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Fakten und Hintergründe zum Film "Moonrise Kingdom"

Kino.de Redaktion |

Moonrise Kingdom Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Über die Produktion

Die Schlüsselrollen mit zwei Nachwuchsdarstellern mit nur sehr wenig Schauspielerfahrung zu besetzen, hätte sich als großes Risiko für einen Filmregisseur erweisen können, doch MOONRISE KINGDOM-Produzent Jeremy Dawson betont: „Wes Anderson vertraut seinem Instinkt, deshalb ging es nur darum, wen er glaubte, sich in diesen beiden Rollen vorstellen zu können – und wieder einmal hat er besetzungstechnisch ins Schwarze getroffen.“

Die jungen Talente Jared Gilman und Kara Hayward haben Anderson im Laufe eines langwierigen Castingprozesses für sich eingenommen. Sechs Monate nach seinem ersten Vorsprechen, gefolgt von drei weiteren Rückrunden, erinnert sich Gilman: „Nach der Schule stieg ich zu meiner Mom ins Auto und fragte sie, ob es Neuigkeiten gibt. Anstatt zu ant-worten, rief sie meinen Vater an. Der ließ mich erstmal eine ganze Weile zappeln, bevor er mir sagte, dass ich die Rolle bekommen habe. Ich schrie, ich lachte und ich weinte. Es war wahrscheinlich der glücklichste Tag meines Lebens.” Haywards Mutter dagegen überbrachte die guten Nachrichten geradeheraus. Die Nachwuchsschauspielerin erinnert sich: „Ich kam gerade von der Schule nach Hause und meine Mutter begrüßte mich mit ‚Rate mal!’ und ich fragte ‚Was?’ und sie sagte ‚Du hast die Rolle.’ Ich brauchte eine Minute um das zu verdauen. Es war total aufregend. Mein kleines Fünf-Minuten-Bewerbungsvideo hatte mir eine Filmrolle eingebracht.“

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„Ich liebe meine Figur. Suzy Bishop fühlt sich zu Hause missverstanden, sie hat drei kleine Brüder, einen Vater mit Problemen und eine Mutter, die eine Affäre hat. Sie ist sehr sensibel, aber gleichzeitig auch ein taffes Mädchen.“ Gilman sah seine Figur Sam Shakusky als „einen guten Jungen mit erstaunlichem Pfadfindertalent. Er hat sich all seine Abzeichen wirklich verdient. Aber Sam ist Waise und er wird von seinen Stiefbrüdern und den anderen Khaki Scouts schlecht behandelt. Er lernt Suzy bei einer Kirchenaufführung kennen und im Laufe eines Jahres entwickeln sie den Plan, zusammen abzuhauen.“

Obwohl sie Neulinge im Filmgeschäft waren, haben sich die beiden mit Feuereifer auf das Projekt eingelassen. Noch bevor sie am Drehort ankamen, hatten beide bereits das komplette Drehbuch auswendig gelernt. „Mir wird immer wieder gesagt, dass ich ein gutes Gedächtnis habe“, erklärt Hayward. „Es hat mich also nicht besonders viel Zeit gekostet. Ich habe es einfach so oft gelesen, bis ich meinen Text auswendig konnte.“ Für Gilman war der Prozess notwendigerweise ein bisschen langwieriger, wie er erklärt: „Ich musste mir Teile des Drehbuchs schon für die Rückrunden beim Casting merken. Vor den Dreharbeiten hatte ich dann einige Spielproben mit Kara, für die ich im Grunde meinen gesamten Rollentext auswendig lernte. Als wir offiziell mit den Dreharbeiten begannen, hatte ich schließlich alles drauf. Ich hatte eine Leseprobe des Drehbuchs auf meinem Handy gespeichert und habe mir das immer wieder angehört.“

Die Nachwuchsdarsteller probten auch gemeinsam im Produktionsbüro, bevor sie ans Set gingen. Doch die Vorbereitung beinhaltete weit mehr, als nur die Dialoge zu lernen. Anderson wollte, dass sie ihre Figuren erforschen, sich in ihrer Haut wohl fühlen, verstehen, wer sie sind und warum Suzy und Sam tun, was sie tun. Also gab er den Kids ein paar Hausaufgaben. Gilman berichtet: „Ich habe Unterricht im Kanufahren und ein paar Karate-stunden genommen. Und ich lernte ein bisschen Kochen – für eine Szene, in der ich etwas über einem Feuer zubereiten muss.“ Im Hinblick auf das 1965er Setting des Films erklärt Gilman, wie er sich auf diese Ära eingestellt hat: „Wes gab mir den Clint Eastwood-Film FLUCHT VON ALCATRAZ, der im Jahr 1963 spielt, und er war echt toll. Und ich konnte natürlich auch meine Eltern fragen, schließlich sind sie in den 60ern aufgewachsen.“

Hayward verrät: „Wes hat Jared und mich einander Briefe schreiben lassen, weil sich in der Geschichte Sam und Suzy nach ihrer ersten Begegnung ein Jahr lang Briefe schreiben. Er gab uns den Anfang ihrer Sätze…“ „… weil im Drehbuch die Briefe mitten im Satz abbrechen“, ergänzt Gilman. „Wes dachte, wir könnten sie doch gut vervollständigen.“ Entsprechend der Zeit, in der sie leben und aufgewachsen sind, begannen die zwei jungen Darsteller die ihnen aufgetragene Hausaufgabe eines Briefwechsels per E-Mail. Doch Anderson schob dem rasch einen Riegel vor. „Ich glaube, dass er E-Mails nicht authentisch genug fand“, sagt Hayward. „Er wollte richtige Briefe.“ Nachdem sie die elektronische Datenübertragung zugunsten altmodischer Briefkorrespondenz aufgegeben hatten, nahmen sie sich mit ganzem Herzen ihrer Aufgabe an. „Ich lernte viel über Jared“, erzählt Hayward. „Er ist sehr unterhaltsam!“ Gilman merkt an, dass „Karas Briefe sogar einen kleinen Briefkopf hatten, auf dem ‚Suzy Bishop’ und eine erfundene Adresse stand.“

