Miral Poster

Fakten und Hintergründe zum Film "Miral"

Kino.de Redaktion  

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Anmerkungen des Regisseurs

Der Film basiert auf dem Buch „Miral – Ein Land. Drei Frauen. Ein gemeinsamer Traum.“ (btb Verlag) von Rula Jebreal. Als ich es las, sah ich es als Film vor mir und verspürte den starken Drang, diese Geschichte umzusetzen. Das Buch handelt von Bildung und Erziehung, von Liebe, von Menschen und Hoffnung. Es erzählt die persönlichen Geschichten von vier arabisch-israelischen Frauen vor dem Hintergrund der komplexen politischen Realität der Region von der Gründung des Staates Israel 1948 bis zu der Hoffnung, die das Friedensabkommen von Oslo 1994 schürte.

Die erste dieser Frauen ist Hind Husseini, eine Palästinenserin, die ihr Leben den Waisenkindern gewidmet hat. Als sie 1948 fünfundfünfzig Kinder verlassen in den Straßen von Jerusalem fand, gründete sie das Dar–Al-Tifl-Waisenhaus, das für mehr als dreitausend Mädchen zu einem Zuhause wurde. Anfangs finanzierte sie es aus eigener Tasche, aus dem, was ihr von dem Besitz ihrer Familie geblieben war, und schuf damit eine Oase für junge palästinensische Mädchen. Ich glaube, es besteht ein riesiger Unterschied zwischen einem Kind, das in dieser Atmosphäre aufwächst, und einem, das in einem Flüchtlingslager groß wird, in dem es durch eine Betonmauer vom Rest der Welt getrennt ist. In dieser Geschichte sehen wir beide Welten.

Miral ist ein junges Mädchen, das in Dar Al-Tifl ihre Ausbildung erhielt. Sie ist das nicht voraussagbare Resultat von Hinds Liebe und Erziehung, ebenso wie sie das schwierige Erbe ihrer Familie trägt. Im Drehbuch heißt es an einer frühen Stelle: „Miral ist eine rote Blume, die am Straßenrand wächst. Wahrscheinlich habt ihr schon Millionen davon gesehen.“ Die meisten Menschen fahren die Straße entlang, ohne ihre Schönheit zu bemerken.

Ich habe mein Leben lang die Geschichte des israelischen Staates verfolgt. Als Kind in New York City habe ich mit meinen Eltern „Exodus“ von Otto Preminger im Rivoli Theatre in Manhattan gesehen. Alle standen auf und legten ihre Hand aufs Herz, während sie die Hatikwa sangen. Meine Mutter und mein Vater waren sehr, sehr stolz. Kürzlich erfuhr ich von meiner Schwester, dass meine Mutter die Vorsitzende der zionistischen Frauenbewegung Hadassah in Brooklyn war … 1948, im Jahr der Gründung des Staates Israel. Vor zwanzig Jahren hatte ich eine Ausstellung meiner Bilder im Israel Museum in Jerusalem. Meine Eltern hatten eigentlich vor zu kommen, taten es dann aber wegen des Beginns der Intifada doch nicht.

Bis ich Rulas Buch las, wusste ich nicht viel über die Palästinenser. Ich bin ein Künstler, kein politischer Experte. Ich versuche auch nicht, einer zu sein. Der Film deckt die Zeitspanne von 1948 bis 1994 ab, als diese Figuren historische Momente durchlebten und historische Momente schufen. Es ist ihre Geschichte.

(Julian Schnabel)

De Buchautorin über den Film

Jede der in meinem Buch und in diesem Film erzählten Geschichten ist wahr. Ich habe Namen ausgetauscht und Ereignisse verknüpft, ich habe verschiedene Persönlichkeiten und Figuren miteinander verschmolzen – aber alles ist wahr. Im Mittleren Osten gibt es keinen Raum für die Fantasie. Man kann nur das erzählen, was man mit eigenen Augen gesehen hat. Dieser Ort nötigt einen jeden Tag dazu, sich zu entscheiden, wer man ist und was man tun muss. Man ist dazu gezwungen.

