oder nicht?‘ Es passiert nicht oft im Leben, dass man sich so eine bis auf das Wesentliche reduzierte Frage stellen muss.“

Selbst ihre beträchtlichen Actionerfahrungen konnte Beckinsale nicht auf die großen Herausforderungen vorbereiten, denen sie sich in MOTEL ausgesetzt sah. „Ich habe schon viele physisch sehr anstrengende Rollen gespielt, aber bei diesem Film habe ich mir mehr Blessuren zugezogen als bei sämtlichen anderen zusammen. Es schlaucht einen als Schauspieler sehr, wenn man soviel lähmendes Entsetzen spielen muss.

Damit diese Todesangst wirklich authentisch wirkt, muss man sich in einen absolut erschöpfenden Bewusstseinszustand versetzen.“ Antal sagt, dass er von Beckinsales Talent, ihrer Professionalität und ihrer Opferbereitschaft begeistert war. „Sie kam stets ausgezeichnet vorbereitet ans Set und brauchte nie mehr als zwei Takes, dann war die Szene im Kasten.

Allein der Umstand, sich tagein, tagaus mental in diese Angst hineinzusteigern war für sie unheimlich schwierig, aber sie hat es problemlos gemeistert. Ich meine, sie war wirklich unglaublich gut.“

Für Luke Wilson bedeutete seine Rolle als David Fox in MOTEL eine ganz besondere Herausforderung; ist der Schauspieler doch in erster Linie mit Hit-Komödien wie Old School (Old School – Wir lassen absolut nichts anbrennen, 2003) und Legally Blonde (Natürlich blond!, 2001) berühmt geworden. „Seine Performance wird viele überraschen, denke ich, weil das Publikum es nicht gewohnt ist, ihn in einer solchen Rolle zu sehen“, sagt Antal. Wilson sagt, ihn habe der Part gereizt, weil es sich um einen gewöhnlichen Typen handelt, der in ungewöhnliche Umstände gerät.

„David ist nicht wie MacGyver oder irgendein Harrison-Ford-Actionstar“, sagt er. „Er versucht nur, seine Frau und sich am Leben zu erhalten, rein instinktiv. Aber je weiter die Nacht voranschreitet, desto mehr schwimmen ihnen die Felle davon. Und so wird es zunehmend beängstigender.“

Wie schon für Beckinsale gehörte der Film auch für Wilson zu den physisch anstrengendsten, an denen er beteiligt war. „Als wir mit dem tatsächlichen Dreh begannen, dachte ich, Meine Güte, das mache ich jetzt vierzig oder fünfzig Tage lang von morgens bis abends.‘ Ich war erschöpfter als bei anderen Filmen, aber es war auch höchst befriedigend. Ich will mich nicht beschweren und es mit Arbeiten im Bergbau oder so was vergleichen. Aber ich habe schon das Gefühl, dass es verdammt harte Arbeit war. Kate war sehr gut darin, sich immer wieder aufzurappeln und sich ihre Intensität zu erhalten. Das hat mich angespornt und ich habe versucht, es ihr gleichzutun.“

Produzent Lieberman beschreibt Wilsons Figur als „einen Mann, der versucht, seine Frau zurückzugewinnen. Er macht es auf eine trockene, teilweise sarkastische Weise, aber das ist nur sein Mechanismus, um diese Verbindung wieder aufzunehmen. Manche Dinge funktionieren, weil die Chemie eines Paares stimmt. Und dieser Film zeigt, dass die beiden sich wirklich gut kennen.“

Obwohl sich Wilson und Antal vor dem Film nicht kannten, entstand zwischen dem Schauspieler und seinem Regisseur schnell eine enge Arbeitsbeziehung. „Jeder Regisseur hat seinen Stil und seine Art, wie er mit dir spricht“, sagt Wilson. „Bei Nimrod ist es mehr wie bei einer Partner- oder Freundschaft, eine harmonische Verbindung. Das war sehr hilfreich, was den Film anging.“

Die Actionszenen von MOTEL waren ebenfalls eine ganz neue Erfahrung für Wilson. „Danach sieht man die Arbeit von Leuten, die Actionfilme drehen und darin großartig sind, mit ganz anderen Augen – und weiß sie wirklich zu schätzen.

