Micmacs - Uns gehört Paris!

  1. Ø 3.5
   2009

Micmacs - Uns gehört Paris!: Fantastisches Abenteuer, in dem Dany Boon als gewitzter Held mit einer Gruppe skurriler Außenseiter den Granden der Waffenindustrie auf der Nase herumtanzt.

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Filmhandlung und Hintergrund

Micmacs - Uns gehört Paris!: Fantastisches Abenteuer, in dem Dany Boon als gewitzter Held mit einer Gruppe skurriler Außenseiter den Granden der Waffenindustrie auf der Nase herumtanzt.

Durch eine Landmine verliert der kleine Bazil seinen Vater und auch die Mutter, die den Tod ihres Mannes nicht verkraftet. Der Junge landet im Heim. 20 Jahre später trifft ihn als Videoverkäufer eine verirrte Pistolenkugel in den Kopf. Als Wohnungsloser wird er von einer Gruppe von Außenseitern aufgenommen, die zu einer Ersatzfamilie für ihn wird. Als Bazil zufällig auf die Waffenkonzerne stößt, die für den Tod seines Vaters und seine Kugel im Kopf verantwortlich sind, schmiedet er mit seinen neuen Freunden einen Plan, die konkurrierenden Waffenhändler gegeneinander auszuspielen.

Darsteller und Crew

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Kritiken und Bewertungen

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    Bazil, durch einen ungewöhnlichen Unfall arbeits- und wohnungslos geworden, schlägt sich mit kleinen Tricks durchs Leben, bis er auf eine Truppe außergewöhnlicher Obdachloser trifft, die mitten in Paris in einer pittoresken Höhle voller erstaunlicher Fundstücke leben. Hier findet Bazil nicht nur clevere Verbündete für seinen aberwitzigen Racheplan an zwei konkurrierenden Waffenhändlern, die für den Tod seines Vaters und die Kugel in seinem Kopf verantwortlich sind - es wartet auf ihn auch die große Liebe! Frankreichs fantasiereichster Regisseur, Jean-Pierre Jeunet, mischt in gewohnter Manier Elemente aus Filmklassikern, Varietéshows und warmherzigen Märchenabenteuern und fügt diese zu einem traumähnlichen Kosmos zusammen. Mit großen französischen Schauspielern und vielen wunderbaren Details zaubert er so das unterhaltsame Märchen einer klugen und heiteren Rachegeschichte, randvoll mit skurrilen Charakteren und ihren sympathischen Verrücktheiten. Lachen ist eben doch die wirksamste Waffe.

    Jurybegründung:

    Eine Fülle von überschäumenden Ideen, eine großartige Hommage an das klassische Genre der Gangsterdramen und Gaunerkomödien, ironisch, witzig, turbulent und mit der Leichtigkeit eines Varietés inszeniert - das alles findet man in dieser vergnüglichen Komödie aus Frankreich. Ernste Themen wie Waffenhandel und das Problem Obdachloser werden hier zu einer Geschichte verarbeitet, die man normalerweise kaum für den Stoff einer Gaunerkomödie halten könnte. Doch der Regisseur Jean-Pierre Jeunet, der unter anderem DELICATESSEN gedreht hat - er zitiert sich mit einer Szene daraus in MICMACS übrigens selbst - geht mit einer solch grandiosen Unverfrorenheit ans Werk, dass seine Geschichte von der Obdachenlosengemeinschaft, die auszieht, zwei üblen Waffenhändlern das Handwerk zu legen, sehr elegant auf dem schmalen Grad zwischen Ernst und Burleske balanciert, ohne abzustürzen.