Als die Dreharbeiten schließlich begannen, fiel Gilman „das frühe Aufstehen“ am schwersten, während Hayward „geschockt“ war, als sie feststellte, dass Filme typischerweise nicht in chronologischer Reihenfolge gedreht werden. Doch wie sie anmerkt, „hatte ich keine Ahnung, was mich erwartet, weil ich noch nie in einem Film oder einem Werbespot oder sowas mitgespielt habe, nur in Theatergruppen an der Schule oder im Sommerlager. Schon vom ersten Lesen des Drehbuchs war alles beeindruckender, als ich je erwartet hatte. Am besten hat mir gefallen, den anderen Schauspielern bei der Arbeit zusehen zu können. Das war sehr inspirierend.“

„Auf Wes zu hören, hat mir am meisten geholfen, in die Rolle zu schlüpfen. Er sagte etwa ‚Das und das passiert jetzt. Da geht es nicht darum, dass Kara diese Dinge tut, sondern Suzy.’“ Diese Stichworte seiner Filmkollegin und seines Regisseurs aufgreifend, schlüpfte Gilman in seine Rolle, „sobald ich ans Set kam. Immer wenn ich Sams Waschbärenfellmütze und seine Brille aufsetzte – die so ganz anders war als meine normale Brille – war es wie ‚Jetzt bin ich Sam.’“ An einem freien Wochenende lud Anderson das Paar ein, sich die bereits gedrehten Szenen anzusehen und sprach mit ihnen über ihre gemeinsame Chemie auf der Leinwand. „Wes probte mit uns die Szenen“, erklärt Gilman, „aber nicht die Kussszene. Er wollte, dass das natürlich wirkt, weil es auch das erste Mal ist, dass sich Sam und Suzy küssen.“

Eine weitere Entdeckung gab es, als Frances McDormand, die Suzys Mutter Mrs. Bishop spielt, Hayward die Schreibmaschine im Büro ihrer Filmfigur zeigte. Hayward hatte noch nie eine „im echten Leben“ gesehen und sagte ihr das. „Fran fand das total lustig“, lacht Hayward. „Sie zeigte mir, wie sie funktioniert, indem sie unsere Namen tippte. Requisiten wie diese halfen mir, mich wie in den 1960ern zu fühlen.“ McDormand machte einen starken Eindruck auf die Jungdarstellerin. „Fran ist unglaublich“, betont Hayward. „Eine meiner Lieblingsszenen ist die, wenn Suzy in der Badewanne sitzt und mit ihrer Mutter redet. Das ist sehr liebevoll, zärtlich und emotional. Die Szene zeigt, was Suzy fühlt. Zu sehen, wie Fran zu einer anderen Person wird und wie ich dasselbe tun muss, war fantastisch. Ich fand es toll, so ganz anders sein zu können, als ich normalerweise bin.“

Auch Gilman wurde von erfahrenen Schauspielkollegen unter die Fittiche genommen. Bruce Willis ermunterte ihn, vor dem Dreh gemeinsam die Dialoge durchzusprechen, auch wenn die Sätze längst im Gedächtnis gespeichert waren. Gilman fügt ergänzend hinzu: „Bill Murray hatte mitangehört, wie ich einem der Kostümbildner erzählte, dass ich nicht wüsste, wie man eine Krawatte bindet, und er rief mich zu sich herüber. Dann hat er einfach seine Hände um meine gelegt und den Knoten gemacht. Danach hat er mich es versuchen lassen. So habe ich gelernt, wie man eine Krawatte bindet.“ Murray ergänzt: „Na ja, man tut, was man tun muss. Einmal hatte ich einem Jungen gezeigt, wie man sich rasiert. Und diesmal zeige ich eben einem Jungen, wie man eine Krawatte bindet.“ Hayward verrät: „Bill hat auch Jared und mir den Tipp gegeben, morgens zu summen, um unsere Stimmen für den Dreh startklar zu machen. Es funktioniert wirklich!”

Auch ein weiteres Mitglied der Darstellerriege musste seine Stimme vorbereiten, selbst dann, wenn es kein anderer der Schauspieler musste. Bob Balaban ist sowohl hör- als auch sichtbar der Erzähler in MOONRISE KINGDOM. „Als ich das Drehbuch zum ersten Mal las, konnte ich es gar nicht mehr weglegen“, sagt der altgediente Schauspieler und Filme-macher, der sich wochenlang einen Bart wachsen ließ, um Andersons Vorstellung von der Figur des Erzählers zu entsprechen. „Es war wirklich unterhaltsam, mit großartigen Charak-teren und Dialogen. Und es wurde ziemlich genauso verfilmt, wie es geschrieben stand, so gut waren die Worte, die wir zu sagen hatten.“ Er ergänzt, „die Tatsache, dass man den Erzähler sieht, reflektiert den Stil des Films. Suzy, das junge Mädchen, liest viel und liebt Abenteuerbücher für Kinder. Ich würde sagen, ich bin ein bisschen wie die Stimme eines Buches, ihres eigenen Abenteuers, das sie in ihrem Kopf schreibt. Aber meine Figur hat auch eine Verbindung mit dem Jungen auf der Leinwand.“

