Mitte Ende August

  1. Ø 3
   2008

Mitte Ende August: Dramatische Viererkonstellation frei nach Goethes "Wahlverwandtschaften" mit emotionalen Spannungen und einem versöhnlichem Ende.

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Filmhandlung und Hintergrund

Mitte Ende August: Dramatische Viererkonstellation frei nach Goethes "Wahlverwandtschaften" mit emotionalen Spannungen und einem versöhnlichem Ende.

Hanna und Thomas lieben sich, passen aber nicht so richtig zusammen. Ist sie fürsorglich und denkt immer zu viel nach, denkt er wenig nach und nimmt kaum Rücksicht. Die beiden fahren zu ihrem neuen Haus auf dem Land, wollen es renovieren und einrichten. Da kommt plötzlich Thomas‘ Bruder vorbei, ein erfolgreicher Architekt und gerade von Frau und Kind verlassen, und dann auch noch die junge Augustine zu Besuch, Hannas Patenkind. Augustine verführt Thomas, während Hanna und ihr Schwager sich näher kommen.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Oh ja: Baumärkte sind wirklich der Prüfpunkt für Beziehungen. Nicht nur, dass man sich einigen muss, wie denn nun wirklich was umgebaut werden soll, nein: man findet auch nichts. Und weil nie ein kompetenter Verkäufer da ist, muss man ja dem Partner die Schuld geben, wem sonst.

    Klar, dass Hanna und Tommy danach genervt sind; zumal in ihrem frischgekauften Sommer-Landhaus kein Handy-Netz ist und sie daher nicht nur wegen Renovierungsbedarf, auch wegen Telefonieren zum Bauhaus fahren. Aber: dem eigentlichen Glück dieser Liebe, das in den ersten Filmminuten dem Paar aus allen Knopflöchern strahlt, kann auch der böse Baumarkt nicht wirklich was anhaben. Auch nicht der Vorschlaghammer, den Tommy kauft, um eine Wand im Haus einzureißen, oder um zumindest ein Loch für eine Tür zu schlagen.

    Obwohl: da fängt es für den Zuschauer an. Dass er nämlich merkt, wie unterschiedlich Hanna und Tommy doch sind, die zuvor ganz harmonisch und glücklich und vereint schienen. Sie eher bodenständig, realistisch, mit klarem Focus aufs Mach- und Wünschbare. Er eher ein Träumer, ein Pläneschmied, der von Idee zu Idee springt, ohne wirklich was zu vollenden. Der dann schnell eine Tanne fällen, eine Tür und einen Kamin einbauen und ein Zimmer komplett renovieren will, in drei Tagen, für den Geburtstag von Hanna. Der nun in die Zweisamkeit dieses Sommers seinen Bruder einlädt, welcher seine Architekten-Arbeitsstelle verloren hat und von der Familie verlassen wurde.

    Woraufhin Hanna, vielleicht einfach aus Trotz, ihre Patentochter Augustine einlädt. Und damit beginnen die Beziehungen sich zu verschieben. Weil Bruder Friedrich wie Hanna Teetrinker ist; und Augustine wie Tommy gerne bei McDonald’s isst.

    Sebastian Schippers dritter Film ist eine vereinfacht-freie Bearbeitung von Goethes „Wahlverwandtschaften“, ein Beziehungsspiel von vier Sommerurlaubern in einem Landhaus, in die heutige Zeit versetzt und in heutige Befindlichkeiten. Und ganz modern erzählt, nicht als ambitioniert-behäbige Klassiker-Verfilmung, sondern als flotte Tragikomödie der Irrungen und Wirrungen um Wahrheit und Liebe.