    Der Held dieser filmischen "Wundertüte", aus der Jeunet immer neue Gags, Filmzitate und märchenhafte Elemente zaubert, ist ein Mann mit tragischer Vergangenheit: Sein Vater stirbt in der Sahara durch eine Tretmiene, die er entsorgen wollte, seine Mutter muss daraufhin in eine psychiatrische Anstalt, der Junge kommt zu strengen Nonnen, entkommt in einem Wäschekorb - auch ein wunderbares Filmzitat - und ist als Erwachsener in einem Videoladen tätig, in dem er nach Herzenslust Gangsterfilme der vierziger Jahre sieht und auswendig lernt. Eines Abends trifft ihn ein Querschläger, den er mühsam überlebt mit der Kugel im Kopf. Arbeitslos wird er auch noch, aber sein Überlebenswille bleibt bestehen. Seine durch Videofilme geschulten Talente nutzt er geschickt aus, indem er zunächst sich im Schatten einer Piaf-Imitation durch vollendetes Mienenspiel Geld "ersingt" - die Münzen gibt er dann an die Möchtegern-Piaf weiter - und schließlich bei einer Gruppe von Obdachlosen landet, die sich unter einem Müllhaufen eine gemütliche Höhle voller nützlichem Schrott eingerichtet haben - alles liebenswerte schräge Typen, deren Palette vom Metallkünstler bis zur Kautschukfrau reicht, von der kochfreudigen Chefin der Bande bis hin zu ihrem Verehrer, dem das Leben im Schrott nicht an der Wiege gesungen wurde, vom "Kanonenmann" bis zum schwarzen Fast-Poeten, der in Sprichwörtern schwelgt. Mit dieser Truppe, deren Fähigkeiten an die großen Fernsehzeiten des Multitalents McGywer erinnern, kann sich der Antiheld des Films daran machen, sowohl den Tod seines Vaters an dem einen Waffenhändler, als auch die eigene Kugel im Kopf an dem anderen Ganoven zu rächen. Denn beide sind Waffenfabrikanten und tragen Mitschuld am Tod und der Verstümmelung zahlreicher Menschen.

    Selbst wenn dieser ungewöhnliche Rachefeldzug gelegentlich in Klamauk ausartet, so verhindert doch der große geistige Filmpate Jeunets, Jacques Tati, der hier als Vorbild dient, den Absturz des Films in bodenlose Blödeleien und garantiert fast zwei Stunden ein Feuerwerk von detailfreudigen, schön inszenierten Szenen aus dem Leben liebenswerter Außenseiter - typisch französisch!

    Quelle: Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)

Kritikerrezensionen

  • „Sch’tis“-Star Dany Boon ergänzt dieses Mal das wunderliche Ensemble des cineastischen Tüftlers Jean-Pierre Jeunet, der eine eigenartige Wunderwelt auf einem Schrottplatz abseits der Pariser Metropole ersann, wo gesellschaftliche Außenseiter ihr geordnetes Dasein fristen. Mit dieser unkonventionellen Equipe zieht Protagonist Bazil gegen skrupellose Waffendealer (darunter André Dussollier und Nicolas Marié) in den Krieg, denen er seine Kugel im Kopf verdankt. Jeder der schrulligen Charaktere besitzt eine spezielle Fähigkeit, welche er oder sie im Kampf gegen die Waffenlobby einzubringen vermag.

    Da gibt es die akrobatisch versierte Schlangenfrau Mademoiselle Kautschuk, die bald ein Auge auf Bazil wirft, Köchin Cassoulette, die bebrillte Vermessungsexpertin Calculette, das wandelnde Ersatzteillager Bricàbrac, der afrikanische Schreibmaschinenfan Remington oder Erfinder und Skulpturenbastler Petit Pierre, die zusammen eine abgedrehte Mannschaft bilden. Neben Danny Boon, der hier auch ernsthafte Töne anschlagen darf, gibt es ein Wiedersehen mit Jeunets Stammschauspielern wie Yolande Moreau oder Knautschgesicht Dominique Pinon. An ihren Charakteren und deren Macken erkennt man sofort die Handschrift des Experten für ausgefallene Fantasiewelten. Mit dem Handlungselement der Landminen fließt ein für den Filmemacher gleichfalls typischer dunkler Akzent in den heiter-poetischen Tonfall ein.

