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Fakten und Hintergründe zum Film "Mondkalb"

Kino.de Redaktion |

Mondkalb Poster

Mehr zum Film? Wir haben die wichtigsten Hintergründe und Fakten für Dich gesammelt: detaillierte Inhaltsangaben, Wissenswertes über die Entstehung des Films, ausführliche Produktionsnotizen. Klick rein!

Interview mit Juliane Köhler

Sehen Sie sich gerne Filme an, in denen Sie mitspielen?

Früher habe ich meine Filme, wenn überhaupt, höchstens einmal gesehen, weil ich mich fast geweigert habe, mir selber zuzugucken oder zuzuhören. Inzwischen ist das anders, ich schaue auch öfter, um zu sehen, ob ich etwas anders oder besser hätte machen können.

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Haben Sie MONDKALB schon gesehen?

Ja, in Hof, wo er als Eröffnungsfilm lief. Mir hat er sehr gut gefallen, was ich nicht so oft sagen kann bei meinen Filmen. Ich hatte den Film trockener, ja spröder erwartet. Jetzt hat er plötzlich einen unglaublichen Sog.

Und wie hat das Publikum reagiert?

Ausgesprochen positiv. Die waren alle sehr berührt. Es war ganz still im Kino. Ich glaube, die Leute haben etwas anderes erwartet, vielleicht sogar gar nichts und waren dann wirklich und positiv überrascht. Diesen Eindruck hatte ich.

Was ist das für ein Film? Wie würden Sie ihn beschreiben?

Der Film handelt von eingeschlossenen Menschen. An meiner Rolle erklärt: Alex ist ein sehr verschlossener Mensch, eine Frau, die außer Stande ist, sich zu verändern. Sie versucht es zwar, aber sie schafft es nicht, eine Beziehung zu einem anderen Menschen aufzubauen. Sie schafft es aber auch nicht, sich für die Welt zu öffnen, nachdem sie eben sechs Jahre im Gefängnis war. Ein komplizierter Film, aber für mich war die Hauptsache, die Verschlossenheit dieser Frau darzustellen, die in doppelter Hinsicht verschlossen ist: nach innen zu sich selber und nach außen. Aber auch die Verschlossenheit dieses Mannes ist interessant. Der ist nach innen, also zu sich selber verschlossen, scheint aber nach außen offen zu sein. Und bei dem Jungen ist es so, dass er zwar auch nach außen und innen verschlossen ist, sich aber physisch, körperlich äußert.

Der Mann redet, die Frau schweigt, das Kind äußert sich körperlich. Wie kommen die zusammen? Fiel es Ihnen schwer, dass ihr Partner Axel Prahl einen offenen Auftritt nach dem anderen hatte und Sie ständig reduziert dagegen halten mussten?

Als Schauspieler definiert man sich natürlich zuerst mal über den Text. Es ist also sehr schwer, stumm, fast ohne Text zu spielen. Ich erinnerte mich an meine Schauspiellehrerin, die mit uns eine Szene aus PERSONA von Ingmar Bergmann gespielt hat, über zwei Frauen, von denen die eine spricht und die andere gar nicht. Meine Lehrerin sagte: „Die, die nicht spricht, hat die viel schwerere Rolle“. Bis dahin hatte ich immer gedacht: ‚Oh toll, keinen Text merken!’ Daran habe ich mich sehr erinnert. Und es ist wirklich so: Wenn man keinen Text hat, dann muss man sich anders ausdrücken, sonst ist eine Leere auf der Leinwand. Das war sehr schwer und ich habe Axel Prahl manchmal beneidet. Oft habe ich auch Sylke Enders gebeten, mit mir einfach zu besprechen was nun gerade in der Frau vorgeht, vorgehen könnte. Es war eine schwere Arbeit. Und völlig anders als alle Rollen, die ich bisher, auch auf dem Theater, gespielt habe. Ganz anders.

Wie war die Zusammenarbeit mit Axel Prahl?

Die war einfach toll. Er hat mir sehr geholfen, denn Axel ist nicht nur ein sehr netter Mensch, er ist auch uneitel. Mit ihm kann man das machen, was das Schönste ist an unserem Beruf: mit Kollegen arbeiten von morgens bis abends und sich nicht um Nebenschauplätze kümmern. Und so war es bei uns. Er hat mir und meiner Figur unheimlich geholfen, er hat mich so gelockert, wie er in seiner Rolle versucht, die Alex zu lockern.