Anfangs habe ich mich bei den Actionszenen nicht gerade wohl gefühlt, weil es mir im Vergleich zu meinen anderen Filmen so fremd erschien. Aber je weiter wir voran kamen, umso entspannter wurde ich und hatte schließlich sogar Spaß dabei.“

Das dritte große Puzzlestück in der Besetzungsliste war Mason, der sadistische Hotelmanager und das kriminelle Mastermind des Films. Die Filmemacher wussten, dass die Story nur funktionieren würde, wenn sie den richtigen Schauspieler für die Rolle finden würden. „Der Part verlangte nach jemandem, der glaubwürdig ist und gleichzeitig etwas Verschrobenes in die Rolle einfließen lassen konnte – sonst wäre dem Film sämtliche Energie verloren gegangen“, sagt Antal. „Dabei erscheint Mason im ersten Augenblick überhaupt nicht außergewöhnlich, vielleicht ein bisschen seltsam, aber eben nicht zu seltsam.“

Mit Frank Whaley hatten die Filmemacher ihren Mason gefunden. Antal bewunderte den Schauspieler bereits seit den frühen 90er Jahren. Da spielte Whaley u.a. einen milchgesichtigen Killer in Hoffa (Jimmy Hoffa, 1992) und einen gestörten Assistenten in Swimming with Sharks (Unter Haien in Hollywood, 1994). „Er hat den Bösewicht in jedem der Filme so wunderbar verkörpert“, sagt der Regisseur. „Frank war für unseren Film ein Geschenk.“

Whaley und Antal investierten viel Mühe und Energie darauf, Masons Figur zu entwickeln. „Wir haben uns entschieden, ihn nach außen sehr jovial und nicht besonders beängstigend wirken zu lassen. Damit man nicht gleich mit der Tür ins Haus fällt und um es spannender zu gestalten“, sagt der Schauspieler.

„Anfangs benimmt er sich ausgesprochen herzlich, aber das wirkt immer ein bisschen merkwürdig.

David und Amy halten ihn einfach für einen komischen Kauz. Aber da haben sie noch keine Ahnung, worauf sie sich einlassen.“

Die Schlüsselfigur ist der Mechaniker. Er hat nur eine Dialogszene, aber löst damit den ganzen Alptraum erst aus. Dafür benötigte man einen Schauspieler, der das Vertrauen des Publikums gewinnen konnte, während er ihm einen Hauch der bevorstehenden Gefahr vermittelt.

Ethan Embry, der seit seiner Kindheit als Schauspieler arbeitet, brachte exakt den Charme und die Intensität mit, die die Filmemacher suchten. „Er ist ausgesprochen charismatisch“, sagt Paschal. „Genau das brauchten wir, denn es gibt einen kleinen Flirt zwischen ihm und Kate. Es war ungemein wichtig, dass man nicht genau weiß, ob er in die Sache verwickelt ist oder nicht. Es gibt die Möglichkeit, dass er vielleicht gegen Morgen zurückkommt und die beiden rettet.“

Das Pinewood Motel ist mehr als nur der zentrale Drehort des Films, es dient in MOTEL auch als eine Hauptfigur. Die Filmemacher hatten eine klare Vorstellung davon, wie es aussehen sollte. Aber das perfekte, verfallene Motel zu finden, stellte sich trotzdem als ausgesprochen schwierig heraus, erst recht in einer ländlichen, bewaldeten Gegend.

Nachdem sie in ganz Südkalifornien gesucht hatten, fanden sie eine Lösung, die sich als Volltreffer erwies. „Wir entschieden, dass es das Beste sei, das Motel selbst zu bauen, damit es genau unseren

Erwartungen entsprach“, sagt Produzent Lieberman. „Die Verantwortlichen von Sony waren so nett, uns Stage 15 zur Verfügung zu stellen – eine der größten Bühnen der Welt – und uns darauf das komplette Motel und die Tankstelle bauen zu lassen.“

Antal wusste die Vorteile sehr schnell zu schätzen, die es mit sich brachte, fast den gesamten Film auf der Bühne zu drehen, auf der schon Meilensteine wie The Wizard of Oz (Der Zauberer von Oz, 1939) und Spider-Man (Spider-Man, 2002) entstanden waren. „Wir konnten den ganzen Tag drehen, waren nicht vom Sonnenlicht abhängig, nicht vom Wetter. Wir hatten die völlige Kontrolle darüber, wie jedes Schlupfloch und Versteck aussehen sollte. Ich erinnere mich daran, als ich die noch völlig leere Bühne betreten habe und von der schieren Größe überwältigt war. Als ich dann zurückkam und das Set zum ersten Mal gesehen habe, fühlte ich mich wie ein Kind im größten Spielzeugladen der Welt.“

Das Team um Ausstatter Jon Gary Steele baute nicht eine, sondern gleich zwei Versionen des Pinewood Motels. Die Innen- und einige der Außenaufnahmen entstanden auf der rund 4.000 Quadratmeter großen Bühne. Die Nacht-Außenaufnahmen wurden auf einem

zweiten Set auf der Disney Ranch in Placerito Canyon gedreht. Diese beiden Sets waren identisch bis hin zum letzten Ast einer acht Tonnen schweren Eiche.