„MOONRISE KINGDOM ist universell und für jeden nachfühlbar, weil es eine Geschichte über die erste Liebe und einen magischen Sommer ist“, kommentiert Produzent Dawson. „Es geht um einen Jungen und ein Mädchen, die abhauen, um zusammen sein zu können. Dieser Film ist süß und charmant, aber auch richtig lustig. Der Filmtitel bezieht sich auf eine Bucht, in die die beiden Kinder fliehen. Auf der Karte trägt sie den technischen Namen Gezeitenbucht Meile 3.25 – aber für sie ist es ein geheimer, magischer Ort – deshalb taufen sie ihn in ‚Moonrise Kingdom’ um.“ Sowohl der technische als auch der poetischere Name zeigen das kreative Augenmerk hinsichtlich der Details, die das Kinopublikum von einem Wes Anderson-Film gewohnt ist und erwartet. Anderson schrieb das Drehbuch zu MOONRISE KINGDOM zusammen mit seinem Filmkollegen Roman Coppola. Es ist das zweite Mal nach DARJEELING LIMITED, dass die beiden an einem gemeinsamen Filmprojekt arbeiten.

Balaban gibt zu, dass er sehr beeindruckt war, wie „Wes Filme nach seiner ganz eigenen Wahrnehmung macht. Er ist nicht nur talentiert sondern auch organisiert. Er macht Filme wie sonst niemand, und er tut es nicht, um anders zu sein. Er tut es, weil er eben so ist.“ Alle, die jemals mit Anderson zusammengearbeitet haben, erkennen klar, wie präzise sein Regiestil ist. Er weiß genau, was er will und wie er vorgehen muss, um es zu erreichen – noch bevor er jeden Tag am Set erscheint. Dadurch genießt er den ganzen Prozess umso mehr und strahlt bei seiner Regiearbeit ein Gefühl von purer Freude aus. Schauspieler wie Filmcrew werden so ermuntert, seine Vision zu teilen und eigene Ideen beizusteuern. „Er hat eine klare Führung, aber die Stimmung am Set ist sehr entspannt“, berichtet Balaban. „Schauspieler lieben ihn. Wenn alles gut läuft, lässt er dich in Ruhe. Und wenn er etwas mit dir zu besprechen hat, bringt er es auf den Punkt.“ „Als Autor, Produzent und Regisseur ist Wes in jede Komponente des Films involviert, vom Kostümbild bis zur Besetzung“, ergänzt Dawson. „All das steuert ein Stück zu der Welt bei, die er erschaffen will.“

Da Andersons Enthusiasmus auf Cast und Crew gleichermaßen überspringt, haben viele von ihnen bereits bei mehr als einem Projekt mit ihm zusammen gearbeitet. Als einer der Wiederkehrer betont Dawson: „Er will, dass der Film ein Abenteuer für jeden ist, der bei der Produktion beteiligt ist, ob es nun heißt, in Indien einen Zug zu besteigen oder mit einem Boot durchs Mittelmeer zu fahren. Die aktuelle Produktion ist dieser Tradition definitiv gerecht geworden. Er versucht immer, sich als Regisseur weiterzuentwickeln, neue Dinge auszuprobieren und von den Erfahrungen seiner vorherigen Filme zu lernen.“

„Wes ist der Prozess wichtig“, sagt Set-Designerin Kris Moran. „Aber er kümmert sich auch um sein Umfeld. Das holt aus jedem das Beste raus. Wenn man einen Film macht, ist das genau die kreative Stimmung, die man haben will.“ Sogar wenn mehrere Takes notwendig waren, um eine Szene genauso hinzubekommen, wie er sie sich vorgestellt hat, bleibt Anderson ruhig und drängelt nicht, um „das Tagessoll zu erfüllen.“ Das kam ihm besonders bei MOONRISE KINGDOM zugute, denn einige der Hauptdarsteller und viele der Komparsen waren Kinder. „Wes kann so gut mit Kindern umgehen – auf die gleiche Art wie Steven Spielberg. Er ermutigt sie“, merkt Balaban an. Anderson konnte sich auch deshalb so gut in die Kinder hineinversetzen, weil seine Filme erwachsene Ernsthaftigkeit mit purer Fantasie kombinieren. MOONRISE KINGDOM ruft direkt die kindliche Welt voller Geheim-nisse in Erinnerung und die vielen magischen Momente, die man mit Sommern in seiner Jugend verbindet.

„Wes hatte diese Idee schon eine Weile“, verrät Coppola. „Er hatte die Welt, die Figuren und diese Stimmung und wir verbrachten einige Zeit damit, sie zu diskutieren. Wir starteten ein Wortgeplänkel und entwickelten eine Art der Recherche untereinander, die es uns ermöglichte, all diese Ideen Gestalt annehmen zu lassen. Nach diesen Gesprächen ging der eigentliche Schreibprozess dann sehr schnell. Es ist immer wieder mysteriös, wie all dies geschieht. Beim Schreiben war es meine Aufgabe“, so Coppola weiter, „einige der Ideen auszubauen und sie zu präzisieren. Es hilft Dinge zu erschließen, wenn man einen Resonanzboden hat. Das war eine meiner Hauptfunktionen: Resonanzboden, Gestalter, Bearbeiter.“ Zusammen kreierten Anderson und Coppola so einen Reigen lebendiger Charaktere mit sich überlappenden Verbindungen, die uns in das Reich der Inselgemeinde des Films ziehen, nach New Penzance. Die Gemeinde ist ein detailreich realisierter Ort, bevölkert von komplexen Charakteren.