Bei Axel Prahl kann man sich gut vorstellen, dass er so sein könnte wie seine Rolle, bei Ihnen gar nicht – wie aber war der Junge?

Leonard Carow ist zwar ein etwas verschlossener, aber ganz normaler Junge. Er hat die Rolle also richtig gespielt. Sylke Enders hat das ganz toll gemacht mit ihm. Mit Kindern zu arbeiten, ist ja noch mal ganz was anderes. Die können nicht wie ein Schauspieler auf eine Technik zurückgreifen und sie anwenden, denen muss man das anders nahe bringen. Und als Erwachsener hat man manchmal sogar eine gewisse Scheu Kindern gegenüber, bei Gewaltszenen zum Beispiel. Die Kinder machen das aber meist ganz natürlich und toll. So einer ist Leonard Carow auch, ziemlich cool. Vor der Szene, in der er in der Toilette geschlagen wird, hatten wir alle ziemlich Angst. Wir haben es gedreht und er hatte dann aber überhaupt keine Probleme mit der Situation. Sylke hat ihm alles auf eine kameradschaftliche, fast kumpelhafte Art beigebracht und das hat er ganz toll umgesetzt. Cool eben.

Die Regisseurin schwärmte von den Dreharbeiten, dass so ein wunderbares Verhältnis untereinander gewesen sei. War es diese Stimmung, die den Film so besonders gemacht hat?

Das A und O, auch für die Atmosphäre des Films, ist für mich das Drehbuch. Und das war einfach von Anfang an gut. Und wenn das der Fall ist, dann sind die Weichen schon gestellt. Wir hatten ja sehr wenig Geld, es war wirklich schwer, mit so wenig Geld so was hinzukriegen. Aber das schweißt einen natürlich erst recht zusammen, denn Leute, die da tatsächlich mitmachen, das sind dann auch Leute, die tatsächlich wollen. Es passt zwar nicht zum Film, aber die Dreharbeiten waren zum Teil sehr lustig. Wir haben unheimlich viel gelacht. Der Film hat übrigens auch sehr witzige, humorige Stellen. Das hat auch viel mit Axel zu tun und was der so macht.

Wie war Ihr Verhältnis zu Sylke Enders, der Regisseurin?

Sylke ist eine ganz Tolle. Wie sie versucht, das was im Drehbuch steht, also ihre Vision, uns näher zu bringen, das drückt sie nicht nur mit ihrem ganzen Körper, sondern mit ihrem ganzen Sein aus. Sie ist tatsächlich Teil dieses Projektes. Und das mochte ich, weil es ihr immer nur um die Sache und nie um sich selber ging. Das ist schön. Es gibt so oft Filme, oder auch Theaterproduktionen, bei denen sich alles nur um Nebensachen dreht: welches Hotel welcher Schauspieler bekommt, welche Gage, was für ein Auto, wer hat einen eigenen Stuhl, gar einen eigenen Wohnwagen. Bei MONDKALB ging es nur um die Arbeit, um den Film. Das hatte wesentlich mit Sylke zu tun. Ich hab sie immer angeschaut und versucht in ihrem Gesicht zu lesen, was sie will. Sie hatte ihre Vision und die hat sie durchgesetzt. Und das ist ganz toll.

Was für ein Film ist MONDKALB für Sie?

Schwer zu sagen, es ist kein Liebesfilm und kein Sozialdrama. Beides nicht. Es ist ein Menschenfilm. Aber der Film funktioniert ja überhaupt nicht ohne die Vorgeschichte: Die Frau war sechs Jahre im Knast und es ist unabdingbar, dass man das weiß, die hat ja immerhin ihren Mann halb totgeschlagen – und man weiß nicht warum.

Und sie hat eine Tochter?!

Die kommt im Film als Rolle nicht vor, ist aber ganz wichtig. Die Tochter will seit der Tat nichts mehr von ihrer Mutter wissen. Das ist und wird nicht weiter erklärt. Für mich auch ein wesentlicher Grund, warum die Frau so verstummt ist, gar nicht unbedingt wegen Tat, Gefängnis oder Mann, sondern eben wegen der Nichtgeschichte mit der Tochter, weshalb es ihr auch so schwer fällt, es ihr unmöglich ist, mit dem Jungen tatsächlich Kontakt aufzunehmen. Ohne diese Prämissen funktioniert der ganze Film nicht. Im Gefängnis hat sie vielleicht Zeit gehabt nachzudenken, tatsächlich aber ihr Kind verloren.