    Wenig wird über den Dialog erzählt, viel über die Blicke, über die Positionierung der Figuren im Raum; über die Musik, die die Szenen miteinander verbindet, in denen sich die Figuren emotional voneinander entfernen. Kurz und klar sind die Figuren charakterisiert, und sie erscheinen dabei stets voll, dreidimensional, als echte menschliche Wesen. Tommy zum Beispiel, den Milan Peschel als fahrigen, nervös plappernden, unreifen Mann gibt, als Jongleur der großen Worte. Während Marie Bäumers Hanna standfest und bodenbehaftet scheint und doch unter der Haut aufgewühlt ist. Oder Hannas Vater, der zum Geburtstag im Sportwagen und mit junger russischer Geliebter auftaucht und den großen Maxe gibt, der die Wahrheit für sich gepachtet zu haben scheint.

    Am Ende, nachdem gar nicht viel passiert ist und eigentlich doch so viel, fügt sich alles wieder in feste Formen. Und vielleicht haben sie ja was gelernt über eine Einstellung zum Leben, die beständig ist, auf der wirkliche Liebe wachsen kann. Vielleicht auch nicht; auf jeden Fall müssen sie ganz von vorne beginnen, beim neu Kennenlernen.

    Fazit: Sommerliches Bäumchen-Wechsel-Dich-Spiel, nach Goethes Klassiker, aber ganz modern, frisch und einfühlsam inszeniert.
  • Dramatische Viererkonstellation frei nach Goethes „Wahlverwandtschaften“ mit emotionalen Spannungen und einem versöhnlichem Ende.

    Drehbuchautor und Regisseur Sebastian Schipper steht mit seinen Filmen („Absolute Giganten“, „Ein Freund von mir“) für stille Beobachtungsgabe und leise Töne. Die Geschichte von zwei Männern und zwei Frauen, die im Sommer in einem alten und renovierungsbedürftigen Haus aufeinander treffen, ist als Filmthema nicht unbedingt neu, aber Schipper geht es sehr bedächtig, dennoch mit großer Leichtigkeit und ohne eine Spur von Pathos an.

    Hanna und Thomas lieben sich, passen aber nicht so richtig zusammen. Dss zeigt sich schon in der ersten Szene. Während sie noch schläft, dreht er den CD-Player auf, sie dagegen bringt ihm ganz fürsorglich die Zahnbürste. Die beiden fahren zu ihrem neuen Haus auf dem Land, wollen es nach ihrem Geschmack einrichten. Er denkt wenig, sie überlegt vielleicht zu viel, er haut eine Tür ins Gemäuer, ohne zu wissen, ob die Statik hält, sie freut schon ein bisschen Zweisamkeit. Unerwartet kündigt sich Thomas‘ Bruder an, ein erfolgreicher Architekt und gerade von Frau und Kind verlassen, und dann kommt noch die junge Augustine zu Besuch, Hannas „Patenkind“, die mit ihren Reizen nicht geizt und Thomas verführt. Was so wenig überrascht wie das Verständnis zwischen Hanna und ihrem zuverlässigen Schwager.

    Marie Bäumer spielt so zurückgenommen, dass sie manchmal fast in den Hintergrund tritt und Milan Peschel als Kindskopf und André Hennicke als ernsthafter Gegenpart das schauspielerische Zepter übernehmen, derweil Anna Brüggemann fein dosiert zwischen jugendlicher Unschuld und Berechnung schwankt. Das Drama übernimmt die Grundstruktur von Goethes Wahlverwandtschaften, ohne in einer Tragödie zu enden. Alles geschieht beiläufig, die Einkäufe im Baumarkt, Dinner bei Kerzenlicht, Diskussionen, ob man tote Tiere essen darf oder ein Besäufnis mit billigem Tetrapack-Wein an der Tankstelle. Die Liebenden verlieren und finden sich, dazwischen tastende und nicht ernst gemeinte Befreiungsversuche. Der eigens für den Film von Vic Chesnutt komponierte Soundtrack unterstreicht die ambivalente Atmosphäre und den manchmal etwas verhaltenen Gefühlsreigen, aber auch das Sehnen in einer seidigen Sommernacht. Viel wird über Bilder erzählt, weniger mit Worten in diesem unprätentiösen Mix aus Versuchsanordnung und sanftem Beziehungsporträt. Das Leben ist ein langer Fluss, auch wenn man erst Mitte/Ende 30 ist. mk.

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