Nachdem ich Jerusalem verlassen hatte, um nach Europa zu gehen, hatte ich das Gefühl, meiner Erinnerungen, meiner Identität beraubt worden zu sein. Ich begriff, dass ich meine Geschichte erzählen musste, dass ich meine Vergangenheit mit meiner Zukunft verbinden musste, nicht nur weil das für mich wichtig war, sondern auch, weil es so viele Mädchen gibt, die dasselbe erlebt haben und es noch erleben. Miral, das bin zum Teil ich selbst … Aber sie ist zugleich auch alle diese Mädchen. Ich habe dieses Buch für meine Kinder geschrieben, für meine Tochter Miral und für all die anderen Mirals, die immer noch in Jerusalem leben.

Bei der Adaption meines Buchs zu einem Film war es für Julian von zentraler Wichtigkeit, die Offenheit und Ehrlichkeit der Geschichten und Charaktere zu erhalten. Er hat mich so viel gefragt – wer, wo, was und warum. Er hat versucht, das Thema in seiner ganzen Tiefe zu erfassen. Als wir anfingen, die Drehorte auszusuchen und die Rollen zu besetzen, wollte er überall hingehen. Er wollte alles mit eigenen Augen sehen, er wollte mit Menschen sprechen, die unterschiedliche Perspektiven hatten. Wir fuhren nach Ramallah, nach Jaffa, in die Flüchtlingslager. Er wollte die inneren Konflikte verstehen, die die Palästinenser spalten.

Wie es Miral ergeht, so kam auch ich irgendwann an einen Punkt, an dem ich das Gefühl hatte, mich einmischen zu müssen. Aber heute kann ich sagen, dass die Liebe und die Werte, die ich von Hind Husseini bekommen habe – die an die Kraft der Bildung und Erziehung glaubte –, mir das Leben gerettet haben. Später hatte ich die Gelegenheit, Konflikte in Irak, Afghanistan und Pakistan als Journalistin mitzuerleben, und dabei zu begreifen, dass Bildung tatsächlich die beste Waffe ist. Das zeigen auch Mirals Leben und dieser Film. MIRAL zeigt, wie Bildung Fanatismus demontieren und entwaffnen kann.

Heute scheint es so häufig, als könnten die militärischen Antworten, über die nachgedacht wird, Lösungen sein – und doch sind Diplomatie und Frieden die einzige wahre Hoffnung für normale Menschen, die versuchen, ein normales Leben zu führen.

(Rula Jebreal)

Über die Produktion

Wenige Themen erzeugen so viel Hitze, Leidenschaft und Wut wie der israelisch-palästinensische Konflikt, und nur wenige Filme wagen es, dieses Thema überhaupt anzuschneiden, ganz gleich aus welcher Perspektive. Julian Schnabel geht es auf einer ganz und gar menschlichen Dimension an, indem er in MIRAL vor dem Hintergrund des seit einem halben Jahrhundert andauernden Konflikts die Geschichte von vier verschiedenen Frauen erzählt. Diese Frauen finden Verzweiflung und Mut, Trotz und Großzügigkeit, Trauer und Weisheit, Angst und Liebe, während sie im Wechsel versuchen, eine zerrüttete Welt zu überleben, ihr etwas entgegenzusetzen und sie zu verbessern. Der Film spannt einen Bogen von 1948 bis 1994; seine miteinander verwobenen Erzählstränge zeichnen die Umrisse der Geschichte von der Gründung des Staates Israel bis zum Ende der ersten Intifada und der flüchtigen Hoffnung durch die Friedensvereinbarung von Oslo nach.