Der Mann taucht ja nur einmal auf, von ihm wird nicht weiter gesprochen und wir wissen nicht, was er von seiner Frau eigentlich will. Gibt es für Sie, die Schauspielerin, eine Erklärung? Kennen Sie die Geschichte oder die Vorgeschichte?

Ich habe mich da nicht ganz festgelegt. Es ist auch ein Teil der Spannung, dass man etwas nicht weiß und das habe ich als Schauspielerin so gelassen. Er jedenfalls muss ihr über Jahre etwas angetan haben, was auch immer, denn sie ist, da bin ich mir sicher, kein gewalttätiger oder aggressiver Mensch. Er muss sie über Jahre dauergereizt haben, so dass sie eines Tages, wahrscheinlich unvermittelt, ausgerastet ist und ihn mit einem harten Gegenstand so geschlagen hat, dass sie ihn fast umgebracht hat. Schlimmer, als sie gedacht und in dem Augenblick gewollt hat. Auch wenn der Mann zurückkommt, ist ja nichts eindeutig. Udo Schenk spielt das auch einfach super, so dass man nicht weiß, ob er zurückkommt, weil er sie noch liebt, sie einfach wiederhaben oder sich doch noch an ihr rächen will.

Wie erarbeiten Sie ihre Rollen?

Für mich ist Schauspielerei zuerst mal Handwerk. Und die Arbeit ist wie Sport für mich. Es ist nicht so, dass ich in meine Rolle einsteige und danach Stunden brauche, um wieder bei mir selbst zu sein. Ich stehe, wenn ich spiele, immer einen Schritt neben mir und beobachte mich bei meiner Arbeit. Nach der Arbeit kann ich sofort aus der Rolle aussteigen und bin wieder ganz ‚normal’. Ich brauche nicht das Entspannungsbier in der Kantine. Ich habe einen großen Ehrgeiz, das umzusetzen, was der Regisseur von mir will, natürlich nicht gegen meinen Willen oder meine Überzeugung. Ums Umsetzen geht es mir sehr viel mehr, als ums Erfinden. Mich interessiert es, wenn etwas hintersinnig und kompliziert ist.

Interview mit Regisseurin Sylke Enders

Worum geht es in MONDKALB?

Der Film erzählt die Geschichte von zwei Menschen, die eine sehr unterschiedliche Vorstellung von Liebe haben. Alex hat panische Angst davor, sich zu verlieren. Liebe bedeutet für sie Kontrollverlust. Und die einzige Möglichkeit, sich vor diesem tiefen Absturz zu bewahren, ist, sich gar nicht erst auf andere Menschen einzulassen. Nun trifft Alex ausgerechnet auf Piet, für den Liebe eine Art Allheilmittel ist. Er glaubt mit Liebe alles heilen und lösen zu können, ohne zu erkennen, dass er damit bestimmte Anteile in sich verleugnet. In der Realität würden diese beiden Figuren wohl kaum zusammenkommen. Aber hier spielt ein Kind eine große Rolle. Tom, Piets Sohn, wird zu einer Art Katalysator. Er lernt Alex als erster kennen. Über ihn kommt es zur Begegnung mit Piet, der sofort fasziniert von Alex ist. Piet und Tom spüren hinter der etwas verhuscht-schroffen Art von Alex auch eine sehr liebenswürdige Seite. Vor allem das Kind, weil es in der Frau eine Art Spiegelbild seiner selbst sieht, ohne es so formulieren zu können. Alle Figuren werden von großen Schuldgefühlen geplagt. Egal ob sie wirklich Schuld auf sich geladen haben, sie haben nun mal diese Empfindung. Ich bin überzeugt, das betrifft sehr, sehr viele Menschen.

Wie ist dieser außergewöhnliche Stoff entstanden?

