Filmhandlung und Hintergrund

Tragikomödie mit Chiara Schoras, die ein ernstes Thema heiter verpackt. Auf den ersten Blick ist das ein typischer Komödienstoff: Ohne Ankündigung stehen plötzlich die vor zwanzig Jahren ausgewanderten Eltern vor der Tür; und wie sich schließlich rausstellt, wollen sie auch nicht wieder weg. Der Titel dieser zunächst harmlosen ZDF-Unterhaltung ist allerdings ausgemachter Unfug, denn niemand fällt hier mit der...

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  • Tragikomödie mit Chiara Schoras, die ein ernstes Thema heiter verpackt.

    Auf den ersten Blick ist das ein typischer Komödienstoff: Ohne Ankündigung stehen plötzlich die vor zwanzig Jahren ausgewanderten Eltern vor der Tür; und wie sich schließlich rausstellt, wollen sie auch nicht wieder weg. Der Titel dieser zunächst harmlosen ZDF-Unterhaltung ist allerdings ausgemachter Unfug, denn niemand fällt hier mit der Tür ins Haus, im Gegenteil. Wenn schon Redensart, dann schleichen sie ewig lang um den heißen Brei, denn Wolfgang und Hanne Kaffenberg (Hansjürgen Hürrig, Ruth Reinecke) schaffen es einfach nicht, ihrer Tochter Nora (Chiara Schoras) die Wahrheit zu sagen: Sie kehren mit einem Haufen Schulden aus Island zurück. Wolfgang muss deshalb eine Hypothek auf das Haus der Kaffenbergs aufnehmen, in dem Nora mit ihrem Sohn lebt; und dann gibt es noch etwas, das er sich nicht zu sagen traut.

    Buch und Regie folgen dem bewährten Muster, ein ernstes Thema in eine muntere Handlung zu betten und das filmische Vorzeichen nach und nach zu verändern; das ZDF hat vor einigen Jahren mit „Mama geht nicht mehr“ eine ganz ähnliche Geschichte erzählt. Deshalb ist der Film zunächst in erster Linie spaßig: Mutter Hanne geht ihrer Tochter alsbald auf die Nerven, weil sie im einstigen Eigenheim umgehend wieder die alte Ordnung herstellt. Natürlich mischen sich die Alten in die Erziehung des 14jährigen Linus (Paul Sundheim) ein. Zu allem Überfluss muss Nora auch noch Khalid (Kai Albrecht) unterbringen, den attraktiven marokkanischen Urlaubsflirt ihrer verheirateten Mitarbeiterin und Freundin Felicitas (Alice von Lindenau). Trotzdem ist „Mit der Tür ins Haus“ im Grunde ein Drama (Buch: Sandra Lüpkes und Jürgen Kehrer): Noras Verhältnis zu den Eltern ist zwiespältig, weil sie sich einst als junge Frau im Stich gelassen fühlte.

    Karola Meeder, die für das ZDF schon eine Vielzahl filmischen Zeitvertreibs im Rahmen von Reihen wie „Traumschiff“, „Kreuzfahrt ins Glück“ oder „Inga Lindström“ gedreht und mit „Anne und der König von Dresden“ (2017) für eine der schönsten ZDF-Sonntagsromanzen der letzten Jahre gesorgt hat, inszeniert die Geschichte im guten Sinne routiniert. Es gibt einige lustige Szenen, die größtenteils auf Missverständnissen basieren, aber witzig umgesetzt und von Chiara Schoras amüsant gespielt sind: Als Khalid vor der Tür steht, hält sie ihn für den Wellness-Masseur, den Feli ihr zum Geburtstag geschenkt hat; eine Einladung, die der Marokkaner gern annimmt. Später verfängt sich ein Lockenstab in ihren Haaren; das Kopftuch, das sie sich kurzerhand anzieht, hat angesichts eines mutmaßlichen muslimischen Liebhabers natürlich eine gewisse Symbolkraft.

    Längst nicht so ulkig wie sicherlich erhofft sind dagegen die Meinungsverschiedenheiten mit „Alara“. Die digitale Sprachassistentin mischt sich gern ungefragt in Noras Leben ein oder sorgt mit lautem Weckruf dafür, dass sie vom Sofa purzelt; dabei hat der Film diese Art von Humor gar nicht nötig. Gegen Ende ist die Komödie ohnehin nicht mehr komisch, ohne allerdings wirklich zum Drama zu werden. Mit der absehbaren Pflegebedürftigkeit des Vaters wird immerhin ein ernstes Thema angeschnitten, zumal Hansjürgen Hürrig die entsprechenden Szenen sehr anrührend spielt. Hin und wieder taucht zwar ein nur für Wolfgang sichtbares Lama auf, aber ansonsten verzichtet der Film darauf, die Krankheit für billige Demenz-Scherze auszuschlachten. Der Vater ist vielmehr die tragische Figur der Geschichte: Früher hatte er immer alles im Griff, heute bleibt nicht mal mehr das im Garten aufgebaute Familienzelt stehen. Trotzdem trägt „Mit der Tür ins Haus“ seinen etwas polterigen Titel angesichts des eher unsubtilen Humors nicht zu Unrecht. tpg.

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