Dementsprechend waren die Darsteller sofort von der Geschichte eingenommen. „Von der ersten Seite an zieht einen das Drehbuch in eine komplett neue Welt“, sagt Tilda Swinton. „Eine Welt, die so wunderbar entworfen und durchkomponiert ist wie diese, wird im Kino immer ein Erlebnis sein.“ Murray, der auch in DARJEELING LIMITED mitspielte, ergänzt: „Es ist wirklich ein tolles Drehbuch. Es hat etwas Elektrisierendes. Roman und Wes sind wirklich ein wunderbares Team.“

Um ihre Geschichte über die Entdeckung der ersten Liebe und ein Abenteuer von zwei Kindern zu erzählen, haben sich die Filmemacher schnell auf Rhode Island als Allzweck-Drehort festgelegt – nach einer Suche, die Dawson „Google-Scouting“ nennt. „Es war ein ungewöhnlicher Suchprozess“, ergänzt Ausstattungsleiter Adam Stockhausen. „Jeder von uns – ich, Wes, Jeremy und Molly Cooper – war in New York und recherchierte Inseln.“ „Die Geschichte sollte auf einer Insel spielen“, führt Dawson weiter aus, „und zwar auf einer Insel an der Küste der Neuenglandstaaten. Aber wir suchten auf der ganzen Welt – wenn auch meistens von unseren Wohnzimmern aus – an der Ostküste, der Westküste, sogar an der Küste von Cornwall.“

Mit ihrer geringen Bevölkerung und nur wenigen zugelassenen Fahrzeugen, ist New Penzance ein Ort, der die Fantasie und Abenteuerlust der Kinder anregt. Die wunderschöne kilometerlange Küste und die sich dahinter erstreckende Landschaft, gaben den Ausschlag für Rhode Island. Das Rhode Island Film & TV Office machte den Deal schließlich perfekt. Die Topografie des Bundesstaats umfasst buckelige Felder und zerklüftete Schluchten, Hügel, Wälder, Strände und felsige Buchten. Zu den zahlreichen Drehorten für MOONRISE KINGDOM zählten auch Narragansett Bay, das 7,28 km² große Camp Yawgoog, sowie die historische Trinity Church in Newport, in der schon George Washington Gemeindemitglied war. Besondere Sorgfalt ließen Cast und Crew bei letztgenannter Location walten, die zweimal zur Kirche von New Penzance umdekoriert wurde: zunächst für die Kirchenaufführung, bei der sich Suzy und Sam ein Jahr vor der Haupthandlung des Films zum ersten Mal begegnen, und dann für den dramatischen Höhepunkt, wenn sich der Kreis ihres Abenteuers schließt.

Die Filmemacher wollten keinen aufgeblasenen Dreh, deshalb gab es auch keine großen Trucks und keine Trailer für Schauspieler oder Filmemacher. Die Schauspieler wurden gebeten, kamerabereit zum Dreh zu erscheinen, was bedeutete, dass sie bereits in ihren Hotelzimmern in ihre Kostüme schlüpften, bevor sie ans Set kamen.

Prudence Island in Narragansett Bay lieferte den wohl einzigartigsten Drehort der Produktion. Dawson kommentiert: „Es gibt dort keine Infrastruktur, nur einen kleinen Laden, in dem man das Notwendigste kaufen kann. Wir brauchten Genehmigungen, um einige der Kieselstrände betreten zu dürfen und mussten eine Fähre mieten, um die Crewmitglieder vor Ort zu bringen. Der Aufwand hat sich gelohnt: Auf der Leinwand sieht Prudence wirklich wie ein unberührtes Stück Natur aus.“

Mit der geografischen Vielfalt Rhode Islands und der schlanken Filmcrew war es nicht ungewöhnlich, dass an einem Tag gleich an drei oder vier verschiedenen Locations im Bundesstaat gedreht wurde – ein Park hier, ein Strand da, ein Wasserfall die Straße runter. Anderson hatte auch für diesen Teil des Ablaufs vorgearbeitet, indem er bereits Wochen vor den eigentlichen Dreharbeiten einige Aufnahmen machte. Er rekrutierte eine Stammcrew und filmte – meist mitten in der Natur – Aufnahmen, die später in den Film integriert wurden. Diese Minicrew genoss große Freiheiten. Dawson erinnert sich: „Wir fuhren in einem Van durch die Gegend und filmten, auch mit den Kinderdarstellern. Die Kameras waren klein und leicht, wir hatten keine schwere Ausrüstung am Hals. Die Technologie und Kreativität gingen Hand in Hand.“ Der „Vor-Dreh“ umfasste „eine Menge Passagen ohne Textvorgabe und viel Improvisation“, erklärt Gilman. „Wir verbrachten eine ganze Woche im Wald.“