„Wir benötigten ein Duplikat des Baumes von der Disney Ranch und wir fanden eine Eiche in Big Bear, die dem Baum auf dem Placerito-Canyon-Set entsprach. Weil sie schon beschädigt war, durften wir sie auch fällen. Es war ein 23 m langer Kran erforderlich, um sie auf die Sony-Bühne zu setzen. Äste, die aus echten Ulmenästen gefertigt waren, wurden in der Eiche angebracht, damit sie genauso so üppig wirkte wie die Ranch-Eiche.“

Was die Details der Inneneinrichtung des Pinewood- Motels anging, wusste Steele genau, was den Filmemachern vorschwebte. „In so einem Motel sind wir alle schon mal gewesen“, sagt er. „Nur, dass dieses noch ein klein bisschen fieser ist als alle, die man so kennt. Das war ja auch die Idee – es sollte ein richtig abgewrackter Laden sein. Alles wurde auf alt getrimmt. Wir haben beschichtete Tapeten genommen und diese dann „nikotiniert“, damit sie älter aussehen und die Möbel so behandelt, dass sie aussahen, als ob sie bereits jahrelang in Benutzung waren.“

Das Motel wurde in U-Form konstruiert, um das klaustrophobische Gefühl einer Falle noch zu verstärken. Denn dadurch wird es möglich, dass bereits zwei Leute Amy und David an der Flucht

hindern können. „Es ist wie eins dieser alten Route-66-Motels, die diese Vordächer haben, unter denen die Familie im Wagen wartet, während Daddy zur Anmeldung geht und die Schlüssel holt“, stellt Steele fest. „Ein schönes Stück Americana aus den späten 60er und frühen 70er Jahren.“

„Die Beschaffenheit des Motels hält noch einige Überraschungen für das Publikum bereit“, sagt Regisseur Antal. „Man glaubt, man wäre auf einen Raum beschränkt, aber das ist man nicht. Das Motel und die Tankstelle bieten eine Menge Schlupflöcher und Nischen, die unsere Helden bei ihrem Ausbruchsversuch entdecken.“

Die Schauspieler waren von Steeles Teamarbeit schwer beeindruckt. „Es war das coolste Set, an

dem ich jemals gearbeitet habe“, erklärt Wilson. „Sie hatten das komplette Motel aufgebaut, mit

allen Räumen, der ganzen Tankstelle und einem riesigen Baum. Es war definitiv ein Set, bei dem ich Freunde angerufen und gesagt habe, ,Hey, ihr solltet mich bei der Arbeit besuchen kommen.‘“

Beckinsale beschreibt das Set als eine andere Welt. Sie sagt: „Stage 15 ist gewaltig und es wirkte, als würden dort Bäume wachsen, und dann noch dieses enorm detaillierte Hotel samt Tankstelle.“

Whaley, dessen Filmfigur in dem Motel lebt und es für ahnungslose Reisende in eine tödliche Falle verwandelt, staunt über den Detailreichtum des Ortes. „Jedes Kleinigkeit, von den Streichholzschachteln über die Türknäufe bis hin zur hinteren Spüle voller Geschirr, es ist ein richtiges Motel, das in der Zeit stehengeblieben ist.“

Praktisch alle Actionszenen des Films finden in der Enge der Pinewood-Zimmer und auf dem Parkplatz statt. Solche Beschränkungen lassen dem Filmemacher normalerweise wenig Spielraum bei der Kameraplatzierung. Doch Steele und sein Team konstruierten das Motel so, dass jede Wand und die Decke entfernt werden konnten, was Innenaufnahmen aus jedem erdenklichen Winkel möglich machte.