MIRAL ist Schnabels vierter Spielfilm. Als einer der bekanntesten lebenden amerikanischen Maler hat er es geschafft, auch als Filmemacher, der mit Menschlichkeit, Gefühl und intuitiver Schönheit das Gefüge des modernen Lebens erforscht, viel Anerkennung zu gewinnen. Seine ersten drei Filme – „Basquiat“ (1996), ein Porträt des New Yorker Künstlers der 1980er Jahre, „Bevor es Nacht wird“ („Before Night Falls“, 2000), eine Biografie des verfolgten kubanischen Schriftstellers Reinaldo Arenas, die Javier Bardem Nominierungen sowohl für den Oscar® als auch für den Golden Globe® einbrachte, und „Schmetterling und Taucherglocke“ („The Diving Bell and the Butterfly“, 2007), die vielfach Oscar®-nominierte Geschichte über den geistigen Triumph eines gelähmten Autors – widmen sich alle schwierigen Sujets, deren überraschende sinnliche Beschaffenheit und Lebendigkeit sie offenlegen.

Mit MIRAL schlägt Schnabel zwar in mancherlei Hinsicht eine neue Richtung ein, aber dennoch knüpft auch dieser Film stark an seine Tradition an. Sobald Schnabel Genaueres über die Situation im Mittleren Osten erfuhr, hatte er das Gefühl, dass dieses Thema etwas sehr speziell Filmisches hatte und sich dafür eignete, die grundlegendsten, ursprünglichsten emotionalen Ebenen anzusprechen – besonders, wenn man vor Ort in Israel und den Palästinensergebieten einschließlich der Flüchtlingslager für heimatvertriebene Palästinenser dreht und die Kamera die Kontraste zwischen Schönheit und Gewalt, Wut und Lebensfreude offenlegt. „Ich fand, zu diesem Medium zu greifen, ist genau das, was ich tun muss“, sagt Schnabel. „Dies ist ein Sujet, das meine spezielle Sicht der Dinge vielleicht gebrauchen kann.“

Schnabel fühlte sich stark von der Geschichte von MIRAL angezogen, nachdem er den gleichnamigen Roman der bekannten, in Italien arbeitenden palästinensischen Journalistin Rula Jebreal gelesen hatte. Jebreal eröffnete Julian Schnabel mit ihrem sehr persönlichen, semi-autobiografischen Porträt von vier Frauen, die in diesem Chaos gefangen sind, einen Zugang zu der emotionalen Realität des alltäglichen Lebens der Palästinenser. Ihre Geschichte beginnt mit einer realen Figur, der heldenhaften Hind Husseini, die 1948 zur lebenden Legende und weltbekannten Philanthropin wurde, als sie fünfundfünfzig Flüchtlingskinder aus den Straßen von Jerusalem bei sich aufnahm und eine Schule und ein Heim für allein gelassene, vom Krieg traumatisierte palästinensische Mädchen gründete, weil sie unbedingt etwas für sie tun wollte.

Danach unternimmt Jebreal einen zwanzig Jahre umfassenden Zeitsprung in die instabilen 1960er und kontrastiert Hinds Geschichte mit der zweier Frauen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, die sich in einem israelischen Gefängnis kennenlernen: Die eine – Fatima – ist eine Krankenschwester, die sich aus Wut über das, was sie gesehen und erlebt hat, der Rebellion und Gewalt zuwendet; die zweite Frauenfigur – Nadia – hat Züge von Jebreals eigener Mutter; Nadia ist als Teenager vor sexuellem Missbrauch davongelaufen und bewundert Fatima für ihre Entschlossenheit.

Nadia heiratet schließlich Fatimas älteren Bruder; ihre Tochter – Miral – schließt den Kreis der Geschichte, denn aufgrund tragischer Umstände wächst sie in Hind Husseinis Einrichtung für Mädchen auf. Dort bekommt Miral eine neue Chance für ihr Leben geschenkt – aber als sie Jahre später in einem Flüchtlingslager unterrichtet, wird sie mit der erschütternden Realität der Intifada in den 90er Jahren konfrontiert.

Produktion: Die Buchvorlage

Die ungeschönte Ehrlichkeit der Figuren Rula Jebreals rührt daher, dass sie in Mirals Geschichte sehr stark ihre eigene Geschichte erzählt – die wiederum das Leben vieler anderer widerspiegelt, die mitten in eine der hitzigsten Konfliktzonen der Welt hineingeboren wurden.