Als schließlich der Hauptdreh losging, „hatten wir alle das Gefühl, in einem Ferienlager oder gar auf einem gut geführtem Spielplatz mit Regeln zu sein“, sagt Balaban. Das war auch so erwünscht: Anderson wollte, dass Schauspieler und Filmcrew beim Drehen so weit wie möglich ein Gemeinschaftserlebnis haben. Murray erinnert sich: „An meinem ersten Arbeitstag kam ich in ein Lager und mir wurde klar, dass sie keine Trailer und so weiter hatten. Wir hatten Zelte, Notzelte. Draußen waren ungefähr vier Grad und es regnete, aber sobald man 51 Leute in ein Zelt quetscht, wird’s schön warm. Nach einer Weile hatten wir es richtig gemütlich.“

Ein weiterer Faktor, der Schauspieler und Filmcrew näher zusammenbrachte, war das Bemühen, gemeinsam die Fantasie spielen zu lassen. Ob sie 1965 schon auf der Welt waren oder nicht, zogen alle Crewmitglieder an einem Strang, um die Darsteller dabei zu unterstützen, in ihre Rollen und in die Filmwelt einzutauchen. Dawson bemerkt, dass diese Geschichte „Wes’ Sicht auf 1965“ sei. „Aus meiner Perspektive existierten seine vorherigen Filme immer in einer Zeit, die man nicht genau benennen konnte, weil er Vergangenheit und Gegenwart vermischte. Wes zeichnet in der Vorproduktion immer Storyboards. Was wir bei DER FANTASTISCHE MR. FOX gemacht und auch diesmal angewendet haben, sind Storyboards, die wir aneinanderreihen und mit Stimmen und Musik abmischen. So können wir ganze Sequenzen schon vorab testen.“

„Bei unserer Recherche orientierten wir uns hauptsächlich an Fotografien jener Zeit“, sagt Kostümbildnerin Kasia Walicka Maimone. Der künstlerische Leiter der Ausstattungs-abteilung, Gerald Sullivan, ergänzt übereinstimmend, dass „das Wichtigste für uns die Recherche der Architektur dieser Ära und dieser Gegend war, sowohl Innen als auch Außen. Also haben wir uns Häuser auf Inseln angesehen, Leuchttürme, Schindelhäuser – alles in konstanter Zusammenarbeit mit Wes, der einen ganzen Stapel mit Recherchefotos für uns hatte, die wir für unsere Entwürfe nutzen konnten.“ Es kamen so viele Fotos zusammen, dass eine private Produktionswebsite online gestellt werden musste, damit alle Crewmitglieder darauf zugreifen können.

Set-Dekorateurin Kris Moran, die erstmals bei DIE ROYAL TENENBAUMS mit Anderson zusammengearbeitet hat, merkt an: „Wes ist jedes Detail sehr wichtig. Wir streiften durch Antiquitätenläden und liehen uns Dinge von Crewmitgliedern und Leuten, die wir trafen. Wenn Wes beim Spazierengehen etwas auf der Veranda von jemandem gesehen hatte, das ihm gefiel, haben wir es besorgt. Wenn ich ein Set ausstatte, dann oft mit Gegenständen, die gar nicht unbedingt typisch für die Zeit waren, aber trotzdem interessant, so dass es mehr über den Hintergrund einer Figur aussagen konnte. Dieser Film hat eine leicht andere Ästhetik als Wes’ bisherige Filme. Sie ist ein bisschen rauer und kantiger, und ein bisschen gelebter.“

Bei der Suche nach alten Requisiten oder Kostümen für die Produktion gab es kaum größere Hindernisse. Eine Ausnahme allerdings stellte der Wohnwagen für Captain Sharp, Bruce Willis’ Figur, dar. Der gewünschte 1952er Spartanette wurde über einen Händler in Texas ausfindig gemacht. Doch um Robert Yeomans Kamera im Inneren bewegen zu können, „mussten wir den Wagen zunächst aufschneiden und danach umbauen“, sagt Moran. „Das Innere war intakt, aber wir haben es so umgestaltet, dass man innen ein Blickfeld von 360 Grad hatte. Danach haben wir alles wieder komplett verkleidet.“

Moran erinnert sich an die Suche ihres Teams nach Zelten, die sie brauchten, um Truppe 55 der fiktiven Khaki Scouts of North America unter dem Kommando von Scout Master Ward (gespielt von Edward Norton) in ihrem Camp anzusiedeln. Nachdem sie im ganzen Land nach einem Haufen alter Lagerzelte gesucht hatten, stellten sie fest, dass diese sogar in Army- und Navyläden Mangelware waren. Nur einige wenige alte Zelte waren aufzutreiben – und die hatten meist nicht die richtige Farbe, Form oder Größe. Anderson hatte die Farbe der Zeltstangen (leuchtend gelb) und des Innenfutters (kariert, mit einer Karowand für das Zelt von Scout Master Ward) festgelegt. Der Versuch, die bereits vorhandenen Zelte umzugestalten, schlug fehl. Moran erzählt, dass ihnen klar wurde, „dass jedes Zelt individuell angefertigt werden muss. Auf diese Weise mussten wird nichts verstecken oder irgendwo schummeln und konnten Farbe und Form selbst bestimmen.“ Die Firma Tentsmiths aus New Hampshire ist Experte für Replikate historischer Zelte. Obwohl sie auf Zelte vor 1950 spezialisiert sind, haben sich die Mitarbeiter von Tentsmiths der Herausforderung gestellt und ihr Spektrum auf die Zeit um 1965 ausgebaut. Moran sagt: „Wir haben jemanden zu ihnen geschickt, um sie anzuleiten und ein Verständnis dafür zu vermitteln, welche Optik wir erreichen wollen. Jeder bei Tentsmiths hat sich wirklich für das Projekt begeistert und die Zelte, die sie für uns machten, sahen fantastisch aus!“