Die Entwicklung eines solchen Stoffes dauert seine Zeit, letztlich dient mein ganzes Vorleben als Vorlage oder Inspiration. Es gibt tatsächlich einen Fall, an den ich mich erinnere – ich war noch sehr jung, machte meinen Führerschein und der Fahrlehrer war eine äußerst schroffe Person, die mich ständig malträtierte, und die Fahrstunden nutzte, um seinen persönlichen Kram zu erledigen. Ich begann ihn regelrecht zu hassen. Eines Tages saß auf dem Rücksitz ein kleines Kind, und er erzählte, dass er es vor der Verwahrlosung gerettet hatte und sich jetzt dafür einsetzte, dass die junge Mutter, die das Kind so vernachlässigt hatte, nicht ins Gefängnis kam. Und dass er gerade dabei war, eine Pflegschaft für das Kind zu übernehmen. Das hat mich so überwältigt und irritiert, dass ich diesen Mann von nun an mit anderen Augen sah und ein wenig meine Menschenkenntnis hinterfragen musste. Wenn ich mit derartigen Widersprüchen tagtäglich zu tun habe – was verlangt mir das ab? Wir haben die Fähigkeit, unsere Urteile zu korrigieren und unsere Vorurteile abzumildern oder gänzlich beiseite zu legen. Das hilft uns dabei, uns nicht ständig gegenseitig zu stigmatisieren. Das ist ganz wichtig für die Themen und Probleme, die in meinen Geschichten angeschnitten werden.

Der Film zeigt Menschen, die nur schwer aus ihrer Haut können. Das Ende ist hart, entlässt den Zuschauer dennoch mit einem Gefühl von Hoffnung…

Eins der wichtigsten Themen für mich ist Verantwortung. Und die Schluss-Szene soll zeigen, dass sich Piet einer großen Verantwortung bewusst ist. Er sagt: Ich stelle mich dem, was ich getan habe, aber ich stelle mich genauso dem Bedürfnis meines Kindes. An dem Punkt sehe ich, der Typ ist wach, der begreift, was er sich hat zu Schulden kommen lassen und dass er hart an sich arbeiten muss. Deshalb ruft er ja auch Hilfe. Ich gestatte meiner Hauptfigur Alex, im ersten Moment erschüttert zu sein, aber im zweiten die Notwendigkeit zu erkennen, aktiv werden zu müssen und im dritten dann zu trauern. Und da liegt die Hoffnung, die ich empfinde, wenn ich den Film sehe. Für mich stellt sich immer wieder die Hoffnung ein, dass alle drei diese Verquickung, in die sie hineingeraten sind, auch analysieren können, und die Erwachsenen nicht den Kopf in den Sand stecken, sondern sich der Verantwortung stellen, die das Kind unbewusst von ihnen einfordert. Tom beruhigt sich schließlich im Auto, weil er den Erwachsenen vertraut – und das ist ein Moment von Zuversicht. Es geht nicht darum, ob aus Alex und Piet ein Paar wird oder nicht, sondern darum, dass sie für ihr da sind – also die Blickrichtung. Ich überlasse die Zuschauer ihren eigenen Empfindungen, die natürlich auch aus persönlichen Erfahrungen gespeist werden. Das ist sicherlich ein Wagnis, aber mit diesen Schauspielern zusammen ein schönes Wagnis.

Standen die Schauspieler für die Hauptrollen schon beim Schreiben des Buches für Sie fest?

Dieses Buch lag schon einige Zeit in meiner Schublade, und ich habe es immer wieder herausgeholt. Vor Jahren hatte mir ein Kommilitone seinen Kurzfilm gezeigt, in dem Axel Prahl eine ähnliche Figur spielte. Das hat mich schon stark beeindruckt. Diese Ambivalenz – in einem Kurzfilm – auch in der Beziehung zu seinem Kind. Ab dem Moment wusste ich: Den will ich als Piet. Dieser junge Regisseur hat mir auch geholfen, den Kontakt herzustellen, und dann gab es die ersten Gespräche in der Küche von Axel. Juliane Köhler war ein intuitiver Wunsch von mir, der vielleicht nicht auf den ersten Blick einleuchtet, da Juliane etwas Schwebendes, Zartes und Zerbrechliches an sich hat. Aber Figuren gegen den Strich, sprich gegen Erwartungen zu besetzen, bedeutet für mich, etwas Unerwartetes zu bekommen. Und da kann man bei Juliane sicher sein. Sie las das Buch und war sofort mit Leidenschaft dabei. Der Film hatte ein kleines Budget, wurde auf 35mm gedreht und noch dazu mit einem Kind in einer tragenden Rolle – was in Deutschland bedeutet, dass das Kind pro Tag nur 5 Stunden am Set sein darf.