    Allerdings macht es sich Jeunet bei der Figurenzeichnung (fiese Waffenhändler vs. sympathische Loser) etwas einfach. Mochten die Chefzyniker der „Titanic“ oder Autor Max Goldt damals kollektiv auf den Hit „Amélie“ einprügeln, griff bei diesem dialogreichen Paris-Märchen doch ein (Story-)Rädchen präzise ins nächste, weshalb die charmante Liebesgeschichte treffsicher funktionierte. Ebenso wirkt die Rächerstory in Jeunets düsterer Kriegsfabel „Mathilde“, die auf einem Kriminalroman basierte, weitaus stringenter, während der konstruierte „Micmacs“-Plot auf reichlich dünnem Boden steht. Doch die wunderbar poetischen Einfälle und witzigen Slapstickeinalgen, mitunter als überspitzte Kettenreaktion dargeboten, machen die Stereotypen sowie Handlungsschwächen in der Regel wieder wett, so dass man stets magische, mitunter makabere Unterhaltung erhält. Jean-Pierre Jeunets stärkster Film stellt das allerdings nicht dar.

    Fazit: Virtuose, nicht ganz klischeefreie Gaunerkomödie voller skurriler optischer und inhaltlicher Ideen.
  • In Jean-Pierre Jeunets fantastischem Abenteuer tanzt Dany Boon als gewitzter Held mit einer Gruppe von skurrilen Außenseitern den Granden der Waffenindustrie auf der Nase herum.

    Der Kampf zwischen David und Goliath, zwischen dem Schwachen und Starken, daraus lassen sich die besten Kinogeschichten spinnen. Das passende Thema für Jean-Pierre Jeunet, der hier wie Tim Burton oder einst Jacques Tati in ein ganz spezielles Reich der Fantasie entführt. Der Regisseur von „Die fabelhafte Welt der Amélie“ und „Mathilde – Eine große Liebe“ kehrt vor allem optisch zurück in die Welt von „Delicatessen“ und „Die Stadt der verlorenen Kinder“, nur dass hier der Ton nicht düster, sondern von einer neuen Leichtfüßigkeit und Unbeschwertheit geprägt ist, auch wenn der Anfang Unheil verheißt.

    Durch eine Landmine in den 1970er Jahren in Nordafrika verliert der kleine Bazil seinen Vater und auch die Mutter, die den Tod ihres Mannes nicht verkraftet. Der Junge landet im Heim, büchst aus und Schnitt. 20 Jahre später trifft den harmlosen Videoverkäufer eine verirrte Pistolenkugel in den Kopf. Die Kugel bleibt drin, entscheiden die Ärzte nach dem Münzwurf der OP-Schwester. Ein früherer Kleinkrimineller liest den Job- und Wohnungslosen auf der Straße auf und nimmt ihn mit zu einer Gruppe von Außenseitern in einer Art Ali-Baba-Schrotthöhle. Die neue Familie gibt ihm Kraft und als er zufällig auf die zwei Waffenkonzerne stößt, die für den Tod seines Vaters und seine Kugel im Kopf verantwortlich sind, schmieden die Freunde einen Plan, die konkurrierenden Waffenhändler (Nicolas Marié und André Dussollier) gegeneinander auszuspielen.

    Was folgt ist purer Kintopp in seiner schönsten Form. Wie das Trüppchen die „Mission Impossible“ meistert, wird zum Ausflug in ein von Braun-, Grün- und Blautönen dominiertes imaginäres Imperium aus Poesie, Bastelfreude und Komik mit kleinen Anspielungen auf die Rachegeschichten von Sergio Leone und einer Verbeugung vor dem großen Charlie Chaplin. Pate stand der poetische Realismus von Jacques Prévert und Marcel Carné. Jeunet, der den fünften „Harry Potter“-Film absagte, weil da Dekors und Kostüme schon feststanden, spielt wie ein großer Junge mit dem Stilbaukasten und feiert die Lust an der grenzenlosen Fantasie, bringt aber auch – wenn es um die Ziele und Argumente der Waffenfabrikanten geht – Authentizität in die Dialoge. Paris erstrahlt in einer Mischung aus nostalgischem Charme und einem architektonischen Stilmix, wirkt fast märchenhaft mit seinen nächtlichen leeren Straßen. Ein bestens gelungener Kontrast zur Jetztzeit ist am Ende die Entlarvung der Bösewichte auf YouTube. Dany Boon in der Rolle des melancholischen zwischen Kindheit und Erwachsensein schwankenden Bazil beweist in dieser anrührenden Komödie, dass er weit mehr kann als bei den Sch’tis die Ulknudel zu mimen. mk.

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