Als Ausstatter betreute Stockhausen die gesamte Ästhetik von MOONRISE KINGDOM und koordinierte die einzelnen Abteilungen. Seine Recherche war deshalb sehr vielfältig: „Ich recherchierte alles, vom allgemeinen Lebensstil bis hin zu ganz spezifischen Objekten“, kommentiert er. „Ich stellte mir zum Beispiel die Frage ‚In welchem Jahr wurden eigentlich Schalter für Nachtlichter entwickelt?’ damit wir keinen Fehler machten.“ Dawson ergänzt: „Adam hat unglaubliche Vorarbeit geleistet, besonders mit seiner Recherche über die Ursprünge des Pfadfindertums und ihrer Zeltlager.“ Stockhausens Team erwies sich als sehr erfinderisch und einfallsreich. So bastelten sie zum Beispiel die Schilder des Camps, indem sie Holzstöcke und Scheite zusammenbanden. Wie die Zelte wurden auch die für die Geschichte notwendigen Kanus nach ganz bestimmten Entwürfen gebaut. Morgens haben oft Teammitglieder die neu gebauten und bemalten Kanus im Pool vom Holiday Inn Express Hotel getestet. Da sie aus Sperrholz bestanden, war es mit der Schwimmfähigkeit oft nicht so weit her. Schließlich wurde beim Dreh der Szenen, in denen jemand im Kanu sitzt, am Kiel außerhalb des Bildes Gewichte befestigt, um den Darstellern dabei zu helfen, besser in den Moment und nicht stattdessen ins Wasser einzutauchen.

Die in Rhode Island tätigen lokalen Handwerker haben das Team nach Kräften unterstützt. Moran berichtet begeistert über ihre Mitarbeit: „Der ortsansässige Künstler James Langston schnitzte kleine Waschbären in den Bug der Kanus, und er baute auch Totempfähle für uns. Chris Wiley entwarf Ornamente in Getreideform für das Zelt von Scout Master Ward. Ein anderer Künstler baute die gesamten Möbel aus Holzästen für dieses Zelt. Und wir hatten sogar einen Kettensägenkünstler, der einige Verzierungen an den Hinweisschildern im Camp der Khaki Scouts anfertigte.“

Für das Heim der Bishops hatten wir gehofft, ein Haus zu finden, das sofort allen unseren Anforderungen gerecht würde. Das Gebäude, das wir als Fassade für die Außenaufnahmen auswählten, war das Conanicut Light in Jamestown – ein ehemaliger Leuchtturm. Für die Innenaufnahmen hatten wir vier Kandidaten zur Auswahl, die alle so überzeugende Eigenschaften hatten, dass die Produktion aus jedem von ihnen Elemente haben wollte. Es wurde entschieden, die Innenräume im Studio nachzubauen, das auf einem leerstehenden Gewerbegebiet im naheliegenden Middletown errichtet wurde. Auf diesem Set wurden die besten Elemente der Häuser, ob Architektur oder Möbelstück, nachgebildet. Dawson merkt an: „Aus jedem dieser Häuser holten wir uns Anregungen und Anhaltspunkte. Es gab so viele Dinge, die wir einfach liebten und die wir auf der Leinwand sehen wollten. Adam ließ sie sich immer wieder durch den Kopf gehen. Als er es Wes am Ende präsentierte, war es ein Hybrid aus mehreren Häusern – wie toll sich alles zusammenfügt, sieht man in der Eröffnungssequenz des Films.“

„Alle vier waren einmalige Häuser“, schwärmt Stockhausen. „Zusammengenommen ist daraus unser Traumhaus entstanden, das offenbart, was für eine ungewöhnliche und individuelle Familie darin lebt.“ Die vier Häuser, welche die DNA der Innenräume des Bishop-Heims bilden, waren Comfort Island in Alexandria Bay am St. Lawrence River an der Grenze zwischen New York und Kanada, Stafford House auf Cumberland Island in Georgia, das Cottage bei Ten Chimneys in Wisconsin und Clingstone in Narragansett Bay, das man von der Küste von Newport aus sieht. „Die Wandmalereien mit den Bäumen sind ein Nachbau der Wände von Comfort Island“, verrät Moran. „Die Innenschindeln sind ein Hauptelement von Clingstone. Die Kücheneinrichtung ist Teil von Alexandria Bay. Auf der Leinwand wird daraus dann das Zuhause der Familie Bishop.“ „Das Ganze hat auf jeden Fall einen Neuengland-Touch“, stellt Sullivan fest. „Einiges von dieser spezifischen Architektur findet man nirgendwo sonst. Die Sets und die Umgebung sollten die Arbeit der Schauspieler zusätzlich unterstützen.“

Wie schon beim Spartanette-Wohnwagen wurde für die Kamerabewegungen, die sich Anderson und Yeoman für die Eröffnungssequenz vorstellten, eine gewisse Präparierung der Innenräume des Hauses notwendig. Stockhausen bemerkt dazu: „Damit wollten wir Wes‘ Idee umsetzen, sich für die Eröffnungssequenz auf eine sehr spezifische Art durch das Haus zu bewegen – von Raum zu Raum, ohne einen einzigen Schnitt. Für uns wurde es dann Einstellung für Einstellung auf dem Storyboard aufgelöst. Dann fingen wir an uns zu überlegen, wie sich das alles mit Blick auf die künstlerische Ausstattung umsetzen ließ, und dann natürlich auch vom Budget her. Es war wie ein Puzzle: ‚Passt dieses Stück, das wir recherchiert haben, für diese Aufnahme?’ Wir holten tief Luft und machten uns an die Arbeit. Es hat viel Spaß gemacht.“