Wie Miral lebte auch Rula Jebreal als Kind in schwierigen Verhältnissen, bevor ihr Leben in Hind Husseinis Schule eine neue Richtung nahm – und wie Miral traf auch sie die Entscheidung, weitere Bildung der Gewalt vorzuziehen. „Jede dieser Figuren hat irgendeinen Bezug zu mir selbst, meinem gesamten Lebensumfeld, meiner ganzen Gesellschaft und Kultur“, sagt Jebreal. „Ich wollte etwas über vier Frauen – Hind, Nadia, Fatima und Miral – schreiben, die die ganze Generation repräsentieren, die von der ersten Intifada in Mitleidenschaft gezogen wurde. Sie sind Mädchen wie ich, die in eine instabile Gesellschaft hineingeboren wurden.“

Ihr Buch erschien 2004 erstmals in Italien, doch die Arbeit an der Filmadaption wirbelte Jebreal noch weiter zurück in ihre fragilsten Erinnerungen und Gefühle. „Wenn man ein Buch schreibt, ist das ein individueller Prozess, und man legt seine Seele hinein. Aber wenn man es in einen Film umwandelt, ist man viel mehr Fragen, Diskussionen und Debatten ausgesetzt“, erklärt sie. „Die Zusammenarbeit mit Julian führte dazu, dass ich Erinnerungen wiederentdeckte, die ich zwar nicht verloren hatte, die aber nicht mehr in meinem Kopf und in meinem Herzen präsent waren. Die Debatten, die wir führten, machten jede Figur größer, tiefer und stärker. Das war ein großartiges Abenteuer.“

Zu diesem Abenteuer gehörte die Unterweisung Schnabels, und Jebreal freute sich zu sehen, dass er mit unverstelltem Blick an das häufig ideologisch überfrachtete Thema heranging, da er nie näher damit konfrontiert gewesen war und kein vorgefertigtes Wissen mitbrachte. „Als wir anfingen, darüber zu reden, begriff ich, dass Julian nur wenig über den Konflikt wusste, darüber, wer die Palästinenser sind, oder auch nur warum es diesen Konflikt gibt“, berichtet sie. „Aber er brachte eine riesige Neugier mit. Er war sehr begierig zu erfahren, wie es wirklich ist, in diesem Teil der Welt zu leben. Sein Blick war sehr unschuldig und unverstellt. Zugleich erkannte ich, dass er MIRAL für die Zukunft seiner Kinder machen wollte, so wie er ‚Schmetterling und Taucherglocke‘ für seinen Vater gemacht hatte.“

Produktion: Das Drehbuch

Das Schreiben des Drehbuchs bot Jebreal auch die Gelegenheit, ihre Hommage an Hind Husseini zu vertiefen, die eine so immens wichtige Kraft in ihrem eigenen Leben war und für viele Frauen – palästinensische wie nichtpalästinensische – noch immer eine Heldin ist. „Hind war meine Mentorin, meine Mutter. Sie ist ein Teil meines Gehirns, meines Herzens und meines Gewissens“, sagt Jebreal. „Sie hat mir das Vertrauen geschenkt, dass es nichts gibt, was man nicht tun kann, dass man mit harter Arbeit, Studium und Würde alles erreichen kann. Ich hoffe, dass dieser Film sie und den Platz, den sie hinterlässt, ehrt.“

Es ist eine von Jebreals größten Hoffnungen, dass der Film die Leidenschaft wiedererweckt, die es einer Frau wie Hind Husseini erlaubt hat, so vielen Kindern dabei zu helfen, in ihrem Leben etwas zu erreichen und die Brutalität und Unterdrückung um sie herum hinter sich zu lassen. „Ich bin so traurig, wenn ich mir heute meine Schule ansehe, weil jetzt nur noch dreihundert Kinder das Internat besuchen. Es gibt Mädchen und Jungen in Gaza, Waisen, wie ich eine war, die nur darauf warten, dass jemand kommt und ihnen hilft“, erklärt Jebreal. „Mittlerweile können sie nicht mehr zur Schule gelangen, um dort Unterricht zu bekommen und damit Hoffnung für die Zukunft zu finden. Für mich ist es ganz wesentlich, dass wir Hinds Projekt fortsetzen und vielen Mädchen und vielen Generationen neue Hoffnung vermitteln.“