Steele bemerkt, dass das Set-Design enorm zur entsetzlich klaustrophobischen Atmosphäre des Films beiträgt. „Wir haben beispielsweise in der Tankstelle viel Glas verwendet, damit man sich

wie ein Vogel im Käfig vorkommt“, fügt er an. „Es gibt eine Szene, bei der sie aus einem der Tunnel nach oben kriechen und erkennen müssen, dass sie immer noch in der Falle sitzen.“

Als Steele mit seinem Team die Konstruktionszeichnungen der Bühne überprüften, entdeckten sie eine Grube, mit der sie in der Lage waren, das Tunnelsystem des Motels anzulegen. „Die Tunnel waren sehr wichtig für das Set, weil die Killer eine Möglichkeit brauchten, um ungesehen von einem Raum in den anderen zu gelangen“, sagt er. „Außerdem benutzen sie die Tunnel, um die Leichen aus den Räumen zu schaffen und unter dem Hotel zu begraben. Deshalb haben wir unter der Bühne dieses Multifunktions-Tunnelsystem angelegt.“

Interessanterweise gab es in Smiths Original- Drehbuchentwurf gar keine Tunnel. „Da sich die Figuren lange Zeit in einem Raum aufhielten, überlegten wir, wie wir sie da herausbekommen“,

sagt der Drehbuchautor. „Brian meinte zu mir, ,Was wäre, wenn es dort Tunnel gäbe?‘ Nachdem er mir diesen Floh einmal ins Ohr gesetzt hatte, dachte ich nur noch, Mann, das eröffnet ja komplett neue Welten, mit denen wir spielen können.“

Die Vorstellung, so viel Zeit im Untergrund drehen zu müssen, machte Beckinsale nervös. „Ich bin ziemlich klaustrophobisch und hatte Bedenken, dass ich vielleicht hysterisch werden würde. Aber als ich erst mal da unten war, habe ich mich total entspannt. Denn die Tunnel waren beleuchtet, ich konnte überall einen Ausgang sehen. Es war so gemütlich, dass meine Tochter eines Tages mitkam und viel Spaß daran hatte, drinnen herumzukrabbeln.“ „Die meiste Zeit war es in den Tunneln sehr entspannt“, sagt Wilson. Es hat geholfen, dass Kate mit mir drinnen war. Mit den Ratten war es dann nicht mehr so angenehm, aber das haben wir auch irgendwie überstanden.“

Die Rattenszene hat Beckinsale überhaupt nichts ausgemacht, obwohl sie anfangs befürchtete, sie bekäme es mit aggressiven Großstadtnagern zu tun. „Die Ratten waren liebenswürdige Filmprofis. Es kam mir vor, als würden wir den Tag mit hundert „Stuart Littles“ verbringen. Sie haben mir ein paar Mal ins Haar gekötelt, aber sonst waren das ausgesprochen reinliche, niedliche Kerlchen, völlig o.k. Sie kamen mir vor wie Freunde – wie einige hundert Freunde.“

Kameramann Andrzej Sekula, der Quentin Tarantinos Pulp Fiction (Pulp Fiction, 1994) und Reservoir Dogs (Reservoir Dogs – Wilde Hunde, 1992) gedreht hat, sagt: „Die Tatsache, dass Antal selbst über Kameraerfahrung verfügt, machte es einfacher, die düsteren, vibrierenden Bilder von MOTEL zu erarbeiten.“

Sekula und Antal waren sich einig darüber, dass ein kontrastreicher Look die Unsicherheit und Angst der Figuren unterstreichen würde. „Das Licht ist bei uns kein Gimmick oder besonders schön, nicht wie reflektierendes oder diffuses Licht. Aber es ermöglichte mir, Lichtinseln zu erzeugen, in denen man plötzlich die Killer sieht.

Sehr oft gehen die Charaktere vom Licht in den Schatten und wieder zurück.“ Während Sekula den scharfen Kontrast und die tiefen Schatten erzeugte, die dem Film seine unheimliche, unbehagliche Stimmung geben, bemühte er sich gleichzeitig um so viel Raum für Flexibilität und Last-Minute-Improvisation wie möglich. „Du entwickelst die Szene, aber lässt dir dabei viel Freiraum“, sagt er. „An einem Set gibt es so viele Elemente, die alles umwerfen können, beispielsweise ein Schauspieler, der sich anders bewegen möchte, oder das Wetter oder technische Probleme. Man kann wirklich nicht entscheiden, welches Licht das Beste ist, bis du die Kamera in die Hand nimmst und losfilmst.“