Die Dreharbeiten auf einer gebauten Studiobühne erlaubte es den Filmemachern, architektonische und physikalische Gesetze etwas zu beugen, damit sie beim Dreh nicht von der eigentlich logischen Platzierung von Fenstern, Türen und Räumen eingeschränkt waren. Sullivan bemerkt: „Wes hat durchgehend mit uns zusammengearbeitet, ein totaler Partner auf der ganzen Linie, der immer offen für Vorschläge war. Er hat oft einen Tag vor dem Dreh, oder sogar noch eine Stunde vorher, Dinge hinzugefügt.“

Unikate wie beispielsweise die Holzvertäfelungen, die für das Haus der Bishops gebaut wurden, tragen das ihre zu einem ungewöhnlichen Innendekor mit einer gewissen Patina bei. Überall im Haus finden sich Bücher, die den Anwaltsberuf der Eltern widerspiegeln. Einige davon sind wirklich alt, andere wurden von der Crew entworfen. Ein Großteil der Möbel und der Kunstwerke wurde von Comfort Island ausgeliehen, darunter Werke des Malers Alson Skinner Clark. Da das Haus ein ehemaliger Leuchtturm ist, zieht sich auch ein nautisches Motiv durch die Einrichtung der Bishops.“ Obwohl die Zeit der Handlung 1965 ist, sollte man das Haus keiner bestimmten Ära zuordnen können, es sollte eher eine Mischung von Details verschiedener Jahrzehnte bis in die Mittsechziger beinhalten. Moran bemerkt: „Wir schufen Platz für Dinge aus ihrem Leben in den 40er und 50er Jahren. Es gibt etliche Sachen, die sie zusammengetragen haben und die ihre große Liebe zur Kunst zeigt.“

„Es war ein wunderschönes Filmset mit all den handgemachten Dingen“, sagt Bill Murray bewundernd. „Es ist eines der schönsten, in denen ich je gearbeitet habe. Das Team hat viel Zeit darauf verwendet, es authentisch wirken zu lassen – wie ein Haus von seinem ersten Bewohner eingerichtet wurde und man sich dann später damit abfinden muss. So konnten wir uns beim Spielen sehr authentisch fühlen. Es gab eine Menge cooler Sachen und auf vieles haben sie gar nicht geachtet – wenn du was wolltest, konntest du einfach damit rausgehen.“ Moran lacht: „Bill denkt, wir hätten nicht darauf geachtet, aber wir wissen ganz genau, was er mitgenommen hat.“

Was die Kostüme der Schauspieler angeht, „hat Wes viel Ausgangsrecherche betrieben“, sagt die Kostümbildnerin Kasia Walicka Maimone, die mit Anderson unzählige Fotos und Bildbände gesichtet hat, auf der Suche nach Inspirationen, „um die Figuren zu bereichern und auszubauen.“ Dank einer klar formulierten Vision und Grundstruktur konnte sie seine Konzepte weiterentwickeln und umsetzen. Sie sagt: „Die nächsten Schritte waren die Produktion von Kollagen und sehr groben Skizzen. Er gab mir immer gleich Feedback und ich konnte weiter ausarbeiten, was gebraucht wurde. Bei den Anproben gab es immer einen Moment, in dem wir uns nicht nur fragten ‚Müssen wir eine Farbe oder einen Schnitt ändern?’ sondern ‚Trifft das, was wir geschaffen haben, wirklich den Punkt?’“. Dawson fügt hinzu, dass „die Kostüme detailliert und komplex sind, und sie haben kleine Elemente, die sich auf verschiedene Anhaltspunkte beziehen.“

„Die Tierkostüme für die Kirchenaufführung der Arche Noah sind von Benjamin Britten und vom ‚Karneval der Tiere’ nach Leonard Bernstein inspiriert. Wes spielte als Kind in einer Aufführung dieses Stücks mit und wir konnten uns Familienfotos und Aufnahmen des damaligen Spielleiters ansehen.“ Im Einklang mit dem kreativen Verlauf, den die Produktion eingeschlagen hatte, wurde ein Großteil der Kostüme in Handarbeit gefertigt. „Viele von ihnen sind echte Vintagestücke“, sagt Walicka Maimone. „Aber dann haben wir unsere eigene Variante daraus gemacht, immer mit Rücksicht auf Wes’ visuelle Vorgabe.“

Zwar war die Mitarbeit der Schauspieler erforderlich, aber das bedeutete nicht immer auch ein vorteilhaftes Ergebnis. Murray seufzt: „ Mr. Bishop trägt Shorts, die aus verschiedenen grellen Stoffstücken zusammengenäht sind - und sie sind sehr kurz.“ Nichtsdestotrotz stellt Walicka Maimone klar, dass „Mr. Bishops Kostüme noch die unscheinbarsten von allen sind. Seine Figur ist konservativer als die anderen. Am längsten dauerte die Suche nach Suzys Saddle Shoes für die Sonntagsschule, denn bei unserer Recherche stellten wir fest, dass wir nach Modellen mit Ledersohle suchten, wie man sie in den Sechzigern hatte. Die heutigen haben alle keine Ledersohlen mehr. Am Ende fanden wir ein blaues und ein rotes Paar, eins in einem Laden in New York, das andere online.“

