Mit Burnout durch den Wald

  1. Ø 5
   2014
Mit Burnout durch den Wald Poster
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Filmhandlung und Hintergrund

Mit Burnout durch den Wald: Sehenswerte Ensemble-Komödie über gestresste Großstädter, die gemeinsam die Stille entdecken.

Das Leben von sechs Berlinern ist gehörig in Schieflage geraten. Die einen sind überfordert, die anderen haben verlernt, ihren Gefühlen zu vertrauen, ein Langzeitarbeitsloser sieht keine Perspektive mehr, ein Rentnerehepaar hat völlig unterschiedliche Vorstellungen vom Lebensabend. Therapeutin Hannah verdonnert die Burnout-gefährdeten Großstädter zu einer Gruppentherapie in der Märkischen Schweiz. Die Teilnehmer sind skeptisch, aber dann entpuppt sich das Experiment als Reise ins ich.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

  • Auf den ersten Blick mögen Konstruktion und Konstellation etwas schlicht wirken, doch dank eines treffend zusammengestellten Ensembles entwickelt diese Komödie eine Menge Tiefgang.

    Das Handlungsmuster ist denkbar einfach: Sechs gestresste Großstädter sollen bei einer Gruppentherapie am Busen der Natur in der Märkischen Schweiz „durch die Stille waten“ und damit zu sich selbst und ihren wahren Wünschen finden. Die seelischen Beschädigungen der Figuren entsprechen den handelsüblichen Klischees: Die alleinerziehende Lehrerin Silvia (Stefanie Stappenbeck) kompensiert die Überforderungen durch Berufsleben und Haushalt mit Kaufsucht, Unternehmensberater Johann (Max von Pufendorf) hat vor lauter Kosten/Nutzen-Kalkulationen verlernt, seinen Gefühlen zu vertrauen, Künstlerin Rosa (Paula Kalenberg) lässt sich in einer Werbeagentur ausbeuten und hat mehrere Beziehungen gleichzeitig. Gegenentwürfe zu den jungen Leuten sind drei Menschen, die einen großen Teil ihres Lebens schon hinter sich haben: Der graue Alfred (Martin Brambach) war mal Lektor, ist seit acht Jahren arbeitslos und unfreiwillig Single, seit ihn seine Frau vor kurzem verlassen hat. Ein Rentnerehepaar (Jutta Speidel, Walter Kreye) ist dagegen ein spezieller Fall: Während Herbert den Ruhestand nutzen will, um die Welt zu bereisen, sieht die fatalistische Gudrun keinen Sinn mehr in ihrem Leben; für sie ist das Alter wie das Warten auf den Tod.

    Die Skizzierungen der Figuren, die sich Autor Markus Altmeyer für sein erstes verfilmtes Drehbuch ausgedacht hat, sind zunächst zwar etwas eindimensional, doch gerade die erfahrenen Schauspieler lassen die wandelnden Stereotype zu Menschen werden, weil sich im Zusammenspiel des Sextetts gerade auch durch die Konfrontation mit der siebten im Bunde neue Facetten ergeben: Therapeutin Hannah (Birge Schade) hat sich bei der Zusammenstellung des Sextetts durchaus was gedacht, und die meisten der Vorfälle, die sich im Verlauf der mehrtägigen Gruppentherapie ereignen, sind längst nicht so zufällig, wie die Teilnehmer zunächst glauben. Dass beim nächtlichen Ausflug die Zelte abbrennen, gehörte zwar nicht zum Plan, aber anschließend finden die Männer und Frauen am Ende einer 36-stündigen Wachphase jeder für sich den Schlüssel zur Erkenntnis.

    Dank der Umsetzung durch Michael Rowitz vermeidet der Film zudem die durchaus vorhandene Gefahr, allzu klamottig zu werden. Gerade Martin Brambach meistert seine mitunter fast clownesken Slapstickszenen mit Bravour und alter Schule. Alfred ist die vielleicht tragischste Figur der Geschichte und wie geschaffen für diesen großartigen Schauspieler, weil er die diversen Missgeschicke mit großer Würde erträgt, aber bei allem Berliner Mutterwitz immer wieder eine große Verletztheit durchschimmern lässt. Alfred erlebt auch den gleichzeitig schönsten und bedrückendsten Moment des Films: Die attraktive Frau, die als einzige über seinen Standard-Anmachspruch lacht, entpuppt sich als Prostituierte. Ein einfacher, aber effizienter Lichteffekt unterstreicht die Bedeutung der Szene: Eigentlich ist es Nacht, aber für Alfred geht in diesem Moment die Sonne auf; und anschließend ebenso rasch wieder unter.

    Beim Einstieg in die Geschichte setzen Rowitz und Kameramann Roman Nowocien auf einen ganz ähnlichen Kontrast: Zu Hannahs einführenden Worten ist Berlin dank Bildgestaltung, Schnitt und Sounddesign ausgesprochen hektisch, kakophonisch, grau und unwirtlich; zum Stichwort „innehalten“ folgt ein Schnitt aufs herbstlich bunte, angenehm ruhige und anheimelnde Brandenburg. Auch in der Natur ist Nowociens Kameraführung recht beschwingt, so dass „Mit Burnout durch den Wald“ ein in jeder Hinsicht gelungener Beleg für die neue junge Filmphilosophie der Degeto ist. tpg.

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