Monsoon Baby

  1. Ø 5
   2014
Monsoon Baby Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Monsoon Baby: Sehenswertes Drama mit Julia Jentsch über ein Ehepaar, das in Indien eine Leihmutter engagiert.

Nina und Mark wünschen sich seit Jahren ein Kind. Nachdem sie alles versucht haben, sehen sie nur noch einen Ausweg: eine Leihmutterschaft. In einer Klinik in Kalkutta werden Ninas befruchtete Eizellen der jungen Inderin Shanti eingepflanzt. Das Paar kehrt nach Deutschland zurück, aber Nina will miterleben, wie das Kind im Bauch der Leihmutter wächst. Sie fliegt wieder nach Kalkutta und macht sich in der Klinik nützlich. Eines Tages aber endet das Glück abrupt: Shanti ist spurlos verschwunden.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Wenn sich ein Drama mit dem Phänomen Leihmutterschaft beschäftigt, ist das Ergebnis zwangsläufig ein Themenfilm. In diesem Fall könnte man einen Diskurs der Frage, ob es nicht unmoralisch sei, dass vermögende westliche Paare in einem armen Land eine Frau engagieren, ihr Baby auszutragen, anstoßen. in Deutschland ist das verboten.

    Andreas Kleinert ist ein ausgezeichneter Regisseur, aber kein Mann für Themenfilme. Sein großartiges Werk „Mein Vater“ mit Götz George und Klaus J. Behrendt zum Beispiel ist vordergründig ein Demenzdrama, aber in Wirklichkeit geht es um die Beziehung zwischen Vater und Sohn. Bei „Monsoon Baby“ verhält es sich ähnlich: Natürlich erzählt die zentrale Ebene der Handlung von einem ungewollt kinderlosen Paar, das nach Kalkutta fliegt, um endlich Eltern zu werden, und selbstverständlich ist die große Sehnsucht der beiden nach einem gemeinsamen Kind das emotionale Leitmotiv des Drehbuchs von Florian Hanig; und doch nutzt Kleinert diese Basis, um auch hier die Geschichte einer Beziehung zu erzählen.

    Tatsächlich weisen schon zu Beginn kaum merkliche Details auf ein eher getrübtes Glück hin. Zur Qualität des Films gehört aber nicht zuletzt auch der Verzicht darauf, die Probleme stets beim Namen zu nennen. Die Andeutungen In den Gesprächen zwischen Nina und Mark (Julia Jentsch, Robert Kuchenbuch) sind beredt genug, wenn sich beispielsweise Nina nachts in Kalkutta verirrt und Robert ihr aus der Heimat mittels der GPS-Ortung ihres Smartphones den Weg weist. Ihr früher eigentlich recht zuverlässiger Orientierungssinn, stellt Nina fest, sei ihr in der Beziehung mit ihm irgendwann abhanden gekommen.

    Trotzdem steht natürlich die Leihmutterschaft im Vordergrund des Films. Hanig hat bereits eine Reportage zu dem Thema geschrieben und viele wahre Begebenheiten in sein gemeinsam mit Kleinert verfasstes Drehbuch einfließen lassen. Dies, die oft improvisierten Dreharbeiten im Getümmel von Kalkutta (Kamera: Andreas Höfer) sowie die Leistungen gerade der beiden Hauptdarsteller verleihen dem Film eine enorme Authentizität. Gleiches gilt für die Fakten, die Hanig und Kleinert eher beiläufig einfließen lassen. Die moralische Seite wird zwar ebenfalls thematisiert, allerdings ohne Denkvorgabe. Das Wort „Ausbeutung“ fällt zwar, doch der Vorwurf wird nicht weiter diskutiert; die Saat ist dennoch gesät. Dank Kleinerts subtiler Regie vermittelt sich ohnehin, dass Nina und Mark diesen Aspekt vor ihrer Reise längst besprochen haben.

    Über all‘ diese Aspekte hinaus ist „Monsoon Baby“ auch ein dramaturgisch fesselnder Film, zumal sich die Dramatik am Ende zuspitzt, als die Leihmutter plötzlich verschwindet und das Paar ihr durchs halbe Land nachreist. Kleinert nutzt Kalkutta zudem keineswegs bloß als exotischen Schauplatz. Die Geschichte wird zwar vor allem aus Ninas Sicht erzählt, aber die Einheimischen sind mehr als nur Stichwortgeber. Eine besondere Rolle spielt naturgemäß die in ärmlichsten Verhältnissen lebende Shanti (Tilotama Shome). Ihr Mann darf nicht erfahren, dass sie ihren Körper vermietet, er würde sie sonst verstoßen. Die gemeinsamen Szenen mit Nina und Shanti entwickeln einen eigentümlichen Reiz: Die beiden Frauen haben nichts miteinander gemeinsam, und doch sind sie durch das Kind in Shantis Bauch miteinander verbunden. Vermittlerin zwischen den Kulturen ist eine indische Ärztin (Swaroopa Goshi), die in Heidelberg studiert hat und daher deutsch kann. Auch dies ist eine Qualität des Films: Die Fremdheit Indiens wird noch dadurch intensiviert, dass sich Nina nur mühsam verständlich machen kann. Was sie allerdings versteht, ist die Überzeugung der Inder, dass Erneuerung nur durch Zerstörung möglich sei und Geburt und Tod daher nicht voneinander zu trennen seien; ein früher Hinweis darauf, dass die Geschichte nicht für alle Beteiligten gut ausgeht. tpg.

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