Für Schnabel handelt Jebreals Geschichte davon, wie die junge Miral in die Welt kommt und sich dort für einen Weg entscheidet, ebenso von Bürgerrechten als auch von persönlichen Werten wie Liebe, Vergebung und Bildung. „Miral ist die Erbin all der Belastungen, Ängste und psychologischen Schwierigkeiten, die sich in dieser Zeitspanne für das palästinensische Volk angehäuft haben“, konstatiert er. „Der Film erzählt von Kindern und davon, dass sie nicht von Beginn an gewalttätig oder gar politisch sind.“

Produktion: Die Dreharbeiten

Nach einer Erkundungsreise nach Israel, die einen tiefen Eindruck bei Schnabel hinterlassen hatte, war er davon überzeugt, dass sein Film einen direkteren, emotionaleren Zugang zu einer Welt schaffen könnte, die sonst meist nur in kurzen, knappen Ausschnitten in den Nachrichten gezeigt wird. „Ich glaube, eins der wichtigen Dinge an diesem Film ist, dass er zeigt, dass die Palästinenser genauso sind wie jedes andere Volk“, kommentiert der Regisseur. „Sie wollen ein Zuhause haben; sie wollen morgens zur Arbeit gehen; sie wollen sehen, wie ihre Kinder von der Schule nach Hause kommen; und sie wollen auf keinen Fall sehen, wie ihre Kinder getötet werden.“

Schnabels vordringliches Interesse ist es, Menschlichkeit über seine Bildersprache zu transportieren, dabei gibt er jedoch nicht vor, objektiv zu sein. „Dies ist eine Geschichte, die sich im Rahmen von konkreten historischen Ereignissen abspielt. Aber sie ist auch expressionistisch und hoch subjektiv“, stellt er unmissverständlich klar. „Ich ahnte, dass ich nur wirklich etwas lernen konnte, wenn ich selbst hierherkomme, in diese Welt eintauche und Leute von allen Seiten treffe. Ich wollte diesen Film machen, um für mich selbst herauszufinden, was ich für die Wahrheit halte, und die habe ich dabei entdeckt.“

Zur treibenden Kraft wurde für Schnabel wie für Jebreal schließlich die beständige Hoffnung auf eine echte Chance für Frieden und Versöhnung. Und tatsächlich hat ihn der Entstehungsprozess dieses Films mit einer Crew, die sowohl aus Palästinensern als auch aus Israelis bestand, nur noch mehr davon überzeugt, dass viele sich danach sehnen, diesen so wichtigen gemeinsamen Nenner zu finden. „Wir hätten diesen Film nicht machen können ohne die Unterstützung der Palästinenser wie der Israelis“, stellt er fest. „Wir hatten Juden und Araber in unserem Team, die problemlos zusammengearbeitet haben. Nicht nur Not macht erfinderisch, auch Notwendigkeit.“

Und er fährt fort: „Wissen Sie, wenn die Politiker es nicht hinkriegen, dann kriegen es vielleicht die normalen Leute hin. Vielleicht auch die Künstler. Vielleicht hilft ein Film den Menschen dabei, einander einfach ein bisschen freundlicher und verständnisvoller zu begegnen.“

Abbass und Pinto werden in diesem Film von einer internationalen Besetzung begleitet. Dazu gehören: die palästinensisch-französische Schauspielerin Yasmine Al Masri („Caramel“, 2007) als Mirals Mutter Nadia, die von einem schwierigen Zuhause wegläuft und in eine Gesellschaft kommt, in der das Chaos regiert; Ruba Bial („The Bubble – Eine Liebe in Tel Aviv“, 2006) als inhaftierte Krankenschwester Fatima, die Nadias Mentorin wird; Alexander Siddig („Syriana“) als Mirals Vater Jamal; Omar Metwally („München“, 2005) als Mirals aktivistischer Freund Hani; und die Hollywood-Veteranen Willem Dafoe als Colonel der US-Armee, der bei den UN-Streitkräften arbeitet, sowie Vanessa Redgrave als dessen Tante Bertha, die sich an Hinds Bemühungen beteiligt, die Waisenkinder zu retten.