Da die meiste Action in dem geschlossenen, kleinen Motelzimmer und dem Tunnelnetz stattfindet, wurden die Kamerabewegungen besonders wichtig, um Stimmung und Rhythmus des Films zu stärken. Dabei kamen sowohl Steadicam als auch Handkamera zum Einsatz. „Dreht man in kleinen, eingeschränkten Räumen, versucht man, das Bild so dynamisch und attraktiv wie möglich zu gestalten“, sagt Sekula. „Man wechselt die Kameraposition, um die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu fesseln.“

Sekula entwarf auch MOTELs schockierende Snuff-Film-Sequenzen. Dabei ging er mit simpler Logik vor: Er platzierte sieben versteckte Kameras in Fox’ Motelzimmer. „Wir haben die Kameras dort positioniert, wo wir die meisten Personen im Blick hatten, fast wie bei einer Überwachungskamera in einem Kaufhaus. Wir haben einfach versucht, jede erdenkliche Ecke abzudecken.“ Damit der Look des Snuff-Films noch authentischer wirkte, drehten die Filmemacher auf hochklassigem Bandmaterial, schnitten es und stuften die Qualität anschließend herunter, damit es nach VHS-Material aussah.

Obwohl MOTELs einzigartiger Stil die Charaktere und die Psychologie betont und nicht Action und Blut im Vordergrund stehen, gibt es in dem Film ein paar Stunts, die sich ins Gedächtnis einbrennen werden. Dazu gehört eine heftige Autocrash-Szene, bei der einer der Killer an eine Motelzimmerwand genagelt wird. Stunt-Fachmann Lance Gilbert dachte sich einen raffinierten Plan aus, bei dem es möglich war, den Crash wirklich durchzuführen anstelle ihn am Computer zu simulieren.

Dafür verwendeten sie neueste Technik, ein System aus Kabeln und computergesteuerten Seilwinden. „Die Winden wurden früher in Theatern benutzt, um die Vorhänge und Ähnliches zu bewegen. Diese speziellen Seilwinden funktionieren mit einer Software, die sich auf den Millimeter genau programmieren lässt. Lässt sich so eine Stuntszene drehen, ist ein Vorteil davon, dass die Schauspieler ein Gefühl dafür bekommen, wie es ist, wenn ein Wagen wirklich auf dich zurast.“

Obwohl am Set natürlich alle möglichen Sicherheitsmaßnahmen getroffen wurden, versichert

Regisseur Antal: „Im Film kann man das nicht sehen. Es ist wirklich angsteinflößend! Das Auto

und die Kamera waren mit einem Flaschenzugsystem verbunden. Im Prinzip haben wir die Bewegungsabläufe auf die Hälfte ihrer eigentlichen Schnelligkeit reduziert, während unser Kameramann das Ganze entsprechend aufgenommen hat. Dann, per Knopfdruck, wurde die Vorrichtung synchronisiert und die Szene wurde gedreht. Es war schon etwas beunruhigend zu sehen, wie diese Maschine das Kommando übernahm und die Arbeit machte. Aber es war auch ziemlich beeindruckend.“

Die Stunt-Crew warnte Beckinsale, dass der Crash fürchterlich echt wirken würde. „Sie sagten mir, ich sollte darauf vorbereitet sein, also geriet ich etwas in Panik. Ich dachte, dass dies wohl das Furchtbarste sein würde, was ich jemals machen werde. Es hat letztlich perfekt geklappt. Dabei kann ich allerdings nicht für den Mann sprechen, der von dem Wagen erwischt wurde, versteht sich.“

Für Autor Mark L. Smith ist es der ultimative Lohn seiner Arbeit, MOTEL schließlich in einem ganz normalen Kino mit Publikum zu sehen. „Ich möchte den Film so zum ersten Mal erleben“, sagt er. „Bei Thrillern oder anderen Filmen, die Angst machen, ist es der größte Spaß, die Reaktionen der Zuschauer mit zu bekommen.“

Beckinsale sagt, dass sie sich selbst gern im Kino gruselt und hofft, das Publikum werde sich für dieselben Qualitäten eines Films interessieren, die sie auch ansprechen. „Am wichtigsten ist mir,

dass die Leute mit den Charakteren mitleiden. Deren Beziehung ist kompliziert und interessant, darüber hinaus noch unterhaltsam, beängstigend und warmherzig.“

Whaley meint, dass die äußerst realistischen Gegebenheiten der Story die düstersten Phantasien

der Zuschauer beflügeln dürften. „Menschen verschwinden pausenlos und niemand weiß, was

mit ihnen passiert ist. Man könnte in einem Motel am Straßenrand wie diesem absteigen – und vielleicht kommt man nie wieder raus.“

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