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Millions

   Kinostart: 25.08.2005
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Filmhandlung und Hintergrund

Danny Boyle erzählt eine märchenhafte, schräge Geschichte über zwei Kinder, die versuchen, einen Sack voll Geld auszugeben.

In einer Zeit weit entfernt der unseren, wenn England Ja zum Euro sagt und die letzte Stunde der königlichen Währung geschlagen hat, fällt eine Reisetasche randvoll mit Pfundnoten vom vorbeirasenden Zug geradewegs den Brüdern Damian und Anthony Cunningham (Alex Etel und Lewis McGibbon) vor die Füße. Die aufgeweckten Knaben beschließen, den unverhofften Reichtum so schnell wie möglich unter bedürftige Leute zu bringen. Der Gauner, dem die Beute durch die Lappen ging, hat jedoch andere Pläne.

Trainspotting„-Regisseur Danny Boyle und Michael Winterbottoms Stammautor Frank Cottrell Boyce zeichnen verantwortlich für das moderne Märchen mit spektakulären Darstellerleistungen.

In einer fernen Zeit, in der in Großbritannien der Euro eingeführt wird. Kurz vor dem Währungswechsel fällt dem achtjährigen Halbwaisen Damian eine Tasche voll Geld in den Schoß. Er glaubt an ein Geschenk des Himmels, während sein zehnjähriger Bruder Anthony einen Schatz vermutet, der schnell ausgegeben werden sollte, bevor der rechtmäßige Eigentümer ihn entdeckt.

Eines Tages gerät das reichlich komplizierte Leben der Brüder Anthony und Damian noch weiter aus den Fugen. Als sich Damian im Reihenhaus-Garten, gleich neben dem Bahngleis, aus Umzugskartons eine Burg baut, fällt ihm nämlich ein Sack voll Geld vor die Füße. Die Beute aus einem Raubüberfall ist ein Geschenk des Himmels, glaubt der tief religiöse Damian. Anthony hingegen hält das Geld für einen mysteriösen Schatz. Egal, jetzt muss es gewechselt oder ausgegeben werden, auch wenn die echten Besitzer da anderer Meinung sind.

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Kritiken und Bewertungen

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Kritikerrezensionen

    1. Regisseur Danny Bolye („Trainspotting“, „The Beach“) weiß noch immer zu überraschen. Nach der schmuddelig direkten Zombie-Apokalypse „28 Days Later“ hat er eine volle Kehrtwende gemacht und präsentiert eine so verschrobene wie herzergreifende Tragikkomödie, die – wenn auch bei uns als Sommerfilm startend – einer der wohl feinsten Weihnachtsfilme der letzten und künftigen Jahre ist. Anfangs wähnt man sich noch in einem Film Tim Burtons: zu einer Musik, die sehr an Danny Elfman gemahnt, fügt sich mit Stop-Motion und ähnlichen Tricks das neue Haus der Familie Cunningham zusammen. Doch gottlob verzichtet Boyle den Rest des Films auf solchen Schabernack und weiß sein visuelles Talent besser, sprich dezenter und zugleich effektiver zu nutzen. So wenn die Kamera, Wände überwindend in die einzelnen Zimmer gleitet, um Damien, Anthony und Vater Ronnie beim nächtlichen Zusammenraufen zuzuschauen.

      Neben der sensiblen und zugleich aberwitzigen Regie beeindruckt noch mehr, wie es Doyle und seinem Autoren Frank Cottrell Boyce geglückt ist, aus dem facettenreichen Geschehen eine komplette Geschichte zu schneidern. Die konkrete Thematik der (noch fiktiven) britischen Euro-Einführung fügt sich erstaunlich gut mit der Coming-of-Age Problematik der beiden mutterlosen Brüder; Damiens Wunsch, Gutes zu tun mit den Begegnungen diverser Märtyrer. Und Vaters neue Liebe kommt ebenso dezent daher wie der angenehm klein gehaltene Part des Verbrechers, der seine Beute wiederhaben will.

      All das gibt auch deshalb ein Stück, weil Doyle die Teile „Millions“ mit trocken-leichtem Humor zu verkleben versteht. Das rückt den Film neben seinem Sozialmilieu in die Nähe anderer britischer Erfolgsfilme wie „The Full Monty“. Wenn Damien mit Hilfe Sankt Nikolaus’ Geld armen, weil ohne Spülmaschine und Mikrowelle lebenden Mormonen in den Briefschlitz stopft oder der Heilige Petrus (herrlich: Alun Armstrong) ihm anhand der Sache mit den Broten und Fischen darzulegen versucht, dass Wunder mitunter etwas (allzu)menschliches sind – und trotzdem Wunder bleiben, erinnert das an die durchgeknallte Komik Monty Pythons, aber auch an den naiven Ernst von Saint-Exupérys „Der kleine Prinz“.