Um diese Besetzung herum gab es an den Originaldrehplätzen in Jerusalem und den Palästinensergebieten einen Stab, der sie alle inspirierte – einen Stab, den Schnabel sowohl mit Israelis als auch mit Palästinensern bestückte. „Sie waren eine wunderbare Truppe und wir haben alle gut zusammengearbeitet“, erzählt er.

Für Jebreal machte die Vereinigung so vieler Menschen über eine Grenze hinweg, die sehr lange schon viel Misstrauen stiftet, einen Teil der Größe dieser Produktion aus. „Die Idee, den Stab gemischt zu bestücken, war großartig, ebenso wie die Idee, Leute vor Ort zu rekrutieren und sie in den Prozess zu involvieren“, sagt sie.

Und sie fährt mit einer zusammenfassenden Episode fort: „Eines Tages bereitete Julian sich in Ramallah auf den Dreh vor, als ein Mann aus der Gegend plötzlich um ein Megafon bat. Dann sprach er hinein: ‚Wir sollten diesen Leuten dankbar sein. Sie erzählen unsere Geschichte. Sie respektieren uns, also lasst uns ihnen so viel geben, wie wir können.‘ Niemand hatte diesen Mann darum gebeten, das zu tun, aber es zeigte, wie sehr die Menschen vor Ort zu schätzen wussten, was wir taten und wie wir mit ihnen umgegangen sind. Palästinenser und Israelis zusammenarbeiten zu lassen, war nicht leicht, aber die Ergebnisse werden auf der Leinwand zu sehen sein.“

Produktion: Die Besetzung

Die Geschichte von MIRAL beginnt mit einer Frau, deren Güte das Leben von Generationen verändert hat: Hind Husseini, die einunddreißig Jahre alt war und als Lehrerin und Frauenrechtlerin wirkte, als die Feindseligkeiten zwischen vertriebenen Palästinensern, Arabern und dem neuen Staat Israel 1948 zum Krieg führten. Am 9. April, die Luft hallte noch vom Feuer der Waffen wider, verließ Hind ihr Haus, um durch ihr Ost-Jerusalemer Viertel zu gehen. Dabei begegnete sie Dutzenden von zitternden, traumatisierten Kindern, die durch ein Massaker im Dorf Deir Yassin zu Waisen geworden und weggelaufen waren, um sich allein durchzuschlagen. Hind fühlte ihre Verantwortung, ihnen zu helfen, und nahm sie alle mit. Und bald gewährte sie den Kindern Schutz und Unterschlupf in dem eleganten alten Anwesen, das ihr Großvater im 19. Jahrhundert erbaut hatte. Als sie sah, dass das nicht genug war, fing sie an, sie zu unterrichten, und gründete schließlich das Dar Al-Tifl-Institut, ein neues Zuhause für arabische Kinder.

Über die Jahrzehnte gewann das Dar Al-Tifl-Institut hohes Ansehen, zuerst dafür, dass sie den unsichtbarsten Opfern des Krieges – Kindern – halfen, später auch für ihre beträchtliche akademische Sorgfalt. 1967 ging die Schule dazu über, nur noch Mädchen aufzunehmen, weil Hinds vorrangiges Ziel war, Frauen zu ihrem Menschenrecht auf Bildung zu verhelfen. Hind verstarb 1994, kurz vor Ende der ersten Intifada und kurz nach Abschluss der Friedensvereinbarung von Oslo. Schon bald nach ihrem Tod sank die Zahl der Schüler, nachdem die Grenze zwischen Gaza und Jerusalem geschlossen worden war und die Waisenkinder aus dem Gazastreifen dorthin zurückkehren mussten. Auch heute nimmt die Schule weiter eine kleine Anzahl von Waisen auf und kümmert sich um den Unterricht für mehrere Hundert Mädchen, trotz der neuerlichen Schwierigkeiten und Kampfhandlungen in Ost-Jerusalem.