Und wie wurde aus Leonard Carow der in sich gekehrte Tom Niemann?

Lenni, so nannten wir ihn ja, kommt aus einer Familie mit drei Kindern, die merkwürdigerweise alle eine ungeheure Begabung im Filmbereich haben. Lenni hatte bereits Erfahrung, und das war wichtig. Aber seine Erfahrungen waren natürlich ganz andere. Daher habe ich intensiv mit ihm gearbeitet. Ich bin mit ihm vorher in Potsdam durch die Parks gerannt, um die Wette. Wir haben uns gegenseitig umgeschmissen, ja wir haben das Ganze versucht zu erproben – und uns da reinzufühlen. Ich habe mit ihm viel über die Rolle geredet und ihn auch nach seinen Erfahrungen ausgefragt. Hinterher gestand er mir, dass er noch nie in seinem jungen Leben so gefordert wurde.

Stand der Film so, wie er jetzt ist, im Drehbuch oder ist durch Improvisation noch ein gewisses „Eigenleben“ dazu gekommen?

Abgesehen von dem Anteil Magie, der dem Drehen so oder so innewohnt und nie vorhersehbar ist, gab es für mich als Regisseurin die Herausforderung, dass sich meine prominenten Schauspieler an ihrem ersten gemeinsamen Drehtag kennen lernten. Man kann sagen, gut, das sind Profis. Aber man weiß vorher nie, ob die Chemie stimmt und wie man miteinander arbeiten wird. Es wurde dann zu einer beglückenden Erfahrung, dass zwei so erfahrene Schauspieler (und auch alle anderen), mich auf eine Art Regie führen ließen, bei der ich mich sehr frei gefühlt habe. Am Set sehe ich kaum noch ins Buch, ich lasse mir die Szenen lieber von meinen Schauspielern vermitteln. Das erhält mir meine Neugierde, meine Freude auf etwas kleines Unvorhergesehenes, obschon wir das Drehbuch eins zu eins verfilmt haben. Dennoch, es sind weniger die Worte oder der Wortlaut, die die Schauspieler verändern können – eher das Dazwischen. Es wurde in dem Sinne nicht improvisiert. Ich sehe das so: Der Text ist da, aber die Schauspieler müssen mehr von ihren Gefühlen ausdrücken wollen, als im Drehbuch steht.

Gab es beim Schreiben des Drehbuchs schon einen konkreten Ort, an dem die Geschichte spielen sollte?

Ich hatte beim Schreiben keinen konkreten Ort vor Augen, eher ein Konglomerat aus Bildern, Eindrücken, Erlebnissen rund um Berlin. Und so ist auch unser Handlungsort, eine Kleinstadt in der Mark Brandenburg, in Wirklichkeit ein künstlicher Ort, das Ergebnis einer Reise von zehntausend Kilometern in alle Himmelsrichtungen rund um Berlin. Wir haben also an verschiedenen Orten gedreht und behaupten, all das bilde eine Einheit. So ist es, wenn man sich spezielle Locations wünscht – man muss sie sich erschaffen.

Der Film lebt stark von genauer Beobachtung. Welche erzählerische Aufgabe kam dabei der Kamera zu?

Wir hatten nicht vor, die stellenweise durchdringende Schwere des Stoffs auch noch mit tristen Bildern zu illustrieren. Wir wollten Sonne und wir bekamen sie, der Wettergott hat es gut mit uns gemeint. Wir glauben an die Ambivalenz unserer Eindrücke und Gefühlswelten – und das sollte sich in allen Bereichen, so auch in der Licht- und Kameragestaltung niederschlagen.

Was ist für Sie das Fazit des Films?

Es geht um Leben, Liebe und die Vielschichtigkeit von Menschen. Ich wehre mich vehement gegen diese Aufspaltung in gut – böse, schuldig – nicht schuldig, liebevoll – gewaltvoll. Darauf möchte ich aufmerksam machen. Und, wenn wir andere beurteilen und verurteilen, wir bitte bei uns selbst anfangen…

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