      Dass Geld nicht alles ist, weiß Damien schon am Anfang: etwas zum Drankuscheln, aber auch etwas, dass ganz schnell wieder weg ist. Wie Schokolade. Wie schwer es hingegen ist, damit wirklich etwas Gutes zu tun, wie flüchtig derlei Werte überhaupt sind, lernt er erst. Aber immerhin weiß er zuletzt: es ist seine Geschichte. Weshalb die Familie zum Schluss mit einer Pappkartonrakete nach Afrika fliegt um mit einer Pumpe und kostbarem Wasser die Menschen dort glücklich zu machen. Dass der Film nicht spätestens hier zum kitschigen Rührstück wird, überhaupt leichtfüßig die kleinen Plotlöcher und schmalzgefüllten Fettnäpfchen umtanzt, das verdankt man auch dem Umstand, dass konsequent aus Damiens Perspektive erzählt wird. Der sommersprossige Alex Etel verkörpert die Hauptfigur mit der richtigen stoischen Beharrlichkeit, einer, die ans Herz geht. Und auch wenn er und sein Bruder vor allem über altkluge, pointierte Dialoge (Anthony; „What did you bring a thousand pounds to school for? Can't you see that's suspicious?” – Damien: „It's not suspicious, it's unusual.”) für Lacher sorgen: nicht ein einziges Mal gerät “Millions” in Versuchung, sich über sie lustig zu machen.

      Wenn zuletzt Damien in der Weihnachtsnacht nach all den Heiligen endlich auch seine tote Mutter erscheint, hat sich „Millions“ die zwei, drei Tränen in den Augenwinkeln der Zuschauer redlich verdient.

      Fazit: Danny Boyles gelingt mit seinem neuesten Film eine irrwitzige wie berührende Coming-of-Age-Geschichte – nicht zuletzt dank souveräner (Jugend)Darsteller und britisch-absurdem Humor.
    2. Millions: Danny Boyle erzählt eine märchenhafte, schräge Geschichte über zwei Kinder, die versuchen, einen Sack voll Geld auszugeben.

      Millionen wird er nicht einspielen, Millionen hat er nicht gekostet und nicht um Millionen, sondern „nur“ um ein paar hunderttausend gefundene englische Pfund dreht sich Danny Boyles erster Familienfilm. „Millions“, die Geschichte zweier Halbwaisen, die zufällig in den Besitz der Beute aus einem Raubüberfall kommen, besticht durch Herzenswärme, Skurrilität und sorgfältig ausgearbeitete Charaktere. Boyle, sonst eher der Mann für harte Stoffe - siehe „Trainspotting“ oder „28 Days Later“ -, kann also auch anders. Vielleicht mit Blick auf eine neue, jüngere Zielgruppe…

      …die Kinder. Die sind auch seine „neuen Helden“. Der siebenjährige Damian und dessen zwei Jahre älterer Bruder Anthony, deren Mutter gerade gestorben ist. Was den Umzug in ein neues Haus, den Besuch einer neuen Schule zur Folge hat. Anthony kommt mit den veränderten Gegebenheiten recht gut klar, passt sich an, schaut tapfer in die Zukunft. Nicht so Damian, der sich in Traumwelten flüchtet, mit katholischen Heiligen Zwiesprache hält und sich nichts sehnlicher wünscht als dass auch seine Mama heilig gesprochen wird.

      Boyle bleibt sich trotz ungewohnten Genres treu. Gewohnt schräg geht’s zu, unerwartet und diesmal auch magisch - was viel mit dem liebenswerten Drehbuch von Frank Cottrell Boyce, einem regelmäßigen Mitarbeiter Michael Winterbottoms, zu tun hat. Der, selbst Vater von sieben Kindern, kann sich hervorragend in die Geisteswelt seiner Protagonisten hineinversetzen, kennt deren Sorgen und Nöte, weiß um ihre Freuden, Ängste und Geheimnisse.

      Furios gleich der Beginn, wenn im Zeitraffer das neue Heim der Brüder in den Himmel wächst. Wo sich zunächst grüne Wiesen erstrecken, steht Sekunden später eine uniforme Reihenhaussiedlung. Im Garten, gleich neben dem Bahngleis, baut sich Damian aus Umzugskartons eine verwinkelte Burg, seine Einsiedelei, seine Rückzugmöglichkeit. Bis ein Sack voll Geld vom Himmel fällt, mitten hinein in den ohnehin schon reichlich komplizieren Alltag der Geschwister. Ein Geschenk des Himmels - rechtzeitig zum Weihnachtsfest - glaubt Damian, ein mysteriöser Schatz sein Bruder. Egal, das Geld muss gewechselt oder ausgegeben werden. England steht kurz vor der Währungsreform, auch auf den britischen Inseln soll der Euro endlich Einzug halten.

      Danny Boyle schert sich nicht um Konventionen, mischt elegant das Banale mit dem Märchenhaften. Unterläuft den Feelgood-Feiertagsfilm mit einem kurzen, virtuos gestalteten Krimiplot, zollt Federico Fellinis „Amarcord“ Tribut, findet für den überforderten Vater - sympathisch: James Nesbitt aus „Lang lebe Ned Devine!“ - eine neue Frau und führt gar trefflich vor Augen, dass auch Mormonen den Verlockungen der Konsumwelt anheim fallen. Wie Alice im Wunderland kommt man sich vor, beginnt mit den Augen der groß aufspielenden Kinder (Alex Etel & Lewis McGibbon) zu sehen - was einen anderen Blick auf scheinbar bekannte Dinge ermöglicht. Die Fantasie wird angeregt, der Geist Frank Capras beschworen, der Spülstein-Realismus des British Free Cinema zu Grabe getragen. Die Erdanziehungskraft scheint aufgehoben und steht doch im harten Gegensatz zu Anthony Dodd Mantles („Dogville“) schnörkelloser, funktionaler Kameraarbeit. Das Ergebnis: Eine ernste, sehnsuchtsvolle Komödie für jung und alt, verspielt und dann wieder ganz real. Oder vielleicht einfach der Traum von einer besseren Welt. geh.

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