Hiam Abbass spielt die Rolle der Hind Husseini. Ihren Durchbruch hatte Hiam Abbass mit dem Sensations-Independent-Hit „Ein Sommer in New York – The Visitor“ („The Visitor“, 2007), in dem sie die bewegende Rolle einer Immigrantenmutter spielte, die versucht, ihrem inhaftierten Sohn zu helfen. Da die Schauspielerin selbst in Jerusalem gelebt hat, kannte sie die legendäre Hind Husseini und ihre berühmte Schule für Waisenkinder bereits. „Ich hatte jahrelang immer wieder von dieser Schule gehört, und als ich von 1981 bis 1986 in Jerusalem lebte und in einem Theater gleich nebenan arbeitete, sah ich sie endlich mit eigenen Augen“, erinnert sie sich. „Ich bin ein paar Mal zu dieser Schule hingegangen, aber ich hatte nie die Gelegenheit, Hind persönlich kennenzulernen.“

Als sie die Rolle der bekannten Fürsprecherin des Friedens annahm, hoffte Abbass, sich diese Figur anverwandeln zu können, ohne die echte Hind zu imitieren. „Weil Hind für mich eine wahre Heilige ist, wollte ich ihre Art und ihre Gestik nicht nachahmen, da ich das Gefühl hatte, dass das zu künstlich wirken würde“, erklärt sie. „Es war vielmehr mein Wunsch, den Geist dieser Frau mit der Hilfe meines Körpers und meiner Seele zu transportieren.“

„Julian war mit mir der Meinung, dass wir uns mehr auf den Charakter von Hind konzentrieren sollten“, fährt sie fort. „Also las ich sehr viel über sie und sah mir zwei Filme über ihr Leben an. Was mich dabei am meisten beeindruckte, war ihre Würde, ihr Stolz und ihr wahrhaft tiefer Glaube an das, was sie tat.“

Während ihrer Zusammenarbeit mit Schnabel näherte sich Abbass der Figur stark an. „Julian brachte mich dazu, tief in seine Vision einzusteigen. Es gab sehr viel kreatives Vertrauen zwischen ihm als dem Regisseur und mir in der Rolle der Hind“, berichtet sie. „Julian geht es immer um den Moment der Kreation. Im Grunde malt er, aber anstelle von Farben und Pinseln benutzt er die Kamera. Wir, die Darsteller, waren wie die Formen und Farben in seinen Gemälden. Man muss Julian permanent überraschen, und indem ich das tat, überraschte ich mich sehr oft auch selbst.“

Als sie die Rolle der Hind annahm, war Abbass sich der Tatsache bewusst, dass dieser Film kontrovers aufgenommen werden könnte, aber sie war begeistert von Schnabels humanistischem, lebensbejahendem Ansatz. „Für mich ist es wichtig, Geschichten zu erzählen, die etwas darüber aussagen, wer ich bin und wo ich herkomme“, erklärt sie. „Und ich glaube, dass dieser Film sehr wichtig ist, da er individuelle Leben zeigt – er lädt die Leute dazu ein, Menschen zuzusehen, die sich nicht entscheiden können, auf welcher Seite sie stehen. Ich glaube, in diesem Land und in einer Menge anderer konfliktreicher Länder der Welt rühren die Probleme daher, dass die Leute sich gegenseitig nicht als Mitmenschen verstehen und hören.“