Doch die größte Herausforderung war der Entwurf und die anschließende Herstellung der Uniformen für die Khaki Scouts. Nach Absprache mit Anderson und Stockhausen kreierten Walicka Maimone und ihre Abteilung jedes einzelne Element der Uniformen, von den Socken bis zu den Aktivitätsabzeichen. Es war ein irrsinniger Arbeitsaufwand, der in kurzer Zeit bewerkstelligt wurde. Die Filzaufnäher mit dem Waschbärenmaskottchen wurden per Hand auf die Uniformen genäht. Die Khaki-Scout-Komparsen wurden größtenteils aus Pfadfindertruppen aus Narragansett Bay rekrutiert, die sich erfreut zum Komparsendienst meldeten, um Filmerfahrung aus erster Hand zu sammeln. Murray berichtet, dass „einige von ihnen sich ein Ehrenabzeichen im Filmemachen verdient haben.“ Doch die Jungs mussten ihre Uniformen aus dem 21. Jahrhundert zuhause lassen. „Wir hatten viele Khaki Scouts in Massenszenen“, sagt Walicka Maimone. „Ich glaube, am Ende haben wir um die 350 Kostüme angefertigt.“ „Die Pfadfinderuniformen und Suzys Outfits waren meine absoluten Lieblingsstücke“, ergänzt sie. „Aber ich habe auch besonders gern die Kostüme für Scout Master Ward, Mr. Bishop und das Jugendamt entworfen.“

In MOONRISE KINGDOM ist Jugendamt (Social Services) nicht nur eine Berufsbezeichnung, sondern der Name einer Figur, die mit Tilda Swinton besetzt wurde. Echte Sozialarbeiter tragen keine Uniform, deshalb ließ sich Walicka Maimone von der Heilsarmee und anderen weiblichen Dienstuniformen inspirieren. Sie betonte dann die Form und erweiterte den Umhang, bis sie das richtige Outfit hatte – das von Swinton begierig angezogen wurde, inklusive Hutperücke und allem Drum und Dran. „Das Kostüm der Sozialarbeiterin war das strukturierteste und körperbetonteste Stück, das wir hatten“, sagt Walicka Maimone. „Das Jugendamt repräsentiert Autorität, höhere Gewalt“, führt Swinton weiter aus. „Wenn Chaos droht, wird sie gerufen, um für Ordnung zu sorgen. Die Sozialarbeiterin trägt einen blauweißen Hosenanzug. Auf ihrem Kopf ist ein Hut im Stil eines Offiziers der Heilsarmee. Um ihren Hals trägt sie ein rotes Band, das sie zur Schleife gebunden hat. Es gibt zahlreiche filmische Referenzen und Schauspielerinnen und Schauspieler, die uns inspiriert haben. Ich fand es toll, das mit Wes umzusetzen.“

Im Gegensatz dazu spiegeln die Kostüme für Frances McDormands Rolle der Mrs. Bishop eine Mischung aus Künstlerinnen, Malerinnen und Schriftstellerinnen der 60er Jahre wider. Anderson lieferte dazu einen biografischen Hintergrund für die Figur: Obwohl Mrs. Bishop Anwältin ist, wuchs sie in einem Haushalt voller kreativer Menschen auf, deshalb ist ihre Kleidung mit farbenfroheren Elementen durchzogen. Swinton bemerkt wehmütig: „Meine Mutter hat die gleichen Kleider getragen wie Fran sie trägt. Ich habe all diese Farben noch aus meiner Kindheit bildlich vor Augen, die Kostüme sind so akkurat. In unserer Geschichte wissen die Erwachsenen nicht wirklich, was sie tun. Im Laufe der Zeit stellen sie fest, dass sie nicht weniger kindisch und nicht weniger erwachsen sind als die beiden Kinder. Es hat großen Spaß gemacht und war mir eine echte Freude, bei dem Film dabei zu sein. Es herrscht darin eine solche Verspieltheit, die nur durch absolute Strukturiertheit möglich ist.“

Swinton und McDormand sind nur zwei der Schauspieler, die bei MOONRISE KINGDOM erstmals in einem Wes Anderson Film dabei sind, denn der Großteil der Darstellerriege, darunter auch Bruce Willis und Edward Norton, hatte bisher noch nicht mit Anderson gearbeitet. Dawson meint, „So wie in diesem Film hat man Bruce und Ed noch nie gesehen. Ich glaube, den Zuschauern wird es gefallen.“ Bill Murray und Jason Schwartzman standen 1998 erstmals für Anderson in seinem gefeierten RUSHMORE vor der Kamera und haben seitdem schon mehrfach wieder mit ihm gedreht. Dawson bemerkt, „Es ist immer toll, Bill und Jason dabei zu haben. Bill hält uns alle auf Trab, er ist unser großer Schwung-Bringer.“

Ob es nun um das Wissen über Schreibmaschinen oder das Binden von Krawatten ging, die beiden jüngsten Newcomer haben sofort erkannt, dass ihre erste Dreherfahrung etwas ganz Besonderes war. „MOONRISE KINGDOM ist so eine süße Geschichte“, sagt Hayward. „Sie ist wunderschön. Ich liebe alles an dem Film – wie die Geschichte erzählt wird, die Beziehung zwischen den Figuren – und ich hoffe, die Zuschauer werden alles daran ebenso lieben.“ Und Gilman schwärmt: „Es ist ein Actionfilm. Es ist eine Komödie. Es ist ein Drama. Es ist ein Liebesfilm. Er haut richtig rein!“

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