Eine weitere Herausforderung für Abbass war es, Hind in den späteren Stadien ihres Lebens zu spielen. Hind ist zwar zu Beginn des Films in ihren Dreißigern, doch bewegt sich der Film durch ihre Fünfziger, Sechziger und Siebziger, während die Handlung voranschreitet und sich mit dem Leben der jungen Miral verwebt. „Es war das erste Mal, dass ich eine Rolle gespielt habe, die so überhaupt nicht meinem wahren Alter entspricht“, gesteht Abbass. „Also habe ich immer versucht, mir den Charakter dieser Frau zu vergegenwärtigen. Denn der hat sich nie verändert. Allerdings hat sie im Laufe ihres Lebens durchaus an Erfahrung dazugewonnen und ihr Stolz ist größer geworden. Für das Gesicht hatte ich ja das Make-up, aber mein Körper musste genauso stark altern wie mein Gesicht. Als ich anfing, Hind in ihren Sechzigern und Siebzigern zu spielen, ließ ich meinen Körper einfach zusammenschrumpfen. Als würde alles an ihm immer schwerer.“

Selbst in Hinds letzten Szenen, in denen ihr Leben endet, suchte Abbass nach dem Licht in ihr. „Am Schluss, wenn Hind geschwächt von ihrer Krankheit ist, hoffe ich, dass man immer noch die unglaubliche Energie dieser Frau spürt, und die Liebe, die sie dem Leben entgegengebracht hat“, fasst sie zusammen. „Sie hatte immer diesen Blick in den Augen, dass nichts sie jemals würde zu Fall bringen können. Sie hatte diese Kraft bis zum allerletzten Moment.“

Hind Husseinis Kraft hatte einen großen Einfluss auf die letzte und jüngste Frau in der Geschichte: Miral, die Titelfigur, die 1978 als siebenjähriges Mädchen in Hinds Waisenhaus kommt und ein schweres Vermächtnis von Frauen erbt, die in ihrem Leben zu verzweifelten Handlungen getrieben wurden – nur um ihren eigenen, sehr anderen Weg zu finden.

Miral wird von Freido Pinto dargestellt, der aufstrebenden jungen Schauspielerin, die die Welt mit ihrem vielversprechenden Debüt in dem Oscar®-prämierten Film „Slumdog Millionär“ („Slumdog Millionaire“, 2008) im Sturm eroberte. Pinto ist in Indien geboren und aufgewachsen, aber obwohl sie ihre Wurzeln an einem vollkommen anderen Ort und in einer vollkommen anderen Zeit hat, haben Mirals Leben und Zeit sie fasziniert und berührt.

„Ich habe eine richtige Beziehung zu Miral und dem, wer sie ist, aufbauen können. Ihre Geschichte ist so menschlich und anrührend“, sagt Pinto, „und die gesamte Erfahrung dieses Films hat mein Leben verändert. Es ist ein Film mit einer wunderbaren Botschaft über den Frieden. Die Figuren sind so tief und vielschichtig, und sie dürfen sich verändern, woraus Hoffnung für ihre Situation wächst.“

Pinto stürzte sich in Recherchen, indem sie Rula Jebreals emotional aufgeladenen Erinnerungen lauschte, mit offenen Augen durch palästinensische Flüchtlingslager lief und dabei die Atmosphäre und die sprachlichen Klänge von Ost-Jerusalem aufsog. All das schlug sich in ihrer Darstellung nieder, deren Naturalismus, wie sie sagt, von Schnabel inspiriert wurde. „Julian mag es, wenn alles organisch bleibt und nichts Künstliches entsteht“, erklärt sie. „Er hilft einem, das für sich zu finden, und gibt einem die Freiheit, es dann so zu präsentieren, wie man es präsentieren möchte.“

Es hat Rula Jebreal stark berührt, Pinto in der Rolle zu sehen, die von ihrem eigenen Leben inspiriert ist. „Freida war eine Offenbarung für uns“, sagt sie. „Wir haben ihr alles Rüstzeug für diese Rolle gegeben, aber sie ist höher geflogen, als wir erwartet hatten. Die unglaubliche Konzentration und die Hingabe, die sie mitbringt, brechen mir das Herz, und ich glaube, man kann ihr wirklich in die Seele schauen. Es hat mich sehr berührt zu sehen, wie dieses junge Mädchen von einem anderen Kontinent hierherkommt und komplett in unsere Kultur eintaucht.“

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